Schaltbau Holding AG - (WKN:
717030 / ISIN: DE0007170300 / Symbol: SLT)
Interviewpartner: Dr. Jürgen Camman, Vorstandsvorsitzender
Gehaltene Aktien: 221.000 Aktien (von 1,7 Mio.) des Grundkapitals
Hintergrund:
Die Schaltbau Holding AG mit ihren drei wesentlichen Beteiligungsgesellschaften
Gebr. Bode, Kassel (Fahrzeugtüren), Pintsch-Bamag, Dinslaken (Signaltechnik
und Fahrzeugausrüstungen) und Schaltbau GmbH, München (elektrische
Komponenten) hat als eine der ersten börsennotierten Aktiengesellschaften
in Deutschland einen Ausblick für das Jahr 2007 gegeben. Das Management
plant, bei einem Umsatz von zirka 225 Mio. Euro ein Ergebnis je Aktie
von 3,50 Euro nach IFRS. Dies ist im Vergleich zum Jahr 2006 eine Steigerung
um knapp 33 Prozent. Beim Jahresüberschuss nach Anteilen Dritter
soll das Ergebnis sogar um mehr als 50% steigen. DVI: hat den Vorstandsvorsitzenden,
Herrn Dr. Cammann, gefragt, wie er seine mittelfristigen Prognosen begründet.
Das Vorstandsinterview (DVI): Herr Dr. Cammann, die
Bode-Gruppe, steuert im laufenden Geschäftsjahr fast 50% zum geplanten
Geschäftsvolumen von 204 Mio. Euro bei. Wie ist Bode im Markt positioniert?
Dr. Camman: Die Bode-Gruppe ist bei Bustüren seit
vielen Jahren uneingeschränkt die Nummer 1 im deutschen und europäischen
Markt und beliefert alle namhaften Bushersteller. Im Schienenfahrzeugtürenmarkt,
der internationaler aufgestellt ist, sind wir mit Bode sowohl in Europa
als auch weltweit jeweils die Nummer 3. Den Ausbau unserer Marktposition
im Bahntürenmarkt haben wir in den letzten Jahren seit 2001 forciert.
Wir mussten zu Anfang, wie bekannt, Lehrgeld zahlen, haben aber zwischenzeitlich
die Strukturen und die Organisation so aufgestellt, dass wir hier im
Wettbewerb gut bestehen können. Neue innovative Produkte werden
uns den Zugang zu neuen Projekten öffnen. Auch für Großprojekte
mit der Forderung nach local content ist Bode mit den Werken in Polen,
der Türkei und China bestens positioniert. An Aufträgen aus
Osteuropa und Asien wird Bode partizipieren und sich einen großen
Anteil am Auftragskuchen abschneiden können.
DVI: Welche Ergebniserwartungen haben Sie an die Bode-Gruppe
für 2006 und 2007?
Dr. Camman: In unseren Planungen haben wir keine kurzfristige
Erholung der Buskonjunktur unterstellt. Ungeachtet dieser Situation
wird Bode durch weitere Produktivitätsverbesserungen 2006 den Break
Even erreichen und in den Folgejahren die Umsatzrendite nachhaltig steigern,
so dass Bode im Jahr 2007 einen nennenswerten Ergebnisbeitrag abliefern
kann.
DVI: Mit der Pintsch-Gruppe erzielen Sie zirka ein
Drittel des Umsatzes der Schaltbau- Gruppe. Wie zufrieden sind Sie mit
den Ergebnissen der Pintsch-Gruppe im laufenden Jahr?
Dr. Camman: Pintsch-Gruppe ist seit Jahren sehr profitabel.
Wir sind daher mit dem Segment Stationäre Verkehrstechnik, das
von der Pintsch-Gruppe gebildet wird, sehr zufrieden. Wir wollen die
gute Performance für die Zukunft halten, besser noch: weiter ausbauen.
DVI: Wie sehen Sie die Entwicklung der Pintsch-Gruppe
für 2006 und 2007?
Dr. Camman: Aufgrund der restriktiven Vergabepraxis
der Deutschen Bahn AG rechnen wir für die Pintsch-Gruppe in 2006
mit einer rückläufigen Umsatzentwicklung. Für 2007 erwarten
wir auf Grund des „Bauprogramms 2010“, demzufolge alle Bahnübergänge
in den neuen Bundesländern dem Erscheinungsbild der alten Bundesländer
anzupassen sind, eine deutliche Belebung im stationären Bahngeschäft
und sehen ein Umsatz- und Ertragsniveau in der Größenordnung
des Jahres 2005 als realistisch an. Außerdem weisen die beiden
Geschäftsfelder Warntechnik und Antriebstechnik (Bremsen), die
von der Nachfragedelle 2006 nicht betroffen sind eine kontinuierlich
positive Geschäftsentwicklung auf, die auch für die nächsten
Jahre fortgesetzt werden soll.
DVI: Welche Marktposition haben Sie mit der Schaltbau
GmbH-Gruppe in den verschiedenen Absatzgebieten, sowohl in Europa als
auch in Übersee? Wie sehen Sie die weitere Entwicklung?
Dr. Camman: Im deutschsprachigen Raum sind wir mit
unseren Gesellschaften jeweils einer der führenden Anbieter in
den für uns relevanten Märkten. Im übrigen Europa treten
wir zu anderen starken nationalen Anbieter in Wettbewerb, aber auch
hier müssen wir uns nicht verstecken. Hier werden wir in 2005 unser
Geschäftsvolumen um mehr als 10 % steigern. In Asien haben wir
durch unser Joint Venture in China und unsere Repräsentanz in Hongkong
ein sehr gutes Entree zu diesen Märkten, in denen wir erhebliches
Wachstumspotenzial sehen. Generell strebt der Konzern den weiteren Ausbau
des lukrativen Komponentengeschäfts an.
DVI: Wo sehen Sie die Chancen für den Schaltbau-Konzern?
Dr. Camman: - Wir haben in unseren Planungen in 2006
keine Erholung der Buskonjunktur unterstellt. Dies eröffnet uns
Chancen im Fall eines Anziehens der Nachfrage.
- Derzeit werden von den Konzerngesellschaften eine
Reihe neuer Produkte in den Markt eingeführt. Die damit verbundenen
Aufwendungen für die Produktanläufe waren in diesem Geschäftsjahr
zu tragen, während sich die daraus resultierenden Erlöse in
vollem Umfang erst in den Folgejahren einstellen werden.
- Durch verstärkte internationale Aktivitäten werden wir neue
Märkte erschließen und die enormen Potenziale in Osteuropa
und Asien heben.
- Nachdem wir in 2004 erstmals wieder einen positiven Jahresüberschuss
ausweisen konnten und wir die Ertragskraft des Konzerns im Geschäftsjahr
2005 und den Folgejahren kontinuierlich steigern werden, eröffnet
uns dies die Möglichkeit auch über Akquisitionen nachzudenken.
DVI: Wie sicher sind Sie, dass Sie in diesem Jahr den
Jahresüberschuss nach Anteilen Dritter von 2,1 auf 3,8 Mio. Euro
und das Ergebnis je Aktie von 1,50 Euro auf 2,30 Euro steigern können?
Dr. Camman: Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir
die gesteckten Ziele erreichen werden.
DVI: Worauf ist die angekündigte Ergebnisverbesserung
von 2006 auf 2007 zurückzuführen?
Dr. Camman: Zum Ersten werden die bereits angesprochenen
Bahnprojekte in der stationären Verkehrstechnik ein deutliches
Plus beisteuern. Zweitens wirken sich die kontinuierlichen Verbesserungen
in allen Gesellschaften aus und drittens wird der weitere Ausbau der
Internationalisierung planmäßig greifen.
DVI: Welche Absichten haben Sie mittelfristig mit Ihrem
Anteil von 13% als größter Einzelaktionär des Unternehmens?
Dr. Camman: Als Aktionär bin ich auch weiterhin
an einem langfristigen Engagement interessiert, als Vorstand möchte
ich mithelfen, das Unternehmen kontinuierlich nach vorne zu entwickeln.
DVI: Besten Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Rochus C. Rüttnauer.
http://www.das-vorstandsinterview.de