aap Implantate AG -
(WKN: 506660 / ISIN: DE0005066609 / Symbol: AAQ)
Interviewpartner: Herr Oliver Bielenstein; Finanzvorstand
Gehaltene Aktien: 484.548 Aktien (von ca. 16,8 Mio.) des Grundkapitals, 0 Optionen
Hintergrund:
aap, ein europäischer Hersteller von Biomaterialien und Implantaten
für die Traumatologie und Orthopädie hat nach dem positiven
Abschluss für 2005 ein gutes Ergebnis für das erste Quartal
vorgelegt, mit dem die erfolgreiche Sanierungsarbeit der letzten beiden
Jahre bestätigt wird.
Nach einem ausgeglichenen Ergebnis im Vorjahr konnte
aap den Umsatz auf Quartalsbasis um fast 40% auf 4.4 Mio. EUR steigern
und ein Ergebnis vor Steuern im Quartal von 0,71 Mio. EUR erreichen.
Aufgrund hoher Verluste der Vergangenheit entrichtet aap keine oder
nur sehr limitiert Steuern. Das Ergebnis je Aktie im ersten Quartal
stieg von 0,00 auf 0,02 Euro. Nach Aussage des Unternehmens sind Umsatz
und Ergebnis nicht von Sondereinflüssen geprägt. Damit hat
sich eindruckvoll bestätigt, dass aap den Turn Around geschafft
hat. Wir haben den Finanzvorstand, Herrn Oliver Bielenstein, zur aktuellen
Situation des Unternehmens befragt.
Das Vorstandsinterview (DVI): Herr Bielenstein, was
hat Sie ermutigt, gerade die aap zu sanieren? Schildern Sie uns bitte
den Stand der Sanierung.
Herr Bielenstein: aap war ein Unternehmen mit intaktem
Potenzial, das in der Vergangenheit jedoch nicht immer optimal geführt
wurde und mit dem Niedergang des Neuen Marktes „unter die Räder
kam“.
Wir haben Kultur und Fokus des Unternehmens verändert,
konnten aber das große Know-how behalten resp. ausbauen, hervorragende
Leute mit viel Erfahrung von außerhalb holen, die immensen Rechtsstreitigkeiten
beilegen, neue innovative Produkte und Kompetenzen erfolgreicher vermarkten
und hatten auch Glück. Wir können heute behaupten, die Sanierung
beendet und den Turnaround erreicht zu haben.
Das Unternehmen ist profitabel, der cash flow positiv
und wächst deutlich zweistellig, wir können selbst dieses
hohe Wachstum aus eigener Kraft finanzieren.
DVI: Bestehen noch rechtliche Risiken aus der Vergangenheit?
Herr Bielenstein: Nein.
DVI: 2004 stand im Zeichen der finanziellen Sanierung,
2005 haben Sie die Neuausrichtung begonnen – wie lautet das Motto
für 2006?
Herr Bielenstein: Wachstum, und das profitabel. Wir
haben 2005 verschiedene Initiativen und Projekte gestartet – neue
Produkte – vor allem Biomaterialien -, neue Märkte, neue
Großkunden. Jetzt gilt es, diese Projekte straff durchzuführen
– wir reden hier von komplexen Entwicklungs- und Zulassungsprojekten.
Darüber hinaus schauen wir uns natürlich nach Akquisitionsgelegenheiten
um und führen hier durchaus Gespräche. Wir wollen schließlich
unsere komfortable Eigenkapital- quote von über 80% nutzen.
DVI: Was waren für Sie die interessantesten Erkenntnisse
im Rahmen Ihrer Sanierungsarbeit der letzten 2 Jahre?
Herr Bielenstein: Die Dimension unserer Chancen –
und zwar sowohl bei den Biomaterialien als auch bei den Implantaten
für Trauma und Orthopädie.
Bei synthetischen Biomaterialien und Knochenzementen
gehören wir Know-How-seitig zu den Besten der Welt und fangen an,
dieses Know-How in kommerziellen Erfolg umzusetzen. Hier reden wir von
neuen, schnell wachsenden, noch nicht etablierten Märkten, in denen
wir auch den Großen unserer Branche etwas vormachen können
oder mit Ihnen kooperieren – wie unser wachsender OEM-Kundenstamm
zeigt.
Im Bereich Trauma/Orthopedics müssen wir uns gegen
die gleichen, meist amerikanischen Grossunternehmen durchsetzen, hier
besteht unterhalb dieser Ebene jedoch genug Raum und Konsolidierungspotenzial.
DVI: Welche strategischen Maßnahmen haben Sie
aufgesetzt, um den Wiederaufbau der Vertriebsstruktur in USA voranzubringen?
Herr Bielenstein: Noch keine konkreten, wir führen
zurzeit erste, vorsichtige Gespräche mit potenziellen Distributionspartnern.
Zunächst mussten wir die Aufhebung des FDA-Warning Letters erreichen,
womit wir wieder Marktzugang erhalten haben. Außerdem werden wir
im Laufe des Jahres 2006 die ersten Anträge für Biomaterialien
und Knochenzement zur Zulassung bei der FDA einreichen. Einen kostspieligen
Alleingang kann ich 100% ausschließen – wir konzentrieren
uns auf unsere Stärken.
DVI: Im Geschäftsbericht 2005 skizzieren Sie eine
neue Unternehmensstruktur. Bis wann wollen Sie diesen Umbau bewältigen
und mit welchen Belastungen rechnen Sie daraus?
Herr Bielenstein: Keine Belastungen – im Gegenteil.
Die Divisionalisierung macht beide Unternehmensteile schneller, transparenter
und fokussierter. Dort, wo es sinnvoll ist, arbeiten beide Bereiche
zusammen. aap Biomaterials hat einen grösseren Fokus auf das internationale
Geschäft, auf OEM-Kunden, also B2B – während aap Trauma/Orthopedics
vor allem im Eigenvertrieb tätig ist. Durch die separate Struktur
fallen auch Kooperationen und die Integration von Akquisitionen wesentlich
leichter.
DVI: 19% Ihres Umsatzes machen Sie mit 3 Kunden. Sind
Sie da nicht zu sehr abhängig?
Herr Bielenstein: Nein, erstens erzielen wir die Mehrheit
des Umsatzes mit hunderten anderer Kunden, zweitens sind unsere Grosskunden
globale Konzerne mit durchaus niedrigem Ausfallrisiko und drittens –
am wichtigsten - sprechen wir hier von positiven, gegenseitigen Abhängigkeiten
– diese Kunden haben uns ja aus guten Gründen gewählt,
Know-How, Zuverlässigkeit, Vertrauen. Und wir wachsen mit unseren
Kunden schneller als wir es selbst bewerkstelligen könnten. Wir
gehen im Gegenteil davon aus, dass der Anteil der OEM-Entwicklung und
Produktion weiter zunehmen wird.
DVI: Für das Jahr 2006 haben Sie ein Wachstum
von über 25% zugesagt. Stehen Sie zu diesen Zahlen.
Herr Bielenstein: Ja, die Betonung wechselt jetzt jedoch
langsam von der „25“ auf „über“, das zweite
Quartal entwickelt sich auf ähnlichem Niveau wie das Erste. Und
wie Sie dem Quartals- abschluss entnehmen können, wachsen wir profitabel.
DVI: Wo soll aap 2008 umsatz- und ertragsmäßig
stehen?
Herr Bielenstein: Wenn wir unsere Aufgaben richtig
erledigen, kann aap in den kommenden Jahren aus eigener Kraft im Durchschnitt
pro Jahr deutlich zweistellig wachsen. Hinzukommen sollten noch die
Auswirkungen der einen oder anderen Akquisition. Eine Verdoppelung des
gegenwärtigen Umsatzniveaus halte ich für nicht unrealistisch.
DVI: Wie begründen Sie Ihren Optimismus?
Herr Bielenstein: Medizintechnik ist, trotz der Kostenprobleme
in Deutschland, ein global wachsender Markt. Der Bereich Biomaterials
fängt erst langsam an, sich zu etablieren. Hier können wir
aus unserem exzellenten Know-How durchaus eine führende Stellung
im Markt erarbeiten.
Der Bereich Trauma/Orthopedics lässt unterhalb
der Ebene der „Global Players“ ein anständiges Wachstum
zu und bietet Konsolidierungschancen. Die wollen wir nutzen.
DVI: Trotz des geplanten Umsatzzuwachses von über
25% in 2006 sind Sie gegenüber den Großen der Branche nur
ein kleines, mittelständisches Unternehmen. Haben Sie keine Befürchtungen,
dass Sie im Konkurrenzkampf nicht nur unterliegen sondern auch zusätzlich
gänzlich „geschluckt“ werden?
Herr Bielenstein: Danke für das Stichwort –
wir verstehen uns auch als kleines, mittelständisches Unternehmen,
bzw. einem Team von Unternehmern. Die Mehrheit der Aktien liegt bei
Aufsichtsrat, Vorstand, führenden Mitarbeitern, Familien. Über
Motivation brauche ich da nicht zu sprechen. Eine feindliche Übernahme
wäre nicht möglich – unsere Entscheidungen fallen im
Sinne einer mittel- bis langfristigen Wertorientierung und im Interesse
der Aktionäre.
DVI: Sie haben eine Vielzahl von zukunftsträchtigen
Projekten in der Pipeline. Wann werden diese auf den Markt bringen und
mit welchen Ergebnisbeiträgen rechnen Sie daraus?
Herr Bielenstein: Ich möchte hier nicht einzelne
Projekte ansprechen, wir reden von der Vervollständigung und dem
Ausbau der einzelnen Produktportfolios.
–Biomaterials: Bone Cements, Infection Care,
Bone & Tissue Regeneration
–Trauma / Orthopedics: Implantate für alle wesentlichen Skelett-Regionen
und Gelenke.
Diese neuen Produkte bringen wir sukzessive in den
Markt, viele davon in den kommenden 6 – 18 Monaten. Zusätzlich
befinden wir uns in Gesprächen mit mehreren neuen potenziellen
OEM-Partnern. Das wichtige war der vorherige Ausbau der Vertriebskanäle
– Inland / International / OEM-Partner – damit wir diese
Produkte auch vermarkten können.
DVI: Wenn Ihr Umsatz- und Ertragswachstum wie geplant
eintritt, ab wann können Ihre Anteils- eigner mit der Aufnahme
einer Dividendenzahlung rechnen?
Herr Bielenstein: Solange wir Gewinne mit hohen Returns
reinvestieren können, werden wir wohl keine Dividende ausschütten.
Wir wollen wachsen und dieses Wachstum muss finanziert sein.
DVI: Wenn man die Gewinnprognosen 2006 und 2007 zugrunde
legt, wo sehen Sie dann einen fairen Wert für Ihre Aktie?
Herr Bielenstein: Ich denke, diese Frage sollte jeder
Analyst und Anleger selbst beantworten. Bitte verstehen Sie, wenn wir
hier keine Aussage treffen wollen – wir blicken noch nicht auf
30 Jahre Kapitalmarktgeschichte zurück und sind noch nicht 100%
planbar.
Wir haben durchaus hohe Ansprüche an Wachstum
und Profitabilität, gehen Risiken jedoch kontrolliert an, schließlich
ist viel privates Geld in aap investiert.
Würde ich beim aktuellen Kurs in die aap –
Aktie investieren? Hier ein deutliches Ja - und mein Anspruch an eine
Verzinsung ist sicher nicht einstellig.
DVI: Besten Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Rochus C. Rüttnauer.
http://www.das-vorstandsinterview.de