24.05.04  DAS VORSTANDSINTERVIEW
Brain Force Software AG

Interviewpartner: Helmut Fleischmann, Vorstandsvorsitzender
Gehaltene Aktien: 1,2 Mio. Aktien über Fleischmann-Privatstiftung von (7,25 Mio. Aktien) des Grundkapitals
Gehaltene Optionen: 100 Optionen (alles vor Kapitalerhöhung, die am 26.05.04 beginnt)
Das Interview wurde am 21.05.04 geführt.

Brain Force HomepageHintergrund: Brain Force, ein mittelständischer IT-Solution-Provider, hat sich selbst ein strammes Wachstum verordnet. Lagen die Umsätze in 2003 bei zirka 60,1 Millionen Euro und ist das EBIT 03 erstmals wieder seit 2000 nennenswert im schwarzen Bereich, so möchte die Gruppe organisch in 2005 auf 70 Millionen und mit Akquisitionen auf 110 Millionen Euro wachsen. Im Rahmen einer Kapitalerhöhung von 7,25 Millionen Euro soll das Kapital auf zirka 13,8 Millionen Euro erhöht werden und dem Unternehmen etwa 19,5 Millionen Euro frisches Kapital zufließen. Wir haben den Vorstandsvorsitzenden, Herrn Fleischmann, nach den Geschäftsaussichten für das laufende und das kommende Jahr befragt.

Das Vorstandsinterview (DVI): Herr Fleischmann, bitte erläutern Sie unseren Lesern, was Sie von anderen IT-Lösungsanbietern unterscheidet und warum Sie glauben, dass Sie so stark wachsen können. Für unsere Leser wäre sicherlich sinnvoll, wenn Sie diese Wachstumserwartungen nach einzelnen Produktbereichen aufspalten könnten.

Herr Fleischmann: Wir unterscheiden uns vor allem durch 2 Kriterien von unserem Wettbewerb: das Lösungs- und Leistungsangebot und die Internationalität. Mit den Geschäftsbereichen Communication Networks und Financial Solutions sind wir in wachstumsstarken Märkten und Themenbereichen bereits heute gut positioniert. Die Produkte dieser Bereiche weisen eine Vielzahl von Alleinstellungsmerkmalen und USPs auf. Bei Brain Force Financial Solutions sind wir zum Beispiel in der Finanzbranche der einzige Anbieter, der den Finanzberater mit allen notwendigen Modulen ausstatten kann.

Der Geschäftsbereich Professional Services, mit seinen mehr als 20-jährig bestehenden exzellenten Kundenbeziehungen im Top-Account Segment bildet eine gesunde und stabile Basis für das Lösungsgeschäft.

Wir werden jetzt die bestehenden Geschäftsbereiche in den Ländern, in den wir heute maßgeblich vertreten sind (Deutschland, Österreich, Italien) durch Zukäufe stärken und führend positionieren. Wir verfügen in diesen Ländern und Geschäftsbereichen über die notwendigen Strukturen, um die zugekauften Unternehmen zu integrieren.

DVI: Welches sind die Segmente, in denen Sie besonders stark zulegen wollen und wo haben Sie die besten Margen?

Herr Fleischmann: Die Zukäufe werden die Geschäftsbereiche Communication Networks (Segmentumsatz in 04 6,6 Mio. €) und Financial Solutions (Umsatz in 04 9,1 Mio. € ) verstärken. In diesen Geschäftsbereichen erwarten wir für 2004 eine EBITDA Marge von 16%, das liegt deutlich über unserer Zielmarge von 10% und der Marge, die im Bereich Professional Services zu erreichen ist.

DVI: Wie wollen Sie denn das erreichen?

Herr Fleischmann: Wir haben nach den Investitionen der vergangenen Jahre eine Kostenstruktur erreicht, bei dem Umsatz- und Ertragszuwächse ohne wesentliche Kostensteigerungen zu erreichen sind.

DVI: Der sogenannte outsourcing-Bereich, in dem die IT-Anwender ihre Probleme auf externe Firmen verlagern, soll innerhalb der IT-Leistungen in Europa in den nächsten vier Jahren besonders stark wachsen. Wie schaffen Sie es, dass Sie – im Vergleich zu ihren Mitbewerbern – in diesem Wachstumssegment besonders stark zulegen können?

Herr Fleischmann: Im Bereich Outsourcing haben wir uns auf Application Management und das sogenannte Outtasking spezialisiert. Im Gegensatz zum Komplettoutsourcing ganzer Rechen-zentren werden im Application Management und im Outtasking nur einzelne Themenbereiche ausgelagert. Damit wird nicht die gesamte IT und die damit verbundenen unternehmenskritischen Prozesse an ein externes Unternehmen übergeben, sondern nur die Anwendungen und Spezialgebiete, die sich gut für einen Betrieb durch einen externen Anbieter eignen. Im Applikation Management übernehmen wir die Wartung und Weiterentwicklung von Anwendungssystemen in Themenbereichen, auf die wir fachlich spezialisiert sind – zum Beispiel die e-Banking Plattform der ERSTE Bank in Wien. Im Bereich Outtasking übernehmen wir im Bereich Rechnerbetrieb ebenso spezialisierte Aufgabenbereiche. Ein Beispiel dazu ist der „2nd Level Support“ für die IT-Anwender der HVB in München.

Im Vergleich zum Mitbewerb sind wir durch unsere Geschäftsbereiche Financial Solutions und Communication Networks im Vorteil. In diesen Geschäftsbereichen sind wir durch unsere Lösungen (Lizenzen und Wartungen) bei den wichtigsten Kunden dieser Branchen gut verankert. Da wir für unsere Lösungen auch den Betrieb durch entsprechende Wartungsverträge sicher-stellen (Hotline, Programmerweiterungen, Fehlerbehebung, Einbau von gesetzlichen Änderungen, Integration und Schnittstellenanpassung, etc.) verfügen wir über die nötigen Referenzen und das Vertrauen der Kunden.

DVI: Im Vergleich zu 2002 sind die Preise für Übernahmekandidaten spürbar gefallen. Müssen Sie nicht befürchten, dass die Preise weiter rückläufig sind – insbesondere, wenn die Konjunktur jetzt nochmals einen kräftigen Dämpfer durch die Ölpreiserhöhungen bekommen würde?

Herr Fleischmann: Ich denke, dass die Talsohle erreicht wurde und ein weiterer Rückgang der Preise unwahrscheinlich ist. Wir haben eher das Gegenteil festgestellt. Die Preise für wirklich attraktive Übernahmekandidaten sind wieder gestiegen.

Rückläufige Preise für Übernahmekandidaten wären für uns aber nicht unbedingt ein Nachteil. In unserer Strategie sind erhebliche Kosten (z. B: Kosten des Wirtschaftsprüfers als auch für die gesamte due dilligence) und Investitionen für Übernahmen vorgesehen. Wenn wir diese Zukäufe auf niedrigerem Niveau durchführen könnten, wäre das sogar ein Vorteil. Natürlich wäre dann aber in einem schlechten konjunkturellen Umfeld auch die Rendite, die wir aus diesen Zukäufen erzielen würden, kurzfristig geringer.

DVI: Sie geben in Ihren Veröffentlichungen Kaufpreismultiplikatoren zwischen dem halben und dem ganzen Jahresumsatz an. Müssen Sie hier nicht vorsichtiger agieren, denn viele Ihrer Übernahmekandidaten haben ja keinen Zugang zum Kapitalmarkt und können Wachstum nicht einfach finanzieren?

Herr Fleischmann: Wir sind natürlich bemüht, Unternehmen so preisgünstig wie möglich zu kaufen – siehe das Beispiel von NSE in München, wo wir die Firma mit dem 0,3fachen Umsatzmultiplikator ausschließlich gegen Aktien erworben haben. NSE hat im ersten Jahr der Vollkonsolidierung eine EBITDA-Marge von 20 Prozent erzielt. Einer unserer Vorteile ist, dass wir Teile von Unternehmenskäufen durch unsere eigenen Aktien mitbezahlen können und damit die Verkäufer auch an unserem weiteren Wachstum teilnehmen können.

Veräußerer, die einen Teil des Kaufpreises in Brain Force-Aktien akzeptieren, haben die Chance, steuerfreie Gewinne zu erzielen, denn nach einem Jahr sind die Wertzuwächse der Brain Force-Aktien ja steuerfrei.

Wir haben gezeigt, dass wir Übernahmen in jedem konjunkturellen Umfeld erfolgreich umsetzen können. Wir verfügen über die entsprechende Erfahrung und die notwendigen Strukturen. Wir haben durch die Kapitalerhöhung jetzt auch die Voraussetzung geschaffen, bei anziehender Konjunktur und steigenden Preisen weiter wachsen zu können.

DVI: Sie sind jetzt schon in 8 Ländern mit 13 Gesellschaften vertreten und wollen noch zwei bis drei weitere Gesellschaften dazukaufen. Wird diese Akquisitionspolitik nicht eine Konzentration auf eine Tochtergesellschaft pro Land notwendig machen, und wird dieser Zusammenführungs-prozess nicht zwangsläufig zu erhöhten Kosten in der Anfangsphase nach der Übernahme führen?

Herr Fleischmann: Die Zukäufe erfolgen wie gesagt in den Ländern, wo wir heute schon gut etabliert sind. Das führt automatisch zu Verschmelzungen. Das haben wir auch in der Vergangenheit erfolgreich durchgeführt. Die GMRS GmbH und die beusen Solutions GmbH wurden mit der Brain Force Software GmbH verschmolzen. Ob Fusionen Einsparungen oder zusätzliche Kosten bringen, ist eine Frage der kritischen Größe und Marktentwicklung der Unter-nehmen. In unserem Fall sind, wie in einigen Fällen bereits bewiesen, sofortige Einsparungs-potentiale realisierbar und Synergien in Vertrieb und Produktentwicklung schnell erzielbar.

DVI: Mehr als 70% Ihrer Kunden liegen im deutschsprachigen Raum. Können Sie hier noch expandieren, oder müssen Sie nach Frankreich, Spanien und die skandinavischen Länder ausweichen?

Herr Fleischmann: Wir sind heute in mehr als 30 Prozent des europäischen Marktes vertreten und erzielen dort 60 Mio. Euro Umsatz (Geschäftsjahr 03). Da liegt noch genügend Wachstums-potential in den bestehenden Regionen vor uns. Aber unser Lösungsangebot gibt uns bereits heute die Möglichkeit, in neue Länder vorzustoßen. Die Lösungen sind größtenteils internationali-siert und auch in anderen Ländern gut einsetzbar. Das betrifft übrigens auch das Produktangebot unserer potentiellen Übernahmekandidaten. Wenn es also beispielsweise durch Markteinbrüche in unseren Kernmärkten schwierig würde das nötige Wachstum dort zu erreichen, können wir relativ einfach in neue Märkte ausweichen.

DVI: Für eine österreichische Gesellschaft ist es erstaunlich, dass sie in den Staaten des ehemaligen Ostblocks nur zwei Landesgesellschaften hat. Sind Ihnen die Risiken in diesen Ländern einfach zu hoch, oder welche Gründe gibt es dafür?

Herr Fleischmann: Unser Produkt und Leistungsangebot ist heute für die Staaten des ehemaligen Ostblocks nicht optimal geeignet. In diesen Staaten sind Unternehmen wie S&T gefragt, die sich darauf spezialisiert haben, die Schaffung der grundlegenden IT-Infrastuktur zu unterstützen. Da geht es um PC- und Netzwerkinstallationen sowie um den Hardware-Support. Unser Angebot setzt dort auf, wo die IT-Strukturen bereits erfolgreich implementiert sind und die Unternehmen darauf vorbereitet sind, die unternehmenskritischen Prozesse durch IT und TK effizient zu unterstützen. Unserer Einschätzung nach ist die Mehrheit der Unternehmen in diesen Ländern noch nicht soweit. Der Markt, den wir dort vorfinden würden, wäre noch zu eng.

DVI: Zählt zu den Akquisitionen auch die österreichische Topcall, an der Sie bereits eine „Einstiegsbeteiligung“ von 5 Prozent (über eine außerbörsliche Transaktion) bekanntgegeben haben. Welche Pläne haben Sie bei diesem Unternehmen?

Herr Fleischmann: Wegen rechtlichen Aspekten ist es mir unmöglich, hier zum jetzigen Zeitpunkt eine Aussage über gesellschaftsrechtliche Vorhaben zu tätigen.

Allerdings streben wir auch hier eine operative Zusammenarbeit an. Wie schon erwähnt, sehen wir unsere Professional Service Einheit mit ihren zahlreichen und langjährig erfolgreichen Kundenbeziehungen als eine optimale Möglichkeit, Produkte bei den IT-Entscheidungsträgern internationaler Top-Accounts zu platzieren. Unser bestehendes Lösungsangebot aus dem Bereich Communication Networks spricht - genau wie die Lösungen der Topcall - diese Zielgruppe an. Wir könnten so also unser Lösungsangebot optimal ergänzen. Auf der anderen Seite ist es das ausgesprochene Ziel der Topcall, mit projektbezogenen Dienstleistungen Umsatzzuwächse zu generieren. Das ist aber nun genau unser Kerngeschäft, und wir haben schon heute die dafür notwendigen Kompetenzen und Ressourcen.

Außerdem schätzen wir die jetzige Finanzbeteiligung bei Topcall als wenig risikoreich ein, da ein Großteil des aktuellen Börsenwertes von Topcall durch liquide Mittel des Unternehmens unterlegt ist.

DVI: Sie planen für 2004 ein EBIT von EUR 2,8 Mio und ein EPS von 0,15 Cent (bezogen auf das dividendenberechtigte durchschnittliche Kapital von 9,9 Mio. €) aus den jetzt vorhandenen Gesellschaften, ohne Akquisitionen. Bitte schildern Sie uns, welche Akquisitionen Sie im laufenden Jahr schon vornehmen können.

Herr Fleischmann: Wir werden frühestens Mitte des Jahres, möglicherweise auch zum Ende des Q3 eine Übernahme durchführen. Eine zweite Übernahme wird dann bis Jahresende erfolgen. Wir können aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht konkret über die Übernahmekandidaten sprechen, da wir sonst die Preise der Zielunternehmen in die Höhe treiben würden.

Auf der operativen Ebene werden wir jedoch in Kürze eine Zusammenarbeit mit einem Unter-nehmen aus dem Bereich Financial Solutions bekannt geben. Wir hoffen, dass dies noch während der Zeichnungsfrist unserer aktuell laufenden Kapitalerhöhung geschieht.

DVI: Die Börse antizipiert Gewinnentwicklungen immer mit sechs bis neun Monaten. Wie könnte ein Ergebnis in 2005 unter Berücksichtigung Ihres Akquisitionsplanes aussehen?

Herr Fleischmann: Die angeführten 0,15 EUR Gewinn pro Aktie werden wir in 2004 mit einiger Sicherheit durch erste Akquisitionen noch erhöhen können.

Wir sind uns aber der Tatsache bewusst, dass wir in 2004 durch die Kapitalmaßnahmen den Gewinn pro Aktie verwässern, da die damit zu tätigen Investitionen sich natürlich nicht sofort im vollen Umfang positiv auf das Ergebnis auswirken. Im Jahr 2005 sieht das aber schon anders aus. Sollte es uns gelingen, bereits alle geplanten zwei oder drei Akquisitionen bis Ende 2004 abzuschließen, und das ist nach heutigem Stand durchaus realistisch, so gehen wir davon aus, dass wir in 2005 einen Umsatz von 110 Mio. Euro bei einer EBITDA Marge von 10% und einer EBIT Marge von ca. 6% erreichen werden. Für den Gewinn pro Aktie sehen wir eine Spanne von 0,35 Euro bis 0,40 Euro. Verglichen mit einer Planung, in der wir ausschließlich organisch wachsen und keine Kapitalmaßnahmen durchführen, stellt sich damit in etwa der gleiche EPS Wert ein - mit einem kleinen, aber sehr wichtigen Unterschied: Die Investitionen werden sich in den Folgejahren voll auszahlen und unsere Margen weiter verbessern, so dass wir dann in eine Größenordnung vorstoßen, die wir ohne die Investitionen nicht hätten erreichen können.

DVI: Herr Fleischmann, bitte erläutern Sie unseren Lesern, warum Sie einen Emissionspreis von 3 Euro je Aktie für gerechtfertigt ansehen.

Herr Fleischmann: In letzter Zeit haben einige Analysten eine Einschätzung über den Fairen Wert der Brain Force Aktie abgegeben. Die SES sieht uns zum Beispiel bei 4 Euro bereits vollver-wässert durch die aktuelle Kapitalerhöhung. Andere wie z.B. die equinet liegen auf etwa dem gleichen Wert.

Mit einem Ausgabekurs von 3 Euro gestehen wir zwar zu diesem Wert einen deutlichen Abschlag zu, auf der anderen Seite ist sind wir davon überzeugt, dass wir mit diesem attraktiven Angebot das notwendige Kapital anziehen können, um damit deutlich höhere Kurspotentiale als 4 Euro zu ermöglichen.

DVI: Brain Force ist dafür bekannt, eine exzellente Öffentlichkeitsarbeit mit allen Anlegern zu pflegen. Können Sie diese Informationspolitik überhaupt noch intensivieren und was werden Sie tun, damit die Zeichner Ihrer Aktie Kursgewinne erzielen können?

Herr Fleischmann: Wir haben in unserer Öffentlichkeitsarbeit noch nicht den Standard erreicht, den ich mir wünsche. Die geringe Coverage durch Analystenstudien und Researchs ist eine der Schwächen, die wir kurzfristig beseitigen werden. Seit kurzem hat uns SES Research in die regelmäßige Coverage aufgenommen. Es werden aber noch weitere Institute folgen. Damit erhält der Anleger eine gute und auch breite Basis für seine Anlageentscheidung. Der Kontakt zu den institutionellen Anlegern wurde in den letzten Monaten aktionsbezogen intensiviert. Jetzt gilt es, diesen Kontakt zu standardisieren und langfristig zu etablieren. Dasselbe gilt für die Information der Kleinanleger. Wir werden dazu unsere PR-Kontakte zu den wesentlichen Medien und Magazinen noch weiter verstärken. Brain Force muß deutlich stärker in den Fokus der Wirtschafts- und Börsenmagazine gerückt werden.

Das alles hat aber nur eine stabilisierende Wirkung. Nachhaltige Kursgewinne werden meiner Meinung nach ausschließlich durch den Unternehmenserfolg erwirkt. Das heißt in unserem Fall durch die erfolgreiche Umsetzung der Strategie 2005.

DVI: 40% Ihres Kapitals ist derzeit bei institutionellen Anlegern platziert. Wo sind diese beheimatet, und welche Zusagen haben Sie von dieser Seite für die neue Kapitalerhöhung?

Herr Fleischmann: Uns sind Pakete Pakete bei DWS, DIT, VCH, Julius Bär und Invesco bekannt, aber alle liegen unter 5 Prozent.

Zum jetzigen Zeitpunkt liegen uns natürlich noch keine verbindlichen Zeichnungen vor. Die Zeichnungsfrist hat am 19.05.2004 begonnen, der Bezugsrechtshandel startet am 24.05.2004. Wir verfügen aber bereits jetzt über eine erstaunlich hohe Anzahl an festen Zusagen. Berücksichtigt man die nicht bindenden Aussagen aller bisher besuchten Investoren und Interessenten in Bezug auf die gewünschten Stückzahlen, so ist auch diesmal von einer Überzeichung auszugehen.

DVI: Was verstehen Sie unter „strategischen Investoren“ und wird diese Anlegergruppe einen Großteil der Emission zeichnen?

Herr Fleischmann: Unter strategischen Investoren ist die BEKO Holding AG gemeint. Die BEKO besitzt unseres Wissens nach nur knappe 3 Prozent, also etwa 240.000 Aktien. Die BEKO bezeichnet sich als Finanzholding, ist mit deren Beteiligungen aber auch ein Mitbewerber. Darum haben wir sie der Gruppe Strategische Investoren zugeordnet. Ich kann mir heute nicht vorstellen, dass die BEKO einen Grossteil der Bezugsrechte aufkaufen wird. Wir haben keine Informationen, die darauf hindeuten würden. Es gibt auch keine Gespräche mit dem Vorstand der BEKO dazu.

DVI: Ihre Aktienumsätze sind ja in den ersten Monaten des laufenden Jahres ganz erheblich gesprungen. Können Sie uns einen kurzen Überblick über die Börsenumsätze geben?

Herr Fleischmann: Im Monat März sind 2,2 Mio. Aktien, dies ist in etwa soviel wie im gesamten Jahr 2003 umgesetzt worden. Man kann daraus ersehen, dass nicht nur der Bekanntheitsgrad sprunghaft gestiegen ist, sondern auch der free float erheblich wuchs und sich bereits institutionelle Anleger in großem Umfang engagiert haben. Für Anleger, die sich neu engagieren wollen, weise ich darauf hin, dass der Bezugsrechtshandel heute in Stuttgart und Wien beginnt.

DVI: Herr Fleischmann, welchen Kurs können Sie sich mit Sicht auf ein Jahr vorstellen, wenn Sie tatsächlich 110 Millionen Euro Umsatz und ein EPS von 37 Cent je Aktie in 2005 erreichen?

Herr Fleischmann: Ich kann mir vorstellen, dass sich der Kurs nach der Kapitalerhöhung zügig in Richtung 4 Euro entwickeln wird. Das ist der Wert, den auch SES Research als fair betrachtet. In dem Geschäftsjahr, indem ein Umsatz von 110 Mio. Euro bei einem EBIT von 6,9 Mio Euro erreicht wird, rechne ich - ein entsprechend positives Klima an den internationalen Aktienmärkten vorausgesetzt - mit einem Kurs von deutlich über 4 Euro.

DVI: Sie sind der Gründer, Ideengeber und Motor der Gesellschaft. Ihr Anteil fällt nach der Kapitalerhöhung auf 2,4 Mio. Aktien oder 18 Prozent. Wie lange dürfen die jetzigen Zeichner auf Ihr 100%iges Engagement vertrauen?

Herr Fleischmann: Es ist wohl selbstverständlich, dass ich in meiner Position als CEO der Brain Force Software AG das maximal mögliche Engagement biete. Mein Engagement und mein Einsatz in dieser Position ist in keiner Weise an irgendeine Beteiligungsquote gebunden. Ich halte auch immer noch dasselbe Aktienpaket wie zum Zeitpunkt nach dem IPO.

Mein derzeitiger Vertrag läuft heute bis zum Ende 2006. Ich stehe aus heutiger Sicht jedenfalls für eine Verlängerung zur Verfügung. Ich würde das als ein Vertrauen in meine Leistung sehen.

DVI: Besten Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Chefredakteur Rochus C. Rüttnauer.

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