D+S europe AG - (WKN:
533680 / ISIN: DE0005336804 / Symbol: DSJ)
Interviewpartner: Dipl.-Ing. Achim Plate, Vorstandsvorsitzender
Gehaltene Aktien: 780.015 von 14,7 Mio. Aktien
Hintergrund:
Die Wachstumsstory bei D+S geht weiter. Bei einem Umsatz von 19 Mio.
Euro im ersten Quartal 2005 – das sind etwa 69% mehr als im Vorjahreszeitraum
– hat das Unternehmen erstmals seit seinem Börsengang das
erste Viertel eines Jahres mit Gewinn abgeschlossen. Das EBIT stieg
auf EUR 0,1 Mio. (Vorjahr -0,33 Mio. Euro), und das EBITDA wurde auf
EUR 0,8 Mio. (Vorjahreswert: EUR 0,3 Mio.) verbessert. Für das
gesamte Jahr hat sich das Unternehmen einen Umsatzzuwachs von EUR 51,6
Mio. auf über EUR 70 Mio. sowie eine EBIT-Versechsfachung vorgenommen.
Das starke Wachstum ist insbesondere darauf zurückzuführen,
dass D+S mit seiner Wachstumsstrategie das Kerngeschäft erfolgreich
vergrößert und um zusätzliche Geschäftsprozesse
und - modelle erweitert. Das überdurchschnitt-lich gute Quartalsergebnis
war Anlass, Herrn Dipl.-Ing. Achim Plate, Vorstandsvorsitzender und
einer der größten Aktionäre von D+S, zu den weiteren
Aussichten im laufenden Jahr zu befragen.
Das Vorstandsinterview (DVI): Herr Plate, welche Gründe
gibt es für den neuen Rekord im Q1?
Herr Plate: Die D+S europe AG verfolgt konsequent ihre
Mitte 2004 eingeleitete Wachstumsstrategie. Diese sieht über organische
und anorganische Zuwächse in unserem Kerngeschäftsbereich
des Customer Relationship Managements (CRM) hinaus eine Verlängerung
unserer Wertschöpfungskette in margenstärkeren Bereichen vor.
So erhöhen wir unser Synergiepotenzial bei einer gleichzeitigen
Erweiterung unseres Dienstleistungsangebots um Prozesse, die dem CRM
vor- und nachgelagert sind, wie zum Beispiel IT-Dienste und Inkasso.
DVI: Konnten Sie die Personalkostenquote im ersten
Quartal 2005 weiter senken?
Herr Plate: Obwohl wir im ersten Quartal durch Aufwendungen
für den Aufbau neuer Geschäfts-bereiche in Zusammenhang mit
der Business Process Management (BPM)-Strategie in einer Größenordnung
von EUR 0,3 Mio. belastet wurden, haben wir im Vergleich zu 2004 mehr
als eine Verdoppelung des EBITDA von EUR 0,3 Mio. im Vorjahresquartal
auf EUR 0,8 Mio. im ersten Quartal 2004 erreicht. Aufgrund der Skaleneffekten
aus unserem Größenwachstum sowie durch die stringente Fortführung
der Effizienzsteigerungsmaßnahmen in Verbindung mit der Erschließung
zusätzlicher Umsatzfelder sank die Personalkostenquote dabei von
73 % im Vorjahreszeitraum auf unter 60 % im ersten Quartal 2005.
DVI: Wird das zweite Quartal ebenfalls wieder ein neues
Rekordergebnis bringen, oder wie sehen Sie die Geschäftsentwicklung
in den kommenden Quartalen?
Herr Plate: Im zweiten Quartal erwarten wir ein EBIT
von ca. EUR 0,8 Mio. Im Vorjahresvergleich bedeutet das eine erneute
Verbesserung des EBIT um ca. EUR 2,4 Mio. gegenüber dem ersten
Halbjahr 2004. Damit bestätigt die D+S europe AG ihr Jahresziel
2005: Ergebnisverbesserung auf ein EBIT von ca. EUR 5 Mio.
DVI: Wie werden sich die Ergebnisse im Stammgeschäft
(inklusive der im letzten Jahr vorgenommenen drei Akquisitionen) entwickeln?
Herr Plate: Ich habe 2004 im Zuge der Akquisitionen
ganz klar gesagt, dass wir Zukäufe nur dann vornehmen, wenn wir
dadurch eine nachhaltige Steigerung der Ertragskraft des Konzerns erwarten.
Nach dieser Vorgabe haben wir gehandelt. Die positiven Skaleneffekte,
die wir mit der Vergrößerung unseres Kerngeschäfts erreicht
haben, tragen deshalb neben unseren Effizienzmaßnahmen zur Anhebung
der Marge in unserem Stammgeschäft bei.
DVI: Sie waren im Jahr 2002 in fünf Bundesländern
mit 1840 Mitarbeitern tätig. Heute sind Sie in neun Bundesländern
mit 2500 Mitarbeitern tätig. Wie gut können Sie damit die
Nachfrage des Marktes erfüllen?
Herr Plate: Unsere Auftraggeber legen Wert darauf,
ihre Dienstleister in ihrer Nähe zu haben. Unser ganz Deutschland
übergreifendes Standortnetz ist deshalb ein wichtiges Vertriebs-argument.
Gleichzeitig profitieren wir von unserer überregionalen Aufstellung
auch bei der Personalrekrutierung. Wir können auf ein weitaus größeres
Potenzial an qualifizierten Arbeits-kräften zugreifen als zum Beispiel
mit einer Ein-Standort-Strategie.
DVI: Sie haben der Hauptversammlung 2005 umfangreiche
Kapitalmaßnahmen zum Beschluss vorgeschlagen – sind damit
weitere Akquisitionen geplant?
Herr Plate: Ja, wir planen Akquisitionen mit stark
positiver Auswirkung auf die Ertragskraft des Konzerns. Wie Sie wissen,
positioniert sich die D+S europe AG als Outsourcing-Dienstleister für
ganzheitliche Vertriebs- und Kundenkontaktprozesse. Die D+S europe AG
wird ihre Aufgaben-bereiche im laufenden Jahr als BPM-Dienstleister
um das bisherige CRM-Kerngeschäft herum deutlich ausweiten. Zu
den ganzheitlichen Vertriebs- und Kundenkontaktprozessen, die D+S zukünftig
für seine Auftraggeber steuert und ausführt, gehören
vorbereitende Marketing-maßnahmen oder nach gelagerte Dienste
wie Mehrwertdienste oder Fulfillment.
Speziell die Segmente mit besonders hoher Wertschöpfung
wollen wir zügig besetzen. In unserer Akquisitionsstrategie stehen
deshalb Unternehmen außerhalb der Communication Center-Branche
im Fokus. Durch die Verlängerung unserer Wertschöpfungskette,
zum Beispiel im Bereich der Mehrwertdienste, könnten wir bereits
im Jahr 2006 eine Steigerung unseres Ergebnisses pro Aktie um rund 30
% erreichen.
DVI: Können Sie die Wertschöpfungskette bei
Ihren bestehenden Kunden nochmals verlängern, oder kommt das geplante
Umsatzwachstum auf 70 Mio. Euro (51,5 Mio. Euro) durch die Akquisition
neuer Kunden?
Herr Plate: Für viele unserer bestehenden Auftraggeber
haben wir im Laufe der Partnerschaft immer mehr Aufgaben übernommen
und uns damit strategisch bereits in Richtung eines Outsourcing-Dienstleisters
für Business Process Management (BPM) entwickelt. Im Bestands-geschäft
besitzen wir in der Weiterführung dieses Vorgehens noch enormes
Wachstumspotenzial. Zugleich verzeichnen wir ein starkes Neugeschäft
und haben bereits im ersten Quartal mehrere Neuaufträge unter anderem
aus den Bereichen Finanzen und Handel erhalten. Natürlich ist es
auch hier unser Bestreben, für unsere Neukunden sukzessive mehr
Aufgaben zu übernehmen und uns ihnen gegenüber als Full-Service-Dienstleister
aufzustellen.
DVI: Wie weit sind Sie mit dem Geschäftsaufbau
in Polen, Ungarn und Tschechien?
Herr Plate: In Polen sind wir gestartet und führen
aktuell Verhandlung zum weiteren Ausbau unseres operativen Geschäfts.
In Tschechien und Ungarn befinden wir uns in der Aufbauphase, wie wir
sie vor einem halben Jahr in Polen hatten.
DVI: Wie wollen Sie sich die bisher unbearbeiteten
Märkte Schweiz und Österreich erschließen?
Herr Plate: Vorweg gesagt: Die Unternehmen in Österreich
und der Schweiz sind in ihrem Outsourcing-Verhalten stark inländisch
orientiert. Tendenzen zum Off- und Nearshoring, wie wir sie hierzulande
zuweilen erleben, sind dort heute noch kaum vorstellbar. Wenn überhaupt,
dann wird allerdings vorrangig nach Deutschland ausgelagert. Weil es
sich aufgrund des deutlich höheren Lohnniveaus in Österreich
und der Schweiz für uns nicht empfiehlt, dort eigene Standorte
aufzubauen, erschließen wir die Märkte von Deutschland aus.
Die Übernahme der bayerischen cca24-dialog center gmbh im Herbst
vergangenen Jahres war dafür von wesentlicher Bedeutung für
D+S. Über die neu hinzu gewonnenen Standorte in Süddeutschland
haben wir die Anbindung an unsere deutschsprachigen Nachbarländer
erreicht. In Österreich sind wir durch die cca24 bereits für
zwei Auftraggeber tätig, und jüngst ist uns mit dieser Strategie
auch der Einstieg in den Schweizer Markt, wo wir seit diesem Monat für
einen führenden Telekommunikations-Anbieter mit großem Potenzial
tätig sind, gelungen.
DVI: Wie sehen Ihre Aussichten für 2006 aus?
Herr Plate: Im Jahr 2006 werden wir mit unserer Business
Process Management noch einige entscheidende Schritte weiter sein. Ich
gehe davon aus, dass der D+S-Konzern EUR 90. Mio. Umsatz dann deutlich
überschreiten wird.
DVI: Wird das EBIT in 2006 mit dem Umsatz wachsen?
Herr Plate: Wir werden unser EBIT im kommenden Jahr
sowohl durch die weitere Erhöhung des Umsatzvolumens als auch durch
die Steigerung der Margenausbeute weiter verbessern.
DVI: Mit einem für 2005 geschätzten Ergebnis
von mehr als 20 Cent je Aktie haben Sie ein KGV von ungefähr 17
auf der derzeitigen Kursbasis. Sie sind im internationalen Vergleich,
wo es ein Durchschnitts-KGV von 21 gibt, immer noch unterdurchschnittlich
bewertet. Worauf führen Sie Ihre Unterbewertung zurück?
Herr Plate: Ich glaube, dass der Markt eine D+S europe
AG mit ihrer zunehmenden Größe entdeckt und hieraus noch
Potenzial bestehen sollte.
DVI: Besten Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Rochus C. Rüttnauer.
http://www.das-vorstandsinterview.de