05.12.05  DAS VORSTANDSINTERVIEW
IM Internationalmedia AG - (WKN: 548880 / ISIN: DE0005488803 / Symbol: IEM)

Interviewpartner: Herr Andreas Konle, CFO
Gehaltene Aktien: keine

IM Internationalmedia HomepageHintergrund: Die IM Internationalmedia AG (WKN 548880) bekannt für die Produktion von weltbekannten Filmen wie Terminator 3 oder Alexander geht wieder sicheren Zeiten entgegen. Nachdem der neue Vorstandsvorsitzende Martin Schürmann das Steuer von Herrn Bormann übernommen hat und sich gleich auch mit 2 Millionen in der Gesellschaft engagiert hat, wurde das Konzept auf ein deutlich risikoloseres Geschäftsmodell umgestellt. Kurz vor dem Beginn der Kapitalerhöhung mit einem ausmachenden Betrag von 20 Millionen Euro litt der Kurs unter einer Short-Attacke, von der er sich jetzt wieder vollständig erholt hat. DVI hat den CFO Andreas Konle zu den Geschäftsaussichten befragt.

Das Vorstandsinterview (DVI): Herr Konle, Sie notieren jetzt wieder nahe dem Nominalwert, nach dem der Kurs noch vor wenigen Tagen bei 0,80 Euro gestanden ist. Fühlen Sie sich jetzt etwas erleichtert?

Herr Konle: Der Aktienkurs war in den vergangenen Tagen nicht der, den wir uns gewünscht haben. Allerdings habe ich in Frankfurt mit institutionellen Anlegern und auch Bänkern gesprochen, die diese Situation relativ gelassen gesehen haben. Zudem blieb das Feedback auf unsere Kapitalmaßnahmen in diesen Tagen unverändert positiv. Natürlich ist es aber ein besseres Gefühl, wieder auf einen stabilisierten Aktienkurs blicken zu können.

DVI: Läßt Sie die Erklärung von Octagon Asset-Management wieder sicherer schlafen, dass diese schon nachhaltig darüber nachdenkt, den nicht von freien Aktionären bezogenen Teil der Barkapitalerhöhung zu übernehmen?

Herr Konle: Octagon kennt die Gesellschaft und ihre Strukturen praktisch beinahe so gut wie Martin Schürmann oder ich, sie wissen also genau, in welches Unternehmen sie hier investieren. Dies sollte sowohl für private als auch für institutionelle Anleger ein beruhigendes und positives Zeichen sein. Trotz des durchweg positiven Feedbacks, das wir derzeit erhalten, ist eine solche Interessensbekundung selbstverständlich eine hohe Sicherheit, dass wir unsere Vorstellungen in Zukunft verwirklichen können.

DVI: Können Sie sich vorstellen, dass Octagon auch im Rahmen eines harten Commitments, also auch in einer bankgarantierten Erklärung die Bestätigung abgibt die nicht bezogenen Aktien zu zeichnen?

Herr Konle: Natürlich liegt das absolut im Rahmen des Möglichen. Wir führen in diesem Zusammenhang täglich Gespräche und ich gehe davon aus, dass wir kurzfristig zu einem positiven Ergebnis kommen werden.

DVI: Was macht das neue IM – Management anders als die früheren Manager?

Herr Konle: Wir haben erkannt, dass die Gesellschaft durch die veränderten Marktbedingungen nicht mehr richtig aufgestellt war. Auch wenn wir mit INTERMEDIA FILMS unser ursprüngliches Geschäft, die Produktion großer Eventfilme, beibehalten, so wird der Schwerpunkt unter dem neuen Management jedoch auf den beiden neuen Geschäftsbereichen liegen. Mit INTERMEDIA CINEMA werden wir zukünftig Genre-Filme produzieren und vertreiben. Hier konzentrieren wir uns in erster Linie auf Psycho- und Actionfilme, welche in der Entwicklung und in der Produktion wesentlich schneller und weniger kapitalintensiv sind als unsere bisherigen Filme. Dies erhöht die Planbarkeit unseres Geschäfts erheblich, sodass die bisher starke Volatilität zumindest teilweise ausgeglichen werden kann. Gleiches gilt für den Bereich INTERMEDIA TV, in dem wir international auswertbare TV-Spielfilme, TV-Miniserien und TV-Serien produzieren werden.

Die Gesellschaft bleibt folglich innerhalb ihrer Kernkompetenzen, allerdings arbeitet das Management nun auf einer breiteren Basis, die deutlich planbarer ist.

DVI: Welche Umsatzaufteilung erwarten Sie in den kommenden Jahren?

Herr Konle: Ich erwarte, dass zumindest im Jahr 2006 der Bereich INTERMEDIA FILMS noch den deutlich höchsten Anteil am Umsatz haben wird. Dies resultiert allein aus der Tatsache, dass die jetzt in Produktion befindlichen Filme im Jahr 2006 in die Kinos kommen werden. Jedoch sollte bereits im kommenden Jahr ein deutlicher Ergebnisbeitrag aus den beiden anderen Bereichen INTERMEDIA CINEMA und INTERMEDIA TV generiert werden, welcher sich hauptsächlich auf die Produktionsstarts zurückführen lässt. Erst in 2007 werden wir dann umsatzseitig die richtigen Relationen sehen, wenn INTERMEDIA FILMS voraussichtlich ca. 30%, INTERMEDIA CINEMA ca. 55% und INTERMEDIA TV ca. 15% ausmachen werden.

DVI: Was macht Sie so sicher, dass Sie im Bereich INTERMEDIA CINEMA erfolgreicher arbeiten können, als in den vergangenen Jahren mit den großen Eventproduktionen?

Herr Konle: Ich will ganz klar sagen, dass sich die Gesellschaft mit dem Bereich INTERMEDIA CINEMA nicht auf unbekanntes Terrain bewegt, weil es in letzter Konsequenz auch um die Produktion von Kinofilmen geht. Jedoch gibt es zwischen der Produktion von Eventfilmen und der Umsetzung von Genrefilmen einige bedeutende Unterschiede. Im Wesentlichen geht es darum, dass die Internationalmedia bei den Genrefilmen die wirkliche Entscheidungsgewalt in allen Bereichen der Finanzierung, Produktion und Lizenzierung hat. Dies ist in der Realität bei den großen Eventproduktionen nicht immer gegeben, weil zu viele Abhängigkeiten von mächtigen Partnern, wie z.B. den Studios, Star-Schauspielern, großen Regisseuren, etc. bestehen. Dies erschwert die Planbarkeit enorm. Insgesamt bleibt festzuhalten, dass die Produktion von Genrefilmen vor dem Hintergrund der jetzigen Gesamtsituation ein aussichtsreiches Feld für ein studiounabhängiges Unternehmen ist.

DVI: Wie werden sich die vorgenommenen Umstrukturierungen im Ergebnis 2005 auswirken?

Herr Konle: Nun, das lässt sich bereits nach den ersten neun Monaten sehen, wo die Gesellschaft ja profitabel ist. Wenn man bedenkt, dass wir im Vergleichszeitraum des vergangenen Jahres noch einen Verlust von ca. 23 Mio. Euro hinnehmen mussten, dann ist das ein wirklicher Erfolg. Unserer Meinung nach eine typische Turnaround Story, wo ein Unternehmen nach einer schweren Krise mit einem ausgewogenen Geschäftsmodell wieder Fuß fasst. Richtig greifen werden die Maßnahmen deshalb im Jahr 2006, wenn wir die Unternehmensstrategie nach dem Übergangsjahr 2005 voll umsetzen können.

DVI: Wird sich die Zahl der Geschäftsbereiche von jetzt drei in nächster Zukunft erhöhen?

Herr Konle: Man sollte nie etwas völlig ausschließen. Dennoch muss man sehen, dass wir in diesem Jahr sehr viel erreicht haben. Bisher sind wir mit der Entwicklung sehr zufrieden und ich gehe davon aus, dass es in naher Zukunft keinen Grund gibt, die derzeitige Struktur der Gesellschaft nochmals in bedeutendem Maße zu verändern.

DVI: Analysten von SES erwarten für 2005 ein EPS von 0,07. Werden Sie diese Marke noch erreichen können?

Herr Konle: Zu Anfang dieses Geschäftsjahres haben wir uns eine ganz klare Zielhierarchie vorgenommen, welche an erster Stelle die Liquiditätssicherung, an zweiter Stelle den Abbau der Verluste und an dritter Stelle ein Umsatzwachstum für die Jahre 2006 ff. vorsah. Das erste Ziel werden wir in 2005 voraussichtlich abgeschlossen haben und nach der Durchführung der Kapitalmaßnahmen wird die Gesellschaft wieder auf einen gestärkten Liquiditätsbestand bauen können. Ertragsmäßig ist es für uns ein sehr großer Erfolg, wenn wir am Jahresende die schwarze Null sehen. Wenn wir das schaffen, obwohl dieses Geschäftsjahr im Zeichen der Neuausrichtung stand und erste Früchte daraus erst ab dem nächsten Jahr geerntet werden können, haben wir unser Ziel erreicht. Wir sehen daher dem verbleibenden Geschäftsjahr 2005 und den anstehenden Maßnahmen zuversichtlich entgegen.

DVI: Nachdem sich abzeichnet, dass die Kapitalerhöhung vollständig platziert werden kann – ist damit die Liquidität für die Zukunft sichergestellt?

Herr Konle: In erster Linie ist für uns wichtig, dass die Kapitalerhöhung erfolgreich verläuft. Dies bedeutet für die Gesellschaft, dass sie in der Lage sein wird, den Businessplan wie vorgesehen umzusetzen. Das wäre bereits mit der Hälfte des Geldes möglich. Natürlich können und werden wir uns darauf nicht ausruhen. Bereits in den vergangenen Monaten haben wir gezeigt, dass die Gesellschaft in der Lage ist, positive Cash Flows zu erwirtschaften. Die Liquidität wird dabei zum einen durch Produktionsstarts generiert, da die Gesellschaft hier Financing bzw. Producer Fees vereinnahmen kann. Durch das neue Geschäftsmodell lässt sich die Liquidität durch diese Einnahmequelle sehr viel besser auf einem höheren Niveau stabilisieren als dies bisher der Fall war.

Hinzu kommen Erlösbeteiligungen bei erfolgreichen Filmen sowie kontinuierliche Erlöse aus der Filmbibliothek.

DVI: Bis wann wollen Sie es schaffen, das Unternehmen durch Einnahmen aus der Filmbibliothek, also aus dem Filmbestand, zu finanzieren?

Herr Konle: Zum heutigen Zeitpunkt ist die Filmbibliothek natürlich noch nicht groß genug, als dass die Gesellschaft ihre Kosten allein durch diese Einnahmen abdecken könnte, dafür ist das Unternehmen zu jung. Wir werden die bestehende Bibliothek künftig weiter ausbauen, um hier planbare und kontinuierliche Cash Flows zu generieren. Die vollständige Finanzierung durch Bibliothekseinnahmen ist natürlich der Idealfall, allerdings ist dies sicher ein eher mittel- bis langfristiges Ziel.

DVI: Wie zuversichtlich sind Sie, die für 2006 erwarteten Zahlen bei Umsatz (158 Mio.) und EBIT (7 Mio.) erreichen zu können?

Herr Konle: Dies sind Zahlen, die von Analysten errechnet wurden. Vor dem Hintergrund, dass wir uns derzeit noch in der Bezugsphase befinden, kann ich aus rechtlichen Gründen keine konkreten Prognosen für das kommende Jahr abgeben. Was ich derzeit sagen kann, ist dass wir im kommenden Jahr schwarze Zahlen schreiben werden.

DVI: Ist die Einschätzung von SES für 2006 ein EPS von nur 8 Cent zu erreichen vor dem Hintergrund der eingeleiteten Maßnahmen nicht etwas zu konservativ?

Herr Konle: Wie bereits erwähnt, kann ich zu den Planungen in der jetzigen Situation keine Angaben machen. Ich bin jedoch der Meinung, dass die Gesellschaft nach Durchführung der Kapitalmaßnahmen sowohl finanziell als auch strategisch so solide aufgestellt sein wird, dass ich wirklich optimistisch bin, diesen Wert zu erreichen, bzw. zu übertreffen.

DVI: Welche Good-News haben Sie für die nächste Zukunft noch in petto?

Herr Konle: Grundsätzlich planen wir bis zum Ende des Jahres 2006 noch 4-6 Genre-Filme zu produzieren. Auch darf man in diesem Zeitraum mit der Umsetzung eines großen Eventfilms rechnen. Was INTERMEDIA TV betrifft, so sind wir hier schon relativ weit. Wir haben mit Jay Firestone einen Co-Produktionsvertrag über eine TV-Serie geschlossen, welche auf unserem Kinofilm MINDHUNTERS basieren wird. Parallel dazu arbeitet die Gesellschaft an einem weiteren Projekt für eine TV Mini-Serie, welche den Arbeitstitel DIE ABENTEUER DES MARCO POLO trägt.

Daneben gibt es aber eine ganze Reihe anderer Dinge, die sich eher im Hintergrund vollziehen werden. Dazu gehört in erster Linie die strikte Kostenkontrolle sowie Verbesserungen im Bereich der Filmstoffentwicklung.

DVI: Besten Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Rochus C. Rüttnauer.

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