CPU Softwarehouse AG
- (WKN: 545430 / ISIN: DE0005454300 / Symbol: CPU)
Interviewpartner: Dipl.-Ing. Manfred W. Köhler, Alleinvorstand
Hintergrund:
Die CPU Softwarehouse AG, mit Sitz in Augsburg, hat mit der kürzlich
erfolgten strategisch wichtigen Übernahme von FINSys einen wichtigen
Schritt nach vorne getan. Die Umsätze sollen in 2005 im Vergleich
zu 2004 um über 40% steigen, für 2006 plant das Unternehmen
einen weiteren Anstieg nochmals in ähnlicher Größenordnung.
Bereits im vergangenen Jahr konnte das Ergebnis je Aktie von minus 0,19
Euro auf minus 0,02 Euro verbessert werden, die Eigenkapitalquote stieg
von 25% auf 40%. Das Ergebnis je Aktie soll sich mit Blick auf das Jahr
2006 circa verfünffachen. Das Produkt- und Dienstleistungsportfolio
der CPU Softwarehouse AG wurde konsequent auf die gesamte Wertschöpfungskette
einer Bank ausgebaut, so dass neben den Themen Beratung und Entscheidung
im Kredit- und Anlagebereich nun auch das Datawarehouse sowie die Banksteuerung
im Angebot zur Verfügung steht. DVI hat Herrn Köhler zu den
mittelfristigen Perspektiven von CPU Softwarehouse AG befragt.
Das Vorstandsinterview (DVI): Herr Köhler, in
welche Geschäftsbereiche unterteilt sich Ihr Unternehmen?
Herr Köhler: Unter dem Dach einer Holding bilden
wir die Geschäftsbereiche unseres Kundenkreises in Form selbständiger
und eigenverantwortlicher Tochterunternehmen ab. Der Kreditbereich wird
durch die CPUsoftware Lab GmbH & Co.KG, Augsburg, repräsentiert,
die Anlageberatung durch die inexsys AG, Zürich. Die dedizierten
IT-Themen einschliesslich des Projektmanagements gehören zum Tätigkeitsbereich
der ISMC GmbH, Waldbronn, bei Karlsruhe. Unter dem Aspekt der Prozessketten-Betrachtung
ist neuerdings die FINSys AG, St. Gallen, hinzugekommen. Die Lösungen
der FINSys AG erweitern das Produktportfolio in den Corebankingbereich
und verbinden über ein virtuelles Dach des Datawarehousing Kredit
und Anlage.
Damit ist der fachlich orientierte Unterbau der Holding
abgeschlossen. Zukünftig steht die Stärkung der Einzelgesellschaften
im Vordergrund. Dabei ist auch eine anorganische Anreicherung zur Erweiterung
der Kundenbasis oder des Produktportfolios angestrebt.
DVI: In welchen Finanzdienstleistungsbereichen liegen
Ihre Kernkompetenzen?
Herr Köhler: Unsere Markt-, Fach- und Lösungskompetenz
liegt eindeutig im Bankensektor. Im Nearbanking Markt konzentrieren
wir uns ausschließlich auf Schwerpunkte des Kreditgeschäftes,
die mit unserem Leistungsportfolio bedient werden können. An dieser
Zielbestimmung wollen wir auch langfristig festhalten.
DVI: Welches Segment macht Ihnen am meisten Freude?
Herr Köhler: Mit dem erweiterten Lösungsangebot
in der Gesamtbanksteuerung sowie des Datawarehousing sind wir nicht
mehr nur im Frontend, sondern auch im Backend präsent. Wir unterscheiden
uns damit nun wesentlich von unseren Mitwettbewerbern, die diese Leistungskette
in der Vollständigkeit und Güte nicht besitzen. Wir grenzen
den Kreis unserer Mitwettbewerber dadurch nachhaltig ein. Der mehrdimensionale
Vertriebsansatz auf der Fach- und Management Ebene wird eine tragende
Erfolgskomponente sein. Sowohl die FINSys als auch die CPU Softwarehouse
stehen im Markt für Kundenzufriedenheit und Qualität der Leistung.
DVI: Erwarten Sie für das laufende Jahr, dass
alle Ihre Geschäftsbereiche positive Ergebnisse erwirtschaften
können werden?
Herr Köhler: Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen
im Gesamtmarkt sind negativ. In unserem Zielmarkt, dem Bankenmarkt,
wurde bereits einiges in Richtung Industrialisierung der Geschäfts-prozesse
angedacht, jedoch im wesentlichen in Form von Personalkostenreduzierungen
dominiert. Gleichzeitig wurden Kundenbindung und Kundengewinnungsprogramme
in Angriff genommen. Diese Kluft zwischen qualifizierter Kundenberatung
mit weniger geschultem Personal bei schnell anzupassendem Produktangebot
kann durch das Lösungsangebot der CPU in voller Breite verringert
werden.
Unter diesen Voraussetzungen sind wir in der Zwischenzeit
recht optimistisch, unser Ziel zu erreichen, mit allen Tochterunternehmen
ein positives Ergebnis erwirtschaften zu können. Dies wird auch
gestützt durch gesteigertes Interesse und konkrete Vertragsgespräche
in allen Gesellschaften.
DVI: Werden die angebotenen Softwarelösungen ausschließlich
in Ihrem Hause entwickelt, oder arbeiten Sie auch mit externen Programmen?
Herr Köhler: Unser Ziel bei der Entwicklung von
Softwarelösungen ist die langfristige Partnerschaft mit unseren
Kunden. Auf der Basis von standardisierten Prototypen, die von der CPU
entwickelt wurden, werden im Rahmen eines Projektes gemeinsam mit dem
Kunden die individuellen Anforderungen in einem Pflichtenheft dokumentiert
und aufgrund der Fähigkeiten unserer Mitarbeiter, die bankfachliches
Wissen und technische Umsetzungskompetenz in exzellenter Weise kombinieren,
realisiert und zusammen mit dem Kunden in seinem Umfeld integriert.
DVI: Sie haben in 2004 Ihre Personalkosten deutlich
reduzieren können, obwohl Sie per 31.12. um 5 Mitarbeiter mehr
hatten als im Vorjahr (43). Wodurch war das möglich?
Herr Köhler: Die von Ihnen herangezogenen Zahlen
haben einen Stichtagsbezug zum jeweils 31.12. des Jahres. Die für
die Kosten maßgebende Größe sind die Durchschnittszahlen.
Hier haben wir eine signifikante Veränderung von 59 auf 46 Mitarbeiter
zu verzeichnen, wobei die Maßnahmen nicht unsere Fach- und Lösungskompetenz
betroffen haben, sondern im wesentlichen durch die Anpassungen im Management
und im Verwaltungsbereich realisiert wurden. Ferner wurde eine generelle
Reduzierung der Personalkosten für alle Mitarbeiter des Unternehmens
einschließlich des Managements vorgenommen.
DVI: Wenn Sie die Forschungs- und Entwicklungskosten
so drastisch reduzieren wie in 2004 geschehen – wie können
Sie der Konkurrenz trotzdem einen Schritt voraus bleiben?
Herr Köhler: Wir haben sehr zeitig, vielleicht
zu früh, auf Forderungen des Marktes reagiert und Prototypen und
Plattformen in neuester Technologie entwickelt. Der über einige
Jahre verordnete Investitionsstop im Bankbereich hat zwar nicht den
Bedarf in Frage gestellt, sondern nur den Einsatz. In der Zwischenzeit
hat sich Investitionsneigung wesentlich erhöht und wir haben damit
die Chance erhalten, die bereits getätigten Investitionen erfolgreich
zu nutzen. Wir haben einen Zeitvorsprung im Markt und können damit
derzeit die Entwicklungskosten deutlich zurückfahren, ohne den
Anschluß zu verlieren.
DVI: Ihr Hauptmarkt liegt derzeit in Deutschland. Sind
die Geldinstitute hier offener für Ihre Produkte als z.B. in Österreich
oder der Schweiz?
Herr Köhler: Bei aller Wertschätzung für
die Länder Schweiz und Österreich und ihre schnelle und erfolgreiche
Restrukturierung des Bankbereiches sollte das erheblich größere
Marktpotential in Deutschland nicht aus der Betrachtung herausfallen.
Zudem war die CPU traditionell in Deutschland dem Kreditgeschäft
verbunden. In diesem Segment ist ein grenzüberschreitender Einsatz
durch Länder spezifische Besonderheiten nur bedingt möglich.
Aus diesem Grund setzen wir verstärkt auf die internationale Expansion
des Geschäftes durch die inexsys AG und die FINSys AG mit ihrer
ausgeprägten Marktpräsenz bezogen auf die Produkte im Anlagebereich
und im Bereich der Gesamtbanksteuerung.
DVI: Durch die Übernahme der Schweizer FINSys
AG, St.Gallen, erwarten Sie für die CPU welche Umsatz- und Ergebniszuwächse
in 2005?
Herr Köhler: Bei der Suche nach dem richtigen
Partner haben wir uns ausreichend Zeit gelassen und sind sehr sorgfältig
vorgegangen. Eine Konsolidierung der Zahlen wird damit erst für
das zweite Halbjahr 2005 zum Tragen kommen. Ohne Einbeziehung etwaiger
Synergieeffekte rechnen wir mit einer Umsatzgröße von 1,1
Mio. € und einem Ergebniszuwachs von etwas weniger als 0,1 Mio.
€.
DVI: Sie haben noch Verlustvorträge in Höhe
von 114 Mio. Euro. Wann glauben Sie, dass Sie wieder die Dividendenfähigkeit
erreichen werden?
Herr Köhler: Verlustvorträge und Dividendenfähigkeit
stehen in einem unmittelbaren Zusammen-hang. Um die Attraktivität
des Unternehmens für Investoren und Aktionäre gleichermaßen
zu erhöhen, muß eine bilanzielle Bereinigung vorgenommen
werden. Die Wichtigkeit einer solchen Maßnahme ist erkannt, insbesondere
im Zusammenhang mit Kapitalmaßnahmen.
DVI: Sie erwarten für das laufende Jahr eine moderate
Umsatzsteigerung – wird diese aus einer Zunahme des In- oder Auslandsgeschäftes
resultieren?
Herr Köhler: In 2005 erwartet die Gesellschaft,
ohne die FINSys in die Betrachtung mit einzubeziehen, einen Umsatzanstieg
in einem Plankorridor von bis zu 20% - 40%. Da es sich bei den Projekten
der CPU im Durchschnitt um größere Projekte handelt, kann
jedoch nicht sichergestellt werden, dass- selbst wenn sie als Auftragseingang
zu verzeichnen wären, alle in diesem Jahr noch voll umfänglich
zu Umsatz führen werden.
DVI: Wie sehen Ihre Pläne, Ihre Produkte auch
im Versicherungsbereich anzubieten, aktuell aus?
Herr Köhler: Die strategische Betonung unserer
Geschäftstätigkeit liegt im Bankbereich. Wobei verstärkt
die kreditbetonten Produkte wie Kurzberatung sowie Module der Erstberatung
im Versicherungsbereich Interesse hervorrufen. Hier ergibt sich ein
unmittelbarer Vorteil gegenüber unseren Mitwettbewerbern, dass
die Produkte in modernster Technologie vorhanden sind, sich leicht an
veränderte Geschäftsprozesse anpassen lassen.
DVI: Wie wollen Sie Ihr Ziel, einer der Marktführer
für Finanzdienstleistungsprodukte in Europa zu werden, in diesen
konjunkturell äußerst schwierigen Zeiten dennoch erreichen?
Herr Köhler: Um diese Frage besser bewerten zu
können, möchte ich darauf verweisen, dass die Gesamtzahl der
monetären Finanzinstitute in den Mitgliedstaaten der Europäischen
Union nach Angaben des Bundesverbandes deutscher Banken, Stand Dez.
2001 mit 8022 angegeben werden.
Die mit Abstand größte Zahl der MFI’s
mit knapp 30% gibt es Deutschland. Österreich liegt bei der Aufstellung
bei rd. 10% und die Schweiz bei mehr als 4%.
In dem für die CPU Softwarehouse AG relevanten
regionalen Markt dieser drei Länder ergibt sich ein rein theoretisches
Potential von ca. 3700 MIF’s , welches ca. 45 % im gesamten EU
Raum repräsentiert.
Mit der Konzentration auf die 3 Länder ist deutlich
geworden, dass der deutschsprachige Raum genügend Potenzial für
diese Vision bietet. Andrerseits ist offensichtlich, dass das Ziel allein
kaum in absehbarer Zeit zu erreichen ist. Es bieten sich Kooperationen,
Erwerb weiterer Unternehmen oder Integrationsszenarien an. Kooperationen
schließe ich aufgrund meiner langjährigen Erfahrung in diesem
Bereich aus.
DVI: In diesem Zusammenhang liegen Ihre mittelfristigen
Umsatz- und Ergebnisziele wo?
Herr Köhler: Nach meiner Einschätzung müsste
das Umsatzvolumen bei mehr als 15 Mio. € liegen. Die Umsatzrendite
wird aber bis zu dieser Größenordnung 10% nicht überschreiten.
Bei einem Umsatzvolumen über 15 Mio. Euro sind Umsatzrenditen um
die 20% möglich.
DVI: Durch die jüngste Kapitalerhöhung konnten
Sie neben MSG systems (bisher 26,78%) einen neuen strategischen Investor
gewinnen – wann wird er der Öffentlichkeit vorgestellt werden?
Herr Köhler: Zunächst möchte ich meiner
Freude Ausdruck verleihen, dass es gelungen ist, einen Investor davon
zu überzeugen und zu begeistern, die CPU Softwarehouse AG auf dem
zukünftigen Weg tatkräftig und langfristig zu begleiten und
zu unterstützen. Der Name des Investors wird zum gegebenen Zeitpunkt
öffentlich, bedingt durch die vorgeschrieben Meldepflicht über
Höhe des Aktienbesitzes.
DVI: Hat der frühere Skandal umwitterte Vorstand,
Herr Jochen Furch, noch Einfluß auf Ihr Unternehmen?
Herr Köhler: Wir haben keinerlei Kontakt zu Herrn
Furch.
DVI: Finden Sie, dass der aktuelle Börsenkurs
den positiven Zukunftsaussichten Ihres Unternehmens gerecht wird?
Herr Köhler: Natürlich nicht. Der gegenwärtige
Aktienkurs ist kein Spiegelbild der positiven Unternehmensentwicklung
des letzten Jahres. Eine Vielzahl von Aktionären teilt diese Meinung.
Oftmals wurde an uns die Frage gerichtet, wer ein Interesse haben könnte,
die Aktie im Penny Stock Bereich zu halten. Es wurden Beobachtungen
von Aktionären berichtet, dass im Korridor über 0,80 €
gezielt interveniert wird.
Unser Bestreben ist, das Vertrauen unserer Aktionäre
durch Leistung zu gewinnen, Kontinuität durch eine klare strategische
Positionierung zu gewährleisten und durch adäquate taktische
Massnahmen den Pfad zukünftigen Wachstums konsequent fortzusetzen.
Wir sind sicher, dass die Börse diese Strategie mittelfristig honorieren
wird.
DVI: Vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Chefredakteur Rochus C. Rüttnauer.
http://www.das-vorstandsinterview.de