14.03.05  DAS VORSTANDSINTERVIEW
Silicon Sensor International AG

Interviewpartner: Dr. Hans-Georg Giering, Finanzvorstand
Das Interview wurde am 09.03.05 geführt.

Silicon HomepageHintergrund: Silicon Sensor ist auf die Herstellung von opto-elektronischen Sensoren und Hybridschaltungen spezialisiert, die sowohl in der Raumfahrt, der Medizintechnik, der Telekommunikation sowie im Maschinenbau ihre Anwendung finden. Der entscheidende Vorteil von Silicon Sensor ist die große Anwendungsvielfalt, der in Berlin entwickelten und gefertigten High End Sensoren. Fast jeder Lebensbereich bietet Möglichkeiten für den Einsatz optischer Sensoren. Dementsprechend verteilen sich die Umsätze von Silicon Sensor auch sehr breit. Das führt in der Folge zur Vermeidung von Klumpenrisiken. Zu den Kunden zählen überwiegend namhafte multinationale Unternehmen, die sich in ihren Märkten durch den Einsatz der High End Sensoren aus Berlin einen Wettbewerbsvorteil sichern wollen. Silicon Sensor schließt mit den Kunden meist mehrjährige Rahmenverträge ab und bekommt einen Großteil der Entwicklungskosten erstattet. Aufgrund dieser langfristigen Zusammenarbeit ist es für die Kunden nur sehr zeit- und kostenintensiv möglich, auf die wenigen anderen Anbieter auszuweichen, zumal diese nicht einmal in Europa, sondern nur in USA oder Japan sitzen. Silicon Sensor hat auch, zusammen mit einem sehr renommierten Automobilzulieferer, den so genannten Abstands-Tempomaten entwickelt, der vor allem in der Pkw-Mittelklasse eingebaut werden soll. Nennenswerte Umsatzbeiträge wird dieses neue, fertig entwickelte Produkt voraussichtlich jedoch erst ab 2008 liefern können. Im Jahr 2004 ist jedoch bereits sichtbar geworden, dass die Kostendegressionseffekte bei steigenden Umsätzen ganz enorme Ertragssteigerungen bewirken. Das Betriebsergebnis (EBIT) ist um 118 Prozent auf 2,4 Millionen Euro gesprungen. Die liquiden Mittel wuchsen von 1,06 Mio. auf 3,78 Mio. Euro und das Ergebnis je Aktie ist von 0,32 Euro auf 0,65 Euro gesprungen. DVI hat den Finanzvorstand, Herrn Dr. Hans-Georg Giering, nach den mittelfristigen Zukunftsaussichten befragt.

Das Vorstandsinterview (DVI): Herr Dr. Giering, bitte schildern Sie unseren Lesern ihre Stärken bei der Produktion von opto-elektronischen Sensoren.

Dr. Giering: Silicon Sensor verfügt über ein sehr großes Know-how bei der Entwicklung und Produktion von optischen Sensoren, welches weit über den Gründungszeitraum der Gesellschaft zurückreicht. Als Herr Dr. Kriegel die Gesellschaft im Jahre 1991 aus dem damaligen Werk für Fernsehelektronik ausgründete und die Verträge mit der Treuhandanstalt unterschrieb, konnte er auf die lange Tradition der opto-elektronischen Forschung in seinem Verantwortungsbereich zurückgreifen. Von 1991 an verfolgte die Gesellschaft konsequent den Weg, sich auf die Lösung von Kundenproblemen durch die spezielle Entwicklung optischer Sensoren zu konzentrieren. Nach einem langen und nicht immer einfachen Weg fängt dieses jetzt an, sich auszuzahlen. Wir bekommen von unseren Kunden immer wieder bestätigt, dass gerade die problemlose Entwicklungszusammenarbeit und unser Verständnis für die Produktnotwendigkeiten unserer Kunden der Schlüssel für den Ausbau einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit ist.

DVI: Welches Produkt ist margenstärker: Die Sensoren oder die Hybridschaltungen?

Dr. Giering: Beide Bereiche ergänzen sich einander, sind gleichzeitig aber auch eigenständige Produktlinien. Im Bereich der Marge sind dabei kaum Unterschiede festzustellen. Über die Marge entscheidet letztendlich die Qualität unserer Produkte und der dadurch bei unseren Kunden erreichte Innovationssprung in deren Produkten.

DVI: Was macht Sie so optimistisch, dass Sie bis 2009 – nach eigenen Angaben- ein jährliches EBIT-Wachstum von fast 40% erwarten können?

Dr. Giering: Die von Ihnen zitierte Aussage bezog sich auf die durchschnittliche EBIT-Entwicklung im Zeitraum von 2002 bis 2009. Heute können wir bereits zum zweiten Mal in Folge auf ein deutlich stärkeres EBIT-Wachstum von jeweils über 100 Prozent zurückblicken. Natürlich kann niemand in die Zukunft sehen, aber die langfristige Zusammenarbeit mit unseren Kunden und vor allem die geleistete Entwicklungsvorarbeit lässt uns doch sehr optimistisch in die Zukunft sehen. Die Entwicklung unserer Gesellschaft erfolgte und erfolgt langfristig und stetig. Dabei will ich gar nicht ausschließen, dass das Wachstum in bestimmten Phasen auch einmal langsamer erfolgen wird. Deshalb habe ich damals auch von der durchschnittlichen Wachstumsrate gesprochen.

DVI: Bitte erläutern Sie die Funktion des Abstands-Tempomaten, und welche Rolle spielt Silicon Sensor bei diesem neuen Produkt?

Dr. Giering: Der intelligente Tempomat verbindet die Funktion eines herkömmlichen Tempomaten mit einer aktiven Geschwindigkeitsregulierung durch das Fahrzeug selbst. Ihr so ausgerüstetes Fahrzeug erkennt selbständig die Geschwindigkeit der vor Ihnen fahrenden Fahrzeuge und passt die eigene Geschwindigkeit ohne einen Eingriff des Fahrers entsprechend an. Besonders in Baustellensituationen oder bei zähflüssigem Verkehr erreichen Sie damit ein viel entspannteres Fahren. Derzeit müssen Sie allerdings noch selbst lenken. Silicon Sensor liefert für dieses System hochempfindliche Avalanche Photodiodenarrays, mit deren Hilfe die Auswertung der aktuellen Fahrbahnsituation überhaupt erst ermöglicht wird.

DVI: In welchen Ländern haben Sie noch Chancen, dieses Produkt mit diversen Alleinstellungs-merkmalen zu verkaufen?

Dr. Giering: Wir gehen, gemeinsam mit unserem Auftraggeber, einem der Weltmarktführer im Bereich von Autoelektronik, davon aus, dass dieses System grundsätzlich technisch für jeden Fahrzeugtyp adaptiert werden könnte. Die günstigen Kosten des Systems lassen vermuten, dass der Abstandstempomat vorwiegend in der großen Gruppe der Mittelklassefahrzeuge zum Einsatz kommen wird. Wir glauben, dass der Abstandstempomat in Ländern mit einer höheren Verkehrs-dichte besonders gefragt sein wird. Es bestehen berechtigte Hoffnungen, dass 2010 jährlich über 1 Million Fahrzeuge mit diesem System ausgerüstet werden können.

DVI: Dieser Auftrag scheint ja ein richtiges Geheimnis zu sein. Können Sie uns denn nicht nähere Details bekannt geben?

Dr. Giering: Was diesen Auftrag betrifft, so arbeiten wir bereits seit 1998 eng mit unserem Kunden zusammen. Mittlerweile haben wir die Phase des C-Testes erreicht, das heißt, das Produkt wird unter seriennahen Bedingungen bei uns in Berlin hergestellt und weiteren Tests unterzogen. Wir gehen davon aus, dass im günstigen Fall die Auftragserteilung im Laufe des ersten Halbjahres 2005 erfolgen wird.

DVI: Können Sie unseren Lesern vermitteln, wie groß der Auftrag voraussichtlich sein wird?

Dr. Giering: Ich kann den laufenden Vertragsverhandlungen nicht vorgreifen, das werden Sie sicherlich verstehen. Wir erwarten jedoch, einen sehr maßgeblichen Einfluss für unsere Entwick-lung. Dieser Auftrag wird sich von der Größenordnung her auch sicherlich sehr lang in die Zukunft erstrecken, sodass ich glaube, dass mit dieser Auftragserteilung auch ein Großteil der Zukunft von Silicon Sensor gesichert ist. Langfristig betrachtet gehen wir für den Geschäftsbereich „automotive“ von einem Umsatzbeitrag von zirka 30% aus. Aus heutiger Sicht planen wir für 2008 einen Umsatz in der Größenordnung von ca. 27 Mio. Euro.

DVI: Wie sieht denn Ihre technische Konkurrenz beim Abstandstempomaten überhaupt aus?

Dr. Giering: Zur Zeit ist uns keine Parallelentwicklung eines Mitbewerbers bekannt, wobei wir davon ausgehen, dass - wenn sich dieses System 2010 in den Massenmarkt bewegt, auch die Mitbewerber in der Lage sein werden, entsprechende Konkurrenzsysteme anzubieten. Wir vertrauen im Wesentlichen auf den dann bei uns erreichten technischen Fortschritt, um unsere eindeutige Führungsposition zu behalten.

DVI: Sie erwarten 2007 auf 2008 einen Umsatzsprung von zirka 18,5 auf 27Mio. Euro. Was sind die Hintergründe für dieses Wachstum?

Dr. Giering: Diese Wachstumschancen resultieren im wesentlichen aus dem bei uns erreichten Entwicklungsvorlauf und den von unseren Kunden abgegebenen Prognosen für deren eigene Entwicklung. Natürlich kann ich auch hier nicht ausschließen, dass es in dem einen oder anderen Fall zu Verschiebungen kommen kann. Die Planzahlen enthalten die Annahme, dass im Jahr 2008 das Abstandstempomat-System zum ersten Mal die 100.000er-Grenze bei den Auslieferungen übersteigt.

DVI: Sie sind in einigen Produktbereichen Weltmarktführer. Könnten Sie uns bitte dafür einige Beispiele geben?

Dr. Giering: In den letzten 15 Jahren unseres Bestehens haben wir eine sehr breite Produktpalette erarbeitet, mittlerweile bieten wir etwa 3.000 verschiedenartige Sensoren für unterschiedlichste Anwendungsbereiche an. Unser Vorteil liegt darin, dass wir diesen breiten Produktbereich natürlich auch etwas unabhängiger von Absatzschwankungen einzelner Branchen werden. Speziell Weltmarktführer ist für uns der Bereich der Encoder, das sind Steuerungssysteme für den Maschinenbau, welche Längen- und Winkelmessungen ermöglichen: Hier sind wir nach Angaben unserer Kunden in etwa 60% aller Maschinenbausteuerungen weltweit vertreten.

DVI: Nachdem sich Ihre Liquidität signifikant verbessert hat, können Sie sukzessive Ihre Finanz-schulden abbauen. Wann werden Sie alle Verbindlichkeiten beglichen haben?

Dr. Giering: Die langfristigen verzinslichen Darlehen, die sich derzeit nur noch auf rund 1,3 Mio. Euro belaufen, werden planmäßig bis 2009 abgebaut werden. Zwar wäre eine Sondertilgung möglich, aber wir haben uns entschlossen, unsere freie Liquidität für unser eigenes Wachstum einzusetzen.

DVI: Ihre Aktie hat immer noch einen Nominalwert von 3 Euro. Wann werden Sie einen Aktiensplitt vornehmen?

Dr. Giering: Derzeit ist die Aktie optisch „noch nicht so schwer“, dass diese Maßnahme unmittelbar notwendig wäre, sollten wir uns jedoch weiter so erfreulich entwickeln – wovon ich ausgehe - , werden wir dieser Maßnahme positiv gegenüberstehen.

DVI: In Ihrer letzten Ad-hoc haben Sie nichts über die Aufnahme der Dividendenzahlung ange-deutet. Haben Sie noch eine Überraschung im Ärmel?

Dr. Giering: Die Entscheidung über die Aufnahme von Dividendenzahlungen obliegt dem Aufsichtsrat im Rahmen der Feststellung des Jahresabschlusses 2004. Dem möchte ich nicht vorgreifen.

DVI: Sie haben vor kurzem zwei neue Aktionäre bekommen: Die Schweizer Invision Asset Management ist mit einem Anteil von ca. 5%, und die FPM Funds SICAV (einer der erfolgreichsten deutschen Fonds und Teil der DWS Investment Gruppe) mit 6,1% als Ihre größten Aktionäre bekannt. Haben Sie keine Bedenken, dass sich über kurz oder lang noch ein neuer Mehrheitsaktionär zeigen wird, der die Geschicke in eine andere Richtung zu lenken versucht, als es Ihnen lieb ist?

Dr. Giering: Es freut uns, dass sich diese beiden Investoren für ein Engagement bei uns entschieden haben. Auch weitere mögliche neue Mehrheitsaktionäre sollten Interesse an dem eingeschlagenen Weg in Richtung steigender Umsätze und steigender Profitabilität haben. Warum sollten diese also die Geschicke in eine andere Richtung lenken?

DVI: Es gibt Analystenschätzungen im Markt, wonach Sie im kommenden Jahr bei einer Netto-umsatzrendite von knapp 13% ein Ergebnis je Aktie von 87 Cent erreichen können. Was halten Sie von diesen Prognosen?

Dr. Giering: Wir haben 2004 eine Nettoumsatzrendite von knapp über 10 % erreicht und werden uns auf dem Erreichten sicher nicht ausruhen. Unseren Aktionären ist bekannt, dass bei unserem Geschäftsmodell Skaleneffekte „systemimmanent“ sind. Um die 87 Cent je Aktie zu erreichen, müssten wir unsere eigenen Prognosen leicht übertreffen, das heißt, dieser Wert je Aktie sehe ich aus heutiger Sicht eher als sportlich an. Dies bedeutet jedoch nicht, dass wir nicht wieder einen signifikanten Ergebnisanstieg zeigen können.

DVI: Wo sehen Sie den fairen Ergebnismultiplikator für Ihre Aktie?

Dr. Giering: Wenn man unsere Mitbewerber betrachtet, dann findet man sehr unterschiedliche KGV Bewertungen. Hamamatsu Photonics hat zum Beispiel ein KGV von 80, weil die Japaner den Technologiestandard besonders hoch schätzen. Wir sind sicherlich bei einem KGV von weniger als 14 im Branchendurchschnitt sehr moderat bewertet. Branchenstudien gehen davon aus, dass die Durchschnittsbewertung in unserer Branche bei zirka 46 liegt, insbesondere vor diesem Hintergrund haben wir noch deutliches Potential. Aber ich glaube, man sollte dem Markt über-lassen, welches KGV er für uns als gerechtfertigt ansieht.

DVI: Besten Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Chefredakteur Rochus C. Rüttnauer.

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