07.06.04  DAS VORSTANDSINTERVIEW
TA Triumph-Adler AG

Interviewpartner: Dr. Dietmar Scheiter, Vorstandsvorsitzender
Gehaltene Aktien: 980.000 (von 34,7 Mio. Aktien) 3% des Grundkapitals
Das Interview wurde am 04.06.04 geführt. Kurs am 04.06.04 bei 2,80 Euro

TA HomepageHintergrund: Für Triumph-Adler, dem größten Kopierer- und Drucker-distributor in Deutschland, war 2003 ein sehr ereignisreiches Jahr: Zum einen wurde der Beteiligungsbereich unter großen Verlusten komplett verkauft, zum anderen hat sich einer der größten Büromaschinenproduzenten der Welt, die Kyocera-Mita (KM), mit einem Jahresumsatz von zirka 2 Mrd. Euro, mit 25,1% an Triumph-Adler beteiligt. Verkäufer des Paketes waren Mitglieder des Vorstandes und Aufsichtsrates. KM ist deshalb so stark an Triumph-Adler interessiert, weil der Nürnberger Distributor in Deutschland ein Netz von 70 Vertriebs- und Service-büros mit 400 Vertriebsmitarbeitern und 600 Servicetechnikern hat. Wir haben den Vorstands-vorsitzenden von Triumph-Adler, Herrn Dr.Dietmar Scheiter, nach den Perspektiven gefragt.

Das Vorstandsinterview (DVI): Derzeit läuft ein starkes Restrukturierungsprogramm innerhalb von TA, bei dem Sie innerhalb von zwei Jahren ca. 16 Mio. Euro an Kosten einsparen können. Wie realistisch sind die oben genannten Umsätze und Erträge?

Herr Dr. Scheiter: Um schlanker und effizienter zu werden, müssen wir im laufenden Jahr 150 Stellen und im kommenden Jahr zirka 100 Mitarbeiter abbauen. Außerdem werden wir Zwischen-holdings eliminieren, die Zahl der operativen Einheiten im Bereich Imaging von 28 auf 12 reduzieren, den Verwaltungsstandort in München schließen und darüber hinaus noch eine Reihe von weiteren, effizienzsteigernden Maßnahmen umsetzen. Allein durch den Abbau der Mitarbeiter im laufenden Jahr sparen wir geplante Kosten in der Größenordnung von knapp 7,7 Mio. Euro ein. Dazu kommen deutlich niedrigere Mieten durch nicht mehr benötigte Büroflächen und auch eine reduzierte Anzahl an Pkw´s.

Was die Umsätze betrifft, sind wir überzeugt, dass dies eine konservative Planung ist, die wir nach Möglichkeit überschreiten wollen, denn schon allein im Q1 haben wir – obwohl der Bereich PMT (Präsentation und Medientechnik) sich unter unseren Erwartungen entwickelt hat – einen Umsatz von 99 Mio. Euro erreicht und ein positives EBIT von 1 Mio. Euro erzielt. Wären keine Rück-stellungen für die gekündigten Mitarbeiter in München in der Größenordnung von 1,4 Mio. Euro angefallen, so wäre das EBT im Q1 schon positiv gewesen. Mit den geplanten Programmen zur Umsatzsteigerung (Großkundenkonzept), die erst im 2.Halbjahr 2004 greifen werden, gehen wir davon aus, dass wir eine starke Umsatzentwicklung im Q3 und im Q4 haben werden.

DVI: Herr Dr.Scheiter, im Q1 haben Sie im Bereich Imaging (Drucken, Faxen und Kopieren) eine Ergebnissteigerung von 4,5 auf 6,5 Mio. Euro erzielen können. Wie wird dieser Bereich nach Ihren Planungen im laufenden Jahr abschließen?

Herr Dr. Scheiter: Die erfreuliche Ergebnisverbesserung im Bereich Imaging ist auf die stark gestiegene Zahl an verkauften Einheiten, aber auch auf die verbesserte Rohmarge zurückzu-führen, die von 42,7 auf 43,9 gewachsen ist. Hier sehen wir die positiven Aspekte der Eigen-markenstrategie. Gleichzeitig konnten die Kosten leicht gesenkt werden. Für das ganze Jahr gehen wir davon aus, dass dieser Bereich, der auch unseren Großaktionär am meisten interessiert, mit einem positiven EBIT von über 20 Mio. Euro abschließen wird, wobei unsere Hoffnungen insbesondere im 2.Halbjahr liegen.

DVI: Der Bereich „Präsentationstechnik“ (Videoprojektoren, Flachbildschirme) musste im ersten Quartal 04 einen Umsatzrückgang von 5 Mio. Euro hinnehmen und verzeichnete ein negatives EBIT von 0,4 Mio. Euro. Welche Erwartungen haben Sie für dieses Segment?

Herr Dr. Scheiter: Wir müssen diesen Bereich – wie im Geschäftsbericht bereits angekündigt – neu ausrichten und kommen an einer signifikanten Reduktion der Belegschaft nicht vorbei, ansonsten sind wir nicht wettbewerbsfähig. Der Konkurrenzdruck in diesem Segment ist besonders hoch, deshalb wird es uns wahrscheinlich nicht gelingen, in diesem Bereich in diesem Jahr mit einem positiven EBIT abzuschließen. Wir sehen jedoch im kommenden Jahr eine deutliche Wende in dem positiven Bereich und erwarten ein EBIT von mehr als 2 Mio. Euro.

DVI: Wo sind die Stärken in Ihren beiden Produktbereichen?

Herr Dr. Scheiter: Einer der Gründe, warum Kyocera bei uns eingestiegen ist, war die Tatsache, dass wir in Deutschland im Bereich Imaging ein flächendeckendes Servicenetz mit 70 Standorten haben und eindeutig Marktführer sind. Außerdem ist unsere Performance bei den Eigenmarken sehr beeindruckend. Wir haben im Jahr 2000 damit angefangen und im ersten Jahr einen Marktanteil von 2,6% erreicht, den wir im vergangenen Jahr auf 7,8% verdreifachen konnten. Im ersten Quartal haben wir weitere Marktanteile hinzugewonnen und liegen nach unseren Schätzungen derzeit bei über 8%. Wir haben im Bereich PMT ein gutes Sortiment, eine starke Eigenmarke „Astrobeam“ und gehören mit weit über 20.000 abgesetzten Daten-Videoprojektoren pro Jahr zum führenden Absatzmittler in Europa.

DVI: Ihr Großaktionär unterstützt Sie im Bereich Imaging mit großen Austauschaktionen der von Ihnen vertriebenen OEM-Marken (Canon, Riccoh etc.). Welche Vorteile versprechen Sie sich von diesen Maßnahmen?

Herr Dr. Scheiter: Es ist ein offenes Geheimnis, dass bei Druckern und Kopierern weltweit die Freude beim Geldverdienen in erster Linie im Verbrauchsmaterial und Servicegeschäft liegt. Wenn wir in diesem Jahr 4000 Fremdgeräte aus dem Markt nehmen und durch Eigenmarken ersetzen können, dann werden wir auch automatisch in den Folgejahren erheblich mehr unserer höhermargigen Verbrauchsmaterialien und Ersatzteile liefern können.

Außerdem soll die Zahl der ausgetauschten Geräte im nächsten Jahr auf 10.000 steigen. Auch Kyocera machen diese zusätzlichen Stückzahlen Spaß, denn die Kostendegressionseffekte sind umso größer, je stärker die Produktionsstätten von Kyocera-Mita in Südchina ausgelastet werden können.

DVI: Herr Dr.Scheiter, Sie fahren im Moment ein sehr strammes Restrukturierungsprogramm. Wie schaffen Sie es, dass Sie die Motivation Ihrer Mitarbeiter auf hohem Niveau halten?

Herr Dr. Scheiter: Die beste Motivation für unsere Mitarbeiter ist der Erfolg, den wir auf dem Markt mit unseren abgesetzten Stückzahlen im Bereich der Eigenmarken haben. Gegenüber unseren Wettbewerbern haben wir im vierten Jahr in Folge Marktanteile gewinnen können, und dieser Trend setzt sich im laufenden Jahr spürbar fort. Unsere Vergütungssysteme unterstützen und fördern die erfolgreichen Mitarbeiter.

DVI: Was sehen Sie für eine Ergebnisverbesserung im laufenden und im kommenden Jahr?

Herr Dr. Scheiter: Wir werden im laufenden Jahr nochmals einmalige Kostenaufwendungen für das oben genannte Restrukturierungsprogramm in der Größenordnung von 5,5 Mio. Euro haben. Daher werden wir voraussichtlich nur ein leicht positives Ergebnis erzielen. Die Effekte sind im kommenden Jahr umso stärker, denn wir erwarten eine Verzehnfachung des Jahresüber-schusses, mit einem Sprung im Ergebnis je Aktie von knapp 3 Cent auf knapp 30 Cent (auf Basis der derzeitigen Aktienstückzahl von 34,7 Mio.). Aufgrund der schlanken Struktur werden wir daher für unsere Aktionäre wieder ansehnliche Umsatzrenditen erzielen.

DVI: Und wo liegen Ihre Ergebniserwartungen für 2006?

Herr Dr. Scheiter: Im Jahr 2006 wollen wir – auf konservativer Planung basierend – einen Umsatz von knapp 430 Mio. Euro machen und ein Betriebsergebnis von knapp 21 Mio. Euro erreichen. Durch die Auflösung von latenten Steuern werden wir einen Jahresüberschuß von knapp 14 Mio. Euro erreichen und das Ergebnis wird dann bei knapp 40 Cent je Aktie liegen.

DVI: Wenn Sie diese positiven Ergebnisaussichten haben, warum lässt Kyocera-Mita die anderen 74,9% Aktionäre fröhlich mitverdienen? Bitte erklären Sie unseren Lesern diese Logik.

Herr Dr. Scheiter: Erst einmal möchte ich betonen, dass Kyocera-Mita an jeder Einheit, die wir im Markt platzieren, mitverdient. Dies betrifft das Verbrauchsmaterial, die Ersatzteile wie auch das Gerät selbst. Aber bitte berücksichtigen Sie auch, dass der Ergebnissprung in 05 auch aus der Verschlankung der Gesellschaft resultierten wird.

DVI: Weshalb brauchen Sie überhaupt einen Aufsichtsrat mit 12 Mitgliedern, wären 6 nicht ausreichend genug, um Kosten zu sparen und an Flexibilität zu gewinnen?

Herr Dr. Scheiter: Wir sind in der Prüfung der Reduktion der Aufsichtsratsstärke.

DVI: Nachdem KM 25,1% des Kapitals übernommen haben: Wie frei sind Sie noch in Ihren Entscheidungen und herrscht jetzt ein anderes Klima in der Firma, nachdem zwei Vertreter des neuen Großaktionärs in den Aufsichtsrat eingezogen sind?

Herr Dr. Scheiter: Wir sind frei in unseren Entscheidungen, wir haben ein sehr kooperatives, vertrauensvolles Verhältnis zu den Japanern.

DVI: Welche Erwartungen haben Sie für die bevorstehende Kapitalerhöhung?

Herr Dr. Scheiter: Wir wollen der Firma neues Kapital in der Größenordnung zwischen 21 – 24 Mio. Euro zuführen, davon sollen zirka 10 Mio. Euro außerhalb des bestehenden Aktionärskreises im Markt platziert werden. KM unterstützt in vollem Umfang die Maßnahmen des Vorstandes und misst TA eine hohe strategische Bedeutung bei der Expansion in Europa bei.

DVI: Wie lange werden Sie das Unternehmen noch begleiten, und wie wird sich Ihr Gehalt ver-bessern, wenn Sie im Jahr 2006 einen Jahresüberschuß von knapp 14 Mio. € erreichen werden?

Herr Dr. Scheiter: Die Vorstandsverträge sind Ende letzten Jahres um drei weitere Jahre verlängert worden; wir haben bei unserem Gehalt 50% variable Bestandteile, meine Gesamtvergütung wird bei zirka 500.000 Euro liegen.

DVI: Herr Dr.Scheiter, Sie sind der treibende Motor im Unternehmen und haben selbst 3% der Aktien. Wie werden Sie sich bei der künftigen Kapitalerhöhung verhalten?

Herr Dr. Scheiter: Ich bin überzeugt, dass der eingeschlagene Kurs der Gesellschaft richtig ist, und werde vor diesem Hintergrund meine Quote halten.

DVI: Wo sehen Sie den fairen Wert der Aktie mit Blick auf 2006?

Herr Dr. Scheiter: Wenn wir in 2006 40 Cent je Aktie verdienen werden, dann ist ein Kurs im Bereich von 4,80 – 5 Euro sicherlich nicht überbewertet.

DVI: Besten Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Chefredakteur Rochus C. Rüttnauer.

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