09.02.06  DAS VORSTANDSINTERVIEW
Leonardo Venture KG a.A. - (WKN: 587876 / ISIN: DE0005878763 / Symbol: L3V)

Interviewpartner: Prof. Dr. Wupperfeld, Mitglied der Geschäftsführung

Leonardo Venture HomepageHintergrund: Mit einer spektakulären Transaktion hat die Leonardo Venture KGaA zum Jahresende auf sich aufmerksam gemacht. Durch den Verkauf der Beteiligung an der CureVac GmbH an Beteiligungsgesellschaften des SAP-Gründers Dietmar Hopp wurde ein Rohertrag von 4,3 Mio. Euro erzielt. CureVac ist spezialisiert auf die Produktion von chemisch und enzymtechnisch synthetisierten RNA-Molekülen für die Forschung und den therapeutischen Gebrauch. Gleichzeitig wurden zwei Unternehmen aus dem Bereich Medizintechnik aus dem Hopp-Imperium akquiriert, die einen Liquiditätsbedarf von 7 Mio. Euro erfordert hätten, wäre nicht die Hopp-Gruppe im Rahmen einer Sacheinlage mit ca. 18% zweitgrößter Aktionär geworden. Die Geschäftsführung der Leonardo Venture KGaA möchte im laufenden Jahr die Zahl der Beteiligungen auf mindestens 6-8 erhöhen, um den Wert der Aktie zu stärken. DVI hat das Mitglied der Geschäftsführung, Herrn Prof. Dr. Wupperfeld über die Aussichten seines Unternehmens befragt.

Das Vorstandsinterview (DVI): Herr Prof. Wupperfeld, wie sehen Sie die Entwicklung der Venture-Branche in Deutschland?

Prof. Wupperfeld: Nach einer Phase der Konsolidierung befindet sich die Venture Capital Branche seit Mitte des letzten Jahres stark im Aufwind. Investoren erkennen zunehmend die Chancen dieser Branche, sodass die Investitionsbereitschaft überaus stark angestiegen ist. Dennoch sind derzeit in Deutschland nur wenige echte Venture-Capital-Gesellschaften aktiv, die das Early-Stage-Geschäft betreiben und verstehen. Die Möglichkeiten in hochinteressante Unter- nehmen zu günstigen Konditionen zu investieren sind daher hervorragend. Der Venture- Capital-Markt befindet sich am Anfang einer neuen Investitionsphase. Für die Kapitalgeber, die jetzt investieren eröffnen sich außerordentlich hohe Renditechancen. Differenziert hiervon ist der Private-Equity-Markt zu sehen. Die zyklische Entwicklung des Private-Equity-Marktes läuft der des Venture-Capital-Marktes voraus, sodass hier schon erste Anzeichen eines Überangebotes an Kapital zu erkennen sind. Für Venture-Capital ist das frühestens in den nächsten zwei bis drei Jahren zu erwarten.

DVI: Wie ist die Leonardo Venture KGaA innerhalb der Branche positioniert?

Prof. Wupperfeld: Leonardo Venture hat sich in den letzten 5 Jahren trotz des Zusammenbruches des New Economy Marktes und der darauf folgenden Konsolidierungsphase sehr positiv entwickelt und eine deutlich positive Performance erzielt. Das ist zurückzuführen auf die konsequente Konzentration auf junge Technologieunternehmen in den Portfoliobereichen Gesundheit und Lebensqualität. Leonardo Venture richtet den Fokus auf Early-Stage-Investments, bei denen nachweislich die höchsten Renditen erzielbar sind, vorausgesetzt man betreut die Unternehmen sehr intensiv. Im operativen Geschäft zeichnen uns die sehr umfassende und selektive Prüfung von potentiellen Beteiligungen sowie das Hands-on-Management, d.h. die proaktive Managementunterstützung unserer Beteiligungen aus.

DVI: Bitte teilen Sie uns mit, in welchen Bereichen Sie bevorzugt investieren wollen und weshalb?

Prof. Wupperfeld: Wir werden unsere Beteiligungsstrategie konsequent weiter verfolgen, weil sie sich sehr bewährt hat und die Erfolge uns bestätigen. Im aktuellen Suchfeld stehen Beteiligungen in der Medizintechnik, der Nanotechnologie, der Energietechnik sowie der Kommunikations- technik.

DVI: Können Sie uns nähere Informationen darüber geben, wie die Kaufpreise von CureVac, MedicalCommunications und VRmagic ermittelt worden sind? Gibt es beispielsweise Vergleichsansätze?

Prof. Wupperfeld: Wir verwenden die DCF-Methode in Verbindung mit einer Marktbetrachtung, d.h. dem Vergleich mit ähnlichen Unternehmen. Bei Plandaten werden hohe Sicherheitsabschläge gemacht, sodass wir zu einer konservativen Bewertung kommen. In die Bewertung fließen auch die möglichen Multiples ein, die bei einem zukünftigen Exit zu erzielen sind. Außerdem haben wir uns an ähnlichen Transaktionen orientieren können, bei denen ähnliche Bewertungen zugrunde gelegt wurden.

DVI: War es nur der hohe Ertrag, der Sie zur Veräußerung von CureVac veranlasst hat, oder haben auch andere Faktoren eine Rolle gespielt?

Prof. Wupperfeld: Der Exit ist elementarer Bestandteil unseres Geschäftsmodells, da wir hierüber unsere Performance generieren und gleichzeitig neues Kapital akquirieren für weitere Beteiligungen. Dabei sind der erzielbare Veräußerungspreis im Vergleich zu einem künftigen Veräußerungspreis unter Berücksichtigung des Risikos die wichtigsten Entscheidungskriterien. Da der Veräußerungspreis im oberen Viertel unseres Zielkorridors lag, war der Exit für unsere Investoren sehr interessant. Es waren aber auch strategische Gründe von Bedeutung. Der neue Investor wird über 20 Mio. Euro in CureVac investieren. Leonardo Venture wäre in die Position eines kleineren Gesellschafters gekommen, was mit unserer Strategie der proaktiven Unterstützung und Steuerung von Beteiligungen nicht kompatibel gewesen wäre.

DVI: Was ist der USP von MedicalCommunications, die Sie kürzlich von Herrn Hopp übernommen haben?

Prof. Wupperfeld: Das PACS (Picture Archiving and Communication System) von MedicalCommunications besitzt mehrere USPs in den Bereichen Technologie, Qualität, Service und Datenschutz. Dabei zählen die schnelle Performance und hohe Ausfallsicherheit, die einfache und intuitive Bedienung, das von MedicalCommunications entwickelte digitale Bild am Krankenbett (d. h. digitale und mobile Visite mittels eines tragbaren Computers), sowie die Möglichkeit auch ohne Radiologie- bzw. Krankenhaus-Informations-Systeme Zugriffsrechte abbilden zu können, zu den wichtigsten Alleinstellungsmerkmalen. Das Unternehmen hat das gegenwärtig schnellste und perfomanteste Archivsystem am Markt.

DVI: Wie viele Kunden haben sich bereits von der VRmagic GmbH – Ihrer zweiten Neuerwerbung – trainieren lassen?

Prof. Wupperfeld: Mit dem Augenoperationssimulator EYESI® hat VRmagic ein Produkt am Markt positioniert, das auf eindrucksvolle Weise die Leistungsfähigkeit und das Nutzenpotential von Virtueller Realität demonstriert. Mit dem Virtual Reality Simulator von VRmagic steht erstmals eine Möglichkeit für den Chirurgen zur Verfügung, medizinisch hochsensible Eingriffe im Auge unter realistischen Bedingungen und ohne gesundheitliches Risiko für den Patienten zu trainieren. So kann eine hohe Qualität der augenchirurgischen Behandlungen bereits in der Ausbildung gewährleistet werden. Darüber hinaus ersetzt die Technologie von VRmagic das chirurgische Training an Schweineaugen, dem so genannten Wetlab.

Weltweit sind gegenwärtig über 50 Simulatoren im Einsatz. Seit Anfang 2003 werden EYESI Simulatoren in den Ausbildungsveranstaltungen der großen deutschen ophthalmologischen Gesellschaften (DOG, DOC, AAD, DGII) verwendet. Für diese Veranstaltungen verleiht VRmagic Simulatoren an die organisierenden Gesellschaften. Die Gesamtzahl der an EYESI trainierenden Ärzte lässt sich schwer abschätzen, die Simulatoren werden aber täglich eingesetzt und das zunehmend.

DVI: Welche Ziele haben Sie für das laufende Jahr?

Prof. Wupperfeld: Wir befinden uns zurzeit in der Investitionsphase und werden unser Beteiligungsportfolio durch Investitionen in sehr chancenreiche, aufstrebende Unternehmen kurzfristig erweitern. Wir haben ca. 10 Mio. Euro als Investitionsmittel zur Verfügung. Damit wollen wir mindestens 5 weitere Beteiligungen eingehen. Voraussichtlich werden wir in Kürze eine weitere Beteiligung vermelden können; wie Sie sehen, treiben wir Leonardo sehr aktiv voran.

Ferner entwickeln wir gemeinsam mit den Gründern unsere bestehenden Beteiligungen weiter, um auch hier die angestrebten Beteiligungs- und Exitziele in den Jahren 2006/2007 erreichen zu können.

DVI: Glauben Sie nicht, dass Sie mit 6 Beteiligungen und 3 mittelfristig geplanten Beteiligungs- managern vom Investitionsvolumen im Vergleich zu den laufenden Kosten im Branchenvergleich ungünstig positioniert sind?

Prof. Wupperfeld: Absolut nicht. Leonardo Venture besteht aus der börsennotierten Fonds- gesellschaft und einer Managementgesellschaft. Die Beteiligungsmanager stehen bei der Managementgesellschaft auf der Pay-roll. Da die Managementgesellschaft in Abhängigkeit vom verwalteten Kapital entlohnt wird, erfährt die Fondgesellschaft keine Belastung durch hohe Personalkosten. Die meisten Venture-Capital-Gesellschaften dieser Welt sind nach diesem Modell aufgestellt, weil es unter anderem den Vorteil der sehr hohen Kostentransparenz und – kalkulierbarkeit hat. Im Übrigen ist Leonardo Venture auf Wachstumskurs. Unsere Kapazitäten sind wichtig, um neue Beteiligungen optimal prüfen und später auch betreuen zu können.

DVI: Ihr Geschäftsmodell eignet sich nicht für jeden Aktionär. Wie sieht der ideale Aktionär von Leonardo aus und wie wollen Sie diesen finden?

Prof. Wupperfeld: Ideale Aktionäre sind solche, die unser Geschäftsmodell als das verstehen, was es ist: eine professionelle, expertengestützte und sich innovativen Technologien verpflichtende Anlagemöglichkeit, die sehr gute Renditen verspricht. Der ideale Anleger sollte einen mittel- bis langfristigen Atem haben. Anders als z.B. produzierende Unternehmen haben Venture-Capital-Gesellschaften ja keinen kontinuierlichen Umsatz, sondern erzielen sehr hohe Erträge im Falle erfolgreicher Exits. Es ist durchaus möglich in einem Geschäftsjahr keinen Exit und damit keine nennenswerten Erträge zu haben, obwohl sich das Beteiligungsportfolio außergewöhnlich gut entwickelt. Deshalb sind uns Aktionäre am liebsten, die einen mittel- bis langfristigen Anlagehorizont haben und jetzt investieren, um an den langfristigen Chancen der kontinuierlichen Wertsteigerung unseres Portfolios zu partizipieren.

DVI: Können Sie sich vorstellen, bei größeren Deals ein Joint-Venture oder ein Co-Investment mit einer anderen VC-Gesellschaft vorzunehmen?

Prof. Wupperfeld: Ja, das haben wir in der Vergangenheit bereits erfolgreich praktiziert.

DVI: Wo steht Ihr Wunschkurs am Jahresende?

Prof. Wupperfeld: Bei über 5 Euro.

DVI: Wie wollen Sie das erreichen, wenn Sie dieses Jahr möglicherweise keine Exits mehr haben?

Prof. Wupperfeld: Im Zuge des Börsengangs wurde unser Beteiligungsportfolio von einem unabhängigen Research-Institut auf 4 Euro pro Aktie beziffert. Aufgrund der erfolgreichen Veräußerung von Curevac sowie der neuen Engagements ist der Wert sicher nicht gesunken. Sie sehen also, dass wir von dem anstrebten Ziel nicht weit entfernt sind.

DVI: Besten Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Rochus C. Rüttnauer.

http://www.das-vorstandsinterview.de