edel music AG - (WKN:
564950 / ISIN: DE0005649503 / Symbol: EDL)
Interviewpartner: Michael Haentjes, Vorstandsvorsitzender
Gehaltene Aktien: 15.337.645 Stück, entspricht 70,36% des gesamten Grundkapitals
Nachdem
die edel music AG bereits im Geschäftsjahr 2003/2004 ein EBIT von
4,5 Mio. EUR erreicht hat zeigten die Effekte der Restrukturierung,
die das Unternehmen in den Jahren 2002 und 2003 durchgemacht hat, im
ersten Halbjahr 2004/2005 ( 1.10.04 – 31.3.05 ) weiter deutliche
Wirkung: Die Umsatzerlöse sind von 71,5 auf 82,6 Mio. Euro angestiegen,
das EBIT ist von 4,0 auf 6,2 Mio. Euro gewachsen. Im 1. Halbjahr 02
hatte das EBIT noch minus 8,1 Mio. Euro betragen. Wären nicht in
den ersten 6 Monaten des laufenden Geschäftsjahres 1,8 Mio. Euro
an Steuern angefallen, so wäre der Konzernjahresüberschuss
noch deutlich höher gelegen. Insofern kann man bei edel von einer
Gesellschaft sprechen, deren Ertragskraft sich innerhalb von 4 Jahren
komplett gewandelt hat. Geführt wird die Gesellschaft vom Hauptaktionär
Michael Haentjes, zugleich Vorstandvorsitzender, den wir nach den mittelfristigen
Perspektiven des Unternehmens gefragt haben.
Das Vorstandsinterview (DVI): Herr Haentjes, bitte
erklären Sie unseren Lesern in kurzen Worten das Geschäftsmodell
der edel music AG.
Herr Haentjes: Unser Geschäftsmodell hat zwei
Säulen. Im Content-Bereich beschäftigen wir uns mit allen
Aspekten rund um die Auswertung von Inhalten verschiedener Genres und
Formate, im Wesentlichen Vermarktung von Audio- und Videoinhalten, vor
allem aus dem Bereich Musik (Pop und Klassik) und Kinderunterhaltung,
aber auch in verwandten Genres wie Hörbuch, Film oder TV. Als führender
unabhängiger Anbieter in Europa werten wir eigene oder lizenzierte
Inhalte auf Ton- und Bildträgern.
Im Service-Bereich bieten wir umfassende und integrierte
Dienstleistungen für die Entertainment-Industrie. Das betrifft
vor allem Produktion, Logistik, Vertrieb und Administration/IT, aber
zunehmend auch die digitale Verbreitung von Musik, bei der wir sehr
erfreuliche Zuwachsraten sehen.
DVI: Wie war es möglich, dass Sie im ersten Halbjahr
des Geschäftsjahres 04/05 so starke Zahlen vorlegen konnten?
Herr Haentjes: Seit dem Turnaround vor zwei Jahren
macht edel wieder das, womit das Unternehmen schon vor der Börsenkrise
jahrelang äußerst erfolgreich war: schneller und besser sein
als andere, Chancen und Trends erkennen und diese schnell und effektiv
nutzen. Was Professionalität und Technologie betrifft, macht uns
in diesem Geschäft so schnell keiner etwas vor. Dabei haben wir
unsere Kosten hervorragend im Griff und arbeiten viel risikobewusster
als früher. So können wir auch gegen einen sinkenden Markt
weiter wachsen.
DVI: Warum haben Sie eine „relativ teure“
Wandelanleihe mit einer 7%-igen Verzinsung und einem Volumen von 30
Mio. Euro aufgelegt, wo doch allein im ersten Halbjahr Ihr operativer
Cash-Flow um 215% springen konnte?
Herr Haentjes: Die Wandelanleihe kostet das Unternehmen
in etwa so viel, wie die bisherigen langfristigen Bankkredite, die wir
im wesentlichem mit der Anleihe ablösen wollen. Bei anhaltend gutem
Cash-Flow, werden wir Anleihe Stücke aus dem Markt heraus kaufen
und damit unsere Zinsverpflichtungen mindern.
DVI: Edel-Music hat in Europa eine Markt führende
Stellung. Warum sind Sie in England noch nicht über eine eigene
Tochtergesellschaft vertreten und in welchem Land können Sie am
stärksten wachsen?
Herr Haentjes: Wir haben jahrelang eine englische Tochtergesellschaft
unterhalten, die uns aber nur Verluste brachte, so dass wir sie im Zuge
der Konzernsanierung auf eine Minderheits-beteiligung heruntergefahren
haben. Es hat sich herausgestellt, dass unsere Produkte in anderen europäischen
Ländern besser angenommen werden als im sehr schwierigen britischen
Markt. Eine erfolgreiche Musikvermarktung ist dort nur mit hohen Marketinginvestitionen
möglich, dieses Risiko wollten wir nicht länger tragen. Unsere
derzeit erfolgreichsten Länder nach Deutschland sind Italien und
Skandinavien.
DVI: Welche Bedeutung haben Ihre weltweiten Partner
in Übersee?
Herr Haentjes: Wir haben dort durchweg starke Lizenz-
und Vertriebspartner, über die wir unsere Musikrechte mit guten
Margen und bei geringen Risiko auswerten können. Unser Fokus bleibt
aber Europa.
DVI: Was waren die Gründe, dass Sie in Ihrem Heimatmarkt
Deutschland entgegen dem starken Marktverfall um 16% wachsen konnten?
[Anmerkung: Wachstum betrug insgesamt 16%, nicht in Deutschland]
Herr Haentjes: Mit unserem sehr breiten Leistungsportfolio
sind wir nicht so abhängig vom Popmusik-Geschäft, das die
größten Verluste hinnehmen musste. Der Kindermarkt z.B.,
in dem wir die Nummer 4 in Deutschland sind, hat dagegen in den letzten
Jahren kaum verloren. Außerdem konnten wir im Servicebereich weiter
zulegen, u. a. durch neue Kunden, die nicht aus der Musikbranche kommen,
wie WVG Medien und Random House.
DVI: Ist es möglich, dass man die Halbjahresergebnisse
einfach verdoppelt, um den Ertragsswing des laufenden Jahres voll einschätzen
zu können?
Herr Haentjes: Eine Verdoppelung würde nicht unserer
Saisonkurve entsprechen, die ja ihren Höhepunkt im ersten Halbjahr
unseres Geschäftsjahres hat (1.10. bis 31.3.) hat. Wir gehen aber
davon aus, dass sich die gute Entwicklung der ersten Monate auch weiter
fortsetzt.
DVI: Nennen Sie uns bitte die drei Künstler, mit
denen Sie hinsichtlich Ergebnis und Umsatz die meiste Freude haben.
Herr Haentjes: Die Lollipops, The Rasmus und Scooter.
Mit den Lollipops haben wir vor ein paar Jahren ein Mädchenduo
aus der Taufe gehoben, das heute Deutschlands erfolgreichster Kinder-Musikact
ist und regelmäßig sensationelle Verkäufe erzielt. The
Rasmus ist eine finnische Rockgruppe, die bei unserer Tochter Playground
unter Vertrag steht und die wir international an Universal Music lizenziert
haben, wo die Band den weltweiten Durchbruch geschafft hat. Scooter
ist ein Phänomen - mit Techno über zehn Jahre im Popgeschäft
ganz vorn dabei zu sein, verdient höchsten Respekt. Der Act wurde
damals von edel-Mitarbeitern gegründet, die uns als Künstler
glücklicherweise bis heute treu geblieben sind.
DVI: Gilt auch bei Ihnen die Regel, dass das Klassiksegment
deutlich ertragsstärker ist als die Umsätze mit Popkünstlern?
Herr Haentjes: Unser Klassikgeschäft ist im Kern
profitabel. Aber das Pop-Business ist generell um ein vielfaches größer
als der Klassikmarkt und bietet deshalb bessere Chancen, das ist bei
uns nicht anders als bei den Kollegen. Allerdings haben wir die höchsten
Margen im Dienstleistungssegment.
DVI: Sind die Produkte, die Sie für die jüngsten
Konsumenten, also die Kids, zugeschnitten haben, ein wachstumsträchtiger
Markt?
Herr Haentjes: Absolut. Der Kindermarkt hat deutlich
weniger Umsatzverluste hinnehmen müssen als das übrige Tonträgergeschäft.
DVI: Wie groß ist der Prozentsatz Ihrer Marketingpartner,
die die ganze Bandbreite Ihrer Servicetools in Anspruch nehmen?
Herr Haentjes: Unsere Kunden nutzen die unterschiedlichsten
Teile unseres Service-Portfolios. Der Umsatz mit Dienstleistungen macht
etwa 60 Prozent unserer Erlöse aus.
DVI: Nachdem neun Monate des laufenden Geschäftsjahres
schon vorbei sind, müssten auch die Marketingpläne für
das Geschäftsjahr 05/06 schon verabschiedet sein. In welche Richtung
wird edel im kommenden Geschäftsjahr marschieren?
Herr Haentjes: Wir werden von unserer erfolgreichen
Strategie nicht abrücken und uns im Bereich Artist Marketing weiter
auf etablierte Künstler konzentrieren. Kürzlich haben wir
die Band Deep Purple unter Vertrag genommen, die immer noch unglaublich
erfolgreich ist und deren neues Album außerhalb Nordamerikas weltweit
über edel vermarktet wird. Das Servicegeschäft wollen wir
kontinuierlich ausbauen. In unserem Werk „optimal“ werden
gerade über 11 Mio. Euro in neue Fertigungslinien und Distributionskapazitäten
investiert, außerdem erweitern wir dort unsere Druckerei.
DVI: Sehen Sie die starken Finanzkennziffern, die Sie
im ersten Halbjahr veröffentlicht haben, im aktuellen Aktienkurs
genügend repräsentiert?
Herr Haentjes: Ich denke, dass der Kurs noch steigen
wird, wenn wir weiter ähnlich gute Zahlen liefern.
DVI: Wo sehen Sie den fairen Wert der Aktie?
Herr Haentjes: Ich bin kein Analyst und darüber
hinaus auch noch befangen. Ich denke jedenfalls, dass der Kurs Spielraum
bietet.
DVI: Sind nicht schon eine Reihe von Investoren an
Sie herangetreten, die meinten, dass 70% der Aktien in Ihren Händen
eher ein Nachteil als ein Vorteil für eine nachhaltige Wertsteigerung
sein sollte?
Herr Haentjes: Ich habe zur Zeit nicht vor, meinen
Anteil am Unternehmen zu verändern. Der Wert des Unternehmens wird
dann steigen, wenn wir gute Arbeit leisten.
DVI: Wohin wollen Sie die Gesellschaft bis zum Ende
Ihrer beruflichen Laufbahn führen?
Herr Haentjes: Mit der augenblicklichen Unternehmensentwicklung
bin ich durchaus zufrieden. Ich hätte nichts dagegen, wenn wir
über die nächsten 20 Jahre ein vergleichbares organisches
Wachstum ausweisen würden.
DVI: Besten Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Rochus C. Rüttnauer.
http://www.das-vorstandsinterview.de