Heliad Equity GmbH
& Co. KGaA - (WKN: 604729 / ISIN: DE0006047293 / Symbol: HPB)
Interviewpartner: Andreas Lange, Geschäftsführer
Hintergrund:
zum 30.09.2005 – also vor gut einem halben Jahr - hatte Heliad
ein Eigenkapital von ca. 9,4 Mio. Euro bei einem Aktienkapital von ca.
8,6 Mio. Als Bilanzgewinn wurde nach untestierten Zahlen ein Ergebnis
Q1-Q3/2005 in Höhe von 0,08 Mio. Euro ausgewiesen, und die Börsenkapitalisierung
betrug bei einem Kurs von etwa 0,80 Euro weniger als 10 Mio. Euro.
Sechs Monate später sieht die Welt in dieser Firma
komplett anders aus: Über drei Kapital- erhöhungen –
die erste davon im November 2005, die beiden anderen im März und
April 2006 - wurden mehr als 40 Mio. Euro neue Eigenmittel zwischen
Kursen von 1,00 – 1,20 Euro eingeworben, und der Börsenwert
beträgt jetzt bei sehr stabilen Kursen über 65 Mio. Euro.
Das Management plant, das frische Kapital u. a. in Pre-IPO-Beteiligungen
sowie in Unternehmen in Sondersituationen (stark unterbewertete Gesellschaften
etc.) zu investieren. Einen Branchenfokus gibt es hierbei nicht. DVI
hat den Geschäftsführer der Managementgesellschaft, Andreas
Lange, gefragt, wie er die künftige Entwicklung bei Heliad einschätzt.
Das Vorstandsinterview (DVI): Gratulation, Herr Lange,
wie haben Sie es geschafft, innerhalb so kurzer Zeit mehr als 40 Mio.
Euro frische Mittel am Kapitalmarkt einzuwerben?
Herr Lange: Wir haben mit der Heliad in 2001 begonnen,
vorbörslich in Unternehmen zu investieren. Die meisten anderen
Gesellschaften, die damals aktiv waren, gibt es heute nicht mehr, insofern
stehen wir ganz gut da und haben mehr richtig als falsch gemacht. Natürlich
war es auch für uns in den Jahren 2002 bis 2004 nicht möglich,
frisches Kapital einzuwerben. Seit 2005 zeigen sich jedoch nun die Früchte
unserer Arbeit: In den letzten 12 Monaten haben 8 Unter- nehmen aus
unserem Portfolio den Sprung an die Börse geschafft. Und seit Ende
letzten Jahres erkennen und schätzen immer mehr insbesondere institutionelle
Anleger unsere Leistungen und das große Potenzial der Heliad.
Die erste Kapitalerhöhung im November 2005 konnten wir daher sogar
bei 1 Euro platzieren, obwohl der Kurs damals nur bei 0,80 Euro stand.
Bei den beiden letzten Kapitalerhöhungen stand der Kurs dann jeweils
deutlich über dem Emissionspreis, was natürlich für viele
Altaktionäre und zahlreiche neue Investoren ein schöner zusätzlicher
Anreiz war. Auch nicht unwichtig dürfte gewesen sein, dass das
Management privat die Durchführungen der Kapitalerhöhungen
garantiert hat – ein klares Zeichen, dass wir an die Heliad und
ihren Erfolg glauben.
DVI: Trotz der vielen neuen Aktien – das Grundkapital
hat sich seit September 2005 fast vervierfacht – und einem Freefloat
von 100% scheint es überhaupt keinen Abgabedruck zu geben, die
Heliad steigt bei hohen Umsätzen von ca. 0,5 - 1 Mio. Stücke
pro Tag fast linear an. Woran liegt das?
Herr Lange: Wir haben es geschafft, zahlreiche große
institutionelle und vor allem stabile Anleger wie Versicherungen, Pensionskassen
und Family Offices von der Heliad zu überzeugen. Bei den meisten
würde ich erwarten, dass der Anlagehorizont bei mehr als 3 Jahren
liegt. Bei einigen weiß ich, dass sie auch regelmäßig
zukaufen.
DVI: Ihr NAV (Net Asset Value) liegt bei 1,20 Euro,
Anleger zahlen also aktuell ein Premium. Womit ist das gerechtfertigt?
Herr Lange: Beim NAV handelt es sich um einen konservativen
Substanzwert, bei dem der Wert aller Beteiligungen abzüglich der
Verbindlichkeiten betrachtet wird. Ähnlich den HGB-Bilanzie- rungsrichtlinien
wird bei Private Equity Fonds, deren Beteiligungen zumeist nicht börsennotiert
sind und daher keinen Kurswert aufweisen, der NAV berechnet, indem die
Anschaffungskosten eines Investments um eventuelle Abschreibungen aufgrund
von Planverfehlungen reduziert oder – dies aber sehr restriktiv
– um eventuelle Zuschreibungen erhöht werden. Bei Abschreibungen
gilt hierbei das so genannte „Vorsichtsprinzip“, d.h. es
sollen frühzeitig eventuelle Risiken in Form von Sicherheitsabschreibungen
aufgezeigt werden. Gleichzeitig gilt auch bei Zuschreibungen dieses
„Vorsichtsprinzip“, d.h. diese dürfen erst gemacht
werden, wenn ganz konkrete, genau definierte Ereignisse eingetreten
sind – z.B. ein Börsengang. Damit ist der NAV in der Private
Equity Branche – sofern er konsistent und streng berechnet wird
– nicht der Fair Value - wie er oft falsch verstanden wird -,
sondern vielmehr eine Art konservative Wertuntergrenze. Und das beginnen
viele Investoren, die uns lange beim NAV als fair bewertet erachtet
haben, zu verstehen. In unserem Portfolio schlummern einfach noch einige
stille Reserven.
DVI: Können Sie diese stille Reserven quantifizieren?
Herr Lange: Wir berechnen ebenfalls regelmäßig
den so genannten Potentialwert. Hier werden die eventuellen Rückflüsse
bzw. Bewertungen bei einem möglichen Exit abgeschätzt. So
fließen in den Potentialwert z.B. potentielle IPO-Bewertungen
von Portfoliounternehmen ein, die von beteiligten Konsortialbanken im
Vorfeld des IPO für realistisch gehalten werden. Da es meistens
verschiedene Indikationen gibt und zukünftige, erwartete Entwicklungen
einfließen, ist der Potentialwert als Wert-Spanne angegeben. Der
gegenwärtige Potentialwert liegt bei 1,55 – 1,75 Euro je
Aktie.
DVI: In dieser Spanne sehen Sie also Ihre Aktie fair
bewertet?
Herr Lange: Sowohl eine NAV-Betrachtung als auch die
Potentialwert-Betrachtung stellen nur auf den reinen Substanzwert der
Heliad Equity Partners ab, d.h. neue, potenziell wertschaffende Investitionen
werden nicht berücksichtigt. Um dem Umstand des regelmäßigen
Geschäfts- betriebes – im Fall einer Beteiligungsgesellschaft
der Kauf und Verkauf von Portfoliounternehmen – Rechnung zu tragen,
der somit auch ab einer bestimmten Portfoliogröße regelmäßige
Erträge erwirtschaften kann, werden größere börsennotierte
Gesellschaften üblicherweise anhand ihrer Ertragskraft bewertet.
Unser aktuelles KGV für 2006 basierend auf unserer Planung, die
man im derzeitigen Kapitalmarktklima durchaus als vorsichtig bezeichnen
kann, beträgt ca. 13. Ob das nun günstig ist oder nicht mag
jeder selbst beurteilen.
DVI: Was sind Ihre hochkarätigsten Beteiligungen
im Portefeuille?
Herr Lange: Wir sind mit allen unseren Beteiligungen
im Wesentlichen zufrieden. Aber ich denke, dass bei anhaltendem positivem
Börsenklima insbesondere ItN und Magnat in den nächsten Monaten
für Aufsehen sorgen werden.
DVI: Eines Ihrer Portfoliounternehmen – C-Quadrat
– wurde Ende März im Entry Standard gelistet. Beim aktuellen
Kurs würden Sie allein durch die Realisierung der Kursgewinne nach
IFRS 3,6 Mio. Euro. verdienen. Das ist ja schon ein wichtiger Teil des
für 2006 geplanten Umsatzes von 8,4 Mio. und damit auch des geplanten
EBTs, oder sehen wir das falsch?
Herr Lange: Das stimmt.
DVI: Und bei ItN wird ebenfalls eine stille Reserve
in Höhe von 5-10 Mio. Euro kolportiert. Sollten Sie Ihre Planung
nicht anheben?
Herr Lange: Ein höheres Ergebnis ist denkbar,
aber wie gesagt, bin ich eher ein Freund von konservativeren Planungen.
DVI: Wie viel Prozent des neuen Kapitals wollen Sie
bis zum Jahresende investiert haben – und können Sie in etwa
einen Überblick geben, wo der Schwerpunkt Ihrer Investments liegen
könnte?
Herr Lange: Ich denke, dass wir bis zum Jahresende
den größten Teil der liquiden Mittel allokiert haben werden.
Dabei fokussieren wir uns auf Direktinvestments in späteren Unternehmens-
phasen – derzeit insbesondere Pre-IPO Investments. Zukünftig
werden wir zudem selektiv auch Investments in andere deutsche Private
Equity Fonds beimischen.
DVI: Bisher haben Sie nur Direktinvestments gemacht,
nun investieren Sie auch bei anderen Managern. Wenn man böswillig
wäre, könnte man sagen, dass Sie in andere Funds investieren,
weil sie nicht genug Direktinvestmentideen haben…
Herr Lange: Wenn wir uns immer daran orientiert hätten,
was Externe denken oder für die Heliad als gut oder schlecht erachten,
dann gäbe es die Heliad vermutlich nicht mehr. Was wollen unsere
Aktionäre? Auf der einen Seite hohe Erträge, und diese auf
der anderen Seite möglichst konstant und nachhaltig. Diesem Ziel
kommen wir mit der zusätzlichen, selektiven Investition in andere
PE-Fonds sehr nahe. Der Investitionsfokus der Heliad war bisher stark
auf den Spähtphasen-Bereich fokussiert. Durch unsere Partnerfonds,
wie wir die Zielfonds nennen, erschließen wir uns nun neue Segmente,
insbesondere den Seed- und Startup-Bereich. Gleichzeitig ergeben sich
dadurch auch zahlreiche Möglichkeiten zu Co-Investments. Wir können
also „Cherry-Picking“ betreiben und in vielen Fällen
in die interessantesten Portfoliogesellschaften unserer Partnerfonds
auch noch einmal direkt investieren. Wir bleiben also in unserem Kerngeschäft,
senken aber das Risiko und erhöhen vor allem die Prognosesicherheit
unserer Erträge enorm.
Ich vergleiche das gerne mit einem produzierendem Gewerbe:
Wir wollen eine Wertentwicklungs- maschine für Unternehmen werden,
die konstant und im Idealfall unabhängig von Börsenphasen
ordentliche Ergebnisse produzieren kann. Kapitalmarktanleger, die mit
einer täglich liquiden Aktie breitflächig an den Chancen des
deutschen Private Equity Marktes partizipieren wollen, brauchen dann
nur noch eine Gesellschaft – nämlich Heliad. Und um einem
Vorurteil vorzubeugen: Für uns ist die Fund-Komponente genauso
aufwendig wie die Direktinvestment-Komponente, da wir uns nicht als
passive Investoren verstehen, sondern auch unsere Zielfunds aktiv bei
der Entwicklung der Unternehmen insbesondere im Hinblick auf das Exitmanagement
unterstützen.
DVI: Können sie Ihre geplanten Investmentaktivitäten
auch noch in Zahlen fassen?
Herr Lange: Wir wollen bis Mitte des Jahres mindestens
2 weitere Direktinvestments und ca. 2 Fund-Investments tätigen.
Bleibt uns das aktuelle Kapitalmarktumfeld erhalten, rechnen wir mit
2 weiten IPOs bis Mitte des Jahres. Prognostiziert hatten wir 4 IPOs
für 2006 gesamt. Zusammen mit den bisherigen IPOs C-Quadrat, Solar2
und nextevolution hätten wir unsere Prognose dann schon Mitte des
Jahres übertroffen. Dies ist natürlich kein Grund, im zweiten
Halbjahr untätig zu sein.
DVI: Zu Ihren Aktionären: Ein Familienzweig der
Herbert Quandt Erben hat eine Beteiligung von mehr als 5% an der Heliad
gemeldet? Soll der Anteil weiter ausgebaut werden?
Herr Lange: Wir freuen uns sehr über solch renommierte
Gesellschafter. Mehr kann ich dazu allerdings nicht sagen, da ich nicht
für unsere Aktionäre und deren Ziele sprechen kann. Ich gehe
jedoch davon aus, dass man zufrieden mit unserer Arbeit ist.
DVI: Sie haben im Mai Hauptversammlung. Sie planen
u. a., sich dort eine weitere Kapitalerhöhung von bis zu 65 Mio.
neuen Aktien genehmigen zu lassen. Das wären beim aktuellen Kurs
knappe 100 Mio. Euro! Denken Sie ernsthaft daran, weiteres Kapital aufzunehmen?
Herr Lange: Ein umsichtiger Manager muss gerade das
Thema Investitionsplanung und Fundraising solide vorausplanen. Es gibt
erfreuliche, durchaus vorstellbare Szenarien - sowohl was unsere potentiellen
Neuinvestments als auch mögliche Exits betrifft -, die eine weitere
Kapitalaufnahme für die Gesellschaft sinnvoll machen. Eine weitere
mögliche Kapitalerhöhung würde aber sicherlich deutlich
über dem Kurs der letzten Kapitalerhöhung stattfinden. Insofern
sind noch einige „Hausaufgaben“ vorher zu erledigen.
DVI: Wo sehen Sie selbst das Kursziel mit Blick auf
ein Jahr?
Herr Lange: Börsenkurse unterliegen immer Schwankungen,
die abhängig von der Stimmung des Kapitalmarktes sind. Meine Aussage
kann sich insofern nur auf unser operatives Tätigkeitsfeld und
unsere Aktivitäten hierin beziehen, und da kann ich Ihnen versichern,
dass wir davon überzeugt sind, gerade im Segment für deutsches
Small- und MidCap Private Equity in den nächsten Jahren noch von
zahlreichen Marktineffizienzen profitieren zu können. Wir sind
beim Aktienkurs ohnehin nicht an sprunghaften Kursentwicklungen interessiert,
sondern an einer soliden Entwicklung nach oben.
DVI: Welche Überraschungen planen Sie sonst noch
für das 2. Halbjahr für Ihre Aktionäre?
Herr Lange: Da es Überraschungen bleiben sollen,
kann ich natürlich jetzt nicht darüber sprechen. Aber wir
arbeiten daran, unserem langfristigen Ziel näher zu kommen, nämlich
die Heliad zum Synonym für deutsches Private Equity am Kapitalmarkt
zu machen.
DVI: Besten Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Rochus C. Rüttnauer.
http://www.das-vorstandsinterview.de