02.05.05  DAS VORSTANDSINTERVIEW
VEM Aktienbank AG - (WKN: 760830 / Symbol: VAB)

Interviewpartner: Dipl.-Kfm. Andreas Beyer, Gründer, Großaktionär und Vorstand

Gehaltene Aktien: ca. 28% von 3,2 Mio. Aktien

VEM HomepageHintergrund: Die VEM Aktienbank rollt derzeit den Markt für deutsche Nebenwert kräftig auf. Schon im vergangenen Jahr hat die Bank mehr Bezugsrechtsemissionen und Börsenzulassungen durchgeführt als jede andere Bank in Deutschland. Kein Wunder, dass die Erträge in 2004 explodiert sind. Die operativen Erträge stiegen um 192% auf 5,3 Mio. EUR, das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit erhöhte sich sogar um 697%. Und alles spricht dafür, dass 2005 ein weiteres Rekordjahr wird. Erstmals werden die Erträge aus dem Geschäftsbereich Designated Sponsoring einen nennenswerten Anteil ausmachen, in nur 18 Monaten hat sich VEM von Null auf 30 Mandate hochgearbeitet. In 2005 sollte VEM auch vom anziehenden Markt für Börsengänge (IPO´s) profitieren. Bis zu sechs Börsengänge könnte es aus dem Hause VEM geben.

In Großbritannien gibt es beispielsweise mehrere hundert Börsengänge im Jahr. In Deutschland läuft derzeit die Diskussion um eine Wiederbelebung des „Neuen Markts“. VEM hat sich in diesem Markt hervorragend positioniert. Der Aktienkurs ist in diesem Jahr um bereits um über 60% gestiegen. Doch das Geschäftsmodell von VEM ist derzeit fast unschlagbar. Wir haben mit dem Gründer, Großaktionär und Vorstand Andreas Beyer über die weiteren Perspektiven der VEM-Aktie gesprochen.

Das Vorstandsinterview (DVI): Herr Beyer, bitte erläutern Sie unseren Lesern die wichtigsten Schwerpunkte und Besonderheiten Ihrer Tätigkeit.

Herr Beyer: Die VEM Aktienbank ist eine Bank, die den börsennotierten Mittelstand bei Kapital-maßnahmen begleitet und als Designated Sponsor betreut. Wir bieten alle Dienstleistungen rund um die Börse aus einer Hand an. Im letzten Geschäftsjahr hat die VEM Aktienbank 14 Bezugs-angebote durchgeführt, zudem 7 Wandelanleihen für Kunden begeben und mit 31 durchgeführten Börsenzulassungsverfahren in der Summe 43 Kapitalmaßnahmen betreut. Das Volumen sämtlicher Kapitalmaßnahmen und Börsenzulassungsverfahren betrug in etwa 120 Mio. Euro. Gemessen an der Anzahl der durchgeführten Transaktionen liegt die VEM Aktienbank an erster Stelle in Deutschland: Keine andere Bank hat im vergangenen Jahr mehr Kapitalmaßnahmen begleitet als wir.

DVI: Warum sind Sie so erfolgreich?

Herr Beyer: Wir sind ausgewiesene Experten in der Kapitalbeschaffung – auch in schwierigen Situationen. Unseren Kunden bieten wir flexible und innovative Finanzierungslösungen. So haben wir beispielsweise für Intershop eine sehr innovative Variante einer Wandelanleihe begeben. Wir haben damit Firmen gezeigt, wie man unterpari-Emissionen durchführen kann. Das heißt, Unternehmen, die aufgrund ihrer derzeitigen Geschäftslage „unter pari“ notieren und damit nicht mehr neue Aktien zum Nominalwert emittieren können, kann dennoch geholfen werden, um am Kapitalmarkt frische Mittel aufzunehmen. Unser Wandelanleihe-Konzept, das die Konditionen einer Kapitalherabsetzung vorweg nimmt, ist dazu ein Lösungsansatz - für Emittenten und Anleger ein hochinteressantes Produkt. Außerdem bieten wir Investmentbanking-Dienstleistungen an, die von der Qualität her ganz oben stehen, und dies bei einem sehr attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis. Für unsere Kunden sind wir immer ansprechbar, selbst der Vorstand ist Mitglied eines Projekt-Teams und steht für sämtliche Fragen unserer Kunden zur Verfügung. Unsere Entscheidungswege sind kurz. Unsere Kunden schätzen unsere schnellen Bearbeitungszeiten, unsere Nähe zum Markt und unsere Platzierungskraft.

DVI: Basel II ist ja seit Jahren in aller Munde. Welche Auswirkungen erwarten Sie für Ihr Geschäft?

Herr Beyer: Basel II wird unser Geschäft weiter beflügeln. Die Finanzierungsstruktur mittel-ständischer Unternehmen wird sich zugunsten des Eigenkapitals dramatisch verändern. Und wir zeigen, wie man sich die Finanzmittel am Kapitalmarkt beschafft. Vor diesem Hintergrund rechnen wir mit einer zunehmenden Anzahl von Neuemissionen kleiner Unternehmen sowie einer weiter hohen Anzahl an Folgeemissionen, von denen insbesondere unser Haus profitieren wird. Im laufenden Jahr werden wir auch im Neuemissionsgeschäft wieder kräftig zu tun haben. Nach den geglückten Emissionen von Premiere und Conergy hat sich am IPO-Markt eine deutliche Stimmungsverbesserung ergeben. Und das ist erst der Anfang, denn Deutschland ist noch das IPO-Schlusslicht in Europa.

DVI: Welche Wachstumspläne haben Sie sich im Vorstand für die nächsten Jahre selbst verordnet?

Herr Beyer: Lassen Sie mich vorab darauf hinweisen, dass wir in den vergangenen drei Jahren beachtlich expandiert und zugleich im Ertrag gewachsen sind. Betrachten wir im Detail den Emissionsmarkt: 2004 gab es 65 Bezugsangebote nach 35 Bezugsangeboten im Vorjahr. Die Bezugsangebote bei Wandelanleihen sind von 4 auf 14 gestiegen. Und nach einer Nullrunde in 2003 gab es an Deutschlands Börsen wieder 9 Erstzulassungen. Wir rechnen damit, dass sich diese drei Teilmärkte in den kommenden Jahren weiter positiv entwickeln. Und dieses Wachstum wird genau von unserer Zielgruppe getragen – von den mittelständischen Firmen. DAX-Titel sind mit Kapital versorgt, im Mittelstand spielt die Musik. Hier wird es gemessen an der Anzahl die meisten Transaktionen geben. Und hier sind wir in der Pole Position. Unser Ziel ist klar: Diese Stellung wollen wir halten und prozentual ausbauen.

Betrachten wir unser Designated Sponsoring: Im Oktober 2003 haben wir als Test mit einem Mandat begonnen. Ein Jahr später hatten wir ca. 20 Mandate und heute liegen wir bei 30 Mandaten. Unser Marktanteil – gemessen an der Anzahl der betreuten Mandate – liegt bei derzeit 4%. Wir beabsichtigen, innerhalb der nächsten drei Jahre unseren Marktanteil im Sponsoring zu verdoppeln. Dies würde wiederum bedeuten, dass wir allein mit der Vergütung aus dem Designated Sponsoring in der Lage sind, unsere kompletten Personal- und Sachkosten abzudecken. Interessante Konstellation bei unserem Geschäftsmodell ist, dass unsere Fixkosten sehr gering sind und weitere Emissionsmandate sich überproportional im Ergebnis nieder-schlagen werden.

DVI: Was sagen Sie zu Schätzungen, wonach sich das Vorsteuerergebnis im laufenden Jahr von 2,54 Mio. Euro auf 4,25 Mio. Euro erhöhen könnte?

Herr Beyer: Wir hatten einen fantastischen Start in das Jahr 2005 mit einem Auftragsbestand in Rekordhöhe. Wir haben veröffentlicht, dass wir in den ersten drei Monaten 2,1 Mio. Euro vor Steuern verdient haben – vor diesem Hintergrund ist Ihre Schätzung von 4,25 Mio. Euro auf das Gesamtjahr durchaus im Bereich des Möglichen. Wenn Sie unsere Kommunikationspolitik betrachten, sind wir eher vorsichtig und wollen Enttäuschungen vermeiden.

DVI: Zum Thema Börsengang: Hier haben Sie den „Börsengang light“ entwickelt. Können Sie uns erklären, was Sie darunter verstehen und welche Vorteile haben Ihre Kunden, also die Unternehmen, davon?

Herr Beyer: Der „Börsengang light“ ist unser Produkt für kleine Firmen, kostengünstig an die Börse zu gehen. Wir verzichten auf das übliche Komplettprogramm der Großemissionen und konzentrieren uns auf das Wesentliche. Die Mittelbeschaffung kann hierbei besonders effizient mit dem IPO via XETRA erfolgen. Hier wird ein flexibles Emissionsvolumen generiert. Wir haben diese Variante ja schon selbst mit großem Erfolg angewandt und beabsichtigen im laufenden Jahr weitere Börsengänge im Light-Verfahren durchzuführen.

DVI: ... und wie viele Börsengänge wird VEM 2004 betreuen?

Herr Beyer: Wir rechnen konservativ mit drei Börsengängen; es können auch deutlich mehr werden.

DVI: Wie sehen Sie Ihre Stellung in Deutschland im Vergleich zur Konkurrenz?

Herr Beyer: Im Gegensatz zu anderen Banken konzentrieren wir uns auf die Begleitung von Emissionen im Gegenwert von 0,5 Mio. – 25 Mio. Euro. Das sind im wesentlichen Klein-emissionen, für die sich die meisten anderen Banken aus Kostengründen nicht interessieren. Es ist unsere Stärke infolge unserer geringen Fixkosten auch kleine Transaktionen zu einem für Emittenten attraktiven Preis durchführen zu können. Kleinemissionen sind ein ganz spezieller Markt. Es gibt besondere Techniken und besondere Investoren. Wir sind mit diesen Techniken vertraut und wissen, welche Investoren welche Anlagen tätigen.

DVI: Sind Sie mit Ihren Zahlen für 2004 zufrieden?

Herr Beyer: Unsere Zahlen 2004 waren sehr schön und wir sind damit zufrieden, insbesondere vor dem Hintergrund, dass es aus börsentechnischer Sicht gar nicht so einfach war. Zwischen März und September ging es nur bergab. Erfreulich ist, dass wir zeigen konnten, dass wir uns von einer zu engen Abhängigkeit von der allgemeinen Börsenentwicklung gelöst haben. Erfreulich ist auch, dass wir niemand enttäuscht haben und selbst ehrgeizige Schätzungen der Analysten übertroffen haben. Im Grunde genommen haben wir eine Eigenkapitalrendite von über 50% auf das durchschnittlich verfügbare Eigenkapital im letzten Jahr erzielt. Bei dieser Traumrendite muss jedoch unser Verlustvortrag und die niedrige Basis unseres Eigenkapitals berücksichtigt werden. Beides wird sich im laufenden Jahr verändern. Unser Ziel ist jedoch, eine deutlich höhere Eigenkapitalrendite als der Durchschnitt der deutschen Universalbanken zu erreichen.

DVI: Verschiedentlich wurde berichtet, dass Sie über die Aufnahme einer Dividendenzahlung nachdenken. Wie sehen Ihre Pläne diesbezüglich aus?

Herr Beyer: Richtig ist, dass man grundsätzlich über Dividendenzahlungen nachdenkt, wenn man ein entsprechendes Ergebnis erwirtschaftet hat. Die Frage, die wir uns stellen ist, ob es sinnvoll wäre eine Ausschüttung der Gewinne bei einem so tollen Wachstum vorzunehmen. Kurz gesprochen: Wir könnten uns eine schöne Dividende leisten. Ich denke jedoch eher an eine Ausschüttung im nächsten Jahr. Zudem gibt es bekanntlich noch andere Möglichkeiten, die Aktionäre am Geschäftserfolg teilnehmen zu lassen.

DVI: Sie haben nach einer erfolgreich platzierten Kapitalerhöhung im Februar 2005 vor zwei Wochen eine weitere Kapitalerhöhung gemeldet. Was war der Grund dafür?

Herr Beyer: Sicherlich sind zwei Kapitalerhöhungen in so kurzer zeitlicher Abfolge nicht der Standard. Hintergrund für die zweite Kapitalmaßnahme war das starke Interesse institutioneller Kundschaft nach unserer Aktie, die sich entsprechend positionieren wollen. Die Altaktionäre geben zu den aktuellen Kursen keine Aktien ab. Vor diesem Hintergrund haben wir uns entschieden, eine weitere Kapitalerhöhung durchzuführen. Aufgrund der guten Wachstums-chancen benötigten wir auch wegen gesetzlicher Vorschriften einfach eine höhere Eigenkapital-ausstattung, und dem haben wir mit der letzten Maßnahme Rechnung getragen. Immerhin sind uns damit ca. 2,8 Mio. Euro neue Mittel zugeflossen. Es stärkt unsere Glaubwürdigkeit im Markt, wenn wir nun Eigenmittel von 12 Mio. EUR ausweisen.

DVI: Das Emissionsgeschäft ist ja bekanntlich starken Stimmungsschwankungen unterworfen. Benötigen Sie die Kapitalerhöhung, um teilweise auch Emissionen in den Eigenbestand zu nehmen?

Herr Beyer: Kapitalerhöhungen nehmen wir grundsätzlich nicht in unseren Eigenbestand. Wir sind Intermediär und an Provisionserlösen interessiert. Die Bestandshaltung überlassen wir den spezialisierten Fonds. Allerdings übernehmen wir als begleitende Emissionsbank Aktien im Rahmen einer Kapitalerhöhung. Bei steigenden Emissionsvolumina steigt auch unser Kapital-bedarf.

DVI: Wenn Ihr Geschäft weiterhin so boomt, werden Sie mit Ihrem Personalstamm die künftigen Aufgaben bewältigen können oder sind Neueinstellungen geplant?

Herr Beyer: Wir haben im letzten Geschäftsjahr bereits vier Neueinstellungen getätigt, um dieses Wachstum auch personell stemmen zu können. Wir planen für das laufende Jahr weitere Einstellungen, die jedoch unsere Fixkosten nur minimal erhöhen werden.

DVI: Wenn Sie sich mit anderen europäischen Emissionshäusern vergleichen – wie sind Sie dann aufgestellt?

Herr Beyer: Es gibt in Großbritannien vergleichbare Häuser, insbesondere die so genannten AIM-Broker. Bei den AIM-Brokern findet derzeit eine Konsolidierung innerhalb der Branche statt. Interessanterweise werden bei Übernahmen für dieses und nächstes Jahr KGV´s von 20 und 30 bezahlt. Legt man externe Gewinnschätzung für das laufende Jahr zugrunde, dann sind wir derzeit nur mit dem 12-fachen Jahresertrag bewertet und liegen damit im Vergleich zu unseren britischen Kollegen ganz unten. Hinzu kommt, dass ich den deutschen Markt infolge des Nachholbedarfs als deutlich interessanter einstufe als den Markt in UK. Und: Ich wage zu behaupten, dass kein typischer AIM-Broker über 50.000 Privatkunden verfügt – wir aber schon!

DVI: Wie sehen Sie die derzeitige Bewertung Ihrer Aktie: hat die VEM-Aktie den fairen Wert bereits erreicht?

Herr Beyer: Würde die VEM–Aktie an der Londoner Börse notierten, dann wäre unsere Market Cap wohl doppelt so hoch. Die VEM-Aktie ist aber erst seit 10 Monaten an der Börse notiert; wir sind also noch zu unbekannt. Wir werden daher dem Markt noch mehr Vertrauen und Glaubwürdigkeit liefern, damit uns dieser eine höhere Bewertung zubilligt. Was durch unser moderates KGV überhaupt nicht abgebildet wird, ist unsere Wachstumsgeschwindigkeit. Man muss berücksichti-gen, dass ein Engagement in unsere Aktie eine Spekulation auf die Wiederbelebung des Emissionsmarktes in Deutschland darstellt. In den Jahren 1999 und 2000 sind Brokeraktien mit KGV’s von 20 und mehr gehandelt worden. Zudem denke ich, dass unser Geschäftsmodell ein deutlich höheres KGV verdient hat. Immerhin habe ich mich über viele Jahre mit verschiedenen Banken- und Brokermodellen beschäftigt, daher kennen mich auch viele Marktteilnehmer. Meine feste Überzeugung ist: Unser Geschäftsmodell ist derzeit einfach unschlagbar.

DVI: Besten Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Rochus C. Rüttnauer.

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