22.11.05  DAS VORSTANDSINTERVIEW
Schaltbau Holding AG - (WKN: 717030 / ISIN: DE0007170300 / Symbol: SLT)

Interviewpartner: Dr. Jürgen Camman, Vorstandsvorsitzender
Gehaltene Aktien: 221.000 Aktien (von 1,7 Mio.) des Grundkapitals

Schaltbau HomepageHintergrund: Die Schaltbau Holding AG mit ihren drei wesentlichen Beteiligungsgesellschaften Gebr. Bode, Kassel (Fahrzeugtüren), Pintsch-Bamag, Dinslaken (Signaltechnik und Fahrzeugausrüstungen) und Schaltbau GmbH, München (elektrische Komponenten) hat als eine der ersten börsennotierten Aktiengesellschaften in Deutschland einen Ausblick für das Jahr 2007 gegeben. Das Management plant, bei einem Umsatz von zirka 225 Mio. Euro ein Ergebnis je Aktie von 3,50 Euro nach IFRS. Dies ist im Vergleich zum Jahr 2006 eine Steigerung um knapp 33 Prozent. Beim Jahresüberschuss nach Anteilen Dritter soll das Ergebnis sogar um mehr als 50% steigen. DVI: hat den Vorstandsvorsitzenden, Herrn Dr. Cammann, gefragt, wie er seine mittelfristigen Prognosen begründet.

Das Vorstandsinterview (DVI): Herr Dr. Cammann, die Bode-Gruppe, steuert im laufenden Geschäftsjahr fast 50% zum geplanten Geschäftsvolumen von 204 Mio. Euro bei. Wie ist Bode im Markt positioniert?

Dr. Camman: Die Bode-Gruppe ist bei Bustüren seit vielen Jahren uneingeschränkt die Nummer 1 im deutschen und europäischen Markt und beliefert alle namhaften Bushersteller. Im Schienenfahrzeugtürenmarkt, der internationaler aufgestellt ist, sind wir mit Bode sowohl in Europa als auch weltweit jeweils die Nummer 3. Den Ausbau unserer Marktposition im Bahntürenmarkt haben wir in den letzten Jahren seit 2001 forciert. Wir mussten zu Anfang, wie bekannt, Lehrgeld zahlen, haben aber zwischenzeitlich die Strukturen und die Organisation so aufgestellt, dass wir hier im Wettbewerb gut bestehen können. Neue innovative Produkte werden uns den Zugang zu neuen Projekten öffnen. Auch für Großprojekte mit der Forderung nach local content ist Bode mit den Werken in Polen, der Türkei und China bestens positioniert. An Aufträgen aus Osteuropa und Asien wird Bode partizipieren und sich einen großen Anteil am Auftragskuchen abschneiden können.

DVI: Welche Ergebniserwartungen haben Sie an die Bode-Gruppe für 2006 und 2007?

Dr. Camman: In unseren Planungen haben wir keine kurzfristige Erholung der Buskonjunktur unterstellt. Ungeachtet dieser Situation wird Bode durch weitere Produktivitätsverbesserungen 2006 den Break Even erreichen und in den Folgejahren die Umsatzrendite nachhaltig steigern, so dass Bode im Jahr 2007 einen nennenswerten Ergebnisbeitrag abliefern kann.

DVI: Mit der Pintsch-Gruppe erzielen Sie zirka ein Drittel des Umsatzes der Schaltbau- Gruppe. Wie zufrieden sind Sie mit den Ergebnissen der Pintsch-Gruppe im laufenden Jahr?

Dr. Camman: Pintsch-Gruppe ist seit Jahren sehr profitabel. Wir sind daher mit dem Segment Stationäre Verkehrstechnik, das von der Pintsch-Gruppe gebildet wird, sehr zufrieden. Wir wollen die gute Performance für die Zukunft halten, besser noch: weiter ausbauen.

DVI: Wie sehen Sie die Entwicklung der Pintsch-Gruppe für 2006 und 2007?

Dr. Camman: Aufgrund der restriktiven Vergabepraxis der Deutschen Bahn AG rechnen wir für die Pintsch-Gruppe in 2006 mit einer rückläufigen Umsatzentwicklung. Für 2007 erwarten wir auf Grund des „Bauprogramms 2010“, demzufolge alle Bahnübergänge in den neuen Bundesländern dem Erscheinungsbild der alten Bundesländer anzupassen sind, eine deutliche Belebung im stationären Bahngeschäft und sehen ein Umsatz- und Ertragsniveau in der Größenordnung des Jahres 2005 als realistisch an. Außerdem weisen die beiden Geschäftsfelder Warntechnik und Antriebstechnik (Bremsen), die von der Nachfragedelle 2006 nicht betroffen sind eine kontinuierlich positive Geschäftsentwicklung auf, die auch für die nächsten Jahre fortgesetzt werden soll.

DVI: Welche Marktposition haben Sie mit der Schaltbau GmbH-Gruppe in den verschiedenen Absatzgebieten, sowohl in Europa als auch in Übersee? Wie sehen Sie die weitere Entwicklung?

Dr. Camman: Im deutschsprachigen Raum sind wir mit unseren Gesellschaften jeweils einer der führenden Anbieter in den für uns relevanten Märkten. Im übrigen Europa treten wir zu anderen starken nationalen Anbieter in Wettbewerb, aber auch hier müssen wir uns nicht verstecken. Hier werden wir in 2005 unser Geschäftsvolumen um mehr als 10 % steigern. In Asien haben wir durch unser Joint Venture in China und unsere Repräsentanz in Hongkong ein sehr gutes Entree zu diesen Märkten, in denen wir erhebliches Wachstumspotenzial sehen. Generell strebt der Konzern den weiteren Ausbau des lukrativen Komponentengeschäfts an.

DVI: Wo sehen Sie die Chancen für den Schaltbau-Konzern?

Dr. Camman: - Wir haben in unseren Planungen in 2006 keine Erholung der Buskonjunktur unterstellt. Dies eröffnet uns Chancen im Fall eines Anziehens der Nachfrage.

- Derzeit werden von den Konzerngesellschaften eine Reihe neuer Produkte in den Markt eingeführt. Die damit verbundenen Aufwendungen für die Produktanläufe waren in diesem Geschäftsjahr zu tragen, während sich die daraus resultierenden Erlöse in vollem Umfang erst in den Folgejahren einstellen werden.
- Durch verstärkte internationale Aktivitäten werden wir neue Märkte erschließen und die enormen Potenziale in Osteuropa und Asien heben.
- Nachdem wir in 2004 erstmals wieder einen positiven Jahresüberschuss ausweisen konnten und wir die Ertragskraft des Konzerns im Geschäftsjahr 2005 und den Folgejahren kontinuierlich steigern werden, eröffnet uns dies die Möglichkeit auch über Akquisitionen nachzudenken.

DVI: Wie sicher sind Sie, dass Sie in diesem Jahr den Jahresüberschuss nach Anteilen Dritter von 2,1 auf 3,8 Mio. Euro und das Ergebnis je Aktie von 1,50 Euro auf 2,30 Euro steigern können?

Dr. Camman: Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir die gesteckten Ziele erreichen werden.

DVI: Worauf ist die angekündigte Ergebnisverbesserung von 2006 auf 2007 zurückzuführen?

Dr. Camman: Zum Ersten werden die bereits angesprochenen Bahnprojekte in der stationären Verkehrstechnik ein deutliches Plus beisteuern. Zweitens wirken sich die kontinuierlichen Verbesserungen in allen Gesellschaften aus und drittens wird der weitere Ausbau der Internationalisierung planmäßig greifen.

DVI: Welche Absichten haben Sie mittelfristig mit Ihrem Anteil von 13% als größter Einzelaktionär des Unternehmens?

Dr. Camman: Als Aktionär bin ich auch weiterhin an einem langfristigen Engagement interessiert, als Vorstand möchte ich mithelfen, das Unternehmen kontinuierlich nach vorne zu entwickeln.

DVI: Besten Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Rochus C. Rüttnauer.

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