21.03.05  DAS VORSTANDSINTERVIEW
Jost AG

Interviewpartner: Klaus Jost, Vorstand
Gehaltene Aktien: 226.000 Aktien bzw. 51,5 % des Grundkapitals
Das Interview wurde am 15.03.05 geführt.

Jost HomepageHintergrund: Die in Lauf an der Pegnitz beheimatete Jost AG hat turbulente Zeiten hinter sich: Das 1984 als „Jost Computersysteme“ gegründete Unter-nehmen begann 1997, im Steuerberatermarkt als Partner für Kanzleiveräußerungen und -koopera-tionen ein neues Geschäftsfeld aufzubauen. In 2003 erfolgten dann einschneidende neue Struktu-rierungen der Jost-Gruppe: der IT-Bereich wurde vollständig abgegeben, die AG insgesamt neu strategisch ausgerichtet. Bedingt durch Forderungsverluste, Abschreibungen sowie Verlustüber-nahmen aus verbundenen Unternehmen im IT-Bereich wurde das Ergebnis 2003 stark belastet. Im Jahr 2004 hat sich eine rasante Trendwende ergeben. Wir haben den Vorstand der Jost AG, Herrn Klaus Jost, zu den mittelfristigen Aussichten für sein Unternehmen befragt.

Das Vorstandsinterview (DVI): Herr Jost, bitte erklären Sie unseren Lesern Ihr Geschäftsmodell.

Herr Jost: Die Jost AG spezialisiert sich in ihrer Tätigkeit auf die Suche und Vermittlung des geeigneten Nachfolgers für Steuerberater und Wirtschaftsprüfer. Die Nachfolge regeln, dies ist eine der sensibelsten und schwierigsten Managementaufgaben, vor welcher Freiberufler stehen. Denn in viel höherem Maße, als etwa in Industrieunternehmen, prägt der Kanzleiinhaber mit seiner Persönlichkeit die Geschicke seiner Kanzlei über Jahrzehnte. Mit den vorgegebenen Eckdaten und durch eine professionelle Recherche am Markt kann der geeignete Nachfolger gefunden werden. Die Vermittlung verlangt neben hoher fachlicher Kompetenz auch ein großes Maß an Einfühlungsvermögen im Umgang mit den Marktgegebenheiten und Besonderheiten dieses Berufsstandes. Gebotene Sorgfalt und absolute Diskretion sowie Seriosität sind ein absolutes Muss für einen erfolgreichen Abschluss. Im Erfolgsfall erhält die Jost AG eine Vermittlungsprovision.

DVI: Und bleiben Sie künftig auch bei diesem Geschäftsmodell?

Herr Jost: Neben dem Geschäftsmodell der Kanzleivermittlung planen wir zukünftig auch die Nachfolge von Ärzten, Apotheken und Rechtsanwälten zu begleiten.

DVI: Was sind die Ursachen dafür, dass Ihr EBIT in 2004 deutlich besser ist als vor zwei Jahren, obwohl der Umsatz deutlich geringer war?

Herr Jost: In 2002 führten Verlustübernahmen von Beteiligungen, hohe Abschreibungen auf Forderungen und das defizitäre IT-Geschäft zu außerordentlich hohen Ergebnisbelastungen.

DVI: Welche Maßnahmen haben Sie in 2004 ergriffen, um die Bilanzverhältnisse wieder in Ordnung zu bringen?

Herr Jost: Der Grundstein für die positiven Bilanzverhältnisse 2004 wurde bereits im Jahr 2003 durch die vorsorgliche Abschreibung der Beteiligungen und der Wertberichtigung der Forderungen gelegt. Darüber hinaus wurde in 2004 das Grundkapital um 50 % herabgesetzt und die Jost Finanzberatung mit der Jost AG verschmolzen. Seit dem Geschäftsjahr 2004 besteht die Jost AG somit aus den Bereichen Kanzlei-Börse und Leasing, wobei die Kanzlei-Börse der einzige operative Geschäftsbereich ist.

DVI: Sie haben sich im ersten Quartal 2004 endgültig von dem IT-Bereich getrennt. Haben Sie per 31.12.2004 alle Verluste vollständig in den Büchern, oder sind noch Nachlaufkosten zu befürchten?

Herr Jost: Das Jahr 2003 diente der strategischen Neuausrichtung und der Konsolidierung der Jost AG. In diesem Jahr wurden alle die mit dieser Maßnahme verbundenen Belastungen bilanziert. Weitere Nachlaufkosten sind nicht zu erwarten.

DVI: In der BRD gibt es über 40.000 Steuerkanzleien. Sind Sie der einzige Anbieter von derartigen Vermittlungsdiensten bzw. wodurch heben Sie sich von Ihrer Konkurrenz ab?

Herr Jost: Neben der Jost AG agieren auf dem Markt der Kanzleivermittlungen noch eine Hand voll weiterer Wettbewerber. Diese konzentrieren sich auf die verschiedensten Schwerpunkte der Ver-mittlungstätigkeit. Die Jost AG betreut ihre Geschäftspartner ganzheitlich, d. h., die Vermittlungs-tätigkeit umfasst neben einer Nachfolgeberatung und der reinen Kontaktanbahnung auch die Gesprächsmoderation, die Vertragsgestaltung, den Vertragsabschluß sowie, falls gewünscht, auch die Finanzierung. Daneben legt die Jost AG auch auf die Nachbetreuung ihrer Klienten großen Wert.

DVI: Können Sie von einer bestimmten Anzahl von zu vermittelnden Kanzleien pro Jahr ausgehen und wie viel Marktanteil hat die Jost AG?

Herr Jost: Die Anzahl der zu vermittelnden Kanzleien pro Jahr lässt sich nur grob schätzen. Wir gehen hierbei von ca. 500 Kanzleien aus. Da nicht alle Kanzleiveräußerungen über Vermittler getätigt werden und nur die Jost AG publikationspflichtig ist, können seriöse Aussagen über den Marktanteil am Vermittlungsgeschäft nicht getroffen werden. Die Umsatzerlöse in 2004 lassen jedoch den Schluss zu, dass die Jost AG Marktführer im Geschäft der Kanzleivermittlungen ist.

DVI: Haben Sie vor, im Zuge der Internationalisierung Ihre Geschäftstätigkeit auch auf die benach-barten EU-Staaten auszuweiten?

Herr Jost: Ein erster Versuch im Nachbarland Österreich, das in Deutschland so erfolgreiche Geschäftsmodell dorthin zu übertragen, war ernüchternd. Zum einen ist in Österreich der Markt der Kanzleien mit ca. 3500 Steuerberatern sehr begrenzt. Zum anderen reichen die personellen Ressourcen für eine länderübergreifende Bearbeitung des Marktes nicht aus. Deshalb ist im Moment nicht daran gedacht, neben dem deutschen noch weitere Märkte zu bearbeiten.

DVI: Die Erfolge der Kanzleivermittlungen sind fast ausschließlich von Ihrer Person abhängig. Welche Maßnahmen planen Sie hier für die Zukunft im Sinne der Kontinuität Ihres Unternehmens?

Herr Jost: Mein Sohn Alexander wird bereits sukzessive in die Vermittlungstätigkeit eingeführt und als mein zukünftiger Stellvertreter aufgebaut. Daneben stehen für die Betreuung der Kunden weitere hoch motivierte Mitarbeiter zur Verfügung.

DVI: Sie haben im vergangenen Jahr Ihre Tätigkeit um das Segment Personalvermittlung erweitert. Wie beurteilen Sie die künftigen Aussichten für dieses Segment und haben Sie dafür neue Mitarbeiter eingestellt?

Herr Jost: Das Geschäftsfeld der Personalvermittlung wird kein tragendes Element der Jost AG werden. Vielmehr nutzen wir unsere vielfältigen Kontakte zu den Steuerberatern, um diese zusätzliche Dienstleistung anzubieten. Es ist nicht geplant, hierfür zusätzliche Mitarbeiter einzustellen.

DVI: Welche Umsatz- und Ergebnisplanungen haben Sie für das laufende Jahr?

Herr Jost: Das Jahr 2004 war in vielfacher Hinsicht ein außerordentliches Jahr. Herausragende Ergebnisse lassen sich nicht ohne weiteres auf Folgejahre übertragen. Wir rechnen in 2005 zum ersten Mal mit einem Umsatz von 1 Million EUR im Bereich Kanzleivermittlung, was einer Umsatz-steigerung von 18 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Aus dem nicht operativen Geschäfts-bereich Leasing werden wegen fehlender Anschluss- und Neuverträge die Umsätze stark sinken.

Das Ergebnis in 2004 wurde durch finanzielle Sondereffekte beeinflusst. Die Verkaufserlöse der vorsorglich abgeschriebenen Beteiligungen sowie die Zuschreibung von bereits abgeschriebenen Forderungen wirkten sich positiv aus. Deshalb planen wir für das laufende Geschäftsjahr ein geringeres Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr. Das Geschäftsjahr 2005 wird das erste Jahr in der Jost-Geschichte sein, dass nicht vom IT-Geschäft beeinflusst wird.

DVI: Wohin wollen Sie bis zum Jahr 2009 wachsen?

Herr Jost: Die Jost AG hat sich zum Ziel gesetzt, jährlich um 10 % zu wachsen. Dies soll durch die Erschließung weiterer Geschäftsfelder und moderatem Personalaufbau erreicht werden. Wir werden unsere führende Position in der Kanzleivermittlung weiter ausbauen.

DVI: Nachdem sich der Aktienkurs so erfreulich entwickelt hat, wollen Sie nicht das gute Börsen-klima für eine Kapitalerhöhung nützen?

Herr Jost: Um künftige Wachstumschancen rasch und flexibel nützen zu können, werden Vorstand und Aufsichtsrat der am 31. März 2005 stattfindenden Hauptversammlung einen Vorratsbeschluss über eine Kapitalerhöhung in Höhe von 50 % des Grundkapitals vorschlagen.

DVI: Der Aktienkurs hat sich seit August vergangenen Jahres kontinuierlich in Richtung all-time-high erholt. Wo sehen Sie den fairen Wert der Jost-Aktie?

Herr Jost: Der faire Wert einer Aktie wird durch den Kapitalmarkt bestimmt. Der Kapitalmarkt hat den Turnaround der Jost AG mit einer Kurssteigerung der Aktie von 369 % in den vergangenen 12 Monaten belohnt. Aufgrund des positiven Ausblicks für die künftige Geschäftsentwicklung rechnen wir trotz der bereits gezeigten Kursperformance mit weiterem Steigerungspotential für die Jost-Aktie. Die langfristig ausgerichtete Dividendenpolitik wird der Jost Aktie zusätzliche Attraktivität verleihen. In diesem Jahr wird eine Dividende von 1,00 € je Aktie ausgeschüttet.

DVI: Besten Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Chefredakteur Rochus C. Rüttnauer.

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