D+S europe AG - (WKN:
533680 / ISIN: DE0005336804 / Symbol: DSJ)
Interviewpartner: Dipl.-Ing. Achim Plate, Vorstandsvorsitzender
Gehaltene Aktien: 940.661 Aktien (von 29.145.537) des Grundkapitals
Hintergrund:
Schon jetzt zählt die D+S Europe AG mit dem Anstieg in der Börsenkapitalisierung
von 16,6 Mio. Euro zum Jahreswechsel 02/03 auf ca. 130 Mio. Euro per
09/05 zu den Small Caps in Deutschland, die eine herausragende Performance
vorweisen können. Die Steigerung des Börsenwertes ist von
einer sehr guten fundamentalen Entwicklung begleitet: Lag das Betriebsergebnis
zum Jahresende 2003 noch bei minus 4,5 Mio. Euro, so ist im laufenden
Jahr ein EBIT von 9,2 Mio. Euro geplant, zu dem die Neuakquisition dtms
Deutsche Telefon und Marketing Services AG rund die Hälfte beitragen
wird. Der Vorstandsvorsitzende Dipl.-Ing. Achim Plate, der die Anleger
immer wieder durch klare wie auch signifikante Zukunftsprognosen überrascht,
sieht das EBIT bis Ende 2007 auf 25 Mio. Euro steigen, ohne dass der
Konsolidierungskreis nochmals erweitert wird. Dann sollen auch 50 Cent
je Aktie verdient werden. Das Vorstandsinterview hat mit Herrn Plate
über seine präzisen Forecasts zur Ergebnisentwicklung der
D+S europe AG und die Wachstumsstrategie gesprochen.
Das Vorstandsinterview (DVI): Herr Plate, bitte schildern
Sie unseren Lesern wie die dtms das Geschäftsmodell von D+S europe
ergänzt.
Herr Plate: Mit der Akquisition der dtms Deutsche Telefon-
und Marketing Services AG haben wir die Call Center-Landschaft nachhaltig
verändert. Unter dem Konzerndach von D+S sind jetzt einer der größten
Outsourcing-Dienstleister für Vertriebs- und Kundenkontaktmanagement
sowie einer der führenden Lösungsanbieter für Mehrwertdienste
im Bereich der Service- und Kundentelefonie vereint. Unsere Geschäftsfelder
ergänzen sich strategisch optimal. Denn mit der Verbindung der
Tätigkeiten von D+S, die in ihren Communication Centern operatives
Kundenmanagement anbietet, und dtms, die mit Erreichbarkeitskonzepten
und Bezahllösungen innerhalb ihres intelligenten Netzes eine technologische
Plattform für klassische D+S-Services bereitstellt, hält der
Konzern den Schlüssel für zukunftsweisende Lösungen in
den Händen. Als neuer Branchen-Riese zeigen wir den auftraggebenden
Unternehmen in der Kombination unserer Geschäfts-modelle den kommenden
Trend auf, zukünftig den Kundenservice verstärkt am individuellen
Kundenwert auszurichten. Im Mittelpunkt dieses integrierten Kundenwertmanagements,
das in Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern bisher noch
wenig verbreitet ist, steht die Strategie, den Umfang der operativen
Vertriebs- und Serviceleistungen an den individuellen Kundenwert anzupassen.
Heißt für unsere Auftraggeber auf den Punkt gebracht: Kundenwert
rauf, Servicekosten runter.
DVI: Herr Plate, Sie wollen von 2004 auf 2005 einen
Umsatzsprung von 51,6 auf über 180 Mio. Euro machen. Ihre größte
Akquisition, die dtms, ist erst seit 1. Juli 2005 an Bord. Wie können
Sie dieses Umsatzziel so klar prognostizieren?
Herr Plate: Die D+S europe AG hat ihre Ziele bereits
in den vergangenen Jahren stets sehr zuverlässig prognostiziert.
Die Genauigkeit unserer Aussagen beruht auf der Planbarkeit unseres
Geschäfts. Wir arbeiten zum überwiegenden Teil mit langjährigen
Auftraggebern und haben daher meistens bereits vor Jahresmitte den Löwenanteil
unseres Periodenumsatzes fest unter Vertrag. Ähnlich ist es bei
unserer Tochtergesellschaft dtms AG, die einen Großteil ihres
Umsatzes über Großkunden mit stabilen Mengen generiert. Die
Addition beider Buiness Cases führt deshalb sehr direkt zu unserer
Brutto-Umsatzerwartung von mehr als 180 Mio. Euro inklusive Vergütungen
für Vorleistungen.
DVI: Sie haben den Begriff des Call Centers, das ursprünglich
in Deutschland einen „zweitklassigen“ Ruf hatte, bei den
Investoren salonfähig gemacht. Wie haben Sie das geschafft?
Herr Plate: In unserer heutigen Wirtschaft, die im
Business-to-Business- wie auch im Business-to-Consumer-Geschäft
zunehmend von Transaktionen über multimediale Plattformen geprägt
ist, stellen Call Center das zentrale Bindeglied zwischen den Unternehmen
und ihren Kunden dar. In dieser Schnittstellen-Funktion sind moderne
Call Center für zahlreiche Wirtschaftszweige zu einem integralen
Bestandteil geworden, der von wesentlicher Relevanz für den geschäftlichen
Erfolg ist. Diese Bedeutung unserer noch vergleichsweise jungen Industrie
hat der Markt verstanden. Es ist uns als D+S europe AG gelungen zu vermitteln,
dass wir als modernes Dienstleistungs-Unternehmen komplexe Vorgänge
im Bereich des Vertriebs- und Kundenkontakt-managements für unsere
Auftraggeber abwickeln und dabei so innovative Prozesssteuerungs-Instrumente
wie unsere Intraday Complete Control (ICC) einsetzen.
DVI: Mit Prozesssteuerung meinen Sie vermutlich auch
die optimale Bedarfsplanung Ihrer Personalkapazitäten in elf Bundesländern.
Liegt hierin für Sie der Schlüssel zum überdurch-schnittlichen
Erfolg?
Herr Plate: Ja, denn für uns als Dienstleistungsunternehmen
sind die Personalkosten der mit Abstand maßgeblichste Ergebnisfaktor.
Von allen Hebeln, mit denen wir unsere Profitabilität steigern
können, ist dies der mächtigste. Mit der Intraday Complete
Control (ICC) haben wir ein wegweisendes Instrument zur Qualitäts-
und Effizienzsteuerung von Vertriebs- und Kunden-kontaktprozessen entwickelt,
mit dem wir in bisher nicht da gewesener Präzision und Aktualität
Voraussagen zum bevorstehenden Kontaktvolumen treffen und daraus unter
Berücksichtigung der Servicevorgaben eine präzise Personaleinsatzplanung
ableiten können. Die ICC ermöglicht damit enorme Budgetoptimierungen
in der Personal- und Ressourcensteuerung, die in unserem Unternehmen
bereits zu Einspareffekten bis zu 30 Prozent geführt haben.
DVI: Sie haben es im Juli 2005 wieder einmal geschafft,
dass Ihre Kapitalerhöhung im Verhältnis 1,6 : 1 wiederum stark
überzeichnet war. Dies ist nunmehr das dritte Mal, dass die Anleger
mehr Aktien haben wollen, als Sie ihnen anbieten können. Wie erklären
Sie sich den Erfolg, dass Sie so kapitalmarkteffizient akquirieren können?
Herr Plate: Unser Unternehmen hat eine überzeugende
Wachstumsstrategie, die wir konsequent mit der Entwicklung zum ganzheitlichen
Dienstleister für Business Process Management (BPM) im Bereich
des Vertriebs und Kundenservices umsetzen. Alle Kapitalerhöhungen
der vergangenen drei Jahre waren gekennzeichnet von klaren Zielsetzungen,
die wir damit verknüpft haben und die wir auch erreicht haben.
Bei jeder unserer Kapitalerhöhungen konnten wir unseren Anlegern
sehr deutlich den Sinn und Nutzen darlegen. Gleichzeitig haben wir die
Steigerung unserer Ertragskraft auf Konzernebene stets zum unabdingbaren
Kriterium unserer Akquisitionen gemacht. Unsere Investoren sind bisher
bei jeder unserer Kapitalmaßnahmen in den vergangenen drei Jahren
sehr gut gefahren.
DVI: Sie planen für das kommende Jahr eine knappe
Gewinnverdoppelung von 20 auf 38 Cent je Aktie, bei einem Umsatzzuwachs
von gut 180 auf 330 Mio. Euro. Ist diese Ergebnissteigerung nicht etwas
sportlich geplant?
Herr Plate: Im Gegensatz zum laufenden Jahr, in dem
dtms nur zur Hälfte in unseren Konzernzahlen enthalten ist, werden
wir die margenstarke dtms AG 2006 erstmals ganzjährig konsolidieren.
Allein aus der bloßen Addition der Business Cases beider Unternehmen,
die in jeweils sehr dynamischen Märkten führende Positionen
einnehmen, ergeben sich daher ein erheblicher Größensprung
und die annähernde Gewinnverdoppelung. Der Erfolg unserer Wachstumsstrategie
drückt sich damit in der signifikanten Steigerung unserer Ertragskraft
aus. Gemessen an unserem Netto-Umsatz bedeutet unsere Planung für
das kommende Jahr eine EBIT-Marge von über 10 Prozent. Im Jahr
2007 erwarten wir eine entsprechende Rendite von mehr als 12 Prozent.
Bedenken Sie dabei bitte auch das Ergebnispotential, das wir aus der
intelligenten Konzeption gemeinsamer Kombi-Dienstleistungen von D+S
und dtms generieren können, woran wir auf Hochtouren arbeiten.
DVI: Es gibt Gerüchte an der Börse, dass
Sie schon wieder an weiteren Akquisitionen arbeiten und damit auch weitere
Kapitalerhöhungen fällig werden. Muten Sie Ihren Aktionären
nicht zuviel zu?
Herr Plate: An erster Stelle steht für uns zunächst
die Integration der dtms AG. Diese wird zum Jahresende weitgehend abgeschlossen
sein. Wir haben mit dieser und anderen Akquisitionen in den letzten
Jahren Herausragendes geschafft: Von einem austauschbaren Dienstleistungs-unternehmen
haben wir uns zu einem marktführenden Konzern mit unverwechselbarem
Leistungsportfolio entwickelt. Unserem Ziel der Spitzenposition sind
wir damit rasant näher gekommen. Unsere Schnelligkeit ist aufgrund
der gegenwärtig noch sehr starken Fragmentierung unseres Marktes
entscheidend für unseren Erfolg. Wir haben die Kraft, unser Tempo
weiter beizubehalten, um uns eine einzigartige Marktstellung zu sichern.
DVI: Sie haben eine ganze Reihe sehr interessanter
Investoren für D+S europe begeistern können – darunter
die DAH Beteiligungs GmbH aus dem Familienumfeld von SAP-Mitbegründer
Dietmar Hopp ( > 9%), die amerikanische Avenue Capital Group (>
8%), die österreichische AvW Management Beteiligungs AG (>5%
), Lupus alpha und UBS. Sind Sie damit in eine höhere Liga am Kapitalmarkt
aufgestiegen?
Herr Plate: Mit unserem erfolgreichen Wachstumskurs
sind wir in das Blickfeld vieler institutioneller Investoren gerückt,
die uns vor einem Jahr noch nicht in ihre Planungen einbezogen hatten.
Dank unserer neu gewonnenen Investoren verfügen wir heute über
eine zwischen Freefloat und institutionellen Investoren gut ausbalancierte
Aktionärsstruktur, die uns für weitere Wachstumsschritte als
potentielle Kapitalbasis zur Verfügung steht.
DVI: Das Geschäftsvolumen der eigentlichen D+S
europe AG soll von 75 Mio. Euro in 2005 auf 110 Mio. Euro im Jahr 2007
steigen, ohne dass Neuerwerbungen hinzukommen. Wie können Sie dieses
phänomenale Wachstum realisieren?
Herr Plate: Die D+S europe AG ist dank ihrer Wachstumsstrategie
am Markt sehr stark positioniert. Mit unserer Ausrichtung auf Business
Process Management, das mein Vorstandskollege Tobias Hartmann mit geballter
Vertriebskraft voran bringt, erreichen wir eine deutliche Verlängerung
unserer Wertschöpfungskette. Daher können wir in den Jahren
2006 und 2007 ein über-proportionales Wachstum erwarten und sehen
in unserem Kerngeschäft eine durchschnittliche Zuwachsrate von
rund 20 Prozent als absolut realistisch an.
DVI: Ist im Zuge des Konzernwachstums ein deutlicher
Anstieg des Pro-Kopf-Umsatzes pro Mitarbeiter zu erwarten?
Herr Plate: Die Verlängerung unserer Wertschöpfungskette
vor allem in weniger personal-intensiven Bereichen führt zu einer
ganz signifikanten Erhöhung des Pro-Kopf-Umsatzes. Zukünftig
wird das dazu führen, dass wir den durchschnittlichen Pro-Kopf-Umsatz
im Vergleich zum Jahr 2004 weit mehr als verdoppeln werden.
DVI: Im Peergroup-Vergleich liegt Ihr durchschnittliches
KGV mit knapp 12 deutlich unter dem Mittelwert der Gruppe. Deutet dies
nicht darauf hin, dass Sie sich eine Wachstumspause gönnen sollten?
Herr Plate: Ich sehe unsere aktuelle Bewertung eher
als Aufforderung, unsere Kapitalmarktarbeit zu intensivieren. Offensichtlich
besteht Aufholbedarf in der Kommunikation unserer Zahlen und unserer
Marktposition. Wir planen daher im November mit Roadshows eine deutliche
Forcierung unserer Aktivitäten.
DVI: Sie halten auch nach der beeindruckenden Übernahme
der großen dtms AG an der zügigen Fortsetzung Ihrer Wachstumsstrategie
fest. Wohin wollen Sie die D+S europe AG in den kommenden Jahren führen?
Herr Plate: Ich möchte die D+S europe AG zur Nummer
1 machen. Die Voraussetzungen dafür sind gut, denn die Marktanteile
für Communication Center-Dienstleistungen sowie für Mehrwert-dienste
befinden sich noch in der Aufteilung. Mit der gemeinsamen Ausrichtung
von D+S und dtms auf wertorientiertes Kundenbeziehungsmanagement, das
für die Unternehmen schon in sehr naher Zukunft erheblich an Bedeutung
gewinnen wird, haben wir eine hervorragende Ausgangsposition, um uns
an die Spitze der Branche zu setzen.
DVI: Haben Sie Vorstellungen über den fairen Wert
der Aktie?
Herr Plate: Mit einem KGV von 12 auf Basis unserer
Ergebnisplanung für 2006 liegen wir deutlich unter dem durchschnittlichen
KGV z. B. des S-DAX, mit ca. 16 und des TecDAX mit ca. 23. Ich werte
das als ein klares Anzeichen dafür, dass der faire Wert unserer
Aktie über der aktuellen Notierung liegt. Wir werden deshalb mit
einer Intensivierung unserer Kapitalmarkt-Kommunikation für eine
breitere Bekanntheit unserer Unternehmensziele sorgen und damit hoffentlich
die Lücke zwischen aktuellem Kurs und von uns gesehenem fairen
Wert verkleinern.
DVI: Besten Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Rochus C. Rüttnauer.
http://www.das-vorstandsinterview.de