29.09.05  DAS VORSTANDSINTERVIEW
D+S europe AG - (WKN: 533680 / ISIN: DE0005336804 / Symbol: DSJ)

Interviewpartner: Dipl.-Ing. Achim Plate, Vorstandsvorsitzender
Gehaltene Aktien: 940.661 Aktien (von 29.145.537) des Grundkapitals

D+S europe HomepageHintergrund: Schon jetzt zählt die D+S Europe AG mit dem Anstieg in der Börsenkapitalisierung von 16,6 Mio. Euro zum Jahreswechsel 02/03 auf ca. 130 Mio. Euro per 09/05 zu den Small Caps in Deutschland, die eine herausragende Performance vorweisen können. Die Steigerung des Börsenwertes ist von einer sehr guten fundamentalen Entwicklung begleitet: Lag das Betriebsergebnis zum Jahresende 2003 noch bei minus 4,5 Mio. Euro, so ist im laufenden Jahr ein EBIT von 9,2 Mio. Euro geplant, zu dem die Neuakquisition dtms Deutsche Telefon und Marketing Services AG rund die Hälfte beitragen wird. Der Vorstandsvorsitzende Dipl.-Ing. Achim Plate, der die Anleger immer wieder durch klare wie auch signifikante Zukunftsprognosen überrascht, sieht das EBIT bis Ende 2007 auf 25 Mio. Euro steigen, ohne dass der Konsolidierungskreis nochmals erweitert wird. Dann sollen auch 50 Cent je Aktie verdient werden. Das Vorstandsinterview hat mit Herrn Plate über seine präzisen Forecasts zur Ergebnisentwicklung der D+S europe AG und die Wachstumsstrategie gesprochen.

Das Vorstandsinterview (DVI): Herr Plate, bitte schildern Sie unseren Lesern wie die dtms das Geschäftsmodell von D+S europe ergänzt.

Herr Plate: Mit der Akquisition der dtms Deutsche Telefon- und Marketing Services AG haben wir die Call Center-Landschaft nachhaltig verändert. Unter dem Konzerndach von D+S sind jetzt einer der größten Outsourcing-Dienstleister für Vertriebs- und Kundenkontaktmanagement sowie einer der führenden Lösungsanbieter für Mehrwertdienste im Bereich der Service- und Kundentelefonie vereint. Unsere Geschäftsfelder ergänzen sich strategisch optimal. Denn mit der Verbindung der Tätigkeiten von D+S, die in ihren Communication Centern operatives Kundenmanagement anbietet, und dtms, die mit Erreichbarkeitskonzepten und Bezahllösungen innerhalb ihres intelligenten Netzes eine technologische Plattform für klassische D+S-Services bereitstellt, hält der Konzern den Schlüssel für zukunftsweisende Lösungen in den Händen. Als neuer Branchen-Riese zeigen wir den auftraggebenden Unternehmen in der Kombination unserer Geschäfts-modelle den kommenden Trend auf, zukünftig den Kundenservice verstärkt am individuellen Kundenwert auszurichten. Im Mittelpunkt dieses integrierten Kundenwertmanagements, das in Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern bisher noch wenig verbreitet ist, steht die Strategie, den Umfang der operativen Vertriebs- und Serviceleistungen an den individuellen Kundenwert anzupassen. Heißt für unsere Auftraggeber auf den Punkt gebracht: Kundenwert rauf, Servicekosten runter.

DVI: Herr Plate, Sie wollen von 2004 auf 2005 einen Umsatzsprung von 51,6 auf über 180 Mio. Euro machen. Ihre größte Akquisition, die dtms, ist erst seit 1. Juli 2005 an Bord. Wie können Sie dieses Umsatzziel so klar prognostizieren?

Herr Plate: Die D+S europe AG hat ihre Ziele bereits in den vergangenen Jahren stets sehr zuverlässig prognostiziert. Die Genauigkeit unserer Aussagen beruht auf der Planbarkeit unseres Geschäfts. Wir arbeiten zum überwiegenden Teil mit langjährigen Auftraggebern und haben daher meistens bereits vor Jahresmitte den Löwenanteil unseres Periodenumsatzes fest unter Vertrag. Ähnlich ist es bei unserer Tochtergesellschaft dtms AG, die einen Großteil ihres Umsatzes über Großkunden mit stabilen Mengen generiert. Die Addition beider Buiness Cases führt deshalb sehr direkt zu unserer Brutto-Umsatzerwartung von mehr als 180 Mio. Euro inklusive Vergütungen für Vorleistungen.

DVI: Sie haben den Begriff des Call Centers, das ursprünglich in Deutschland einen „zweitklassigen“ Ruf hatte, bei den Investoren salonfähig gemacht. Wie haben Sie das geschafft?

Herr Plate: In unserer heutigen Wirtschaft, die im Business-to-Business- wie auch im Business-to-Consumer-Geschäft zunehmend von Transaktionen über multimediale Plattformen geprägt ist, stellen Call Center das zentrale Bindeglied zwischen den Unternehmen und ihren Kunden dar. In dieser Schnittstellen-Funktion sind moderne Call Center für zahlreiche Wirtschaftszweige zu einem integralen Bestandteil geworden, der von wesentlicher Relevanz für den geschäftlichen Erfolg ist. Diese Bedeutung unserer noch vergleichsweise jungen Industrie hat der Markt verstanden. Es ist uns als D+S europe AG gelungen zu vermitteln, dass wir als modernes Dienstleistungs-Unternehmen komplexe Vorgänge im Bereich des Vertriebs- und Kundenkontakt-managements für unsere Auftraggeber abwickeln und dabei so innovative Prozesssteuerungs-Instrumente wie unsere Intraday Complete Control (ICC) einsetzen.

DVI: Mit Prozesssteuerung meinen Sie vermutlich auch die optimale Bedarfsplanung Ihrer Personalkapazitäten in elf Bundesländern. Liegt hierin für Sie der Schlüssel zum überdurch-schnittlichen Erfolg?

Herr Plate: Ja, denn für uns als Dienstleistungsunternehmen sind die Personalkosten der mit Abstand maßgeblichste Ergebnisfaktor. Von allen Hebeln, mit denen wir unsere Profitabilität steigern können, ist dies der mächtigste. Mit der Intraday Complete Control (ICC) haben wir ein wegweisendes Instrument zur Qualitäts- und Effizienzsteuerung von Vertriebs- und Kunden-kontaktprozessen entwickelt, mit dem wir in bisher nicht da gewesener Präzision und Aktualität Voraussagen zum bevorstehenden Kontaktvolumen treffen und daraus unter Berücksichtigung der Servicevorgaben eine präzise Personaleinsatzplanung ableiten können. Die ICC ermöglicht damit enorme Budgetoptimierungen in der Personal- und Ressourcensteuerung, die in unserem Unternehmen bereits zu Einspareffekten bis zu 30 Prozent geführt haben.

DVI: Sie haben es im Juli 2005 wieder einmal geschafft, dass Ihre Kapitalerhöhung im Verhältnis 1,6 : 1 wiederum stark überzeichnet war. Dies ist nunmehr das dritte Mal, dass die Anleger mehr Aktien haben wollen, als Sie ihnen anbieten können. Wie erklären Sie sich den Erfolg, dass Sie so kapitalmarkteffizient akquirieren können?

Herr Plate: Unser Unternehmen hat eine überzeugende Wachstumsstrategie, die wir konsequent mit der Entwicklung zum ganzheitlichen Dienstleister für Business Process Management (BPM) im Bereich des Vertriebs und Kundenservices umsetzen. Alle Kapitalerhöhungen der vergangenen drei Jahre waren gekennzeichnet von klaren Zielsetzungen, die wir damit verknüpft haben und die wir auch erreicht haben. Bei jeder unserer Kapitalerhöhungen konnten wir unseren Anlegern sehr deutlich den Sinn und Nutzen darlegen. Gleichzeitig haben wir die Steigerung unserer Ertragskraft auf Konzernebene stets zum unabdingbaren Kriterium unserer Akquisitionen gemacht. Unsere Investoren sind bisher bei jeder unserer Kapitalmaßnahmen in den vergangenen drei Jahren sehr gut gefahren.

DVI: Sie planen für das kommende Jahr eine knappe Gewinnverdoppelung von 20 auf 38 Cent je Aktie, bei einem Umsatzzuwachs von gut 180 auf 330 Mio. Euro. Ist diese Ergebnissteigerung nicht etwas sportlich geplant?

Herr Plate: Im Gegensatz zum laufenden Jahr, in dem dtms nur zur Hälfte in unseren Konzernzahlen enthalten ist, werden wir die margenstarke dtms AG 2006 erstmals ganzjährig konsolidieren. Allein aus der bloßen Addition der Business Cases beider Unternehmen, die in jeweils sehr dynamischen Märkten führende Positionen einnehmen, ergeben sich daher ein erheblicher Größensprung und die annähernde Gewinnverdoppelung. Der Erfolg unserer Wachstumsstrategie drückt sich damit in der signifikanten Steigerung unserer Ertragskraft aus. Gemessen an unserem Netto-Umsatz bedeutet unsere Planung für das kommende Jahr eine EBIT-Marge von über 10 Prozent. Im Jahr 2007 erwarten wir eine entsprechende Rendite von mehr als 12 Prozent. Bedenken Sie dabei bitte auch das Ergebnispotential, das wir aus der intelligenten Konzeption gemeinsamer Kombi-Dienstleistungen von D+S und dtms generieren können, woran wir auf Hochtouren arbeiten.

DVI: Es gibt Gerüchte an der Börse, dass Sie schon wieder an weiteren Akquisitionen arbeiten und damit auch weitere Kapitalerhöhungen fällig werden. Muten Sie Ihren Aktionären nicht zuviel zu?

Herr Plate: An erster Stelle steht für uns zunächst die Integration der dtms AG. Diese wird zum Jahresende weitgehend abgeschlossen sein. Wir haben mit dieser und anderen Akquisitionen in den letzten Jahren Herausragendes geschafft: Von einem austauschbaren Dienstleistungs-unternehmen haben wir uns zu einem marktführenden Konzern mit unverwechselbarem Leistungsportfolio entwickelt. Unserem Ziel der Spitzenposition sind wir damit rasant näher gekommen. Unsere Schnelligkeit ist aufgrund der gegenwärtig noch sehr starken Fragmentierung unseres Marktes entscheidend für unseren Erfolg. Wir haben die Kraft, unser Tempo weiter beizubehalten, um uns eine einzigartige Marktstellung zu sichern.

DVI: Sie haben eine ganze Reihe sehr interessanter Investoren für D+S europe begeistern können – darunter die DAH Beteiligungs GmbH aus dem Familienumfeld von SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp ( > 9%), die amerikanische Avenue Capital Group (> 8%), die österreichische AvW Management Beteiligungs AG (>5% ), Lupus alpha und UBS. Sind Sie damit in eine höhere Liga am Kapitalmarkt aufgestiegen?

Herr Plate: Mit unserem erfolgreichen Wachstumskurs sind wir in das Blickfeld vieler institutioneller Investoren gerückt, die uns vor einem Jahr noch nicht in ihre Planungen einbezogen hatten. Dank unserer neu gewonnenen Investoren verfügen wir heute über eine zwischen Freefloat und institutionellen Investoren gut ausbalancierte Aktionärsstruktur, die uns für weitere Wachstumsschritte als potentielle Kapitalbasis zur Verfügung steht.

DVI: Das Geschäftsvolumen der eigentlichen D+S europe AG soll von 75 Mio. Euro in 2005 auf 110 Mio. Euro im Jahr 2007 steigen, ohne dass Neuerwerbungen hinzukommen. Wie können Sie dieses phänomenale Wachstum realisieren?

Herr Plate: Die D+S europe AG ist dank ihrer Wachstumsstrategie am Markt sehr stark positioniert. Mit unserer Ausrichtung auf Business Process Management, das mein Vorstandskollege Tobias Hartmann mit geballter Vertriebskraft voran bringt, erreichen wir eine deutliche Verlängerung unserer Wertschöpfungskette. Daher können wir in den Jahren 2006 und 2007 ein über-proportionales Wachstum erwarten und sehen in unserem Kerngeschäft eine durchschnittliche Zuwachsrate von rund 20 Prozent als absolut realistisch an.

DVI: Ist im Zuge des Konzernwachstums ein deutlicher Anstieg des Pro-Kopf-Umsatzes pro Mitarbeiter zu erwarten?

Herr Plate: Die Verlängerung unserer Wertschöpfungskette vor allem in weniger personal-intensiven Bereichen führt zu einer ganz signifikanten Erhöhung des Pro-Kopf-Umsatzes. Zukünftig wird das dazu führen, dass wir den durchschnittlichen Pro-Kopf-Umsatz im Vergleich zum Jahr 2004 weit mehr als verdoppeln werden.

DVI: Im Peergroup-Vergleich liegt Ihr durchschnittliches KGV mit knapp 12 deutlich unter dem Mittelwert der Gruppe. Deutet dies nicht darauf hin, dass Sie sich eine Wachstumspause gönnen sollten?

Herr Plate: Ich sehe unsere aktuelle Bewertung eher als Aufforderung, unsere Kapitalmarktarbeit zu intensivieren. Offensichtlich besteht Aufholbedarf in der Kommunikation unserer Zahlen und unserer Marktposition. Wir planen daher im November mit Roadshows eine deutliche Forcierung unserer Aktivitäten.

DVI: Sie halten auch nach der beeindruckenden Übernahme der großen dtms AG an der zügigen Fortsetzung Ihrer Wachstumsstrategie fest. Wohin wollen Sie die D+S europe AG in den kommenden Jahren führen?

Herr Plate: Ich möchte die D+S europe AG zur Nummer 1 machen. Die Voraussetzungen dafür sind gut, denn die Marktanteile für Communication Center-Dienstleistungen sowie für Mehrwert-dienste befinden sich noch in der Aufteilung. Mit der gemeinsamen Ausrichtung von D+S und dtms auf wertorientiertes Kundenbeziehungsmanagement, das für die Unternehmen schon in sehr naher Zukunft erheblich an Bedeutung gewinnen wird, haben wir eine hervorragende Ausgangsposition, um uns an die Spitze der Branche zu setzen.

DVI: Haben Sie Vorstellungen über den fairen Wert der Aktie?

Herr Plate: Mit einem KGV von 12 auf Basis unserer Ergebnisplanung für 2006 liegen wir deutlich unter dem durchschnittlichen KGV z. B. des S-DAX, mit ca. 16 und des TecDAX mit ca. 23. Ich werte das als ein klares Anzeichen dafür, dass der faire Wert unserer Aktie über der aktuellen Notierung liegt. Wir werden deshalb mit einer Intensivierung unserer Kapitalmarkt-Kommunikation für eine breitere Bekanntheit unserer Unternehmensziele sorgen und damit hoffentlich die Lücke zwischen aktuellem Kurs und von uns gesehenem fairen Wert verkleinern.

DVI: Besten Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Rochus C. Rüttnauer.

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