TA Triumph-Adler AG
Interviewpartner: Dr. Dietmar Scheiter, Vorstandsvorsitzender
Gehaltene Aktien: 980.000 (von 34,7 Mio. Aktien) 3% des Grundkapitals
Das Interview wurde am 04.06.04 geführt. Kurs am 04.06.04 bei 2,80
Euro
Hintergrund:
Für Triumph-Adler, dem größten Kopierer- und Drucker-distributor
in Deutschland, war 2003 ein sehr ereignisreiches Jahr: Zum einen wurde
der Beteiligungsbereich unter großen Verlusten komplett verkauft,
zum anderen hat sich einer der größten Büromaschinenproduzenten
der Welt, die Kyocera-Mita (KM), mit einem Jahresumsatz von zirka 2
Mrd. Euro, mit 25,1% an Triumph-Adler beteiligt. Verkäufer des
Paketes waren Mitglieder des Vorstandes und Aufsichtsrates. KM ist deshalb
so stark an Triumph-Adler interessiert, weil der Nürnberger Distributor
in Deutschland ein Netz von 70 Vertriebs- und Service-büros mit
400 Vertriebsmitarbeitern und 600 Servicetechnikern hat. Wir haben den
Vorstands-vorsitzenden von Triumph-Adler, Herrn Dr.Dietmar Scheiter,
nach den Perspektiven gefragt.
Das Vorstandsinterview (DVI): Derzeit läuft ein
starkes Restrukturierungsprogramm innerhalb von TA, bei dem Sie innerhalb
von zwei Jahren ca. 16 Mio. Euro an Kosten einsparen können. Wie
realistisch sind die oben genannten Umsätze und Erträge?
Herr Dr. Scheiter: Um schlanker und effizienter zu
werden, müssen wir im laufenden Jahr 150 Stellen und im kommenden
Jahr zirka 100 Mitarbeiter abbauen. Außerdem werden wir Zwischen-holdings
eliminieren, die Zahl der operativen Einheiten im Bereich Imaging von
28 auf 12 reduzieren, den Verwaltungsstandort in München schließen
und darüber hinaus noch eine Reihe von weiteren, effizienzsteigernden
Maßnahmen umsetzen. Allein durch den Abbau der Mitarbeiter im
laufenden Jahr sparen wir geplante Kosten in der Größenordnung
von knapp 7,7 Mio. Euro ein. Dazu kommen deutlich niedrigere Mieten
durch nicht mehr benötigte Büroflächen und auch eine
reduzierte Anzahl an Pkw´s.
Was die Umsätze betrifft, sind wir überzeugt,
dass dies eine konservative Planung ist, die wir nach Möglichkeit
überschreiten wollen, denn schon allein im Q1 haben wir –
obwohl der Bereich PMT (Präsentation und Medientechnik) sich unter
unseren Erwartungen entwickelt hat – einen Umsatz von 99 Mio.
Euro erreicht und ein positives EBIT von 1 Mio. Euro erzielt. Wären
keine Rück-stellungen für die gekündigten Mitarbeiter
in München in der Größenordnung von 1,4 Mio. Euro angefallen,
so wäre das EBT im Q1 schon positiv gewesen. Mit den geplanten
Programmen zur Umsatzsteigerung (Großkundenkonzept), die erst
im 2.Halbjahr 2004 greifen werden, gehen wir davon aus, dass wir eine
starke Umsatzentwicklung im Q3 und im Q4 haben werden.
DVI: Herr Dr.Scheiter, im Q1 haben Sie im Bereich Imaging
(Drucken, Faxen und Kopieren) eine Ergebnissteigerung von 4,5 auf 6,5
Mio. Euro erzielen können. Wie wird dieser Bereich nach Ihren Planungen
im laufenden Jahr abschließen?
Herr Dr. Scheiter: Die erfreuliche Ergebnisverbesserung
im Bereich Imaging ist auf die stark gestiegene Zahl an verkauften Einheiten,
aber auch auf die verbesserte Rohmarge zurückzu-führen, die
von 42,7 auf 43,9 gewachsen ist. Hier sehen wir die positiven Aspekte
der Eigen-markenstrategie. Gleichzeitig konnten die Kosten leicht gesenkt
werden. Für das ganze Jahr gehen wir davon aus, dass dieser Bereich,
der auch unseren Großaktionär am meisten interessiert, mit
einem positiven EBIT von über 20 Mio. Euro abschließen wird,
wobei unsere Hoffnungen insbesondere im 2.Halbjahr liegen.
DVI: Der Bereich „Präsentationstechnik“
(Videoprojektoren, Flachbildschirme) musste im ersten Quartal 04 einen
Umsatzrückgang von 5 Mio. Euro hinnehmen und verzeichnete ein negatives
EBIT von 0,4 Mio. Euro. Welche Erwartungen haben Sie für dieses
Segment?
Herr Dr. Scheiter: Wir müssen diesen Bereich –
wie im Geschäftsbericht bereits angekündigt – neu ausrichten
und kommen an einer signifikanten Reduktion der Belegschaft nicht vorbei,
ansonsten sind wir nicht wettbewerbsfähig. Der Konkurrenzdruck
in diesem Segment ist besonders hoch, deshalb wird es uns wahrscheinlich
nicht gelingen, in diesem Bereich in diesem Jahr mit einem positiven
EBIT abzuschließen. Wir sehen jedoch im kommenden Jahr eine deutliche
Wende in dem positiven Bereich und erwarten ein EBIT von mehr als 2
Mio. Euro.
DVI: Wo sind die Stärken in Ihren beiden Produktbereichen?
Herr Dr. Scheiter: Einer der Gründe, warum Kyocera
bei uns eingestiegen ist, war die Tatsache, dass wir in Deutschland
im Bereich Imaging ein flächendeckendes Servicenetz mit 70 Standorten
haben und eindeutig Marktführer sind. Außerdem ist unsere
Performance bei den Eigenmarken sehr beeindruckend. Wir haben im Jahr
2000 damit angefangen und im ersten Jahr einen Marktanteil von 2,6%
erreicht, den wir im vergangenen Jahr auf 7,8% verdreifachen konnten.
Im ersten Quartal haben wir weitere Marktanteile hinzugewonnen und liegen
nach unseren Schätzungen derzeit bei über 8%. Wir haben im
Bereich PMT ein gutes Sortiment, eine starke Eigenmarke „Astrobeam“
und gehören mit weit über 20.000 abgesetzten Daten-Videoprojektoren
pro Jahr zum führenden Absatzmittler in Europa.
DVI: Ihr Großaktionär unterstützt Sie
im Bereich Imaging mit großen Austauschaktionen der von Ihnen
vertriebenen OEM-Marken (Canon, Riccoh etc.). Welche Vorteile versprechen
Sie sich von diesen Maßnahmen?
Herr Dr. Scheiter: Es ist ein offenes Geheimnis, dass
bei Druckern und Kopierern weltweit die Freude beim Geldverdienen in
erster Linie im Verbrauchsmaterial und Servicegeschäft liegt. Wenn
wir in diesem Jahr 4000 Fremdgeräte aus dem Markt nehmen und durch
Eigenmarken ersetzen können, dann werden wir auch automatisch in
den Folgejahren erheblich mehr unserer höhermargigen Verbrauchsmaterialien
und Ersatzteile liefern können.
Außerdem soll die Zahl der ausgetauschten Geräte
im nächsten Jahr auf 10.000 steigen. Auch Kyocera machen diese
zusätzlichen Stückzahlen Spaß, denn die Kostendegressionseffekte
sind umso größer, je stärker die Produktionsstätten
von Kyocera-Mita in Südchina ausgelastet werden können.
DVI: Herr Dr.Scheiter, Sie fahren im Moment ein sehr
strammes Restrukturierungsprogramm. Wie schaffen Sie es, dass Sie die
Motivation Ihrer Mitarbeiter auf hohem Niveau halten?
Herr Dr. Scheiter: Die beste Motivation für unsere
Mitarbeiter ist der Erfolg, den wir auf dem Markt mit unseren abgesetzten
Stückzahlen im Bereich der Eigenmarken haben. Gegenüber unseren
Wettbewerbern haben wir im vierten Jahr in Folge Marktanteile gewinnen
können, und dieser Trend setzt sich im laufenden Jahr spürbar
fort. Unsere Vergütungssysteme unterstützen und fördern
die erfolgreichen Mitarbeiter.
DVI: Was sehen Sie für eine Ergebnisverbesserung
im laufenden und im kommenden Jahr?
Herr Dr. Scheiter: Wir werden im laufenden Jahr nochmals
einmalige Kostenaufwendungen für das oben genannte Restrukturierungsprogramm
in der Größenordnung von 5,5 Mio. Euro haben. Daher werden
wir voraussichtlich nur ein leicht positives Ergebnis erzielen. Die
Effekte sind im kommenden Jahr umso stärker, denn wir erwarten
eine Verzehnfachung des Jahresüber-schusses, mit einem Sprung im
Ergebnis je Aktie von knapp 3 Cent auf knapp 30 Cent (auf Basis der
derzeitigen Aktienstückzahl von 34,7 Mio.). Aufgrund der schlanken
Struktur werden wir daher für unsere Aktionäre wieder ansehnliche
Umsatzrenditen erzielen.
DVI: Und wo liegen Ihre Ergebniserwartungen für
2006?
Herr Dr. Scheiter: Im Jahr 2006 wollen wir –
auf konservativer Planung basierend – einen Umsatz von knapp 430
Mio. Euro machen und ein Betriebsergebnis von knapp 21 Mio. Euro erreichen.
Durch die Auflösung von latenten Steuern werden wir einen Jahresüberschuß
von knapp 14 Mio. Euro erreichen und das Ergebnis wird dann bei knapp
40 Cent je Aktie liegen.
DVI: Wenn Sie diese positiven Ergebnisaussichten haben,
warum lässt Kyocera-Mita die anderen 74,9% Aktionäre fröhlich
mitverdienen? Bitte erklären Sie unseren Lesern diese Logik.
Herr Dr. Scheiter: Erst einmal möchte ich betonen,
dass Kyocera-Mita an jeder Einheit, die wir im Markt platzieren, mitverdient.
Dies betrifft das Verbrauchsmaterial, die Ersatzteile wie auch das Gerät
selbst. Aber bitte berücksichtigen Sie auch, dass der Ergebnissprung
in 05 auch aus der Verschlankung der Gesellschaft resultierten wird.
DVI: Weshalb brauchen Sie überhaupt einen Aufsichtsrat
mit 12 Mitgliedern, wären 6 nicht ausreichend genug, um Kosten
zu sparen und an Flexibilität zu gewinnen?
Herr Dr. Scheiter: Wir sind in der Prüfung der
Reduktion der Aufsichtsratsstärke.
DVI: Nachdem KM 25,1% des Kapitals übernommen
haben: Wie frei sind Sie noch in Ihren Entscheidungen und herrscht jetzt
ein anderes Klima in der Firma, nachdem zwei Vertreter des neuen Großaktionärs
in den Aufsichtsrat eingezogen sind?
Herr Dr. Scheiter: Wir sind frei in unseren Entscheidungen,
wir haben ein sehr kooperatives, vertrauensvolles Verhältnis zu
den Japanern.
DVI: Welche Erwartungen haben Sie für die bevorstehende
Kapitalerhöhung?
Herr Dr. Scheiter: Wir wollen der Firma neues Kapital
in der Größenordnung zwischen 21 – 24 Mio. Euro zuführen,
davon sollen zirka 10 Mio. Euro außerhalb des bestehenden Aktionärskreises
im Markt platziert werden. KM unterstützt in vollem Umfang die
Maßnahmen des Vorstandes und misst TA eine hohe strategische Bedeutung
bei der Expansion in Europa bei.
DVI: Wie lange werden Sie das Unternehmen noch begleiten,
und wie wird sich Ihr Gehalt ver-bessern, wenn Sie im Jahr 2006 einen
Jahresüberschuß von knapp 14 Mio. € erreichen werden?
Herr Dr. Scheiter: Die Vorstandsverträge sind
Ende letzten Jahres um drei weitere Jahre verlängert worden; wir
haben bei unserem Gehalt 50% variable Bestandteile, meine Gesamtvergütung
wird bei zirka 500.000 Euro liegen.
DVI: Herr Dr.Scheiter, Sie sind der treibende Motor
im Unternehmen und haben selbst 3% der Aktien. Wie werden Sie sich bei
der künftigen Kapitalerhöhung verhalten?
Herr Dr. Scheiter: Ich bin überzeugt, dass der
eingeschlagene Kurs der Gesellschaft richtig ist, und werde vor diesem
Hintergrund meine Quote halten.
DVI: Wo sehen Sie den fairen Wert der Aktie mit Blick
auf 2006?
Herr Dr. Scheiter: Wenn wir in 2006 40 Cent je Aktie
verdienen werden, dann ist ein Kurs im Bereich von 4,80 – 5 Euro
sicherlich nicht überbewertet.
DVI: Besten Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Chefredakteur Rochus C. Rüttnauer.
http://www.das-vorstandsinterview.de