3U Telecom AG
Interviewpartner: Udo Graul, ehemaliger Vorstandsvorsitzender und vielleicht schon bald wieder im Vorstand von 3U Telecom
Gehaltene Aktien: 7,51 von 46,84 Mio. Stück (entspricht ca. 16 Prozent)
Gehaltene Optionen: 124.360
Hintergrund: Das gab es in 38 Ausgaben noch nie! Zum ersten mal interviewen wir bei DAS VORSTANDSINTERVIEW keinen amtierenden Vorstand. Dafür aber den langjährigen Vorstand von 3U Telecom. Das Spannende: Udo Graul plant in den nächsten Wochen wieder in den Vorstand zurück zu kehren. In diesen Tagen erhalten die Aktionäre der 3U TELECOM AG von ihren Depotbanken die Einladungen zur Haupt-versammlung der 3U Telecom, die am 19.5.2005 statt findet. Den Einladungen liegt ein separates Blatt „Ergänzung der Tagesordnung“ bei. Auf Antrag des Aktionärs Udo Graul soll der Aufsichtsrat neu gewählt werden. Nach dem Ausscheiden von Graul als Vorstandsvorsitzender letztes Jahr, war der Kurs der 3U-Aktie zeitweise um 2/3 gefallen. Nachdem seit einiger Zeit Nachrichten in den Medien kursieren, dass Graul wieder den Posten des Vorstandsvorsitzenden übernehmen will, zog der Kurs wieder an und lag zuletzt bei 1,17 Euro. DVI hat den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden, Herrn Udo Graul zu seiner Strategie befragt.
Das Vorstandsinterview (DVI): Herr Graul, in den Medien wird derzeit darüber berichtet, dass es auf der Hauptversammlung der 3U TELECOM AG am 19. Mai 2005 zu einer Kampfabstimmung kommen soll und dass Sie möglicherweise wieder das Ruder bei 3U übernehmen. Was ist daran dran?
Herr Graul: Das ist richtig. Ich habe die Punkte Abwahl und Neuwahl des Aufsichtsrats auf die Tagesordnung der HV setzen lassen. Ziel ist es die jetzige Verwaltung von 3U neu zu besetzen.
Ich möchte mit dieser Maßnahme erreichen, dass die gebeutelten Aktionäre endlich wieder Erfolg mit der 3U-Aktie haben können. Die aktuellen Defizite bei 3U bei der Strategie und beim operativen Geschäft müssen schnellstens beseitigt werden. Dann kann 3U endlich wieder aus dem Tal herausfinden, was sich sehr kurzfristig auf den Unternehmenswert und damit auf den Wert der Aktie auswirken wird. Ich selber, als Großaktionär von 3U und ehemaliger Vorstandsvorsitzender, beabsichtige die notwendigen Maßnahmen maßgeblich voranzutreiben und schnell umzusetzen. Das kann ich nur, wenn ich mit Unterstützung der Aktionäre wieder an die Unternehmensspitze komme. Ich habe für alle Aktionäre, die meine Vorschläge unterstützen möchten und nicht selber an der Hauptversammlung teilnehmen können, unter der Internetseite www.graul.de Informatio-nen hinterlegt, wie sie ihre Stimmrechte auf mich übertragen können.
DVI: Wie sind denn die Mehrheitsverhältnisse auf der Hauptversammlung?
Herr Graul: Die Hauptversammlung kann die Abwahl des Aufsichtsrats mit einfacher Mehrheit bestimmen. Die Gegenpartei verfügt über ca. 23% der Stimmen. Ich selbst verfüge über etwas mehr als 16% der Aktien. Weitere Aktionäre haben mir Ihre Unterstützung zugesichert, sodass ich sehr zuversichtlich bin, dass meine Anträge auf der Hauptversammlung am 19. Mai 2005 die Mehrheit haben werden. Um das sicherzustellen, bitte ich alle Aktionäre meine Anträge zu unterstützen. Ich denke, dass man schon mit 30% aller Stimmen auf der Hauptversammlung eine gesicherte Mehrheit haben kann.
DVI: Herr Graul, wer unterstützt Sie denn, wenn Sie wieder Vorstandsvorsitzender bei 3U sind?
Herr Graul: Ein erfahrenes Managementteam von hochkarätigen Spezialisten, die sich detailliert mit der Situation bei 3U auskennen, steht bereits in den Startlöchern, um die notwendigen Veränderungen mit Unterstützung eines neuen Aufsichtsrats sofort umzusetzen.
Dazu gehört auch Herr Dr. Michael Späth, der letztes Jahr, nach meinem Ausscheiden bei 3U, als Generalbevollmächtigter eingestellt wurde und der nach kurzer Zeit von sich aus wieder gekündigt hatte, weil er daran gehindert wurde, die für das Wohl der Gesellschaft notwendigen Maßnahmen umzusetzen.
Umso mehr freue ich mich, dass Herr Dr. Späth seine Mitwirkung als Finanzvorstand unter einem neuen Aufsichtsrat zugesagt hat. Insbesondere seine bisherigen Erfolge in der Telekommu-nikationsbranche als Turnaroundmanager und bei M&A-Transaktionen sind ein Garant dafür, dass die anstehenden Veränderungen zügig durchgeführt werden können.
DVI: Was wollen sie alles verändern?
Herr Graul: Ich möchte 3U wieder auf das ursprüngliche Kerngeschäft zurückführen. 3U hat hervorragende Chancen im Call-by-Call- und Preselectionmarkt. In diesem Segment müssen sehr schnell die Angebote an die sich ändernden Bedürfnisse der Kunden angepasst werden. Ich war seit meinem Ausscheiden bei 3U im Sommer letzen Jahres nicht untätig und habe zusammen mit einem Spezialistenteam die notwendigen Vorbereitungen getroffen um diese Angebote technisch und vertrieblich innerhalb weniger Wochen bei 3U umsetzen zu können. Natürlich gehört dazu auch ein erstklassiges Voice over IP-Angebot (Anm. d. Red.: Internet-Telefonie-Angebot). Gerade mit Voice over IP bieten sich für 3U sehr gute Chancen sowohl bei Endkunden als auch im Wiederverkäufermarkt. Hier hat 3U die Chance, sich deutlich von den anderen Mitbewerbern abzugrenzen.
Die Konzentration auf die ursprünglichen Stärken von 3U wird zu einer hervorragenden Profitabilität führen, da bei gleichzeitiger Erhöhung der Qualität die Mitarbeiterzahl wieder stark reduziert werden kann. Wesentliches Asset von 3U ist das Deutschlandgeschäft und die Tochter-gesellschaften im Ausland. Das kapitalintensive Netzinfrastrukturgeschäft passt nicht zur neuen Ausrichtung von 3U, weshalb LambdaNet wieder verkauft werden soll. Ziel ist es Fusionspartner zu finden, um in dem europäischen konsolidierenden Markt eine kritische Größe zu erlangen. Ich werde die vorstehenden Maßnahmen ergreifen um für die Aktionäre eine schnelle Wertsteigerung zu erzielen, neudeutsch: den Shareholder Value zu erhöhen. Die Aktionäre haben im letzten Jahr stark gelitten und suchen eine klare Antwort auf die anstehenden Fragen.
DVI: Was erwarten Sie konkret?
Herr Graul: Nach dem Verkauf von LambdaNet kann 3U wieder auf soliden Füßen stehen. Schuldenfrei, mit solider Bilanz und mit substantiellen liquiden Mitteln ausgestattet, kann 3U rasch zusätzlichen Cash Flow aus den oben erwähnten Geschäftsfeldern erwirtschaften und wieder die Dividendenfähigkeit erlangen. Sollte sich herausstellen, dass die Gesellschaft nicht so viel Geld für die Entwicklung des Geschäftes benötigt wie dann auf dem Bankkonto vorhanden ist, so würde ich über einen Aktienrückkauf oder eine Sonderdividende Geld an die Aktionäre ausschütten.
DVI: Herr Graul, die Unternehmensentwicklung von 3U war bis vor einem Jahr untrennbar mit Ihrem Namen verbunden, man kann fast sagen Sie waren Herr 3U. Was ist im Juni 2004 passiert, dass Sie so plötzlich ausgeschieden sind?
Herr Graul: Eigentlich sollte bei 3U im letzten Jahr viel passieren. Es war geplant eine Vielzahl neuer innovativer Produkte für unsere Endkunden aber auch für Wiederverkäufer an den Markt zu bringen.
Obwohl 3U über zwei Technikvorstände verfügt, gelang es nicht die technische Basis für die geplanten neuen Produkte bereitzustellen. Ohne die die neuen Produkte war es nicht möglich die gesteckten Ziele zu erreichen. Daraus ergab sich ein Konflikt zwischen mir und meinen beiden Vorstandskollegen, der dazu führte, dass ich aus dem Unternehmen gedrängt wurde. Beim Aufsichtsrat fand ich nicht die notwendige Unterstützung und damit war mit dem Ende meiner Vertragslaufzeit im Juni 2004 auch meine Vorstandstätigkeit bei 3U zu Ende.
DVI: Die 3U Aktie hat seit Ihrem Ausscheiden dramatisch an Wert verloren, was ist da passiert?
Herr Graul: Nach meinem Ausscheiden hat die Aktie erheblich an Werte verloren. Das ist ein Desaster für die Aktionäre, natürlich auch insbesondere für mich persönlich, da ich nach wie vor einer der größten Aktionäre von 3U bin. Was ist die Ursache für diesen extremen Wertverlust? Nun, ich glaube nicht, dass der Wertverlust allein auf mein Ausscheiden als Vorstandsvorsitzender zurückzuführen ist, auch wenn mein Ausscheiden für viele überraschend war. Der extreme Wertverlust bei 3U hat sicher andere Ursachen. Hauptursache ist ein starker Vertrauensverlust in das Management. Der Aktienverlauf ist beeinflusst durch die negative Geschäftsentwicklung und die katastrophalen Zahlen. Dazu kommen eine schlechte Informationspolitik und ein häufiger Führungswechsel bei 3U selbst und bei den beiden Tochterunternehmen OneTel und LambdaNet. So etwas wird im Finanzmarkt regelmäßig als klares Zeichen für Orientierungs-losigkeit gewertet.
Da hat es auch nichts genützt, dass die beiden Altvorstände Michael Schmidt und Roland Thieme, die zusammen ca. 23% der Aktien an 3U halten, per Ad hoc-Mitteilung eine 3-jährige Lock-Up-Frist für ihre Aktien bekannt gegeben hatten. Das wurde von den Anlegern eher als Zeichen der Hilflosigkeit gewertet.
Das Unternehmen tritt derzeit auf der Stelle. Im Halbjahresbericht 2004 heißt es, die für Juni geplante Produktoffensive konnte noch nicht umgesetzt werden. Im Quartalsbericht für das dritte Quartal 2004 heißt es wiederum, neue Produkte wurden noch nicht eingeführt. Man habe sich zunächst auf den Ausbau des Vertriebs konzentriert. Im Geschäftsbericht für das Jahr 2004 heißt es schließlich nur noch lapidar, dass die Produktoffensive nicht umgesetzt wurde. Im Ergebnis wurde bis heute noch kein neues Produkt auf den Markt gebracht. Nach wie vor hapert es bei der technischen Umsetzung der Voraussetzungen für die neuen Produkte.
DVI: Als einer der Hauptaktionäre von 3U fällt es Ihnen sicherlich schwer, diesen Wertverlust hinzunehmen. Wie soll es nach Ihrer Meinung mit 3U weitergehen?
Herr Graul: Mir geht es vor allen Dingen darum, dass der Aktienwert von 3U rasch wieder deutlich erhöht wird. Insofern habe ich als Hauptaktionär daran natürlich ein besonders hohes Interesse. Ich sehe sehr gute Chancen dafür, dass 3U sehr schnell wieder auf Kurs gebracht werden kann. Das Unternehmen hat nach wie vor ein gutes Entwicklungspotential auf einer soliden Basis. Wichtig ist, dass 3U nicht länger auf der Stelle tritt. Es muss zunächst klar definiert werden, auf welche Geschäftsfelder 3U seine Kräfte und Ressourcen konzentrieren will, um kurz- bis mittelfristig den größtmöglichen Erfolg zu erzielen. 3U braucht jetzt ein konkretes wachstums-orientiertes Vorwärtsprogramm mit klaren Zielen und deutlichen Signalen.
Um das durchzusetzen ist in jedem Fall ein Wechsel der Verwaltung erforderlich. Das hat sich gezeigt. Es ist wichtig, dass der Handlungsbedarf erkannt wird, damit die zur Erreichung der strategischen Ziele erforderlichen Maßnahmen ergriffen werden können.
DVI: Vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Tobias F. Bosler.
http://www.das-vorstandsinterview.de