29.03.05  DAS VORSTANDSINTERVIEW
Allgeier Holding AG

Interviewpartner: Carl Georg Dürschmidt, Vorstand
Gehaltene Aktien: ca. 840.000 Aktien (28%) des Grundkapitals von 3.000.000 Aktien, keine Optionen

Allgeier HomepageHintergrund: Die Allgeier Holding AG mit Sitz in München hält zwei Geschäftsbereiche, von denen die IT-Sparte die besten Wachstumschancen hat. Auf die Beteiligung im Elektrobereich, die Firma EA Elektroautomatik, wurde im Jahr 2003 eine Wertberichtigung von 3 Mio. Euro vorgenommen. Obwohl das neue Management sehr konsequent reagiert und bei EA Elektroautomatik die Kostenbremse gezogen hat, ist es nicht ausgeschlossen, dass im Jahresabschluß 2004 nochmals eine Abschreibung auf die Beteiligung vorgenommen werden muß. Weitere Belastungen aus der Beteiligung EA Elektroautomatik sind jedoch in 2005 nicht mehr zu erwarten, so daß der Weg in eine ertragsreiche Zukunft geöffnet scheint. Per 30.09.04 hatte das Unternehmen ein EBIT von 1,615 Mio. Euro erzielt. Wir haben den Alleinvorstand der Allgeier Holding AG, Herrn Carl Georg Dürschmidt, zu den Zukunftsperspektiven der Holding befragt.

Das Vorstandsinterview (DVI): Herr Dürschmidt, bitte schildern Sie unseren Lesern die Geschäftstätigkeiten Ihrer Beteiligungen.

Herr Dürschmidt: Allgeier vollzog in den Jahren 2002/2003 einen Strategiewechsel: weg vom IT Systemhaus hin zu einer auf Dienstleistungen ausgerichteten Gruppe mit einem Buy and Build Portfolioansatz. Heute hat die Allgeier Gruppe zwei Geschäftsbereiche:

Der Geschäftsbereich EA umfasst die mehrheitliche Beteiligung an der deutschen Unternehmens-gruppe EA im Bereich der Elektrotechnik. Hauptaktivität ist die Entwicklung, Produktion und Vermarktung von technologisch hoch stehenden und innovativen Stromversorgungsgeräten und -systemen für verschiedene Branchen der Industrie. Mit diesem Bereich wollten wir 2002 vor allem in die Marktentwicklung rund um den Mobilfunk einsteigen, hatten aber 2003/2004 erhebliche Schwierigkeiten der Branche und unserer Beteiligung zu verkraften. Der Bereich steht auf dem Konzernprüfstand.

Der Geschäftsbereich IT umfasst IT Software, Systemlösungen und Services. Der Bereich bildet den Schwerpunkt der Gruppenaktivitäten und soll weiter ausgebaut werden. Das aktuelle Leistungsportfolio umfasst eigene Softwarelösungen in den Bereichen ERP, Dokumentenmana-gement und IT Security sowie hochwertige IT Dienstleistungen. Das aktuelle Kundenportfolio umfasst ca. 1000 Kunden, u.a. namhafte Großunternehmen mit komplexen IT Anforderungen. Ziel ist, die Position im aktuellen IT Geschäft auszubauen und dabei den Schwerpunkt sukzessive weg von Produkten hin zu Dienstleistungen zu verschieben.

Wir verstehen uns somit heute als Gruppe mit den Schwerpunkten IT und Dienstleistungen. Mit insgesamt 8 operativen Gesellschaften und ca. 400 Mitarbeitern erwarten wir für 2005 einen Umsatz von ca. 50 Mio. €.

DVI: Haben Sie bei der Firma EA Elektroautomatik Ende 04 die Sanierung abschließen können?

Herr Dürschmidt: Die Sanierung ist im Wesentlichen abgeschlossen. 2003 war das Ergebnis vor Steuern und vor Buchwertabschreibungen mit einem Verlust von 2,9 Mio. Ende dramatisch negativ und zwang uns zu Sanierungsschritten. Darüber hinaus wurden die Firmenwerte um 3 Mio. abgeschrieben. Die ersten beiden Quartale 2004 zeigten erfreuliche Ergebnisse der Restruktu-rierung; Leistung und Ergebnis lagen deutlich über Plan. Trotzdem blieb die Lage im Herbst 2004 schwierig. Im Zuge der Neuausrichtung wurde im Juli 2004 das Telekom-Geschäft in ein Joint Venture mit einem Wettbewerber eingelegt und unsere 50% Beteiligung dann im Januar 2005 abgegeben. Diesbezüglich notwendige Anpassungen von Kapazitäten wurden im letzten Quartal 2004 wirksam. Q4 brachte deshalb nochmals erhebliche Probleme. Zwar konnte trotz einem Umsatzrückgang von ca. 9 Mio. eine deutliche Verbesserung der operativen Ergebnislage erreicht werden, nach Abschreibungen, Zinsen und Steuern bleibt aber ein vorläufiger Verlust. Erhebliche Einschnitte auf der Personalseite, 50 % der Belegschaft wurde 2004 abgebaut, eine Straffung des Produktsortiments und Fokussierung auf Zielmärkte außerhalb des Bereichs Mobilfunk führen 2005 zu Verbesserungen. Wir erwarten bei weiter abgesenktem Umsatz ein mindestens ausge-glichenes Ergebnis. Parallel dazu arbeiten wir an Lösungen zur grundsätzlichen Neuordnung unseres Engagements in diesem Bereich.

DVI: Ihren „früheren“ IT-Bereich (die vom früheren Großaktionär eingegangenen Beteiligungen) haben Sie seit 2001 verschlankt, die Auslandsgesellschaften in den USA, Großbritannien und Frankreich verkauft und in Polen geschlossen. Auf welche Länder und welche Geschäftsziele konzentrieren Sie sich im IT-Bereich aktuell?

Herr Dürschmidt: Unsere Zielmärkte liegen kurzfristig im Inland und im Raum Benelux, da wir dort bereits stark vertreten sind. Wir gliedern unser IT Geschäft heute in 3 Einheiten.

Die erste Einheit IT Solutions Deutschland mit dem Schwerpunkt einer eigenen ERP Lösung im Handel, insbesondere im Baustoff- und Holzhandel in Deutschland, behauptet mit ca. 500 Kunden, einem Umsatz von ca. 5 Mio. und 50 Mitarbeiter eine führende Position in Deutschland. 2004 lagen wir mit 10% Umsatzwachstum und Kostenentlastungen im Ergebnis positiv, 2005 erwarten wir weiteres Wachstum und ggf. weitere Akquisitionen. Unsere Strategie ist, die Services auszubauen.

Die zweite Einheit IT Solutions Benelux legt seit Jahren den Schwerpunkt auf Dokumenten-management (DMS) Lösungen für Handel, Industrie, und dem Spezialsegment Krankenhäuser. Mit Standorten in Brüssel, Amsterdam und Paris, 350 Kunden, ca. 4 Mio. Umsatz und 30 Mitarbeitern vermarkten wir die eigene DMS Suite AC Archive. Allgeier Benelux hat unumstritten die führende Position nach Technologie und Marktanteil im Raum Benelux, und entwickelt sich seit Jahren stabil positiv.

Die dritte und neue Geschäftseinheit IT Services Deutschland besteht aus den beiden 2004 erworbenen Gesellschaften GFU und ICC. Wir legen den Schwerpunkt auf Services für Großunter-nehmen mit komplexen IT Anforderungen und erwirtschaften mit ca. 200 Mitarbeitern einen Umsatz von ca. 25 Mio. Wir arbeiten mit einem seit Jahren konsequent durchgehaltenen service-orientierten Geschäftsmodell, wachsen seit Jahren stabil und gehen auch für 2005 von weiterem Wachstum aus. Die Auftragsbücher sind gefüllt.

DVI: Welche mittelfristigen Wachstumschancen sehen Sie im IT-Bereich?

Herr Dürschmidt: Die Wachstumschancen sind gut, da die IT Services Branche nach wie vor Jahr um Jahr expandieren wird, und wir werden davon profitieren können. Unsere IT Einheit ist gut aufgestellt. Mit dem breiten Leistungsportfolio, der breiten Basis von ca. 1000 Kunden und dem Status als Preferred Partner bei Großunternehmen haben wir die notwendige Leistungsfähigkeit und IT Kompetenz.

Umsatz und Ergebnisentwicklung aller operativen Töchter sind wieder positiv, bereits 2004 haben wir deutliches Wachstum erreicht und 2005 werden wir organisch weiter wachsen. Darüber hinaus erwarten wir aufgrund unserer diversen Positionen als Marktführer Angebote, weitere Wettbewerber übernehmen zu können.

Im Bereich Internet Security erwarten wir deutliches Wachstum aufgrund des BSI-zertifizierten Produkts „Julia MailOffice“ der ICC. JULIA sichert u.a. die E-Mail-Kommunikation von Bundes-ministerien und Bundesbehörden und die ICC ist Partner im Bundesprojekt BundOnline 2005 und stellt Ver- und Entschlüsselung sowie die Erstellung und Prüfung von Signaturen zentral zur Verfügung. Damit bietet diese Software ein Maximum an Flexibilität und Sicherheit und sollte weitere Erfolge verbuchen können. Letzten Monat konnte der Bundesverband deutscher Banken gewonnen werden.

Neben diesen geschäftlichen Wachstumsansätzen werden wir bezogen auf die Konzernzahlen aus den Effekten der Vollkonsolidierung der neuen Beteiligungen ein Konzernwachstum von alleine über 25% zeigen können. Aber ebenso wichtig als Wachstum: die Ergebnislage ist positiv, alle operativen Gesellschaften erwirtschaften Gewinne und gute cash flows.

DVI: Welche mittelfristigen Wachstumsziele haben Sie in der Gruppe insgesamt für die nächsten Jahre?

Herr Dürschmidt: Wir wollen im IT- Bereich nachhaltig organisch wachsen und darüber hinaus diesen Bereich durch gezielte strategische Akquisitionen verstärken. Dabei sollen unsere branchenspezifischen Positionen gestärkt werden und unser Tätigkeitsfeld um weitere Branchen rund um unsere Kernkompetenzen erweitert werden. Darüber hinaus werden wir unser Gruppenportofolio mit einer weiteren Beteiligung verstärken und so ein wachstumsstarkes neues Geschäftsfeld erschließen.

DVI: Sind Sie auch gegenüber Beteiligungen außerhalb der IT- und Elektrikbranche offen?

Herr Dürschmidt: Durchaus. Wie bereits ad hoc im Februar gemeldet, sind wir kurz vor Abschluss der Verhandlungen, ein Dienstleistungsunternehmen zu akquirieren. Ich kann ankündigen, dass es sich dabei um solche Dienstleistungen handelt, die uns einerseits in neue Geschäftsfelder vordringen lassen, uns andererseits die bestehenden Kernkompetenzen umsetzen helfen sollte.

DVI: Sie haben als eine der ersten Firmen in Deutschland eigenkapitalähnliche Mittel über das sogenannte PREPS-Programm aufgenommen. Bitte erklären Sie unseren Lesern, was man darunter versteht.

Herr Dürschmidt: Die Grundvoraussetzung für die Teilnahme an PREPS war eine Bewertung bzw. ein Rating über Moody’s. Wir haben uns mittels des Instruments „Extended Report powered by Moody´s RiskCalc“ bewerten lassen und das gute Rating „baa2“ erhalten, das immerhin eine Stufe über der erforderlichen Bewertung „investment grade“ liegt. Wir haben über die in der Schweiz ansässige CEG in Verbindung mit unserer Hausbank HVB Genussrechtskapital in Höhe von 7 Mio. aufgenommen. Die neuen Mittel sind als eigenkapitalähnlich zu verstehen. Neue Aktien wurden aber nicht ausgegeben, sodass die Aktionäre nicht verwässert werden.

Das neue Kapital trägt zur Verbesserung unserer Eigenkapitalquote bei und leistet insofern eine Absicherung unseres guten Ratings. Wir können das Kapital sieben Jahre zu dem festen Zins von 7,5% einsetzen. Während der Laufzeit sind nur Zinszahlungen zu leisten. Die Tilgung erfolgt erst am Ende der Laufzeit. Wir haben uns hiermit einen guten finanziellen Spielraum geschaffen. Gemeinsam mit den weiteren freien Mittel der Gruppe verfügen wir somit aktuell über liquide Mittel von ca. 10 Mio.

DVI: Welche Eigenkapitalquote haben Sie jetzt unter Berücksichtigung der PREPS-Mittel?

Herr Dürschmidt: Trotz einer Ausweitung der Bilanzsumme von über 10 Mio. durch Investitionen im Geschäftsjahr 2004 können wir ein Eigenkapital inklusive PREPS von ca. 60% der Bilanzsumme vorweisen.

DVI: Haben Sie das Akquisitionsobjekt schon im Auge, für das Sie die PREPS-Mittel einsetzen wollen?

Herr Dürschmidt: Die PREPS Mittel werden einerseits für die ad hoc angemeldete und eben angesprochene Investition im Dienstleistungssektor verwendet. Nach dieser Akquisition bleiben noch ausreichend liquide Mittel in der Kriegskasse, um unser IT-Geschäft weiter auszubauen oder gegebenenfalls unser dann neues Dienstleistungsgeschäft durch eine weitere Akquisition zu verstärken. Konkreter wollen wir hierüber noch nicht sprechen.

DVI: Brauchen Sie das neue Eigenkapital, das Sie durch die Kapitalerhöhung erhalten werden, um Ihre Wachstumspläne umzusetzen?

Herr Dürschmidt: Die Kapitelerhöhung haben wir trotz bereits guter Liquiditätsausstattung umgesetzt, um uns einerseits für Akquisitionen finanziell noch stärker aufzustellen und anderer-seits, um unser Eigenkapital zu stärken. Allgeier verfügt nun über Mittel, die uns die deutliche Verbreiterung unserer Aktivitäten ermöglichen. Neben der Stärkung unsere Eigenkapitalbasis und Liquidität wollten wir dem Kapitalmarkt gegenüber ein Zeichen setzen. Teile der Kapitalerhöhung wurden vom Management gezeichnet. Persönlich habe ich entsprechend meiner Quote mitge-zogen.

DVI: Worin liegt der Reiz für neue Investoren, sich gerade in der Allgeier-Aktie zu engagieren?

Herr Dürschmidt: Wir sind eine überschaubar große Gesellschaft mit vielen netten und kompetenten Leuten, die sich in diesen Tagen zunehmend formiert hat, bereits angelegte Entwicklungen zum Erfolg zu führen. Wir laden Investoren ein, ihre Mittel unternehmerisch einzusetzen und an unserer Geschichte teilzuhaben. Wir werden in den nächsten Jahren konsequent an unserem Wertwachstum arbeiten.

DVI: Wie sehen Sie die Allgeier Aktie an der Börse bewertet?

Herr Dürschmidt: Unsere Aktie ist nach unserer Überzeugung unterbewertet, ganz besonders dann, wenn Sie uns mit anderen börsennotierten Unternehmen vergleichen. Darüber hinaus ist die Aktien-Liquidität sehr begrenzt. Wir haben uns in den letzten 2 Jahren vor allem darauf konzentriert, unsere Hausaufgaben zu erledigen, haben kaum über uns informiert, lediglich die ad hoc Pflichten erfüllt und insofern keine Investor Relations Arbeit gemacht. Wir hätten nur über noch ungelöste Probleme berichten können - und so haben wir uns halt ganz still gehalten. Das wollen wir aber nun ändern und zu einer aktiven Informationspolitik zurückkommen und so an den Voraussetzungen arbeiten, um eine verbesserte Kursentwicklung zu unterstützen.

DVI: Haben Sie für Ihre Aktionäre eine Überraschung im Ärmel?

Herr Dürschmidt: Eher nicht. Uns sind Überraschungen nicht recht.

Wir hatten die letzten beiden Jahre durch die Schieflage im Bereich EA einen die Gruppe bestimmenden Problembereich. Mit der berichteten Restrukturierung und der noch im Abschluss 2004 berücksichtigten Abschreibung auf Firmenwerte machen wir uns abschließend den Rücken frei. Unser IT Geschäft läuft gut, und wir werden ein neues interessantes Wachstumsfeld betreten. Wir werden versuchen, zeitnah und offen zu informieren, so dass es keine Überraschungen geben sollte, mindesten keine negativ-dramatischen.

Wir hoffen natürlich, dass wir mit den neuen Aktivitäten positiv überraschen und eine neue Aufmerksamkeit für unser Haus bewirken können.

DVI: Besten Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Chefredakteur Rochus C. Rüttnauer.

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