23.08.05  DAS VORSTANDSINTERVIEW
edel music AG - (WKN: 564950 / ISIN: DE0005649503 / Symbol: EDL)

Interviewpartner: Michael Haentjes, Vorstandsvorsitzender
Gehaltene Aktien: 15.337.645 Stück, entspricht 70,36% des gesamten Grundkapitals

edel music HomepageNachdem die edel music AG bereits im Geschäftsjahr 2003/2004 ein EBIT von 4,5 Mio. EUR erreicht hat zeigten die Effekte der Restrukturierung, die das Unternehmen in den Jahren 2002 und 2003 durchgemacht hat, im ersten Halbjahr 2004/2005 ( 1.10.04 – 31.3.05 ) weiter deutliche Wirkung: Die Umsatzerlöse sind von 71,5 auf 82,6 Mio. Euro angestiegen, das EBIT ist von 4,0 auf 6,2 Mio. Euro gewachsen. Im 1. Halbjahr 02 hatte das EBIT noch minus 8,1 Mio. Euro betragen. Wären nicht in den ersten 6 Monaten des laufenden Geschäftsjahres 1,8 Mio. Euro an Steuern angefallen, so wäre der Konzernjahresüberschuss noch deutlich höher gelegen. Insofern kann man bei edel von einer Gesellschaft sprechen, deren Ertragskraft sich innerhalb von 4 Jahren komplett gewandelt hat. Geführt wird die Gesellschaft vom Hauptaktionär Michael Haentjes, zugleich Vorstandvorsitzender, den wir nach den mittelfristigen Perspektiven des Unternehmens gefragt haben.

Das Vorstandsinterview (DVI): Herr Haentjes, bitte erklären Sie unseren Lesern in kurzen Worten das Geschäftsmodell der edel music AG.

Herr Haentjes: Unser Geschäftsmodell hat zwei Säulen. Im Content-Bereich beschäftigen wir uns mit allen Aspekten rund um die Auswertung von Inhalten verschiedener Genres und Formate, im Wesentlichen Vermarktung von Audio- und Videoinhalten, vor allem aus dem Bereich Musik (Pop und Klassik) und Kinderunterhaltung, aber auch in verwandten Genres wie Hörbuch, Film oder TV. Als führender unabhängiger Anbieter in Europa werten wir eigene oder lizenzierte Inhalte auf Ton- und Bildträgern.

Im Service-Bereich bieten wir umfassende und integrierte Dienstleistungen für die Entertainment-Industrie. Das betrifft vor allem Produktion, Logistik, Vertrieb und Administration/IT, aber zunehmend auch die digitale Verbreitung von Musik, bei der wir sehr erfreuliche Zuwachsraten sehen.

DVI: Wie war es möglich, dass Sie im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 04/05 so starke Zahlen vorlegen konnten?

Herr Haentjes: Seit dem Turnaround vor zwei Jahren macht edel wieder das, womit das Unternehmen schon vor der Börsenkrise jahrelang äußerst erfolgreich war: schneller und besser sein als andere, Chancen und Trends erkennen und diese schnell und effektiv nutzen. Was Professionalität und Technologie betrifft, macht uns in diesem Geschäft so schnell keiner etwas vor. Dabei haben wir unsere Kosten hervorragend im Griff und arbeiten viel risikobewusster als früher. So können wir auch gegen einen sinkenden Markt weiter wachsen.

DVI: Warum haben Sie eine „relativ teure“ Wandelanleihe mit einer 7%-igen Verzinsung und einem Volumen von 30 Mio. Euro aufgelegt, wo doch allein im ersten Halbjahr Ihr operativer Cash-Flow um 215% springen konnte?

Herr Haentjes: Die Wandelanleihe kostet das Unternehmen in etwa so viel, wie die bisherigen langfristigen Bankkredite, die wir im wesentlichem mit der Anleihe ablösen wollen. Bei anhaltend gutem Cash-Flow, werden wir Anleihe Stücke aus dem Markt heraus kaufen und damit unsere Zinsverpflichtungen mindern.

DVI: Edel-Music hat in Europa eine Markt führende Stellung. Warum sind Sie in England noch nicht über eine eigene Tochtergesellschaft vertreten und in welchem Land können Sie am stärksten wachsen?

Herr Haentjes: Wir haben jahrelang eine englische Tochtergesellschaft unterhalten, die uns aber nur Verluste brachte, so dass wir sie im Zuge der Konzernsanierung auf eine Minderheits-beteiligung heruntergefahren haben. Es hat sich herausgestellt, dass unsere Produkte in anderen europäischen Ländern besser angenommen werden als im sehr schwierigen britischen Markt. Eine erfolgreiche Musikvermarktung ist dort nur mit hohen Marketinginvestitionen möglich, dieses Risiko wollten wir nicht länger tragen. Unsere derzeit erfolgreichsten Länder nach Deutschland sind Italien und Skandinavien.

DVI: Welche Bedeutung haben Ihre weltweiten Partner in Übersee?

Herr Haentjes: Wir haben dort durchweg starke Lizenz- und Vertriebspartner, über die wir unsere Musikrechte mit guten Margen und bei geringen Risiko auswerten können. Unser Fokus bleibt aber Europa.

DVI: Was waren die Gründe, dass Sie in Ihrem Heimatmarkt Deutschland entgegen dem starken Marktverfall um 16% wachsen konnten? [Anmerkung: Wachstum betrug insgesamt 16%, nicht in Deutschland]

Herr Haentjes: Mit unserem sehr breiten Leistungsportfolio sind wir nicht so abhängig vom Popmusik-Geschäft, das die größten Verluste hinnehmen musste. Der Kindermarkt z.B., in dem wir die Nummer 4 in Deutschland sind, hat dagegen in den letzten Jahren kaum verloren. Außerdem konnten wir im Servicebereich weiter zulegen, u. a. durch neue Kunden, die nicht aus der Musikbranche kommen, wie WVG Medien und Random House.

DVI: Ist es möglich, dass man die Halbjahresergebnisse einfach verdoppelt, um den Ertragsswing des laufenden Jahres voll einschätzen zu können?

Herr Haentjes: Eine Verdoppelung würde nicht unserer Saisonkurve entsprechen, die ja ihren Höhepunkt im ersten Halbjahr unseres Geschäftsjahres hat (1.10. bis 31.3.) hat. Wir gehen aber davon aus, dass sich die gute Entwicklung der ersten Monate auch weiter fortsetzt.

DVI: Nennen Sie uns bitte die drei Künstler, mit denen Sie hinsichtlich Ergebnis und Umsatz die meiste Freude haben.

Herr Haentjes: Die Lollipops, The Rasmus und Scooter. Mit den Lollipops haben wir vor ein paar Jahren ein Mädchenduo aus der Taufe gehoben, das heute Deutschlands erfolgreichster Kinder-Musikact ist und regelmäßig sensationelle Verkäufe erzielt. The Rasmus ist eine finnische Rockgruppe, die bei unserer Tochter Playground unter Vertrag steht und die wir international an Universal Music lizenziert haben, wo die Band den weltweiten Durchbruch geschafft hat. Scooter ist ein Phänomen - mit Techno über zehn Jahre im Popgeschäft ganz vorn dabei zu sein, verdient höchsten Respekt. Der Act wurde damals von edel-Mitarbeitern gegründet, die uns als Künstler glücklicherweise bis heute treu geblieben sind.

DVI: Gilt auch bei Ihnen die Regel, dass das Klassiksegment deutlich ertragsstärker ist als die Umsätze mit Popkünstlern?

Herr Haentjes: Unser Klassikgeschäft ist im Kern profitabel. Aber das Pop-Business ist generell um ein vielfaches größer als der Klassikmarkt und bietet deshalb bessere Chancen, das ist bei uns nicht anders als bei den Kollegen. Allerdings haben wir die höchsten Margen im Dienstleistungssegment.

DVI: Sind die Produkte, die Sie für die jüngsten Konsumenten, also die Kids, zugeschnitten haben, ein wachstumsträchtiger Markt?

Herr Haentjes: Absolut. Der Kindermarkt hat deutlich weniger Umsatzverluste hinnehmen müssen als das übrige Tonträgergeschäft.

DVI: Wie groß ist der Prozentsatz Ihrer Marketingpartner, die die ganze Bandbreite Ihrer Servicetools in Anspruch nehmen?

Herr Haentjes: Unsere Kunden nutzen die unterschiedlichsten Teile unseres Service-Portfolios. Der Umsatz mit Dienstleistungen macht etwa 60 Prozent unserer Erlöse aus.

DVI: Nachdem neun Monate des laufenden Geschäftsjahres schon vorbei sind, müssten auch die Marketingpläne für das Geschäftsjahr 05/06 schon verabschiedet sein. In welche Richtung wird edel im kommenden Geschäftsjahr marschieren?

Herr Haentjes: Wir werden von unserer erfolgreichen Strategie nicht abrücken und uns im Bereich Artist Marketing weiter auf etablierte Künstler konzentrieren. Kürzlich haben wir die Band Deep Purple unter Vertrag genommen, die immer noch unglaublich erfolgreich ist und deren neues Album außerhalb Nordamerikas weltweit über edel vermarktet wird. Das Servicegeschäft wollen wir kontinuierlich ausbauen. In unserem Werk „optimal“ werden gerade über 11 Mio. Euro in neue Fertigungslinien und Distributionskapazitäten investiert, außerdem erweitern wir dort unsere Druckerei.

DVI: Sehen Sie die starken Finanzkennziffern, die Sie im ersten Halbjahr veröffentlicht haben, im aktuellen Aktienkurs genügend repräsentiert?

Herr Haentjes: Ich denke, dass der Kurs noch steigen wird, wenn wir weiter ähnlich gute Zahlen liefern.

DVI: Wo sehen Sie den fairen Wert der Aktie?

Herr Haentjes: Ich bin kein Analyst und darüber hinaus auch noch befangen. Ich denke jedenfalls, dass der Kurs Spielraum bietet.

DVI: Sind nicht schon eine Reihe von Investoren an Sie herangetreten, die meinten, dass 70% der Aktien in Ihren Händen eher ein Nachteil als ein Vorteil für eine nachhaltige Wertsteigerung sein sollte?

Herr Haentjes: Ich habe zur Zeit nicht vor, meinen Anteil am Unternehmen zu verändern. Der Wert des Unternehmens wird dann steigen, wenn wir gute Arbeit leisten.

DVI: Wohin wollen Sie die Gesellschaft bis zum Ende Ihrer beruflichen Laufbahn führen?

Herr Haentjes: Mit der augenblicklichen Unternehmensentwicklung bin ich durchaus zufrieden. Ich hätte nichts dagegen, wenn wir über die nächsten 20 Jahre ein vergleichbares organisches Wachstum ausweisen würden.

DVI: Besten Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Rochus C. Rüttnauer.

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