30.01.06  DAS VORSTANDSINTERVIEW
init innovation in traffic systems AG - (WKN: 575980 / ISIN: DE0005759807 / Symbol: IXX)

Interviewpartner: Dr. Gottfried Greschner, Vorstandsvorsitzender
Gehaltene Aktien: 3.591.400 (von 10,04 Mio)

init HomepageHintergrund: Die init innovation in traffic systems AG ist ein weltweit führender Anbieter auf dem Gebiet der Verkehrstelematik. Hauptabnehmer ist dabei der öffentliche Personennahverkehr im Bereich der Verkehrsführung und der elektronischen Zahlungssysteme für Busse und Bahnen. Die init AG hat dabei im letzten Jahr einige Großaufträge vor allem in Nordamerika abgeschlossen. Nachdem in 2004 noch ein negatives EPS ausgewiesen werden musste, wird 2005 wieder an die Glanzjahre des Unternehmens von 2000 und 2001 angeknüpft. Eine kräftige Umsatzsteigerung führte dazu, dass die Q3-Zahlen glänzend ausfielen – EBIT + 2,2 Mio. Euro (Vj. – 3,5), EPS 0,12 Euro ( Vj. -0,24 ). Das neue Jahr begann für das Unternehmen mit einem Paukenschlag: Von den Verkehrsbetrieben in Vancouver hat init den bisher größten Einzelauftrag in der Firmengeschichte mit einem Volumen von rd. 25 Mio. Euro erhalten.
DVI sprach mit dem Vorstandsvorsitzenden Dr. Gottfried Greschner über die Zukunft des Unternehmens.

Das Vorstandsinterview (DVI): Herr Dr. Greschner, herzlichen Glückwunsch zu den Zahlen von 2005 und den bekannt gegebenen Abschlüssen. Zunächst einmal die Frage: Was müssen sich unsere Leser unter „innovation in traffic systems“ vorstellen? Erläutern Sie uns doch bitte kurz Ihr Geschäftsmodell.

Dr. Greschner: Wir haben uns vollständig spezialisiert auf die Telematik mit Bussen und Bahnen. Das heisst, die Fahrzeuge werden mit einem intelligenten Bordrechner ausgestattet, der alle Geräte im Fahrzeug überwacht und steuert und außerdem direkt mit einer Zentrale verbunden ist. So kann bei Störungen schnell und gezielt eingegriffen werden. „Innovation in traffic systems“ geht noch einen Schritt weiter, das heißt, wir machen Innovation bereits bei der Planung der Fahr- und Dienstpläne unserer Kunden. Durch „Innovation in traffic systems“ sparen sich unsere Kunden Kosten, sie erhöhen gleichzeitig die Qualität ihres Angebots und werden so wettbewerbsfähiger, auch gegenüber dem PKW.

DVI: Nach Jahren rückläufiger Umsatzzahlen hat sich das Deutschlandgeschäft 2005 überraschend gut entwickelt. Wie erklären Sie sich das? Sind das nur Effekte der Fussball-WM oder ist die kräftige Belebung von Dauer?

Dr. Greschner: Die Fußball-WM hat sicherlich zu einer gewissen Initialzündung geführt, z.B. bei unserem Auftrag in München. Wir bekommen aber auch vermehrt Aufträge aus Städten, die keine Austragungsorte sind und mit der WM nichts zu tun haben.

Auch die Vielzahl von Nachbestellungen aus den Kundenprojekten heraus zeugt unserer Einschätzung nach davon, dass die Belebung von Dauer ist und weit über die WM hinaus reichen wird.

DVI: Der öffentliche Nahverkehr hängt überall am Subventionstropf und die Kassen sind leer. Wo wollen Sie bei diesem Szenario Wachstum generieren?

Dr. Greschner: Unsere Systeme verbessern die Qualität und erhöhen damit das Fahrgast- aufkommen. Das führt wiederum zu höheren Einnahmen. Zum anderen stellen wir fest, dass auch in Deutschland wieder erhebliche Mittel für Verkehrsinfrastruktur bereitstehen; so wurden einige Bestellungen zum Ende letzten Jahres mit der Maßgabe abgegeben, dass die Lieferung und Abrechnung noch in 2005 erfolgen muss.

DVI: Heißt das, dass Sie Ihre früheren, bundesweit verteilten Büros wieder öffnen werden?

Dr. Greschner: Nein, denn das hat sich auch nicht bewährt. Wenn Neueröffnungen, dann allenfalls in neuen Ländern.

DVI: Neben Deutschland sind vor allem die skandinavischen Länder die Umsatzträger in Europa. Welche Länder stehen in Europa noch auf Ihrer Agenda, wo werden die nächsten Abschlüsse sein?

Dr. Greschner: Zum einen sind für uns hoch entwickelte Länder wie Niederlande und Großbritannien interessant, in London haben wir ja bereits den Auftrag für die Busse durchgeführt. Zum anderen kommt Spanien in Frage als Test für eine Expansion in Richtung Südamerika. Einige kleinere Aufträge haben wir bereits erfolgreich abwickeln können.

DVI: Ihr wichtigster Markt ist derzeit Nordamerika. Welche Marktstellung nehmen Sie auf diesem Markt ein?

Dr. Greschner: Genaue Zahlen darüber liegen uns nicht vor, aber wir sind sicher in einer führenden Position. Bei Berücksichtigung der letzten Abschlüsse sind wir sehr wahrscheinlich die Nummer eins und damit Marktführer. Dies ist zurückzuführen auf unsere langjährige Erfahrung und den damit einhergehenden technologischen Vorsprung unserer Produkte.

DVI: Mit dem soeben bekannt gegebenen Großauftrag in Vancouver wird die Abhängigkeit von Amerika und damit dem Dollar auf einen Anteil von über 50% wachsen. Wie begegnen Sie diesen Risiken?

Dr. Greschner: Zunächst ist zu sagen, dass der Auftrag in Can$ abgeschlossen ist und damit nicht ganz den Schwankungen des Dollar ausgesetzt ist. Daneben haben wir eine Absicherungs- strategie entwickelt, bei der die Kalkulation deutlich über dem derzeitigen Kurs liegt. Auf Basis des derzeitigen Kurses entstünden somit zusätzliche Deckungsbeiträge.

DVI: Welche Risken liegen in diesem Großauftrag und wie wird er im laufenden Jahr das Ergebnis verbessern?

Dr. Greschner: In diesem Auftrag liegen keine besonderen Risiken. Neu an diesem Auftrag ist nur die Zusammenarbeit mit einem Hersteller für Funksysteme.

DVI: Ihr Amerikageschäft boomt zur Zeit. Wie viel Potential sehen Sie noch in den Staaten?

Dr. Greschner: Wir sehen ein weiteres Wachstum als durchaus möglich an, weil die Bush-Administration die Mittel für den öffentlichen Personennahverkehr für 2006 um 10% erhöht hat. Wir glauben, dass dem Auftrag in New York mit einem Volumen von 16 Mio., verteilt auf zwei Jahre, durchaus noch weitere Aufträge mit einem ähnlichen Volumen folgen werden.

DVI: Sie haben in den vergangenen Jahren ein stringentes Kostenmanagement durchgeführt und nicht zuletzt Mitarbeiter abgebaut. Können Sie mit der jetzt vorhandenen Mannschaft die anstehenden Großprojekte überhaupt planmäßig abwickeln?

Dr. Greschner: Für die jetzt anstehenden Aufgaben und die vorliegenden Aufträge ist die vorhandene Mannschaft ausreichend. Ein maßvoller Anstieg der Mitarbeiterzahl kommt allerdings in Betracht, wenn alle in der Pipeline steckenden Aufträge zur Unterschrift gelangen.

DVI: Sie haben vor wenigen Tagen gemeldet, dass die Arabischen Staaten starkes Interesse an Ihren Lösungen zeigen. Wann rechnen Sie mit dem ersten Abschluss aus dieser Region?

Dr. Greschner: Der Zeitplan ist durch den Tod zweier Scheichs in der Region etwas beeinträchtigt worden, aber ich gehe davon aus, dass ein erster Abschluss noch in diesem Quartal vorliegen wird.

DVI: Die Init AG hält 2,8 Prozent eigene Aktien. Wie hoch sind die stillen Reserven in dieser Position und was wollen Sie damit anfangen?

Dr. Greschner: Die stillen Reserven in dieser Position sind erheblich, auf Basis des derzeitigen Kursniveaus liegen sie in der Größenordnung von 100% über dem bilanzierten Wert (mehr 1 Mio. Euro).

DVI: Ihre Q3-Zahlen 2005 sind glänzend wie schon lange nicht mehr. Das EBIT liegt bei 2 Mio. und das starke 4.Quartal kommt noch dazu. Ist Ihr EBIT-Ziel für 2005 mit 3 Mio. Euro nicht zu niedrig angesetzt?

Dr. Greschner: Wir haben unsere vorsichtige Schätzung im Jahresverlauf bereits nach oben korrigiert, ein Überschreiten der Marke um 10% nach oben ist aber durchaus im Bereich des Möglichen.

DVI: Die EPS-Prognosen liegen bei 28 Cent für 2006 und 30 Cent für 2007. Wann können Ihre Aktionäre mit einer Dividendenzahlung rechnen?

Dr. Greschner: Für das Jahr 2006 müssen wir noch etwas vorsichtiger sein und können daher Schätzungen im Markt von einem EPS von 35 Cent je Aktie aus heutiger Sicht noch nicht bestätigen. Auf Grund der Tatsache, dass unsere Verlustvorträge schon vollständig getilgt sind und wir voll in die Steuerprogression hineinfahren, können wir von einem Ergebnis in der Größenordnung zwischen 23 und 28 Cent für das laufende Jahr ausgehen. Für 2007 haben wir einen Auftragsbestand in der Größenordnung von ca. 30 Mio. Euro und erwarten, dass sich dieser Wert auf deutlich über 40 Mio. steigern lässt. Die Dividendenzahlung wird derzeit im Vorstand diskutiert, nach Vorlage der endgültigen Zahlen wird dazu die Entscheidung getroffen und dem Aufsichtsrat ein Vorschlag vorgelegt.

DVI: 70% Ihrer Mitarbeiter haben eine akademische Ausbildung. Ist das nicht ein sehr hoher Kostenfaktor?

Dr. Greschner: Wir sehen unsere Mitarbeiter nicht als Kostenfaktor, sondern als entscheidenden Wettbewerbsvorteil, weil wir mit ihrem Wissen unseren technologischen Vorsprung weiter ausbauen.

DVI: Ihr Umsatz- und Ertragswachstum basiert bisher auf Großaufträgen. Sind Sie damit nicht zu sehr abhängig von diesen Aufträgen? Wie wollen Sie den künftigen Umsatz „verstetigen“?

Dr. Greschner: Wir haben durchschnittlich 2 Großaufträge pro Jahr. Inzwischen haben wir auch sehr viele Aufträge mit einem mittleren Volumen und auch einen sehr hohen Auftragseingang im Bereich der Nachbestellungen.

DVI: Ihre bisherigen Good-News basierten auf neuen Aufträgen. Dürfen sich unsere Leser auch im Bereich der F&E auf neue Produktankündigungen freuen?

Dr. Greschner: Gerade haben wir die Internetbasierte Echtzeit-Abfrage der Abfahrtszeiten der Karlsruher Straßenbahnen vorgestellt und bereits eine sehr positive Resonanz und Anfragen erhalten. Dieses System kann auch auf das Handy ausgedehnt werden, so dass wir hier einen echten Schritt nach vorne gemacht haben.

DVI: Muss nicht angesichts Ihrer glänzenden Ergebnisse und der derzeitigem Umsatzzuwächse damit gerechnet werden, dass ein „Big Player“ wie General Electric den Markt betritt?

Dr. Greschner: Wir beschäftigen uns mit dieser Frage seit mehr als 10 Jahren. Das Problem für die Großen sind die sehr hohen Markteintrittsbarrieren, nicht nur in finanzieller, sondern vor allem in zeitlicher Hinsicht. Die bisherigen Versuche scheiterten alle nach 2 – 3 Jahren. Auch in New York war es z.B. so, dass ein internationaler Multi nicht mehr in der Endrunde war, weil sie einfach zu teuer waren. Wir dagegen haben den Auftrag bekommen, obwohl wir mit unserem Preis nur im mittleren Preissegment gelegen haben. Sie sehen damit die gute Wettbewerbsstellung unseres Unternehmens.

DVI: Der Aktienkurs ist seit Jahresanfang von rd. 5,50 Euro regelrecht „explodiert“ und steht jetzt bei ca. 7,35 Euro. CdC Capital sieht bei diesem Niveau den fairen Wert der Aktie. Ist damit die Hausse schon wieder zu Ende oder sehen Sie noch Luft nach oben?

Dr. Greschner: Wir haben sehr gute weitere regionale Wachstumschancen und auch viele neue Produkte. Damit werden wir weiter in Umsatz und Ertrag wachsen. Man muss auch unseren derzeitigen hohen Cash-Bestand von ca. einem Euro je Aktie berücksichtigen sowie die Tatsache, dass wir keine Bankverbindlichkeiten haben.

DVI: Herr Dr. Greschner, wo wollen Sie Ende 2007 mit der init stehen?

Dr. Greschner: Die Vision ist ein Umsatz über 45 Mio. Euro bei einem EBIT von 4 bis 5 Mio. Euro.

DVI: Besten Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Rochus C. Rüttnauer.

http://www.das-vorstandsinterview.de