init innovation in
traffic systems AG - (WKN: 575980 / ISIN: DE0005759807 / Symbol: IXX)
Interviewpartner: Dr. Gottfried Greschner, Vorstandsvorsitzender
Gehaltene Aktien: 3.591.400 (von 10,04 Mio)
Hintergrund:
Die init innovation in traffic systems AG ist ein weltweit führender
Anbieter auf dem Gebiet der Verkehrstelematik. Hauptabnehmer ist dabei
der öffentliche Personennahverkehr im Bereich der Verkehrsführung
und der elektronischen Zahlungssysteme für Busse und Bahnen. Die
init AG hat dabei im letzten Jahr einige Großaufträge vor
allem in Nordamerika abgeschlossen. Nachdem in 2004 noch ein negatives
EPS ausgewiesen werden musste, wird 2005 wieder an die Glanzjahre des
Unternehmens von 2000 und 2001 angeknüpft. Eine kräftige Umsatzsteigerung
führte dazu, dass die Q3-Zahlen glänzend ausfielen –
EBIT + 2,2 Mio. Euro (Vj. – 3,5), EPS 0,12 Euro ( Vj. -0,24 ).
Das neue Jahr begann für das Unternehmen mit einem Paukenschlag:
Von den Verkehrsbetrieben in Vancouver hat init den bisher größten
Einzelauftrag in der Firmengeschichte mit einem Volumen von rd. 25 Mio.
Euro erhalten.
DVI sprach mit dem Vorstandsvorsitzenden Dr. Gottfried Greschner über
die Zukunft des Unternehmens.
Das Vorstandsinterview (DVI): Herr Dr. Greschner, herzlichen
Glückwunsch zu den Zahlen von 2005 und den bekannt gegebenen Abschlüssen.
Zunächst einmal die Frage: Was müssen sich unsere Leser unter
„innovation in traffic systems“ vorstellen? Erläutern
Sie uns doch bitte kurz Ihr Geschäftsmodell.
Dr. Greschner: Wir haben uns vollständig spezialisiert
auf die Telematik mit Bussen und Bahnen. Das heisst, die Fahrzeuge werden
mit einem intelligenten Bordrechner ausgestattet, der alle Geräte
im Fahrzeug überwacht und steuert und außerdem direkt mit
einer Zentrale verbunden ist. So kann bei Störungen schnell und
gezielt eingegriffen werden. „Innovation in traffic systems“
geht noch einen Schritt weiter, das heißt, wir machen Innovation
bereits bei der Planung der Fahr- und Dienstpläne unserer Kunden.
Durch „Innovation in traffic systems“ sparen sich unsere
Kunden Kosten, sie erhöhen gleichzeitig die Qualität ihres
Angebots und werden so wettbewerbsfähiger, auch gegenüber
dem PKW.
DVI: Nach Jahren rückläufiger Umsatzzahlen
hat sich das Deutschlandgeschäft 2005 überraschend gut entwickelt.
Wie erklären Sie sich das? Sind das nur Effekte der Fussball-WM
oder ist die kräftige Belebung von Dauer?
Dr. Greschner: Die Fußball-WM hat sicherlich
zu einer gewissen Initialzündung geführt, z.B. bei unserem
Auftrag in München. Wir bekommen aber auch vermehrt Aufträge
aus Städten, die keine Austragungsorte sind und mit der WM nichts
zu tun haben.
Auch die Vielzahl von Nachbestellungen aus den Kundenprojekten
heraus zeugt unserer Einschätzung nach davon, dass die Belebung
von Dauer ist und weit über die WM hinaus reichen wird.
DVI: Der öffentliche Nahverkehr hängt überall
am Subventionstropf und die Kassen sind leer. Wo wollen Sie bei diesem
Szenario Wachstum generieren?
Dr. Greschner: Unsere Systeme verbessern die Qualität
und erhöhen damit das Fahrgast- aufkommen. Das führt wiederum
zu höheren Einnahmen. Zum anderen stellen wir fest, dass auch in
Deutschland wieder erhebliche Mittel für Verkehrsinfrastruktur
bereitstehen; so wurden einige Bestellungen zum Ende letzten Jahres
mit der Maßgabe abgegeben, dass die Lieferung und Abrechnung noch
in 2005 erfolgen muss.
DVI: Heißt das, dass Sie Ihre früheren,
bundesweit verteilten Büros wieder öffnen werden?
Dr. Greschner: Nein, denn das hat sich auch nicht
bewährt. Wenn Neueröffnungen, dann allenfalls in neuen Ländern.
DVI: Neben Deutschland sind vor allem die skandinavischen
Länder die Umsatzträger in Europa. Welche Länder stehen
in Europa noch auf Ihrer Agenda, wo werden die nächsten Abschlüsse
sein?
Dr. Greschner: Zum einen sind für uns hoch entwickelte
Länder wie Niederlande und Großbritannien interessant, in
London haben wir ja bereits den Auftrag für die Busse durchgeführt.
Zum anderen kommt Spanien in Frage als Test für eine Expansion
in Richtung Südamerika. Einige kleinere Aufträge haben wir
bereits erfolgreich abwickeln können.
DVI: Ihr wichtigster Markt ist derzeit Nordamerika.
Welche Marktstellung nehmen Sie auf diesem Markt ein?
Dr. Greschner: Genaue Zahlen darüber liegen uns
nicht vor, aber wir sind sicher in einer führenden Position. Bei
Berücksichtigung der letzten Abschlüsse sind wir sehr wahrscheinlich
die Nummer eins und damit Marktführer. Dies ist zurückzuführen
auf unsere langjährige Erfahrung und den damit einhergehenden technologischen
Vorsprung unserer Produkte.
DVI: Mit dem soeben bekannt gegebenen Großauftrag
in Vancouver wird die Abhängigkeit von Amerika und damit dem Dollar
auf einen Anteil von über 50% wachsen. Wie begegnen Sie diesen
Risiken?
Dr. Greschner: Zunächst ist zu sagen, dass der
Auftrag in Can$ abgeschlossen ist und damit nicht ganz den Schwankungen
des Dollar ausgesetzt ist. Daneben haben wir eine Absicherungs- strategie
entwickelt, bei der die Kalkulation deutlich über dem derzeitigen
Kurs liegt. Auf Basis des derzeitigen Kurses entstünden somit zusätzliche
Deckungsbeiträge.
DVI: Welche Risken liegen in diesem Großauftrag
und wie wird er im laufenden Jahr das Ergebnis verbessern?
Dr. Greschner: In diesem Auftrag liegen keine besonderen
Risiken. Neu an diesem Auftrag ist nur die Zusammenarbeit mit einem
Hersteller für Funksysteme.
DVI: Ihr Amerikageschäft boomt zur Zeit. Wie viel
Potential sehen Sie noch in den Staaten?
Dr. Greschner: Wir sehen ein weiteres Wachstum als
durchaus möglich an, weil die Bush-Administration die Mittel für
den öffentlichen Personennahverkehr für 2006 um 10% erhöht
hat. Wir glauben, dass dem Auftrag in New York mit einem Volumen von
16 Mio., verteilt auf zwei Jahre, durchaus noch weitere Aufträge
mit einem ähnlichen Volumen folgen werden.
DVI: Sie haben in den vergangenen Jahren ein stringentes
Kostenmanagement durchgeführt und nicht zuletzt Mitarbeiter abgebaut.
Können Sie mit der jetzt vorhandenen Mannschaft die anstehenden
Großprojekte überhaupt planmäßig abwickeln?
Dr. Greschner: Für die jetzt anstehenden Aufgaben
und die vorliegenden Aufträge ist die vorhandene Mannschaft ausreichend.
Ein maßvoller Anstieg der Mitarbeiterzahl kommt allerdings in
Betracht, wenn alle in der Pipeline steckenden Aufträge zur Unterschrift
gelangen.
DVI: Sie haben vor wenigen Tagen gemeldet, dass die
Arabischen Staaten starkes Interesse an Ihren Lösungen zeigen.
Wann rechnen Sie mit dem ersten Abschluss aus dieser Region?
Dr. Greschner: Der Zeitplan ist durch den Tod zweier
Scheichs in der Region etwas beeinträchtigt worden, aber ich gehe
davon aus, dass ein erster Abschluss noch in diesem Quartal vorliegen
wird.
DVI: Die Init AG hält 2,8 Prozent eigene Aktien.
Wie hoch sind die stillen Reserven in dieser Position und was wollen
Sie damit anfangen?
Dr. Greschner: Die stillen Reserven in dieser Position
sind erheblich, auf Basis des derzeitigen Kursniveaus liegen sie in
der Größenordnung von 100% über dem bilanzierten Wert
(mehr 1 Mio. Euro).
DVI: Ihre Q3-Zahlen 2005 sind glänzend wie schon
lange nicht mehr. Das EBIT liegt bei 2 Mio. und das starke 4.Quartal
kommt noch dazu. Ist Ihr EBIT-Ziel für 2005 mit 3 Mio. Euro nicht
zu niedrig angesetzt?
Dr. Greschner: Wir haben unsere vorsichtige Schätzung
im Jahresverlauf bereits nach oben korrigiert, ein Überschreiten
der Marke um 10% nach oben ist aber durchaus im Bereich des Möglichen.
DVI: Die EPS-Prognosen liegen bei 28 Cent für
2006 und 30 Cent für 2007. Wann können Ihre Aktionäre
mit einer Dividendenzahlung rechnen?
Dr. Greschner: Für das Jahr 2006 müssen wir
noch etwas vorsichtiger sein und können daher Schätzungen
im Markt von einem EPS von 35 Cent je Aktie aus heutiger Sicht noch
nicht bestätigen. Auf Grund der Tatsache, dass unsere Verlustvorträge
schon vollständig getilgt sind und wir voll in die Steuerprogression
hineinfahren, können wir von einem Ergebnis in der Größenordnung
zwischen 23 und 28 Cent für das laufende Jahr ausgehen. Für
2007 haben wir einen Auftragsbestand in der Größenordnung
von ca. 30 Mio. Euro und erwarten, dass sich dieser Wert auf deutlich
über 40 Mio. steigern lässt. Die Dividendenzahlung wird derzeit
im Vorstand diskutiert, nach Vorlage der endgültigen Zahlen wird
dazu die Entscheidung getroffen und dem Aufsichtsrat ein Vorschlag vorgelegt.
DVI: 70% Ihrer Mitarbeiter haben eine akademische Ausbildung.
Ist das nicht ein sehr hoher Kostenfaktor?
Dr. Greschner: Wir sehen unsere Mitarbeiter nicht als
Kostenfaktor, sondern als entscheidenden Wettbewerbsvorteil, weil wir
mit ihrem Wissen unseren technologischen Vorsprung weiter ausbauen.
DVI: Ihr Umsatz- und Ertragswachstum basiert bisher
auf Großaufträgen. Sind Sie damit nicht zu sehr abhängig
von diesen Aufträgen? Wie wollen Sie den künftigen Umsatz
„verstetigen“?
Dr. Greschner: Wir haben durchschnittlich 2 Großaufträge
pro Jahr. Inzwischen haben wir auch sehr viele Aufträge mit einem
mittleren Volumen und auch einen sehr hohen Auftragseingang im Bereich
der Nachbestellungen.
DVI: Ihre bisherigen Good-News basierten auf neuen
Aufträgen. Dürfen sich unsere Leser auch im Bereich der F&E
auf neue Produktankündigungen freuen?
Dr. Greschner: Gerade haben wir die Internetbasierte
Echtzeit-Abfrage der Abfahrtszeiten der Karlsruher Straßenbahnen
vorgestellt und bereits eine sehr positive Resonanz und Anfragen erhalten.
Dieses System kann auch auf das Handy ausgedehnt werden, so dass wir
hier einen echten Schritt nach vorne gemacht haben.
DVI: Muss nicht angesichts Ihrer glänzenden Ergebnisse
und der derzeitigem Umsatzzuwächse damit gerechnet werden, dass
ein „Big Player“ wie General Electric den Markt betritt?
Dr. Greschner: Wir beschäftigen uns mit dieser
Frage seit mehr als 10 Jahren. Das Problem für die Großen
sind die sehr hohen Markteintrittsbarrieren, nicht nur in finanzieller,
sondern vor allem in zeitlicher Hinsicht. Die bisherigen Versuche scheiterten
alle nach 2 – 3 Jahren. Auch in New York war es z.B. so, dass
ein internationaler Multi nicht mehr in der Endrunde war, weil sie einfach
zu teuer waren. Wir dagegen haben den Auftrag bekommen, obwohl wir mit
unserem Preis nur im mittleren Preissegment gelegen haben. Sie sehen
damit die gute Wettbewerbsstellung unseres Unternehmens.
DVI: Der Aktienkurs ist seit Jahresanfang von rd. 5,50
Euro regelrecht „explodiert“ und steht jetzt bei ca. 7,35
Euro. CdC Capital sieht bei diesem Niveau den fairen Wert der Aktie.
Ist damit die Hausse schon wieder zu Ende oder sehen Sie noch Luft nach
oben?
Dr. Greschner: Wir haben sehr gute weitere regionale
Wachstumschancen und auch viele neue Produkte. Damit werden wir weiter
in Umsatz und Ertrag wachsen. Man muss auch unseren derzeitigen hohen
Cash-Bestand von ca. einem Euro je Aktie berücksichtigen sowie
die Tatsache, dass wir keine Bankverbindlichkeiten haben.
DVI: Herr Dr. Greschner, wo wollen Sie Ende 2007 mit
der init stehen?
Dr. Greschner: Die Vision ist ein Umsatz über
45 Mio. Euro bei einem EBIT von 4 bis 5 Mio. Euro.
DVI: Besten Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Rochus C. Rüttnauer.
http://www.das-vorstandsinterview.de