15.07.05  DAS VORSTANDSINTERVIEW
Advanced Medien AG - (WKN: 126218 / ISIN: DE0001262186 / Symbol: DVN1)

Interviewpartner: Otto Dauer, Alleinvorstand
Gehaltene Aktien: 111.000 Aktien (von 9,3 Mio.) des Grundkapitals, keine Optionen

Advanced Medien HomepageHintergrund: Der Aufwärtstrend der Advanced Medien AG hielt auch im ersten Halbjahr 2005 weiter an. Hatte das Unternehmen am 30.6.04, als die Atlas Air noch nicht übernommen war, noch einen Verlust von TEuro 675 (bereinigt um Sonderfaktoren) auszuweisen, so rechnet der Alleinvorstand, Herr Otto Dauer, jetzt mit einem Halbjahresüberschuss im 7-stelligen Bereich. Dabei ist die neue Beteiligung an der Telcast Media Group GmbH im Konzernergebnis noch nicht berücksichtig, da sie derzeit erst mit 25,1% zu Advanced Medien gehört. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie Advanced die Beteiligung weiter aufstocken kann. DVI hat Herrn Otto Dauer nach den kurzfristigen Aussichten des Unternehmens befragt.

Das Vorstandsinterview (DVI): Herr Dauer, wenn Sie einen Rückblick ziehen zwischen 30.6.04 und 30.6.05: was hat sich in Ihrer AG verändert?

Herr Dauer: Unser Turn-Around nahezu exakt zum 30.06.2004 ging einher mit dem Kreditverzicht unserer Hausbank in Höhe von 4,5 Mio. Euro und dem äußerst günstigen Erwerb der Firmengruppe Atlas Air mit Ergebniswirkung 01.01.2004 und Zahlungszeitpunkt 01.07.2004. Das bedeutete, dass für die Advanced Medien AG am 01.07.2004 eine neue Zeitrechnung begann. Die AG war vollends von den Bankschulden befreit, der Kaufpreis der neuen schulden freien Tochtergesellschaft durch eine Barkapitalerhöhung vollständig mit Eigenmitteln finanziert und die Restrukturierung der Advanced Medien AG damit abgeschlossen. In der Zwischenzeit hat die Atlas Air Gruppe vor Steuern mehr als den Kaufpreis selbst verdient. Außerdem hatten wir noch eine Kasse in Millionenhöhe übernommen. Man kann diese Akquisition auch als Lucky Buy bezeichnen.

DVI: Welches Ergebnis erwarten Sie im ersten Halbjahr 05?

Herr Dauer: Das Ergebnis zum 30.06.2005 liegt uns noch nicht vor. Wir rechnen in der zweiten Augusthälfte damit, da ja unsere Tochtergesellschaft in den USA einzubeziehen ist. Zusammenfassend hat sich die Gruppe in allen Gesellschaften gut entwickelt. Auch die Advanced Film GmbH, die das operative Geschäft der Advanced Medien AG weiterführt, arbeitete profitabel.

DVI: Wie sind Ihre Erwartungen hinsichtlich Atlas Air und deren Vertragsverlängerung mit Lufthansa?

Herr Dauer: Mit Informationen zum Thema Lufthansa sind wir äußerst zurückhaltend. Unser Ziel war und ist für unsere Kunden nachhaltig die optimalen Konditionen bei den Filmlizenzgebern zu erzielen. Dies ist uns in der Vergangenheit gelungen. Warum soll dies in der Zukunft nicht mehr so sein? Wir stellen uns dem Wettbewerb und haben den Eindruck, dass unsere Kunden mit Qualität, Zuverlässigkeit und Konditionen hoch zufrieden sind. Ein Wechsel des Service-Providers birgt zudem für den Airline-Kunden ein nicht unerhebliches Risiko von Pannen. Wir bleiben jedoch angewiesen auf die Entscheidungen des auftraggebenden Kunden und können nichts vorwegnehmen. Aber wir sind sehr zuversichtlich, dass Lufthansa uns als Kunde erhalten bleibt. Es ist hier eine gute Gelegenheit, darauf hinzuweisen, dass insbesondere aus der Sicht des Kapitalmarktes mit dem Aufbau eines zweiten Geschäftsfeldes das Risiko auf einen Großkunden angewiesen zu sein, deutlich geringer zu bewerten ist.

DVI: Welche neuen Kunden konnte Atlas Air in den letzten 12 Monaten akquirieren?

Herr Dauer: Lauda Air Italia und Jet Airways Indien. Insbesondere die Verbindung mit der indischen Gesellschaft entwickelt sich vielversprechend. Jet Airways ist in Indien Marktführer und ist dabei, weltweit zu expandieren.

DVI: Wie ist das Geschäftsmodell der Telcast Media-Gruppe zu beschreiben?

Herr Dauer: Die Telcast-Media-Gruppe ist mir schon seit 2001 als hoch innovativ bekannt. Erst seit 2004 ist mir jedoch deren Geschäftsfeld Earth TV ein Begriff. Dieses Geschäftsfeld hat sich in kurzer Zeit zum Kerngeschäftsfeld von Telcast entwickelt. Mit einer langen Anlaufphase und erheblichen Investitionen in die Entwicklung und den Aufbau durch die Private Equity-Adresse Apax Investments baute Telcast in 2003 und 2004 ein weltweites Netz von fest installierten Kameras auf, die hoch qualitative Live-Bilder ins firmeneigene Sendezentrum senden. Von dort werden die Bilder mit verschiedenen Programmformaten live weltweit an viele Fernsehsender verkauft. In Deutschland sind die Abnehmer n-tv, RTL und RTL Plus. Das Geschäftsmodell ist für uns deshalb interessant, weil nach dem Break-even die Fixkosten nicht mit den Erlösen mit steigen. Die gleichen Bilder sind nahezu unendlich oft verkäuflich, und die Marktdurchdringung ist noch sehr gering. Echte Konkurrenz gibt es nicht, und mit den Kameras in Skigebieten hat dieses Geschäft nichts zu tun.

DVI: Wie sind Sie mit der Entwicklung der Telcast Media-Gruppe zufrieden?

Herr Dauer: Wir kommen meiner Meinung nach zum optimalen Zeitpunkt, nämlich zum Break-even. Dies hat den Vorteil, dass die Bewertung noch bezahlbar ist und nach unserer Beurteilung keine Verluste mehr zu finanzieren sind. Interessant ist für uns neben diesen Faktoren das rasche Wachstum der Telcast Gruppe, das wir mit unserem aktuellen Geschäftsfeld Inflight Entertainment nicht darstellen können.

DVI: Wer sind die größten Kunden der Telcast Media-Gruppe, und was soll die Neuerwerbung im kommenden Jahr umsetzen?

Herr Dauer: Es gibt keine größten Kunden. Die TV-Sender, die die Bilder abnehmen unterscheiden sich allenfalls von deren Reichweite. RTL hat zum Beispiel eine größere Reichweite als ein norwegischer Sender und zahlt deshalb einen höheren Preis. Dennoch ist das Programm für die Sender im Vergleich äußerst günstig und aufgrund des live-Charakters trotzdem hoch attraktiv.

DVI: Im Dezember 2004 berichteten Sie ferner von der Absicht, sich auch im Geschäftsfeld Inflight Entertainment durch Akquisition zu verbreitern. Wurde dieses Vorhaben wegen der Telcast Media Gruppe zurückgestellt?

Herr Dauer: Nein keineswegs. Wir sind mit möglichen Kandidaten nach wie vor im Gespräch.. Auch der Aufsichtsrat steht voll hinter unseren Plänen. Sie können sich jedoch vorstellen, wie ehrgeizig, ja geradezu sportlich es ist, zwei große Akquisitionen gleichzeitig zu realisieren.

DVI: Welchen Kapitalbedarf haben Sie, wenn man Telcast und ein zweites Unternehmen zusammenrechnet, in den nächsten 6 Monaten?

Herr Dauer: Sofern die Verhandlungen von Erfolg gekrönt sind, werden es mehr als 10 Mio. Euro werden, die wir in Beteiligungen investieren möchten, die eine erfreuliche EBIT-Marge aufweisen.

DVI: Ist die Gewinnschätzung der HVB mit 21 Cent je Aktie für 2006 noch aktuell, oder müsste diese Ihrer Meinung nach in Kürze angehoben werden?

Herr Dauer: Wir sind bisher sehr gut damit gefahren, diese Einschätzung den Analysten zu überlassen.

DVI: Wer sind derzeit Ihre größten Aktionäre?

Herr Dauer: Lediglich die KST Beteiligungs AG in Stuttgart hat im Oktober 2004 eine Beteiligung von 6,34 % veröffentlicht. Mir sind eine Reihe von institutionellen und privaten Anlegern unter 5 % bekannt, die jedoch nicht genannt werden wollen und gerade deshalb unter 5 % bleiben. Die breite Streuung des Aktionariats kommt der unabhängigen Geschäftsführung durch Vorstand und Aufsichtsrat, zum Vorteil der vielen Kleinaktionäre entgegen.

DVI: Welche Erwartungen haben Sie für den Aktienkurs, wenn Sie Telcast und vielleicht sogar eine weitere Akquisition dieses Jahr noch erfolgreich abschließen können?

Herr Dauer: Das ist schwer zu sagen. Bisher ist es uns gelungen, trotz des Anstiegs der ausstehenden Aktien von 1.,8 Mio. Stück auf nunmehr 9,3 Mio. den Aktienkurs zu steigern. Wenn uns dies weiterhin gelingt, sind wir zufrieden. Im Vergleich mit einer Reihe von anderen erfolgreichen Small-caps sind wir mit unserer bisherigen Aktienkursentwicklung noch nicht ganz zufrieden. Ich bin zuversichtlich, dass sich dies spätestens nach der Veröffentlichung unserer Halbjahreszahlen ändern wird.

DVI: Besten Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Rochus C. Rüttnauer.

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