STRATEC Biomedical
Systems AG - (WKN: 728900 / ISIN: DE0007289001 / Symbol: SBS)
Interviewpartner: Marcus Wolfinger, Finanzvorstand
Hintergrund:
In unserem DAS VORSTANDSINTERVIEW vom 8. September 2004 äußerte
sich der Finanzvorstand dahingehend, dass das Ergebnis je Aktie für
2004 über 74 Cent liegen werde. Wie sich jedoch herausstellte,
war diese Prognose jedoch sehr konservativ, denn verdient wurden im
Geschäftsjahr 2004 letztendlich 83 Cent je Aktie. Auch im Ergebnis
vor Steuern überschritt das Unternehmen die eigenen Planvorgaben
in derselben Größenordnung. Da STRATEC die Planzahlen für
2005 bisher nicht erhöhte, gilt nach wie vor die Guidance von STRATEC
vom Dezember 2003, nach der für 2005 ein Ergebnis von mindestens
84 Cent und Umsatzerlöse von mindestens 45 Mio. Euro (plus deutliches
Upside Potential) in den Raum gestellt wurden. Wir fragten Herrn Marcus
Wolfinger, CFO der STRATEC Biomedical Systems AG, zu den Aussichten
für das laufende Jahr.
Das Vorstandsinterview (DVI): Gratulation, Herr Wolfinger,
zum Rekordergebnis des vergangenen Jahres.
Herr Wolfinger: Vielen Dank. Ich gebe die Glückwünsche
an die fast 180 STRATEC-Beschäftigten weiter. Wie Sie wissen, agiert
die STRATEC-Belegschaft unter dem Motto „go the extramile“.
Dies ist letztendlich auch einer der Gründe für unseren Erfolg.
Insbesondere sind auch unsere langfristigen Verträge, unser weltweit
anerkanntes Know-how sowie die Skaleneffekte, die sich bei der Serienproduktion
auswirken, Basis unseres Erfolges.
DVI: In 2004 konnte STRATEC Meilensteinzahlungen für
den Abschluss von Entwicklungs-tätigkeiten für Kunden in der
Größenordnung von 3,7 Mio Euro verbuchen. In der Vergangenheit
wurden diese Meilensteine immer erst dann als Umsatz umgebucht, wenn
STRATEC die Serienfertigung begonnen hatte oder die Entwicklung vom
Kunden abgenommen worden war. Haben Sie diese Bilanzierungspraxis auch
in 2004 beibehalten?
Herr Wolfinger: Die erhaltenen Meilensteinzahlungen
– die Eintrittsgelder in die STRATEC-Technologie bedeuten –,
werden in den „Erhaltenen Anzahlungen“ der Bilanz ausgewiesen.
Im Gegenzug werden sie in den „Unfertigen Leistungen“ zu
Herstellkosten bilanziert . Das ist der konservativere der beiden möglichen
Ansätze. Der durchaus übliche und progressivere – bei
STRATEC jedoch nicht angewandte – Ansatz, wäre der Ausweis
in den “Immateriellen Vermögensgegenständen“ und
dort mit dem Grad der Fertigstellung (POC-Methode) zu aktivieren.
DVI: Laut Ihrer Guidance vom Dezember 2003 verdient
STRATEC in 2005 mindestens 84 Cent je Aktie, erzielte jedoch bereits
in 2004 83 Cent je Aktie. Bedeutet dies, dass Sie in 2005 nur ein „stabiles“
Ergebnis haben werden?
Herr Wolfinger: Unsere Langfristplanung von Dezember
2003 sieht vor, dass wir von 2003 bis 2008 durchschnittlich pro Jahr
im Umsatz um 18% und im Ertrag um 30% wachsen. Diese Aussage hat nach
wie vor Bestand. Ich glaube, es gibt nur wenige Unternehmen, die diese
durchschnittlichen Wachstumsraten über mehrere Jahre hinweg vorweisen
können. Innerhalb unseres Planungshorizonts wird es jedoch Jahre
mit unterdurchschnittlichem Wachstum und Jahre mit überdurchschnittlichem
Wachstum geben. Wie bereits bei mehreren anderen Gelegenheiten bestätigt,
gehen wir jedoch davon aus, dass auch 2005 ein sehr ordentliches Geschäftsjahr
werden wird, mit gutem Wachstum in unseren Kennziffern.
DVI: In der Ad-hoc -Mitteilung vom April 2002 haben
Sie den Auftrag von Bayer bereits angekündigt. Wann beginnt die
Serienfertigung?
Herr Wolfinger: Auf Grund unserer Verantwortung werden
wir diese Veröffentlichung nur in enger Abstimmung mit unserem
Kunden Bayer vornehmen. Die Details, die wir veröffentlichen können,
lassen sich beispielsweise aus unserer Bilanz und den Quartalsberichten
entnehmen. So haben wir im Geschäftsjahr 2004 erhaltene Anzahlungen
in Höhe von 3,7 Mio. Euro, die teilweise im Zusammenhang mit dem
Bayer-Projekt stehen, aufgelöst. Schon allein dieser Indikator
zeigt, welchen Fortschritt das Projekt hat. Auch meine Antwort auf die
vorhergehende Frage hinsichtlich einer Guidance-Anpassung zielt in diese
Richtung. Wir werden, sobald die entsprechenden Ereignisse eingetreten
sind, hinsichtlich einer Veröffentlichung von weiteren Details
auf die Öffentlichkeit zurückkommen.
DVI: Immucor gab in einer Pressemitteilung bekannt,
die Absatzmengen um mehr als 150% gegenüber dem ursprünglichen
Plan gesteigert zu haben. Liegt Immucor bei den Abnahmen im Plan?
Herr Wolfinger: Es freut uns natürlich, dass Immucor
so viel Vertrauen zu unserem Produkt hat. Wir liegen mit unseren Auslieferungen
im Rahmen der erhöhten, mit Immucor vereinbarten Absatzplanungen.
DVI: Was kam in den letzten Quartalen aus Ihrer Entwicklungspipeline
und was ist in Zukunft zu erwarten?
Herr Wolfinger: Sehr wichtig sind für uns, insbesondere
von der Technologie her, die bereits im Geschäftsbericht erwähnten
molekular-diagnostischen Module für die Firma Chiron.
Die Liquid-Handling-Plattformen und Reader-Module haben
ebenfalls einen großen Stellenwert und werden mittelfristig einen
Umsatzbeitrag bringen.
Auch im Plattformkonzept „Vivaldi“ sind
wir in den Kundengesprächen einen gehörigen Schritt weitergekommen.
Ferner sind wir mit einigen Projekten in Spezifikationsphasen. Wir werden
die Öffentlichkeit zu gegebener Zeit informieren. Sie sehen hiermit,
dass unsere Entwicklungspipeline sehr gut gefüllt ist und wir wieder
ein erhebliches Stück nach vorne gekommen sind.
DVI: Haben Sie bei Ihrer Tochtergesellschaft „STRATEC
NewGen GmbH“ Vorschritte gemacht?
Herr Wolfinger: Wir arbeiten mit unseren potentiellen
Kunden an Studien. Ziel ist es hierbei, eine exklusive Lizenz für
diese Technologie zur Aufreinigung und Stabilisierung von DNA und RNA
zu vermarkten. Wir bewegen uns hier in einer frühen Phase und gehen
jedoch im nächsten Jahr von deutlichen Fortschritten in der Weiterentwicklung
der Technologie aus.
DVI: STRATEC hat in den letzten Monaten deutlich im
Kurs zugelegt. Wie beurteilen Sie selbst die Kursentwicklung?
Herr Wolfinger: Mit der Kursentwicklung sind wir nicht
unzufrieden. Mit höheren Kursnotierungen steigt unsere Marktkapitalisierung
und für größere Investoren werden wir hierdurch zunehmend
interessanter. Das merken wir an der steigenden Anzahl der Anfragen
von institutionellen Anlegern, auch aus dem Ausland. Hinzu kommt, dass
unsere Aktien reger gehandelt werden. Zwischen Mai 2003 und April 2005
kletterten wir auf der TecDAX-Rangliste der Deutschen Börse von
Rang 134 auf Rang 62 gemessen an der Freefloat-Marktkapitalisierung
und von Rang 116 auf Rang 65 gemessen am Umsatz unserer Aktie an den
Handelsplätzen Xetra und Frankfurt. Wir stehen hier in Konkurrenz
mit derzeit über 150 anderen Unternehmen.
DVI: Sie sind auf dem Weg, ein sogenannter „hidden
champion“ zu werden. Was ist Ihre Meinung dazu?
Herr Wolfinger: Unser Geschäftsmodell impliziert,
dass wir - gemessen an unserer Firmengröße - mit relativ
wenigen Kunden relativ große Projekte mit Laufzeiten in der Entwicklung
zwischen 3 und 5 Jahren abwickeln. Im Rahmen dieser Entwicklungszeit
hat die Auflösung von Meilenstein-zahlungen eine überdurchschnittliche
Bedeutung für unsere Ertragslage. Die Realisierung bestimmter Meilensteine
liegt überwiegend im Einflussbereich unserer Kunden. Daher gibt
es bei STRATEC wenige, jedoch umso bedeutendere Ad-hoc-Meldungen. Die
geringe Anzahl führt dazu, dass wir sicherlich „hidden“
sind. Ob wir ein Champion sind, überlassen wir der Beurteilung
unserer Anleger.
DVI: Teilen Sie die Analystenmeinungen, wonach der
Kurs der STRATEC-Aktie am Ende dieses Jahres bei 28 bis 31 Euro notieren
könnte?
Herr Wolfinger: Wenn selbst die als konservativ bekannte
Landesbank Baden-Württemberg von einem Kursziel von 31 Euro ausgeht,
dann tun wir alles - was in unserem Einflussbereich steht - die an uns
gestellte Erwartungshaltung zu erfüllen. Die Kursziele von 28 Euro
wie auch 31 Euro halten wir für sehr sportlich, jedoch für
möglich.
DVI: Wenn Sie das Kursziel der LBBW für sehr sportlich
erachten – wo liegt dann Ihr persönliches Performance-Ziel?
Herr Wolfinger: Wie bereits bei mehreren Gelegenheiten
erwähnt, gehen wir davon aus, dass wir unsere alte Guidance, jedoch
neu aufgesetzt, auch in 2005 und 2006 erfüllen können. Daran
wird sich unsere Performance messen. Auf Grund der hohen Planungssicherheit
und unserer guten Geschäftsentwicklung in den letzten 4 Jahren
sehen wir Gewinnmultiplikatoren auch über 20 in der Bewertung als
noch lange nicht ausgereizt.
DVI: Besten Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Chefredakteur Rochus C. Rüttnauer.
http://www.das-vorstandsinterview.de