VEM Aktienbank AG -
(WKN: 760830 / Symbol: VAB)
Interviewpartner: Dipl.-Kfm. Andreas Beyer, Gründer, Großaktionär
und Vorstand
Gehaltene Aktien: ca. 28% von 3,2 Mio. Aktien
Hintergrund:
Die VEM Aktienbank rollt derzeit den Markt für deutsche Nebenwert
kräftig auf. Schon im vergangenen Jahr hat die Bank mehr Bezugsrechtsemissionen
und Börsenzulassungen durchgeführt als jede andere Bank in
Deutschland. Kein Wunder, dass die Erträge in 2004 explodiert sind.
Die operativen Erträge stiegen um 192% auf 5,3 Mio. EUR, das Ergebnis
der normalen Geschäftstätigkeit erhöhte sich sogar um
697%. Und alles spricht dafür, dass 2005 ein weiteres Rekordjahr
wird. Erstmals werden die Erträge aus dem Geschäftsbereich
Designated Sponsoring einen nennenswerten Anteil ausmachen, in nur 18
Monaten hat sich VEM von Null auf 30 Mandate hochgearbeitet. In 2005
sollte VEM auch vom anziehenden Markt für Börsengänge
(IPO´s) profitieren. Bis zu sechs Börsengänge könnte
es aus dem Hause VEM geben.
In Großbritannien gibt es beispielsweise mehrere
hundert Börsengänge im Jahr. In Deutschland läuft derzeit
die Diskussion um eine Wiederbelebung des „Neuen Markts“.
VEM hat sich in diesem Markt hervorragend positioniert. Der Aktienkurs
ist in diesem Jahr um bereits um über 60% gestiegen. Doch das Geschäftsmodell
von VEM ist derzeit fast unschlagbar. Wir haben mit dem Gründer,
Großaktionär und Vorstand Andreas Beyer über die weiteren
Perspektiven der VEM-Aktie gesprochen.
Das Vorstandsinterview (DVI): Herr Beyer, bitte erläutern
Sie unseren Lesern die wichtigsten Schwerpunkte und Besonderheiten Ihrer
Tätigkeit.
Herr Beyer: Die VEM Aktienbank ist eine Bank, die den
börsennotierten Mittelstand bei Kapital-maßnahmen begleitet
und als Designated Sponsor betreut. Wir bieten alle Dienstleistungen
rund um die Börse aus einer Hand an. Im letzten Geschäftsjahr
hat die VEM Aktienbank 14 Bezugs-angebote durchgeführt, zudem 7
Wandelanleihen für Kunden begeben und mit 31 durchgeführten
Börsenzulassungsverfahren in der Summe 43 Kapitalmaßnahmen
betreut. Das Volumen sämtlicher Kapitalmaßnahmen und Börsenzulassungsverfahren
betrug in etwa 120 Mio. Euro. Gemessen an der Anzahl der durchgeführten
Transaktionen liegt die VEM Aktienbank an erster Stelle in Deutschland:
Keine andere Bank hat im vergangenen Jahr mehr Kapitalmaßnahmen
begleitet als wir.
DVI: Warum sind Sie so erfolgreich?
Herr Beyer: Wir sind ausgewiesene Experten in der Kapitalbeschaffung
– auch in schwierigen Situationen. Unseren Kunden bieten wir flexible
und innovative Finanzierungslösungen. So haben wir beispielsweise
für Intershop eine sehr innovative Variante einer Wandelanleihe
begeben. Wir haben damit Firmen gezeigt, wie man unterpari-Emissionen
durchführen kann. Das heißt, Unternehmen, die aufgrund ihrer
derzeitigen Geschäftslage „unter pari“ notieren und
damit nicht mehr neue Aktien zum Nominalwert emittieren können,
kann dennoch geholfen werden, um am Kapitalmarkt frische Mittel aufzunehmen.
Unser Wandelanleihe-Konzept, das die Konditionen einer Kapitalherabsetzung
vorweg nimmt, ist dazu ein Lösungsansatz - für Emittenten
und Anleger ein hochinteressantes Produkt. Außerdem bieten wir
Investmentbanking-Dienstleistungen an, die von der Qualität her
ganz oben stehen, und dies bei einem sehr attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis.
Für unsere Kunden sind wir immer ansprechbar, selbst der Vorstand
ist Mitglied eines Projekt-Teams und steht für sämtliche Fragen
unserer Kunden zur Verfügung. Unsere Entscheidungswege sind kurz.
Unsere Kunden schätzen unsere schnellen Bearbeitungszeiten, unsere
Nähe zum Markt und unsere Platzierungskraft.
DVI: Basel II ist ja seit Jahren in aller Munde. Welche
Auswirkungen erwarten Sie für Ihr Geschäft?
Herr Beyer: Basel II wird unser Geschäft weiter
beflügeln. Die Finanzierungsstruktur mittel-ständischer Unternehmen
wird sich zugunsten des Eigenkapitals dramatisch verändern. Und
wir zeigen, wie man sich die Finanzmittel am Kapitalmarkt beschafft.
Vor diesem Hintergrund rechnen wir mit einer zunehmenden Anzahl von
Neuemissionen kleiner Unternehmen sowie einer weiter hohen Anzahl an
Folgeemissionen, von denen insbesondere unser Haus profitieren wird.
Im laufenden Jahr werden wir auch im Neuemissionsgeschäft wieder
kräftig zu tun haben. Nach den geglückten Emissionen von Premiere
und Conergy hat sich am IPO-Markt eine deutliche Stimmungsverbesserung
ergeben. Und das ist erst der Anfang, denn Deutschland ist noch das
IPO-Schlusslicht in Europa.
DVI: Welche Wachstumspläne haben Sie sich im Vorstand
für die nächsten Jahre selbst verordnet?
Herr Beyer: Lassen Sie mich vorab darauf hinweisen,
dass wir in den vergangenen drei Jahren beachtlich expandiert und zugleich
im Ertrag gewachsen sind. Betrachten wir im Detail den Emissionsmarkt:
2004 gab es 65 Bezugsangebote nach 35 Bezugsangeboten im Vorjahr. Die
Bezugsangebote bei Wandelanleihen sind von 4 auf 14 gestiegen. Und nach
einer Nullrunde in 2003 gab es an Deutschlands Börsen wieder 9
Erstzulassungen. Wir rechnen damit, dass sich diese drei Teilmärkte
in den kommenden Jahren weiter positiv entwickeln. Und dieses Wachstum
wird genau von unserer Zielgruppe getragen – von den mittelständischen
Firmen. DAX-Titel sind mit Kapital versorgt, im Mittelstand spielt die
Musik. Hier wird es gemessen an der Anzahl die meisten Transaktionen
geben. Und hier sind wir in der Pole Position. Unser Ziel ist klar:
Diese Stellung wollen wir halten und prozentual ausbauen.
Betrachten wir unser Designated Sponsoring: Im Oktober
2003 haben wir als Test mit einem Mandat begonnen. Ein Jahr später
hatten wir ca. 20 Mandate und heute liegen wir bei 30 Mandaten. Unser
Marktanteil – gemessen an der Anzahl der betreuten Mandate –
liegt bei derzeit 4%. Wir beabsichtigen, innerhalb der nächsten
drei Jahre unseren Marktanteil im Sponsoring zu verdoppeln. Dies würde
wiederum bedeuten, dass wir allein mit der Vergütung aus dem Designated
Sponsoring in der Lage sind, unsere kompletten Personal- und Sachkosten
abzudecken. Interessante Konstellation bei unserem Geschäftsmodell
ist, dass unsere Fixkosten sehr gering sind und weitere Emissionsmandate
sich überproportional im Ergebnis nieder-schlagen werden.
DVI: Was sagen Sie zu Schätzungen, wonach sich
das Vorsteuerergebnis im laufenden Jahr von 2,54 Mio. Euro auf 4,25
Mio. Euro erhöhen könnte?
Herr Beyer: Wir hatten einen fantastischen Start in
das Jahr 2005 mit einem Auftragsbestand in Rekordhöhe. Wir haben
veröffentlicht, dass wir in den ersten drei Monaten 2,1 Mio. Euro
vor Steuern verdient haben – vor diesem Hintergrund ist Ihre Schätzung
von 4,25 Mio. Euro auf das Gesamtjahr durchaus im Bereich des Möglichen.
Wenn Sie unsere Kommunikationspolitik betrachten, sind wir eher vorsichtig
und wollen Enttäuschungen vermeiden.
DVI: Zum Thema Börsengang: Hier haben Sie den
„Börsengang light“ entwickelt. Können Sie uns
erklären, was Sie darunter verstehen und welche Vorteile haben
Ihre Kunden, also die Unternehmen, davon?
Herr Beyer: Der „Börsengang light“
ist unser Produkt für kleine Firmen, kostengünstig an die
Börse zu gehen. Wir verzichten auf das übliche Komplettprogramm
der Großemissionen und konzentrieren uns auf das Wesentliche.
Die Mittelbeschaffung kann hierbei besonders effizient mit dem IPO via
XETRA erfolgen. Hier wird ein flexibles Emissionsvolumen generiert.
Wir haben diese Variante ja schon selbst mit großem Erfolg angewandt
und beabsichtigen im laufenden Jahr weitere Börsengänge im
Light-Verfahren durchzuführen.
DVI: ... und wie viele Börsengänge wird VEM
2004 betreuen?
Herr Beyer: Wir rechnen konservativ mit drei Börsengängen;
es können auch deutlich mehr werden.
DVI: Wie sehen Sie Ihre Stellung in Deutschland im
Vergleich zur Konkurrenz?
Herr Beyer: Im Gegensatz zu anderen Banken konzentrieren
wir uns auf die Begleitung von Emissionen im Gegenwert von 0,5 Mio.
– 25 Mio. Euro. Das sind im wesentlichen Klein-emissionen, für
die sich die meisten anderen Banken aus Kostengründen nicht interessieren.
Es ist unsere Stärke infolge unserer geringen Fixkosten auch kleine
Transaktionen zu einem für Emittenten attraktiven Preis durchführen
zu können. Kleinemissionen sind ein ganz spezieller Markt. Es gibt
besondere Techniken und besondere Investoren. Wir sind mit diesen Techniken
vertraut und wissen, welche Investoren welche Anlagen tätigen.
DVI: Sind Sie mit Ihren Zahlen für 2004 zufrieden?
Herr Beyer: Unsere Zahlen 2004 waren sehr schön
und wir sind damit zufrieden, insbesondere vor dem Hintergrund, dass
es aus börsentechnischer Sicht gar nicht so einfach war. Zwischen
März und September ging es nur bergab. Erfreulich ist, dass wir
zeigen konnten, dass wir uns von einer zu engen Abhängigkeit von
der allgemeinen Börsenentwicklung gelöst haben. Erfreulich
ist auch, dass wir niemand enttäuscht haben und selbst ehrgeizige
Schätzungen der Analysten übertroffen haben. Im Grunde genommen
haben wir eine Eigenkapitalrendite von über 50% auf das durchschnittlich
verfügbare Eigenkapital im letzten Jahr erzielt. Bei dieser Traumrendite
muss jedoch unser Verlustvortrag und die niedrige Basis unseres Eigenkapitals
berücksichtigt werden. Beides wird sich im laufenden Jahr verändern.
Unser Ziel ist jedoch, eine deutlich höhere Eigenkapitalrendite
als der Durchschnitt der deutschen Universalbanken zu erreichen.
DVI: Verschiedentlich wurde berichtet, dass Sie über
die Aufnahme einer Dividendenzahlung nachdenken. Wie sehen Ihre Pläne
diesbezüglich aus?
Herr Beyer: Richtig ist, dass man grundsätzlich
über Dividendenzahlungen nachdenkt, wenn man ein entsprechendes
Ergebnis erwirtschaftet hat. Die Frage, die wir uns stellen ist, ob
es sinnvoll wäre eine Ausschüttung der Gewinne bei einem so
tollen Wachstum vorzunehmen. Kurz gesprochen: Wir könnten uns eine
schöne Dividende leisten. Ich denke jedoch eher an eine Ausschüttung
im nächsten Jahr. Zudem gibt es bekanntlich noch andere Möglichkeiten,
die Aktionäre am Geschäftserfolg teilnehmen zu lassen.
DVI: Sie haben nach einer erfolgreich platzierten Kapitalerhöhung
im Februar 2005 vor zwei Wochen eine weitere Kapitalerhöhung gemeldet.
Was war der Grund dafür?
Herr Beyer: Sicherlich sind zwei Kapitalerhöhungen
in so kurzer zeitlicher Abfolge nicht der Standard. Hintergrund für
die zweite Kapitalmaßnahme war das starke Interesse institutioneller
Kundschaft nach unserer Aktie, die sich entsprechend positionieren wollen.
Die Altaktionäre geben zu den aktuellen Kursen keine Aktien ab.
Vor diesem Hintergrund haben wir uns entschieden, eine weitere Kapitalerhöhung
durchzuführen. Aufgrund der guten Wachstums-chancen benötigten
wir auch wegen gesetzlicher Vorschriften einfach eine höhere Eigenkapital-ausstattung,
und dem haben wir mit der letzten Maßnahme Rechnung getragen.
Immerhin sind uns damit ca. 2,8 Mio. Euro neue Mittel zugeflossen. Es
stärkt unsere Glaubwürdigkeit im Markt, wenn wir nun Eigenmittel
von 12 Mio. EUR ausweisen.
DVI: Das Emissionsgeschäft ist ja bekanntlich
starken Stimmungsschwankungen unterworfen. Benötigen Sie die Kapitalerhöhung,
um teilweise auch Emissionen in den Eigenbestand zu nehmen?
Herr Beyer: Kapitalerhöhungen nehmen wir grundsätzlich
nicht in unseren Eigenbestand. Wir sind Intermediär und an Provisionserlösen
interessiert. Die Bestandshaltung überlassen wir den spezialisierten
Fonds. Allerdings übernehmen wir als begleitende Emissionsbank
Aktien im Rahmen einer Kapitalerhöhung. Bei steigenden Emissionsvolumina
steigt auch unser Kapital-bedarf.
DVI: Wenn Ihr Geschäft weiterhin so boomt, werden
Sie mit Ihrem Personalstamm die künftigen Aufgaben bewältigen
können oder sind Neueinstellungen geplant?
Herr Beyer: Wir haben im letzten Geschäftsjahr
bereits vier Neueinstellungen getätigt, um dieses Wachstum auch
personell stemmen zu können. Wir planen für das laufende Jahr
weitere Einstellungen, die jedoch unsere Fixkosten nur minimal erhöhen
werden.
DVI: Wenn Sie sich mit anderen europäischen Emissionshäusern
vergleichen – wie sind Sie dann aufgestellt?
Herr Beyer: Es gibt in Großbritannien vergleichbare
Häuser, insbesondere die so genannten AIM-Broker. Bei den AIM-Brokern
findet derzeit eine Konsolidierung innerhalb der Branche statt. Interessanterweise
werden bei Übernahmen für dieses und nächstes Jahr KGV´s
von 20 und 30 bezahlt. Legt man externe Gewinnschätzung für
das laufende Jahr zugrunde, dann sind wir derzeit nur mit dem 12-fachen
Jahresertrag bewertet und liegen damit im Vergleich zu unseren britischen
Kollegen ganz unten. Hinzu kommt, dass ich den deutschen Markt infolge
des Nachholbedarfs als deutlich interessanter einstufe als den Markt
in UK. Und: Ich wage zu behaupten, dass kein typischer AIM-Broker über
50.000 Privatkunden verfügt – wir aber schon!
DVI: Wie sehen Sie die derzeitige Bewertung Ihrer Aktie:
hat die VEM-Aktie den fairen Wert bereits erreicht?
Herr Beyer: Würde die VEM–Aktie an der Londoner
Börse notierten, dann wäre unsere Market Cap wohl doppelt
so hoch. Die VEM-Aktie ist aber erst seit 10 Monaten an der Börse
notiert; wir sind also noch zu unbekannt. Wir werden daher dem Markt
noch mehr Vertrauen und Glaubwürdigkeit liefern, damit uns dieser
eine höhere Bewertung zubilligt. Was durch unser moderates KGV
überhaupt nicht abgebildet wird, ist unsere Wachstumsgeschwindigkeit.
Man muss berücksichti-gen, dass ein Engagement in unsere Aktie
eine Spekulation auf die Wiederbelebung des Emissionsmarktes in Deutschland
darstellt. In den Jahren 1999 und 2000 sind Brokeraktien mit KGV’s
von 20 und mehr gehandelt worden. Zudem denke ich, dass unser Geschäftsmodell
ein deutlich höheres KGV verdient hat. Immerhin habe ich mich über
viele Jahre mit verschiedenen Banken- und Brokermodellen beschäftigt,
daher kennen mich auch viele Marktteilnehmer. Meine feste Überzeugung
ist: Unser Geschäftsmodell ist derzeit einfach unschlagbar.
DVI: Besten Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Rochus C. Rüttnauer.
http://www.das-vorstandsinterview.de