26.04.06  DAS VORSTANDSINTERVIEW
Heliad Equity GmbH & Co. KGaA - (WKN: 604729 / ISIN: DE0006047293 / Symbol: HPB)

Interviewpartner: Andreas Lange, Geschäftsführer

Heliad Equity Parners HomepageHintergrund: zum 30.09.2005 – also vor gut einem halben Jahr - hatte Heliad ein Eigenkapital von ca. 9,4 Mio. Euro bei einem Aktienkapital von ca. 8,6 Mio. Als Bilanzgewinn wurde nach untestierten Zahlen ein Ergebnis Q1-Q3/2005 in Höhe von 0,08 Mio. Euro ausgewiesen, und die Börsenkapitalisierung betrug bei einem Kurs von etwa 0,80 Euro weniger als 10 Mio. Euro.

Sechs Monate später sieht die Welt in dieser Firma komplett anders aus: Über drei Kapital- erhöhungen – die erste davon im November 2005, die beiden anderen im März und April 2006 - wurden mehr als 40 Mio. Euro neue Eigenmittel zwischen Kursen von 1,00 – 1,20 Euro eingeworben, und der Börsenwert beträgt jetzt bei sehr stabilen Kursen über 65 Mio. Euro. Das Management plant, das frische Kapital u. a. in Pre-IPO-Beteiligungen sowie in Unternehmen in Sondersituationen (stark unterbewertete Gesellschaften etc.) zu investieren. Einen Branchenfokus gibt es hierbei nicht. DVI hat den Geschäftsführer der Managementgesellschaft, Andreas Lange, gefragt, wie er die künftige Entwicklung bei Heliad einschätzt.

Das Vorstandsinterview (DVI): Gratulation, Herr Lange, wie haben Sie es geschafft, innerhalb so kurzer Zeit mehr als 40 Mio. Euro frische Mittel am Kapitalmarkt einzuwerben?

Herr Lange: Wir haben mit der Heliad in 2001 begonnen, vorbörslich in Unternehmen zu investieren. Die meisten anderen Gesellschaften, die damals aktiv waren, gibt es heute nicht mehr, insofern stehen wir ganz gut da und haben mehr richtig als falsch gemacht. Natürlich war es auch für uns in den Jahren 2002 bis 2004 nicht möglich, frisches Kapital einzuwerben. Seit 2005 zeigen sich jedoch nun die Früchte unserer Arbeit: In den letzten 12 Monaten haben 8 Unter- nehmen aus unserem Portfolio den Sprung an die Börse geschafft. Und seit Ende letzten Jahres erkennen und schätzen immer mehr insbesondere institutionelle Anleger unsere Leistungen und das große Potenzial der Heliad. Die erste Kapitalerhöhung im November 2005 konnten wir daher sogar bei 1 Euro platzieren, obwohl der Kurs damals nur bei 0,80 Euro stand. Bei den beiden letzten Kapitalerhöhungen stand der Kurs dann jeweils deutlich über dem Emissionspreis, was natürlich für viele Altaktionäre und zahlreiche neue Investoren ein schöner zusätzlicher Anreiz war. Auch nicht unwichtig dürfte gewesen sein, dass das Management privat die Durchführungen der Kapitalerhöhungen garantiert hat – ein klares Zeichen, dass wir an die Heliad und ihren Erfolg glauben.

DVI: Trotz der vielen neuen Aktien – das Grundkapital hat sich seit September 2005 fast vervierfacht – und einem Freefloat von 100% scheint es überhaupt keinen Abgabedruck zu geben, die Heliad steigt bei hohen Umsätzen von ca. 0,5 - 1 Mio. Stücke pro Tag fast linear an. Woran liegt das?

Herr Lange: Wir haben es geschafft, zahlreiche große institutionelle und vor allem stabile Anleger wie Versicherungen, Pensionskassen und Family Offices von der Heliad zu überzeugen. Bei den meisten würde ich erwarten, dass der Anlagehorizont bei mehr als 3 Jahren liegt. Bei einigen weiß ich, dass sie auch regelmäßig zukaufen.

DVI: Ihr NAV (Net Asset Value) liegt bei 1,20 Euro, Anleger zahlen also aktuell ein Premium. Womit ist das gerechtfertigt?

Herr Lange: Beim NAV handelt es sich um einen konservativen Substanzwert, bei dem der Wert aller Beteiligungen abzüglich der Verbindlichkeiten betrachtet wird. Ähnlich den HGB-Bilanzie- rungsrichtlinien wird bei Private Equity Fonds, deren Beteiligungen zumeist nicht börsennotiert sind und daher keinen Kurswert aufweisen, der NAV berechnet, indem die Anschaffungskosten eines Investments um eventuelle Abschreibungen aufgrund von Planverfehlungen reduziert oder – dies aber sehr restriktiv – um eventuelle Zuschreibungen erhöht werden. Bei Abschreibungen gilt hierbei das so genannte „Vorsichtsprinzip“, d.h. es sollen frühzeitig eventuelle Risiken in Form von Sicherheitsabschreibungen aufgezeigt werden. Gleichzeitig gilt auch bei Zuschreibungen dieses „Vorsichtsprinzip“, d.h. diese dürfen erst gemacht werden, wenn ganz konkrete, genau definierte Ereignisse eingetreten sind – z.B. ein Börsengang. Damit ist der NAV in der Private Equity Branche – sofern er konsistent und streng berechnet wird – nicht der Fair Value - wie er oft falsch verstanden wird -, sondern vielmehr eine Art konservative Wertuntergrenze. Und das beginnen viele Investoren, die uns lange beim NAV als fair bewertet erachtet haben, zu verstehen. In unserem Portfolio schlummern einfach noch einige stille Reserven.

DVI: Können Sie diese stille Reserven quantifizieren?

Herr Lange: Wir berechnen ebenfalls regelmäßig den so genannten Potentialwert. Hier werden die eventuellen Rückflüsse bzw. Bewertungen bei einem möglichen Exit abgeschätzt. So fließen in den Potentialwert z.B. potentielle IPO-Bewertungen von Portfoliounternehmen ein, die von beteiligten Konsortialbanken im Vorfeld des IPO für realistisch gehalten werden. Da es meistens verschiedene Indikationen gibt und zukünftige, erwartete Entwicklungen einfließen, ist der Potentialwert als Wert-Spanne angegeben. Der gegenwärtige Potentialwert liegt bei 1,55 – 1,75 Euro je Aktie.

DVI: In dieser Spanne sehen Sie also Ihre Aktie fair bewertet?

Herr Lange: Sowohl eine NAV-Betrachtung als auch die Potentialwert-Betrachtung stellen nur auf den reinen Substanzwert der Heliad Equity Partners ab, d.h. neue, potenziell wertschaffende Investitionen werden nicht berücksichtigt. Um dem Umstand des regelmäßigen Geschäfts- betriebes – im Fall einer Beteiligungsgesellschaft der Kauf und Verkauf von Portfoliounternehmen – Rechnung zu tragen, der somit auch ab einer bestimmten Portfoliogröße regelmäßige Erträge erwirtschaften kann, werden größere börsennotierte Gesellschaften üblicherweise anhand ihrer Ertragskraft bewertet. Unser aktuelles KGV für 2006 basierend auf unserer Planung, die man im derzeitigen Kapitalmarktklima durchaus als vorsichtig bezeichnen kann, beträgt ca. 13. Ob das nun günstig ist oder nicht mag jeder selbst beurteilen.

DVI: Was sind Ihre hochkarätigsten Beteiligungen im Portefeuille?

Herr Lange: Wir sind mit allen unseren Beteiligungen im Wesentlichen zufrieden. Aber ich denke, dass bei anhaltendem positivem Börsenklima insbesondere ItN und Magnat in den nächsten Monaten für Aufsehen sorgen werden.

DVI: Eines Ihrer Portfoliounternehmen – C-Quadrat – wurde Ende März im Entry Standard gelistet. Beim aktuellen Kurs würden Sie allein durch die Realisierung der Kursgewinne nach IFRS 3,6 Mio. Euro. verdienen. Das ist ja schon ein wichtiger Teil des für 2006 geplanten Umsatzes von 8,4 Mio. und damit auch des geplanten EBTs, oder sehen wir das falsch?

Herr Lange: Das stimmt.

DVI: Und bei ItN wird ebenfalls eine stille Reserve in Höhe von 5-10 Mio. Euro kolportiert. Sollten Sie Ihre Planung nicht anheben?

Herr Lange: Ein höheres Ergebnis ist denkbar, aber wie gesagt, bin ich eher ein Freund von konservativeren Planungen.

DVI: Wie viel Prozent des neuen Kapitals wollen Sie bis zum Jahresende investiert haben – und können Sie in etwa einen Überblick geben, wo der Schwerpunkt Ihrer Investments liegen könnte?

Herr Lange: Ich denke, dass wir bis zum Jahresende den größten Teil der liquiden Mittel allokiert haben werden. Dabei fokussieren wir uns auf Direktinvestments in späteren Unternehmens- phasen – derzeit insbesondere Pre-IPO Investments. Zukünftig werden wir zudem selektiv auch Investments in andere deutsche Private Equity Fonds beimischen.

DVI: Bisher haben Sie nur Direktinvestments gemacht, nun investieren Sie auch bei anderen Managern. Wenn man böswillig wäre, könnte man sagen, dass Sie in andere Funds investieren, weil sie nicht genug Direktinvestmentideen haben…

Herr Lange: Wenn wir uns immer daran orientiert hätten, was Externe denken oder für die Heliad als gut oder schlecht erachten, dann gäbe es die Heliad vermutlich nicht mehr. Was wollen unsere Aktionäre? Auf der einen Seite hohe Erträge, und diese auf der anderen Seite möglichst konstant und nachhaltig. Diesem Ziel kommen wir mit der zusätzlichen, selektiven Investition in andere PE-Fonds sehr nahe. Der Investitionsfokus der Heliad war bisher stark auf den Spähtphasen-Bereich fokussiert. Durch unsere Partnerfonds, wie wir die Zielfonds nennen, erschließen wir uns nun neue Segmente, insbesondere den Seed- und Startup-Bereich. Gleichzeitig ergeben sich dadurch auch zahlreiche Möglichkeiten zu Co-Investments. Wir können also „Cherry-Picking“ betreiben und in vielen Fällen in die interessantesten Portfoliogesellschaften unserer Partnerfonds auch noch einmal direkt investieren. Wir bleiben also in unserem Kerngeschäft, senken aber das Risiko und erhöhen vor allem die Prognosesicherheit unserer Erträge enorm.

Ich vergleiche das gerne mit einem produzierendem Gewerbe: Wir wollen eine Wertentwicklungs- maschine für Unternehmen werden, die konstant und im Idealfall unabhängig von Börsenphasen ordentliche Ergebnisse produzieren kann. Kapitalmarktanleger, die mit einer täglich liquiden Aktie breitflächig an den Chancen des deutschen Private Equity Marktes partizipieren wollen, brauchen dann nur noch eine Gesellschaft – nämlich Heliad. Und um einem Vorurteil vorzubeugen: Für uns ist die Fund-Komponente genauso aufwendig wie die Direktinvestment-Komponente, da wir uns nicht als passive Investoren verstehen, sondern auch unsere Zielfunds aktiv bei der Entwicklung der Unternehmen insbesondere im Hinblick auf das Exitmanagement unterstützen.

DVI: Können sie Ihre geplanten Investmentaktivitäten auch noch in Zahlen fassen?

Herr Lange: Wir wollen bis Mitte des Jahres mindestens 2 weitere Direktinvestments und ca. 2 Fund-Investments tätigen. Bleibt uns das aktuelle Kapitalmarktumfeld erhalten, rechnen wir mit 2 weiten IPOs bis Mitte des Jahres. Prognostiziert hatten wir 4 IPOs für 2006 gesamt. Zusammen mit den bisherigen IPOs C-Quadrat, Solar2 und nextevolution hätten wir unsere Prognose dann schon Mitte des Jahres übertroffen. Dies ist natürlich kein Grund, im zweiten Halbjahr untätig zu sein.

DVI: Zu Ihren Aktionären: Ein Familienzweig der Herbert Quandt Erben hat eine Beteiligung von mehr als 5% an der Heliad gemeldet? Soll der Anteil weiter ausgebaut werden?

Herr Lange: Wir freuen uns sehr über solch renommierte Gesellschafter. Mehr kann ich dazu allerdings nicht sagen, da ich nicht für unsere Aktionäre und deren Ziele sprechen kann. Ich gehe jedoch davon aus, dass man zufrieden mit unserer Arbeit ist.

DVI: Sie haben im Mai Hauptversammlung. Sie planen u. a., sich dort eine weitere Kapitalerhöhung von bis zu 65 Mio. neuen Aktien genehmigen zu lassen. Das wären beim aktuellen Kurs knappe 100 Mio. Euro! Denken Sie ernsthaft daran, weiteres Kapital aufzunehmen?

Herr Lange: Ein umsichtiger Manager muss gerade das Thema Investitionsplanung und Fundraising solide vorausplanen. Es gibt erfreuliche, durchaus vorstellbare Szenarien - sowohl was unsere potentiellen Neuinvestments als auch mögliche Exits betrifft -, die eine weitere Kapitalaufnahme für die Gesellschaft sinnvoll machen. Eine weitere mögliche Kapitalerhöhung würde aber sicherlich deutlich über dem Kurs der letzten Kapitalerhöhung stattfinden. Insofern sind noch einige „Hausaufgaben“ vorher zu erledigen.

DVI: Wo sehen Sie selbst das Kursziel mit Blick auf ein Jahr?

Herr Lange: Börsenkurse unterliegen immer Schwankungen, die abhängig von der Stimmung des Kapitalmarktes sind. Meine Aussage kann sich insofern nur auf unser operatives Tätigkeitsfeld und unsere Aktivitäten hierin beziehen, und da kann ich Ihnen versichern, dass wir davon überzeugt sind, gerade im Segment für deutsches Small- und MidCap Private Equity in den nächsten Jahren noch von zahlreichen Marktineffizienzen profitieren zu können. Wir sind beim Aktienkurs ohnehin nicht an sprunghaften Kursentwicklungen interessiert, sondern an einer soliden Entwicklung nach oben.

DVI: Welche Überraschungen planen Sie sonst noch für das 2. Halbjahr für Ihre Aktionäre?

Herr Lange: Da es Überraschungen bleiben sollen, kann ich natürlich jetzt nicht darüber sprechen. Aber wir arbeiten daran, unserem langfristigen Ziel näher zu kommen, nämlich die Heliad zum Synonym für deutsches Private Equity am Kapitalmarkt zu machen.

DVI: Besten Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Rochus C. Rüttnauer.

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