| 20.05.05 | DAS VORSTANDSINTERVIEW |
Cancom IT Systeme AG
- (WKN: 541910 / ISIN: DE0005419105 / Symbol: COK)
Interviewpartner: Klaus Weinmann, Vorstandsvorsitzender
Das Vorstandsinterview (DVI): Herr Weinmann, wie zufrieden sind Sie mit den Ergebnissen des ersten Quartals? Herr Weinmann: Bei den vorliegenden Quartalszahlen muss man berücksichtigen, dass Ostern dieses Jahr bereits in das erste Quartal fiel und unser Geschäft in dieser Zeit immer etwas ruhiger verläuft. Darüber hinaus hatte das erste Quartal 2005 zwei Arbeitstage weniger als das Vorjahresquartal. Bei einem durchschnittlichen Auftragseingang pro Tag von ca. 0,9 Mio. Euro entspricht dies immerhin ca. 1,8 Mio. Euro. Zu guter letzt konnte Apple leider den neuen Mac Mini nicht in ausreichender Stückzahl liefern, so dass wir hier einen Backlog aufgebaut haben, den wir leider im ersten Quartal nicht vollständig zu Umsatz machen konnten. Wenn man diese Faktoren, insbesondere vor dem Hintergrund der nach wie vor schwächelnden Konjunktur in Deutschland, bei Betrachtung der Quartalszahlen mit einbezieht, dann kann man sowohl mit dem Umsatz, als auch vor allem mit dem Ergebnis durchaus zufrieden sein. DVI: Was war das schönste Ereignis im Q1 für Sie? Herr Weinmann: Eindeutig die Erhöhung der Rohertragsmarge gegenüber Q1/2004 von 17,1% auf 19,1%. Angesichts des schwierigen konjunkturellen Marktumfelds eine, wie ich finde, beachtliche Leistung. Unsere letzte Akquisition, ECS-Computerpartner GmbH München hat uns hierbei übrigens stark geholfen. Diese neue Gesellschaft verfügt über einen sehr hohen, margenstarken Dienstleistungsanteil. DVI: Sind Sie mit dem Auftragseingang des laufenden Jahres zufrieden, und wie beurteilen Sie das konjunkturelle Umfeld? Herr Weinmann: Wenn man die konjunkturellen Hiobsbotschaften in Deutschland und die überzogene Heuschreckenkampagne, die das schon schlechte Investitionsklima weiter vergiften kann, berücksichtigt, dann sind wir mit dem derzeitigen Auftragseingang durchaus zufrieden. Trotzdem muss man sich immer vor Augen halten, daß wir erst bei passenden konjunkturellen und politischen Rahmenbedingungen sehr gute Erträge erwirtschaften können. DVI: Kommt die signifikante Ergebnisverbesserung von 3 Mio. Euro im Q1/05 im Vergleich zu Q1/04 also primär von der Kostenreduktion oder vom Volumenszuwachs? Herr Weinmann: Sowohl als auch. Wir haben in den vergangenen Monaten mit Erfolg unsere Kostenstruktur optimiert und sind übrigens stetig weiter bemüht, diese zu verbessern. Das alleine würde aber meiner Überzeugung nach auf Dauer nicht ausreichen. Der entscheidende Schlüssel zu einer stetigen Ergebnisverbesserung liegt daher in weiterem Umsatzwachstum, vor allem in höhermargigen Bereichen. Denn aufgrund unserer Unternehmensstruktur können wir durch zusätzlichen Umsatz eine überproportionale Ergebnissteigerung erzielen. Den zusätzlichen Umsatz wollen wir durch organisches Wachstum, aber auch durch sinnvolle Akquisitionen, die derzeit übrigens zu recht vernünftigen Konditionen möglich sind, realisieren. Die Übernahme der ECS ComputerPartner GmbH, München, und der Kundenkontakte der ECS Enterprise Consulting Solution GmbH, Frankfurt, sind hier ein erster Schritt in die richtige Richtung. Im Bereich des höhermargigen Geschäfts werden wir konsequent expandieren. DVI: Sie haben innerhalb von vier Monaten jetzt zwei Akquisitionen bekannt gegeben. Was werden diese im kommenden Jahr mehr an Ertrag bringen, wenn diese voll integriert sind? Herr Weinmann: Wir erwarten über 1 Mio. Euro Ertragszuwachs in 06 durch die Akquisitionen unter anderem auch aufgrund der bei uns vorhandenen Synergien. Allein diese beiden Akquisitionen bringen in im kommenden Jahr eine Ergebnisverbesserung von ca. 0,07 € je Aktie. DVI: Bedeutet dies jetzt, dass Sie alle 2 Monate eine neue Firma übernehmen werden? Herr Weinmann: Nein, das natürlich nicht. Übernahmen erfordern ein gutes Stück an Integrationsarbeit und das dauert seine Zeit. Die Übernahme der jetzigen CANCOM ComputerPartner GmbH in München und Kempten ist aber zwischenzeitlich weitestgehend abgeschlossen und die Übernahme der Kundenkontakte und der 25 Mitarbeiter der ECS Enterprise Consulting Solution GmbH in Frankfurt schreitet voran. Daher fühlen wir uns durchaus in der Lage, in den nächsten Monaten weitere Akquisitionen in Angriff zu nehmen. Entscheidend ist, dass die Unternehmen strategisch zu uns passen, die Integration nicht zu komplex ist und der Preis stimmt. Zu überstürztem Handeln werden wir uns aber nicht hinreißen lassen. DVI: Dann wird 2006 voraussichtlich das beste Jahr in Ihrer Unternehmensgeschichte werden? Herr Weinmann: Daran arbeiten wir! DVI: Die Kursentwicklung der letzten Monate war von erratischen Schwankungen gekennzeichnet: Zuerst gab es Gerüchte, dass das Q1 nicht im Rahmen der Erwartungen ausfallen würde, dann haben „Shorties“ sich im Papier engagiert. Welche Erkenntnisse haben Sie? Herr Weinmann: Die Kursausschläge der letzten Monate waren sicherlich etwas überzogen. Zwar ist unser Freefloat mit über 80% sehr hoch und auch sehr breit gestreut, aber auf kurze Sicht mögen hier Gerüchte oder Shorties die Aktie in die eine oder andere Richtung bewegt haben. Mittel- bis langfristig zählen einzig und alleine harte Unternehmensfakten, sprich unsere Umsatz- und Ergebniszahlen. Hier sind wir auf dem richtigen Weg. DVI: Sie werden bei einer Marktkapitalisierung von knapp 28 Mio. Euro nur mit dem 0,1fachen des für 2006 erwarteten Umsatzes bewertet. Dies ist an der deutschen Börse eine äußerst niedrige Bewertung. Bechtle, ein Konkurrent von Ihnen wird dagegen mit dem 0,3fachen des 2006er Umsatzes bewertet. Was sagen Sie dazu? Herr Weinmann: Natürlich darf man bei der Bewertung eines Unternehmens nicht einzig und alleine auf das Verhältnis von Marktkapitalisierung zu Umsatz achten. Die Ergebnissituation ist hier auch von großer Bedeutung. Im Vergleich zu Bechtle haben wir an Dynamik in den letzten vier Monaten im Wachstum deutlich zugelegt. Dies wollen wir auch beibehalten. Andererseits sind wir der Meinung, dass unser Aktienkurs aufgrund der ganz niedrigen Bewertung noch ganz deutliches Potenzial haben wird. Noch hat die Börse unser Potential nicht erkannt, aber wir gewinnen jeden Monat an finanzieller Stärke, und dieser finanzielle „ swing“ wird sich in den nächsten Monaten erst deutlich zeigen. DVI: Besten Dank für das Gespräch. Das Interview führte Chefredakteur Rochus C. Rüttnauer. http://www.das-vorstandsinterview.de
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