30.05.05  DAS VORSTANDSINTERVIEW
STRATEC Biomedical Systems AG - (WKN: 728900 / ISIN: DE0007289001 / Symbol: SBS)

Interviewpartner: Marcus Wolfinger, Finanzvorstand

STRATEC HomepageHintergrund: In unserem DAS VORSTANDSINTERVIEW vom 8. September 2004 äußerte sich der Finanzvorstand dahingehend, dass das Ergebnis je Aktie für 2004 über 74 Cent liegen werde. Wie sich jedoch herausstellte, war diese Prognose jedoch sehr konservativ, denn verdient wurden im Geschäftsjahr 2004 letztendlich 83 Cent je Aktie. Auch im Ergebnis vor Steuern überschritt das Unternehmen die eigenen Planvorgaben in derselben Größenordnung. Da STRATEC die Planzahlen für 2005 bisher nicht erhöhte, gilt nach wie vor die Guidance von STRATEC vom Dezember 2003, nach der für 2005 ein Ergebnis von mindestens 84 Cent und Umsatzerlöse von mindestens 45 Mio. Euro (plus deutliches Upside Potential) in den Raum gestellt wurden. Wir fragten Herrn Marcus Wolfinger, CFO der STRATEC Biomedical Systems AG, zu den Aussichten für das laufende Jahr.

Das Vorstandsinterview (DVI): Gratulation, Herr Wolfinger, zum Rekordergebnis des vergangenen Jahres.

Herr Wolfinger: Vielen Dank. Ich gebe die Glückwünsche an die fast 180 STRATEC-Beschäftigten weiter. Wie Sie wissen, agiert die STRATEC-Belegschaft unter dem Motto „go the extramile“. Dies ist letztendlich auch einer der Gründe für unseren Erfolg. Insbesondere sind auch unsere langfristigen Verträge, unser weltweit anerkanntes Know-how sowie die Skaleneffekte, die sich bei der Serienproduktion auswirken, Basis unseres Erfolges.

DVI: In 2004 konnte STRATEC Meilensteinzahlungen für den Abschluss von Entwicklungs-tätigkeiten für Kunden in der Größenordnung von 3,7 Mio Euro verbuchen. In der Vergangenheit wurden diese Meilensteine immer erst dann als Umsatz umgebucht, wenn STRATEC die Serienfertigung begonnen hatte oder die Entwicklung vom Kunden abgenommen worden war. Haben Sie diese Bilanzierungspraxis auch in 2004 beibehalten?

Herr Wolfinger: Die erhaltenen Meilensteinzahlungen – die Eintrittsgelder in die STRATEC-Technologie bedeuten –, werden in den „Erhaltenen Anzahlungen“ der Bilanz ausgewiesen. Im Gegenzug werden sie in den „Unfertigen Leistungen“ zu Herstellkosten bilanziert . Das ist der konservativere der beiden möglichen Ansätze. Der durchaus übliche und progressivere – bei STRATEC jedoch nicht angewandte – Ansatz, wäre der Ausweis in den “Immateriellen Vermögensgegenständen“ und dort mit dem Grad der Fertigstellung (POC-Methode) zu aktivieren.

DVI: Laut Ihrer Guidance vom Dezember 2003 verdient STRATEC in 2005 mindestens 84 Cent je Aktie, erzielte jedoch bereits in 2004 83 Cent je Aktie. Bedeutet dies, dass Sie in 2005 nur ein „stabiles“ Ergebnis haben werden?

Herr Wolfinger: Unsere Langfristplanung von Dezember 2003 sieht vor, dass wir von 2003 bis 2008 durchschnittlich pro Jahr im Umsatz um 18% und im Ertrag um 30% wachsen. Diese Aussage hat nach wie vor Bestand. Ich glaube, es gibt nur wenige Unternehmen, die diese durchschnittlichen Wachstumsraten über mehrere Jahre hinweg vorweisen können. Innerhalb unseres Planungshorizonts wird es jedoch Jahre mit unterdurchschnittlichem Wachstum und Jahre mit überdurchschnittlichem Wachstum geben. Wie bereits bei mehreren anderen Gelegenheiten bestätigt, gehen wir jedoch davon aus, dass auch 2005 ein sehr ordentliches Geschäftsjahr werden wird, mit gutem Wachstum in unseren Kennziffern.

DVI: In der Ad-hoc -Mitteilung vom April 2002 haben Sie den Auftrag von Bayer bereits angekündigt. Wann beginnt die Serienfertigung?

Herr Wolfinger: Auf Grund unserer Verantwortung werden wir diese Veröffentlichung nur in enger Abstimmung mit unserem Kunden Bayer vornehmen. Die Details, die wir veröffentlichen können, lassen sich beispielsweise aus unserer Bilanz und den Quartalsberichten entnehmen. So haben wir im Geschäftsjahr 2004 erhaltene Anzahlungen in Höhe von 3,7 Mio. Euro, die teilweise im Zusammenhang mit dem Bayer-Projekt stehen, aufgelöst. Schon allein dieser Indikator zeigt, welchen Fortschritt das Projekt hat. Auch meine Antwort auf die vorhergehende Frage hinsichtlich einer Guidance-Anpassung zielt in diese Richtung. Wir werden, sobald die entsprechenden Ereignisse eingetreten sind, hinsichtlich einer Veröffentlichung von weiteren Details auf die Öffentlichkeit zurückkommen.

DVI: Immucor gab in einer Pressemitteilung bekannt, die Absatzmengen um mehr als 150% gegenüber dem ursprünglichen Plan gesteigert zu haben. Liegt Immucor bei den Abnahmen im Plan?

Herr Wolfinger: Es freut uns natürlich, dass Immucor so viel Vertrauen zu unserem Produkt hat. Wir liegen mit unseren Auslieferungen im Rahmen der erhöhten, mit Immucor vereinbarten Absatzplanungen.

DVI: Was kam in den letzten Quartalen aus Ihrer Entwicklungspipeline und was ist in Zukunft zu erwarten?

Herr Wolfinger: Sehr wichtig sind für uns, insbesondere von der Technologie her, die bereits im Geschäftsbericht erwähnten molekular-diagnostischen Module für die Firma Chiron.

Die Liquid-Handling-Plattformen und Reader-Module haben ebenfalls einen großen Stellenwert und werden mittelfristig einen Umsatzbeitrag bringen.

Auch im Plattformkonzept „Vivaldi“ sind wir in den Kundengesprächen einen gehörigen Schritt weitergekommen. Ferner sind wir mit einigen Projekten in Spezifikationsphasen. Wir werden die Öffentlichkeit zu gegebener Zeit informieren. Sie sehen hiermit, dass unsere Entwicklungspipeline sehr gut gefüllt ist und wir wieder ein erhebliches Stück nach vorne gekommen sind.

DVI: Haben Sie bei Ihrer Tochtergesellschaft „STRATEC NewGen GmbH“ Vorschritte gemacht?

Herr Wolfinger: Wir arbeiten mit unseren potentiellen Kunden an Studien. Ziel ist es hierbei, eine exklusive Lizenz für diese Technologie zur Aufreinigung und Stabilisierung von DNA und RNA zu vermarkten. Wir bewegen uns hier in einer frühen Phase und gehen jedoch im nächsten Jahr von deutlichen Fortschritten in der Weiterentwicklung der Technologie aus.

DVI: STRATEC hat in den letzten Monaten deutlich im Kurs zugelegt. Wie beurteilen Sie selbst die Kursentwicklung?

Herr Wolfinger: Mit der Kursentwicklung sind wir nicht unzufrieden. Mit höheren Kursnotierungen steigt unsere Marktkapitalisierung und für größere Investoren werden wir hierdurch zunehmend interessanter. Das merken wir an der steigenden Anzahl der Anfragen von institutionellen Anlegern, auch aus dem Ausland. Hinzu kommt, dass unsere Aktien reger gehandelt werden. Zwischen Mai 2003 und April 2005 kletterten wir auf der TecDAX-Rangliste der Deutschen Börse von Rang 134 auf Rang 62 gemessen an der Freefloat-Marktkapitalisierung und von Rang 116 auf Rang 65 gemessen am Umsatz unserer Aktie an den Handelsplätzen Xetra und Frankfurt. Wir stehen hier in Konkurrenz mit derzeit über 150 anderen Unternehmen.

DVI: Sie sind auf dem Weg, ein sogenannter „hidden champion“ zu werden. Was ist Ihre Meinung dazu?

Herr Wolfinger: Unser Geschäftsmodell impliziert, dass wir - gemessen an unserer Firmengröße - mit relativ wenigen Kunden relativ große Projekte mit Laufzeiten in der Entwicklung zwischen 3 und 5 Jahren abwickeln. Im Rahmen dieser Entwicklungszeit hat die Auflösung von Meilenstein-zahlungen eine überdurchschnittliche Bedeutung für unsere Ertragslage. Die Realisierung bestimmter Meilensteine liegt überwiegend im Einflussbereich unserer Kunden. Daher gibt es bei STRATEC wenige, jedoch umso bedeutendere Ad-hoc-Meldungen. Die geringe Anzahl führt dazu, dass wir sicherlich „hidden“ sind. Ob wir ein Champion sind, überlassen wir der Beurteilung unserer Anleger.

DVI: Teilen Sie die Analystenmeinungen, wonach der Kurs der STRATEC-Aktie am Ende dieses Jahres bei 28 bis 31 Euro notieren könnte?

Herr Wolfinger: Wenn selbst die als konservativ bekannte Landesbank Baden-Württemberg von einem Kursziel von 31 Euro ausgeht, dann tun wir alles - was in unserem Einflussbereich steht - die an uns gestellte Erwartungshaltung zu erfüllen. Die Kursziele von 28 Euro wie auch 31 Euro halten wir für sehr sportlich, jedoch für möglich.

DVI: Wenn Sie das Kursziel der LBBW für sehr sportlich erachten – wo liegt dann Ihr persönliches Performance-Ziel?

Herr Wolfinger: Wie bereits bei mehreren Gelegenheiten erwähnt, gehen wir davon aus, dass wir unsere alte Guidance, jedoch neu aufgesetzt, auch in 2005 und 2006 erfüllen können. Daran wird sich unsere Performance messen. Auf Grund der hohen Planungssicherheit und unserer guten Geschäftsentwicklung in den letzten 4 Jahren sehen wir Gewinnmultiplikatoren auch über 20 in der Bewertung als noch lange nicht ausgereizt.

DVI: Besten Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Chefredakteur Rochus C. Rüttnauer.

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