Leonardo Venture KG
a.A. - (WKN: 587876 / ISIN: DE0005878763 / Symbol: L3V)
Interviewpartner: Prof. Dr. Wupperfeld, Mitglied der Geschäftsführung
Hintergrund:
Mit einer spektakulären Transaktion hat die Leonardo Venture KGaA
zum Jahresende auf sich aufmerksam gemacht. Durch den Verkauf der Beteiligung
an der CureVac GmbH an Beteiligungsgesellschaften des SAP-Gründers
Dietmar Hopp wurde ein Rohertrag von 4,3 Mio. Euro erzielt. CureVac
ist spezialisiert auf die Produktion von chemisch und enzymtechnisch
synthetisierten RNA-Molekülen für die Forschung und den therapeutischen
Gebrauch. Gleichzeitig wurden zwei Unternehmen aus dem Bereich Medizintechnik
aus dem Hopp-Imperium akquiriert, die einen Liquiditätsbedarf von
7 Mio. Euro erfordert hätten, wäre nicht die Hopp-Gruppe im
Rahmen einer Sacheinlage mit ca. 18% zweitgrößter Aktionär
geworden. Die Geschäftsführung der Leonardo Venture KGaA möchte
im laufenden Jahr die Zahl der Beteiligungen auf mindestens 6-8 erhöhen,
um den Wert der Aktie zu stärken. DVI hat das Mitglied der Geschäftsführung,
Herrn Prof. Dr. Wupperfeld über die Aussichten seines Unternehmens
befragt.
Das Vorstandsinterview (DVI): Herr Prof. Wupperfeld,
wie sehen Sie die Entwicklung der Venture-Branche in Deutschland?
Prof. Wupperfeld: Nach einer Phase der Konsolidierung
befindet sich die Venture Capital Branche seit Mitte des letzten Jahres
stark im Aufwind. Investoren erkennen zunehmend die Chancen dieser Branche,
sodass die Investitionsbereitschaft überaus stark angestiegen ist.
Dennoch sind derzeit in Deutschland nur wenige echte Venture-Capital-Gesellschaften
aktiv, die das Early-Stage-Geschäft betreiben und verstehen. Die
Möglichkeiten in hochinteressante Unter- nehmen zu günstigen
Konditionen zu investieren sind daher hervorragend. Der Venture- Capital-Markt
befindet sich am Anfang einer neuen Investitionsphase. Für die
Kapitalgeber, die jetzt investieren eröffnen sich außerordentlich
hohe Renditechancen. Differenziert hiervon ist der Private-Equity-Markt
zu sehen. Die zyklische Entwicklung des Private-Equity-Marktes läuft
der des Venture-Capital-Marktes voraus, sodass hier schon erste Anzeichen
eines Überangebotes an Kapital zu erkennen sind. Für Venture-Capital
ist das frühestens in den nächsten zwei bis drei Jahren zu
erwarten.
DVI: Wie ist die Leonardo Venture KGaA innerhalb der
Branche positioniert?
Prof. Wupperfeld: Leonardo Venture hat sich in den
letzten 5 Jahren trotz des Zusammenbruches des New Economy Marktes und
der darauf folgenden Konsolidierungsphase sehr positiv entwickelt und
eine deutlich positive Performance erzielt. Das ist zurückzuführen
auf die konsequente Konzentration auf junge Technologieunternehmen in
den Portfoliobereichen Gesundheit und Lebensqualität. Leonardo
Venture richtet den Fokus auf Early-Stage-Investments, bei denen nachweislich
die höchsten Renditen erzielbar sind, vorausgesetzt man betreut
die Unternehmen sehr intensiv. Im operativen Geschäft zeichnen
uns die sehr umfassende und selektive Prüfung von potentiellen
Beteiligungen sowie das Hands-on-Management, d.h. die proaktive Managementunterstützung
unserer Beteiligungen aus.
DVI: Bitte teilen Sie uns mit, in welchen Bereichen
Sie bevorzugt investieren wollen und weshalb?
Prof. Wupperfeld: Wir werden unsere Beteiligungsstrategie
konsequent weiter verfolgen, weil sie sich sehr bewährt hat und
die Erfolge uns bestätigen. Im aktuellen Suchfeld stehen Beteiligungen
in der Medizintechnik, der Nanotechnologie, der Energietechnik sowie
der Kommunikations- technik.
DVI: Können Sie uns nähere Informationen
darüber geben, wie die Kaufpreise von CureVac, MedicalCommunications
und VRmagic ermittelt worden sind? Gibt es beispielsweise Vergleichsansätze?
Prof. Wupperfeld: Wir verwenden die DCF-Methode in
Verbindung mit einer Marktbetrachtung, d.h. dem Vergleich mit ähnlichen
Unternehmen. Bei Plandaten werden hohe Sicherheitsabschläge gemacht,
sodass wir zu einer konservativen Bewertung kommen. In die Bewertung
fließen auch die möglichen Multiples ein, die bei einem zukünftigen
Exit zu erzielen sind. Außerdem haben wir uns an ähnlichen
Transaktionen orientieren können, bei denen ähnliche Bewertungen
zugrunde gelegt wurden.
DVI: War es nur der hohe Ertrag, der Sie zur Veräußerung
von CureVac veranlasst hat, oder haben auch andere Faktoren eine Rolle
gespielt?
Prof. Wupperfeld: Der Exit ist elementarer Bestandteil
unseres Geschäftsmodells, da wir hierüber unsere Performance
generieren und gleichzeitig neues Kapital akquirieren für weitere
Beteiligungen. Dabei sind der erzielbare Veräußerungspreis
im Vergleich zu einem künftigen Veräußerungspreis unter
Berücksichtigung des Risikos die wichtigsten Entscheidungskriterien.
Da der Veräußerungspreis im oberen Viertel unseres Zielkorridors
lag, war der Exit für unsere Investoren sehr interessant. Es waren
aber auch strategische Gründe von Bedeutung. Der neue Investor
wird über 20 Mio. Euro in CureVac investieren. Leonardo Venture
wäre in die Position eines kleineren Gesellschafters gekommen,
was mit unserer Strategie der proaktiven Unterstützung und Steuerung
von Beteiligungen nicht kompatibel gewesen wäre.
DVI: Was ist der USP von MedicalCommunications, die
Sie kürzlich von Herrn Hopp übernommen haben?
Prof. Wupperfeld: Das PACS (Picture Archiving and Communication
System) von MedicalCommunications besitzt mehrere USPs in den Bereichen
Technologie, Qualität, Service und Datenschutz. Dabei zählen
die schnelle Performance und hohe Ausfallsicherheit, die einfache und
intuitive Bedienung, das von MedicalCommunications entwickelte digitale
Bild am Krankenbett (d. h. digitale und mobile Visite mittels eines
tragbaren Computers), sowie die Möglichkeit auch ohne Radiologie-
bzw. Krankenhaus-Informations-Systeme Zugriffsrechte abbilden zu können,
zu den wichtigsten Alleinstellungsmerkmalen. Das Unternehmen hat das
gegenwärtig schnellste und perfomanteste Archivsystem am Markt.
DVI: Wie viele Kunden haben sich bereits von der VRmagic
GmbH – Ihrer zweiten Neuerwerbung – trainieren lassen?
Prof. Wupperfeld: Mit dem Augenoperationssimulator
EYESI® hat VRmagic ein Produkt am Markt positioniert, das auf eindrucksvolle
Weise die Leistungsfähigkeit und das Nutzenpotential von Virtueller
Realität demonstriert. Mit dem Virtual Reality Simulator von VRmagic
steht erstmals eine Möglichkeit für den Chirurgen zur Verfügung,
medizinisch hochsensible Eingriffe im Auge unter realistischen Bedingungen
und ohne gesundheitliches Risiko für den Patienten zu trainieren.
So kann eine hohe Qualität der augenchirurgischen Behandlungen
bereits in der Ausbildung gewährleistet werden. Darüber hinaus
ersetzt die Technologie von VRmagic das chirurgische Training an Schweineaugen,
dem so genannten Wetlab.
Weltweit sind gegenwärtig über 50 Simulatoren
im Einsatz. Seit Anfang 2003 werden EYESI Simulatoren in den Ausbildungsveranstaltungen
der großen deutschen ophthalmologischen Gesellschaften (DOG, DOC,
AAD, DGII) verwendet. Für diese Veranstaltungen verleiht VRmagic
Simulatoren an die organisierenden Gesellschaften. Die Gesamtzahl der
an EYESI trainierenden Ärzte lässt sich schwer abschätzen,
die Simulatoren werden aber täglich eingesetzt und das zunehmend.
DVI: Welche Ziele haben Sie für das laufende Jahr?
Prof. Wupperfeld: Wir befinden uns zurzeit in der Investitionsphase
und werden unser Beteiligungsportfolio durch Investitionen in sehr chancenreiche,
aufstrebende Unternehmen kurzfristig erweitern. Wir haben ca. 10 Mio.
Euro als Investitionsmittel zur Verfügung. Damit wollen wir mindestens
5 weitere Beteiligungen eingehen. Voraussichtlich werden wir in Kürze
eine weitere Beteiligung vermelden können; wie Sie sehen, treiben
wir Leonardo sehr aktiv voran.
Ferner entwickeln wir gemeinsam mit den Gründern
unsere bestehenden Beteiligungen weiter, um auch hier die angestrebten
Beteiligungs- und Exitziele in den Jahren 2006/2007 erreichen zu können.
DVI: Glauben Sie nicht, dass Sie mit 6 Beteiligungen
und 3 mittelfristig geplanten Beteiligungs- managern vom Investitionsvolumen
im Vergleich zu den laufenden Kosten im Branchenvergleich ungünstig
positioniert sind?
Prof. Wupperfeld: Absolut nicht. Leonardo Venture besteht
aus der börsennotierten Fonds- gesellschaft und einer Managementgesellschaft.
Die Beteiligungsmanager stehen bei der Managementgesellschaft auf der
Pay-roll. Da die Managementgesellschaft in Abhängigkeit vom verwalteten
Kapital entlohnt wird, erfährt die Fondgesellschaft keine Belastung
durch hohe Personalkosten. Die meisten Venture-Capital-Gesellschaften
dieser Welt sind nach diesem Modell aufgestellt, weil es unter anderem
den Vorteil der sehr hohen Kostentransparenz und – kalkulierbarkeit
hat. Im Übrigen ist Leonardo Venture auf Wachstumskurs. Unsere
Kapazitäten sind wichtig, um neue Beteiligungen optimal prüfen
und später auch betreuen zu können.
DVI: Ihr Geschäftsmodell eignet sich nicht für
jeden Aktionär. Wie sieht der ideale Aktionär von Leonardo
aus und wie wollen Sie diesen finden?
Prof. Wupperfeld: Ideale Aktionäre sind solche,
die unser Geschäftsmodell als das verstehen, was es ist: eine professionelle,
expertengestützte und sich innovativen Technologien verpflichtende
Anlagemöglichkeit, die sehr gute Renditen verspricht. Der ideale
Anleger sollte einen mittel- bis langfristigen Atem haben. Anders als
z.B. produzierende Unternehmen haben Venture-Capital-Gesellschaften
ja keinen kontinuierlichen Umsatz, sondern erzielen sehr hohe Erträge
im Falle erfolgreicher Exits. Es ist durchaus möglich in einem
Geschäftsjahr keinen Exit und damit keine nennenswerten Erträge
zu haben, obwohl sich das Beteiligungsportfolio außergewöhnlich
gut entwickelt. Deshalb sind uns Aktionäre am liebsten, die einen
mittel- bis langfristigen Anlagehorizont haben und jetzt investieren,
um an den langfristigen Chancen der kontinuierlichen Wertsteigerung
unseres Portfolios zu partizipieren.
DVI: Können Sie sich vorstellen, bei größeren
Deals ein Joint-Venture oder ein Co-Investment mit einer anderen VC-Gesellschaft
vorzunehmen?
Prof. Wupperfeld: Ja, das haben wir in der Vergangenheit
bereits erfolgreich praktiziert.
DVI: Wo steht Ihr Wunschkurs am Jahresende?
Prof. Wupperfeld: Bei über 5 Euro.
DVI: Wie wollen Sie das erreichen, wenn Sie dieses
Jahr möglicherweise keine Exits mehr haben?
Prof. Wupperfeld: Im Zuge des Börsengangs wurde
unser Beteiligungsportfolio von einem unabhängigen Research-Institut
auf 4 Euro pro Aktie beziffert. Aufgrund der erfolgreichen Veräußerung
von Curevac sowie der neuen Engagements ist der Wert sicher nicht gesunken.
Sie sehen also, dass wir von dem anstrebten Ziel nicht weit entfernt
sind.
DVI: Besten Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Rochus C. Rüttnauer.
http://www.das-vorstandsinterview.de