IM Internationalmedia AG - (WKN: 548880 / ISIN: DE0005488803 / Symbol: IEM)
Interviewpartner: Herr Andreas Konle, CFO
Gehaltene Aktien: keine
Hintergrund:
Die IM Internationalmedia AG (WKN 548880) bekannt für die Produktion
von weltbekannten Filmen wie Terminator 3 oder Alexander geht wieder
sicheren Zeiten entgegen. Nachdem der neue Vorstandsvorsitzende Martin
Schürmann das Steuer von Herrn Bormann übernommen hat und
sich gleich auch mit 2 Millionen in der Gesellschaft engagiert hat,
wurde das Konzept auf ein deutlich risikoloseres Geschäftsmodell
umgestellt. Kurz vor dem Beginn der Kapitalerhöhung mit einem ausmachenden
Betrag von 20 Millionen Euro litt der Kurs unter einer Short-Attacke,
von der er sich jetzt wieder vollständig erholt hat. DVI hat den
CFO Andreas Konle zu den Geschäftsaussichten befragt.
Das Vorstandsinterview (DVI): Herr Konle, Sie notieren
jetzt wieder nahe dem Nominalwert, nach dem der Kurs noch vor wenigen
Tagen bei 0,80 Euro gestanden ist. Fühlen Sie sich jetzt etwas
erleichtert?
Herr Konle: Der Aktienkurs war in den vergangenen Tagen
nicht der, den wir uns gewünscht haben. Allerdings habe ich in
Frankfurt mit institutionellen Anlegern und auch Bänkern gesprochen,
die diese Situation relativ gelassen gesehen haben. Zudem blieb das
Feedback auf unsere Kapitalmaßnahmen in diesen Tagen unverändert
positiv. Natürlich ist es aber ein besseres Gefühl, wieder
auf einen stabilisierten Aktienkurs blicken zu können.
DVI: Läßt Sie die Erklärung von Octagon
Asset-Management wieder sicherer schlafen, dass diese schon nachhaltig
darüber nachdenkt, den nicht von freien Aktionären bezogenen
Teil der Barkapitalerhöhung zu übernehmen?
Herr Konle: Octagon kennt die Gesellschaft und ihre
Strukturen praktisch beinahe so gut wie Martin Schürmann oder ich,
sie wissen also genau, in welches Unternehmen sie hier investieren.
Dies sollte sowohl für private als auch für institutionelle
Anleger ein beruhigendes und positives Zeichen sein. Trotz des durchweg
positiven Feedbacks, das wir derzeit erhalten, ist eine solche Interessensbekundung
selbstverständlich eine hohe Sicherheit, dass wir unsere Vorstellungen
in Zukunft verwirklichen können.
DVI: Können Sie sich vorstellen, dass Octagon
auch im Rahmen eines harten Commitments, also auch in einer bankgarantierten
Erklärung die Bestätigung abgibt die nicht bezogenen Aktien
zu zeichnen?
Herr Konle: Natürlich liegt das absolut im Rahmen
des Möglichen. Wir führen in diesem Zusammenhang täglich
Gespräche und ich gehe davon aus, dass wir kurzfristig zu einem
positiven Ergebnis kommen werden.
DVI: Was macht das neue IM – Management anders
als die früheren Manager?
Herr Konle: Wir haben erkannt, dass die Gesellschaft
durch die veränderten Marktbedingungen nicht mehr richtig aufgestellt
war. Auch wenn wir mit INTERMEDIA FILMS unser ursprüngliches Geschäft,
die Produktion großer Eventfilme, beibehalten, so wird der Schwerpunkt
unter dem neuen Management jedoch auf den beiden neuen Geschäftsbereichen
liegen. Mit INTERMEDIA CINEMA werden wir zukünftig Genre-Filme
produzieren und vertreiben. Hier konzentrieren wir uns in erster Linie
auf Psycho- und Actionfilme, welche in der Entwicklung und in der Produktion
wesentlich schneller und weniger kapitalintensiv sind als unsere bisherigen
Filme. Dies erhöht die Planbarkeit unseres Geschäfts erheblich,
sodass die bisher starke Volatilität zumindest teilweise ausgeglichen
werden kann. Gleiches gilt für den Bereich INTERMEDIA TV, in dem
wir international auswertbare TV-Spielfilme, TV-Miniserien und TV-Serien
produzieren werden.
Die Gesellschaft bleibt folglich innerhalb ihrer Kernkompetenzen,
allerdings arbeitet das Management nun auf einer breiteren Basis, die
deutlich planbarer ist.
DVI: Welche Umsatzaufteilung erwarten Sie in den kommenden
Jahren?
Herr Konle: Ich erwarte, dass zumindest im Jahr 2006
der Bereich INTERMEDIA FILMS noch den deutlich höchsten Anteil
am Umsatz haben wird. Dies resultiert allein aus der Tatsache, dass
die jetzt in Produktion befindlichen Filme im Jahr 2006 in die Kinos
kommen werden. Jedoch sollte bereits im kommenden Jahr ein deutlicher
Ergebnisbeitrag aus den beiden anderen Bereichen INTERMEDIA CINEMA und
INTERMEDIA TV generiert werden, welcher sich hauptsächlich auf
die Produktionsstarts zurückführen lässt. Erst in 2007
werden wir dann umsatzseitig die richtigen Relationen sehen, wenn INTERMEDIA
FILMS voraussichtlich ca. 30%, INTERMEDIA CINEMA ca. 55% und INTERMEDIA
TV ca. 15% ausmachen werden.
DVI: Was macht Sie so sicher, dass Sie im Bereich INTERMEDIA
CINEMA erfolgreicher arbeiten können, als in den vergangenen Jahren
mit den großen Eventproduktionen?
Herr Konle: Ich will ganz klar sagen, dass sich die
Gesellschaft mit dem Bereich INTERMEDIA CINEMA nicht auf unbekanntes
Terrain bewegt, weil es in letzter Konsequenz auch um die Produktion
von Kinofilmen geht. Jedoch gibt es zwischen der Produktion von Eventfilmen
und der Umsetzung von Genrefilmen einige bedeutende Unterschiede. Im
Wesentlichen geht es darum, dass die Internationalmedia bei den Genrefilmen
die wirkliche Entscheidungsgewalt in allen Bereichen der Finanzierung,
Produktion und Lizenzierung hat. Dies ist in der Realität bei den
großen Eventproduktionen nicht immer gegeben, weil zu viele Abhängigkeiten
von mächtigen Partnern, wie z.B. den Studios, Star-Schauspielern,
großen Regisseuren, etc. bestehen. Dies erschwert die Planbarkeit
enorm. Insgesamt bleibt festzuhalten, dass die Produktion von Genrefilmen
vor dem Hintergrund der jetzigen Gesamtsituation ein aussichtsreiches
Feld für ein studiounabhängiges Unternehmen ist.
DVI: Wie werden sich die vorgenommenen Umstrukturierungen
im Ergebnis 2005 auswirken?
Herr Konle: Nun, das lässt sich bereits nach den
ersten neun Monaten sehen, wo die Gesellschaft ja profitabel ist. Wenn
man bedenkt, dass wir im Vergleichszeitraum des vergangenen Jahres noch
einen Verlust von ca. 23 Mio. Euro hinnehmen mussten, dann ist das ein
wirklicher Erfolg. Unserer Meinung nach eine typische Turnaround Story,
wo ein Unternehmen nach einer schweren Krise mit einem ausgewogenen
Geschäftsmodell wieder Fuß fasst. Richtig greifen werden
die Maßnahmen deshalb im Jahr 2006, wenn wir die Unternehmensstrategie
nach dem Übergangsjahr 2005 voll umsetzen können.
DVI: Wird sich die Zahl der Geschäftsbereiche
von jetzt drei in nächster Zukunft erhöhen?
Herr Konle: Man sollte nie etwas völlig ausschließen.
Dennoch muss man sehen, dass wir in diesem Jahr sehr viel erreicht haben.
Bisher sind wir mit der Entwicklung sehr zufrieden und ich gehe davon
aus, dass es in naher Zukunft keinen Grund gibt, die derzeitige Struktur
der Gesellschaft nochmals in bedeutendem Maße zu verändern.
DVI: Analysten von SES erwarten für 2005 ein EPS
von 0,07. Werden Sie diese Marke noch erreichen können?
Herr Konle: Zu Anfang dieses Geschäftsjahres haben
wir uns eine ganz klare Zielhierarchie vorgenommen, welche an erster
Stelle die Liquiditätssicherung, an zweiter Stelle den Abbau der
Verluste und an dritter Stelle ein Umsatzwachstum für die Jahre
2006 ff. vorsah. Das erste Ziel werden wir in 2005 voraussichtlich abgeschlossen
haben und nach der Durchführung der Kapitalmaßnahmen wird
die Gesellschaft wieder auf einen gestärkten Liquiditätsbestand
bauen können. Ertragsmäßig ist es für uns ein sehr
großer Erfolg, wenn wir am Jahresende die schwarze Null sehen.
Wenn wir das schaffen, obwohl dieses Geschäftsjahr im Zeichen der
Neuausrichtung stand und erste Früchte daraus erst ab dem nächsten
Jahr geerntet werden können, haben wir unser Ziel erreicht. Wir
sehen daher dem verbleibenden Geschäftsjahr 2005 und den anstehenden
Maßnahmen zuversichtlich entgegen.
DVI: Nachdem sich abzeichnet, dass die Kapitalerhöhung
vollständig platziert werden kann – ist damit die Liquidität
für die Zukunft sichergestellt?
Herr Konle: In erster Linie ist für uns wichtig,
dass die Kapitalerhöhung erfolgreich verläuft. Dies bedeutet
für die Gesellschaft, dass sie in der Lage sein wird, den Businessplan
wie vorgesehen umzusetzen. Das wäre bereits mit der Hälfte
des Geldes möglich. Natürlich können und werden wir uns
darauf nicht ausruhen. Bereits in den vergangenen Monaten haben wir
gezeigt, dass die Gesellschaft in der Lage ist, positive Cash Flows
zu erwirtschaften. Die Liquidität wird dabei zum einen durch Produktionsstarts
generiert, da die Gesellschaft hier Financing bzw. Producer Fees vereinnahmen
kann. Durch das neue Geschäftsmodell lässt sich die Liquidität
durch diese Einnahmequelle sehr viel besser auf einem höheren Niveau
stabilisieren als dies bisher der Fall war.
Hinzu kommen Erlösbeteiligungen bei erfolgreichen
Filmen sowie kontinuierliche Erlöse aus der Filmbibliothek.
DVI: Bis wann wollen Sie es schaffen, das Unternehmen
durch Einnahmen aus der Filmbibliothek, also aus dem Filmbestand, zu
finanzieren?
Herr Konle: Zum heutigen Zeitpunkt ist die Filmbibliothek
natürlich noch nicht groß genug, als dass die Gesellschaft
ihre Kosten allein durch diese Einnahmen abdecken könnte, dafür
ist das Unternehmen zu jung. Wir werden die bestehende Bibliothek künftig
weiter ausbauen, um hier planbare und kontinuierliche Cash Flows zu
generieren. Die vollständige Finanzierung durch Bibliothekseinnahmen
ist natürlich der Idealfall, allerdings ist dies sicher ein eher
mittel- bis langfristiges Ziel.
DVI: Wie zuversichtlich sind Sie, die für 2006
erwarteten Zahlen bei Umsatz (158 Mio.) und EBIT (7 Mio.) erreichen
zu können?
Herr Konle: Dies sind Zahlen, die von Analysten errechnet
wurden. Vor dem Hintergrund, dass wir uns derzeit noch in der Bezugsphase
befinden, kann ich aus rechtlichen Gründen keine konkreten Prognosen
für das kommende Jahr abgeben. Was ich derzeit sagen kann, ist
dass wir im kommenden Jahr schwarze Zahlen schreiben werden.
DVI: Ist die Einschätzung von SES für 2006
ein EPS von nur 8 Cent zu erreichen vor dem Hintergrund der eingeleiteten
Maßnahmen nicht etwas zu konservativ?
Herr Konle: Wie bereits erwähnt, kann ich zu den
Planungen in der jetzigen Situation keine Angaben machen. Ich bin jedoch
der Meinung, dass die Gesellschaft nach Durchführung der Kapitalmaßnahmen
sowohl finanziell als auch strategisch so solide aufgestellt sein wird,
dass ich wirklich optimistisch bin, diesen Wert zu erreichen, bzw. zu
übertreffen.
DVI: Welche Good-News haben Sie für die nächste
Zukunft noch in petto?
Herr Konle: Grundsätzlich planen wir bis zum Ende
des Jahres 2006 noch 4-6 Genre-Filme zu produzieren. Auch darf man in
diesem Zeitraum mit der Umsetzung eines großen Eventfilms rechnen.
Was INTERMEDIA TV betrifft, so sind wir hier schon relativ weit. Wir
haben mit Jay Firestone einen Co-Produktionsvertrag über eine TV-Serie
geschlossen, welche auf unserem Kinofilm MINDHUNTERS basieren wird.
Parallel dazu arbeitet die Gesellschaft an einem weiteren Projekt für
eine TV Mini-Serie, welche den Arbeitstitel DIE ABENTEUER DES MARCO
POLO trägt.
Daneben gibt es aber eine ganze Reihe anderer Dinge,
die sich eher im Hintergrund vollziehen werden. Dazu gehört in
erster Linie die strikte Kostenkontrolle sowie Verbesserungen im Bereich
der Filmstoffentwicklung.
DVI: Besten Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Rochus C. Rüttnauer.
http://www.das-vorstandsinterview.de