Silicon Sensor International
AG
Interviewpartner: Dr. Hans-Georg Giering, Finanzvorstand
Das Interview wurde am 09.03.05 geführt.
Hintergrund:
Silicon Sensor ist auf die Herstellung von opto-elektronischen Sensoren
und Hybridschaltungen spezialisiert, die sowohl in der Raumfahrt, der
Medizintechnik, der Telekommunikation sowie im Maschinenbau ihre Anwendung
finden. Der entscheidende Vorteil von Silicon Sensor ist die große
Anwendungsvielfalt, der in Berlin entwickelten und gefertigten High
End Sensoren. Fast jeder Lebensbereich bietet Möglichkeiten für
den Einsatz optischer Sensoren. Dementsprechend verteilen sich die Umsätze
von Silicon Sensor auch sehr breit. Das führt in der Folge zur
Vermeidung von Klumpenrisiken. Zu den Kunden zählen überwiegend
namhafte multinationale Unternehmen, die sich in ihren Märkten
durch den Einsatz der High End Sensoren aus Berlin einen Wettbewerbsvorteil
sichern wollen. Silicon Sensor schließt mit den Kunden meist mehrjährige
Rahmenverträge ab und bekommt einen Großteil der Entwicklungskosten
erstattet. Aufgrund dieser langfristigen Zusammenarbeit ist es für
die Kunden nur sehr zeit- und kostenintensiv möglich, auf die wenigen
anderen Anbieter auszuweichen, zumal diese nicht einmal in Europa, sondern
nur in USA oder Japan sitzen. Silicon Sensor hat auch, zusammen mit
einem sehr renommierten Automobilzulieferer, den so genannten Abstands-Tempomaten
entwickelt, der vor allem in der Pkw-Mittelklasse eingebaut werden soll.
Nennenswerte Umsatzbeiträge wird dieses neue, fertig entwickelte
Produkt voraussichtlich jedoch erst ab 2008 liefern können. Im
Jahr 2004 ist jedoch bereits sichtbar geworden, dass die Kostendegressionseffekte
bei steigenden Umsätzen ganz enorme Ertragssteigerungen bewirken.
Das Betriebsergebnis (EBIT) ist um 118 Prozent auf 2,4 Millionen Euro
gesprungen. Die liquiden Mittel wuchsen von 1,06 Mio. auf 3,78 Mio.
Euro und das Ergebnis je Aktie ist von 0,32 Euro auf 0,65 Euro gesprungen.
DVI hat den Finanzvorstand, Herrn Dr. Hans-Georg Giering, nach den mittelfristigen
Zukunftsaussichten befragt.
Das Vorstandsinterview (DVI): Herr Dr. Giering, bitte
schildern Sie unseren Lesern ihre Stärken bei der Produktion von
opto-elektronischen Sensoren.
Dr. Giering: Silicon Sensor verfügt über
ein sehr großes Know-how bei der Entwicklung und Produktion von
optischen Sensoren, welches weit über den Gründungszeitraum
der Gesellschaft zurückreicht. Als Herr Dr. Kriegel die Gesellschaft
im Jahre 1991 aus dem damaligen Werk für Fernsehelektronik ausgründete
und die Verträge mit der Treuhandanstalt unterschrieb, konnte er
auf die lange Tradition der opto-elektronischen Forschung in seinem
Verantwortungsbereich zurückgreifen. Von 1991 an verfolgte die
Gesellschaft konsequent den Weg, sich auf die Lösung von Kundenproblemen
durch die spezielle Entwicklung optischer Sensoren zu konzentrieren.
Nach einem langen und nicht immer einfachen Weg fängt dieses jetzt
an, sich auszuzahlen. Wir bekommen von unseren Kunden immer wieder bestätigt,
dass gerade die problemlose Entwicklungszusammenarbeit und unser Verständnis
für die Produktnotwendigkeiten unserer Kunden der Schlüssel
für den Ausbau einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit ist.
DVI: Welches Produkt ist margenstärker: Die Sensoren
oder die Hybridschaltungen?
Dr. Giering: Beide Bereiche ergänzen sich einander,
sind gleichzeitig aber auch eigenständige Produktlinien. Im Bereich
der Marge sind dabei kaum Unterschiede festzustellen. Über die
Marge entscheidet letztendlich die Qualität unserer Produkte und
der dadurch bei unseren Kunden erreichte Innovationssprung in deren
Produkten.
DVI: Was macht Sie so optimistisch, dass Sie bis 2009
– nach eigenen Angaben- ein jährliches EBIT-Wachstum von
fast 40% erwarten können?
Dr. Giering: Die von Ihnen zitierte Aussage bezog sich
auf die durchschnittliche EBIT-Entwicklung im Zeitraum von 2002 bis
2009. Heute können wir bereits zum zweiten Mal in Folge auf ein
deutlich stärkeres EBIT-Wachstum von jeweils über 100 Prozent
zurückblicken. Natürlich kann niemand in die Zukunft sehen,
aber die langfristige Zusammenarbeit mit unseren Kunden und vor allem
die geleistete Entwicklungsvorarbeit lässt uns doch sehr optimistisch
in die Zukunft sehen. Die Entwicklung unserer Gesellschaft erfolgte
und erfolgt langfristig und stetig. Dabei will ich gar nicht ausschließen,
dass das Wachstum in bestimmten Phasen auch einmal langsamer erfolgen
wird. Deshalb habe ich damals auch von der durchschnittlichen Wachstumsrate
gesprochen.
DVI: Bitte erläutern Sie die Funktion des Abstands-Tempomaten,
und welche Rolle spielt Silicon Sensor bei diesem neuen Produkt?
Dr. Giering: Der intelligente Tempomat verbindet die
Funktion eines herkömmlichen Tempomaten mit einer aktiven Geschwindigkeitsregulierung
durch das Fahrzeug selbst. Ihr so ausgerüstetes Fahrzeug erkennt
selbständig die Geschwindigkeit der vor Ihnen fahrenden Fahrzeuge
und passt die eigene Geschwindigkeit ohne einen Eingriff des Fahrers
entsprechend an. Besonders in Baustellensituationen oder bei zähflüssigem
Verkehr erreichen Sie damit ein viel entspannteres Fahren. Derzeit müssen
Sie allerdings noch selbst lenken. Silicon Sensor liefert für dieses
System hochempfindliche Avalanche Photodiodenarrays, mit deren Hilfe
die Auswertung der aktuellen Fahrbahnsituation überhaupt erst ermöglicht
wird.
DVI: In welchen Ländern haben Sie noch Chancen,
dieses Produkt mit diversen Alleinstellungs-merkmalen zu verkaufen?
Dr. Giering: Wir gehen, gemeinsam mit unserem Auftraggeber,
einem der Weltmarktführer im Bereich von Autoelektronik, davon
aus, dass dieses System grundsätzlich technisch für jeden
Fahrzeugtyp adaptiert werden könnte. Die günstigen Kosten
des Systems lassen vermuten, dass der Abstandstempomat vorwiegend in
der großen Gruppe der Mittelklassefahrzeuge zum Einsatz kommen
wird. Wir glauben, dass der Abstandstempomat in Ländern mit einer
höheren Verkehrs-dichte besonders gefragt sein wird. Es bestehen
berechtigte Hoffnungen, dass 2010 jährlich über 1 Million
Fahrzeuge mit diesem System ausgerüstet werden können.
DVI: Dieser Auftrag scheint ja ein richtiges Geheimnis
zu sein. Können Sie uns denn nicht nähere Details bekannt
geben?
Dr. Giering: Was diesen Auftrag betrifft, so arbeiten
wir bereits seit 1998 eng mit unserem Kunden zusammen. Mittlerweile
haben wir die Phase des C-Testes erreicht, das heißt, das Produkt
wird unter seriennahen Bedingungen bei uns in Berlin hergestellt und
weiteren Tests unterzogen. Wir gehen davon aus, dass im günstigen
Fall die Auftragserteilung im Laufe des ersten Halbjahres 2005 erfolgen
wird.
DVI: Können Sie unseren Lesern vermitteln, wie
groß der Auftrag voraussichtlich sein wird?
Dr. Giering: Ich kann den laufenden Vertragsverhandlungen
nicht vorgreifen, das werden Sie sicherlich verstehen. Wir erwarten
jedoch, einen sehr maßgeblichen Einfluss für unsere Entwick-lung.
Dieser Auftrag wird sich von der Größenordnung her auch sicherlich
sehr lang in die Zukunft erstrecken, sodass ich glaube, dass mit dieser
Auftragserteilung auch ein Großteil der Zukunft von Silicon Sensor
gesichert ist. Langfristig betrachtet gehen wir für den Geschäftsbereich
„automotive“ von einem Umsatzbeitrag von zirka 30% aus.
Aus heutiger Sicht planen wir für 2008 einen Umsatz in der Größenordnung
von ca. 27 Mio. Euro.
DVI: Wie sieht denn Ihre technische Konkurrenz beim
Abstandstempomaten überhaupt aus?
Dr. Giering: Zur Zeit ist uns keine Parallelentwicklung
eines Mitbewerbers bekannt, wobei wir davon ausgehen, dass - wenn sich
dieses System 2010 in den Massenmarkt bewegt, auch die Mitbewerber in
der Lage sein werden, entsprechende Konkurrenzsysteme anzubieten. Wir
vertrauen im Wesentlichen auf den dann bei uns erreichten technischen
Fortschritt, um unsere eindeutige Führungsposition zu behalten.
DVI: Sie erwarten 2007 auf 2008 einen Umsatzsprung
von zirka 18,5 auf 27Mio. Euro. Was sind die Hintergründe für
dieses Wachstum?
Dr. Giering: Diese Wachstumschancen resultieren im
wesentlichen aus dem bei uns erreichten Entwicklungsvorlauf und den
von unseren Kunden abgegebenen Prognosen für deren eigene Entwicklung.
Natürlich kann ich auch hier nicht ausschließen, dass es
in dem einen oder anderen Fall zu Verschiebungen kommen kann. Die Planzahlen
enthalten die Annahme, dass im Jahr 2008 das Abstandstempomat-System
zum ersten Mal die 100.000er-Grenze bei den Auslieferungen übersteigt.
DVI: Sie sind in einigen Produktbereichen Weltmarktführer.
Könnten Sie uns bitte dafür einige Beispiele geben?
Dr. Giering: In den letzten 15 Jahren unseres Bestehens
haben wir eine sehr breite Produktpalette erarbeitet, mittlerweile bieten
wir etwa 3.000 verschiedenartige Sensoren für unterschiedlichste
Anwendungsbereiche an. Unser Vorteil liegt darin, dass wir diesen breiten
Produktbereich natürlich auch etwas unabhängiger von Absatzschwankungen
einzelner Branchen werden. Speziell Weltmarktführer ist für
uns der Bereich der Encoder, das sind Steuerungssysteme für den
Maschinenbau, welche Längen- und Winkelmessungen ermöglichen:
Hier sind wir nach Angaben unserer Kunden in etwa 60% aller Maschinenbausteuerungen
weltweit vertreten.
DVI: Nachdem sich Ihre Liquidität signifikant
verbessert hat, können Sie sukzessive Ihre Finanz-schulden abbauen.
Wann werden Sie alle Verbindlichkeiten beglichen haben?
Dr. Giering: Die langfristigen verzinslichen Darlehen,
die sich derzeit nur noch auf rund 1,3 Mio. Euro belaufen, werden planmäßig
bis 2009 abgebaut werden. Zwar wäre eine Sondertilgung möglich,
aber wir haben uns entschlossen, unsere freie Liquidität für
unser eigenes Wachstum einzusetzen.
DVI: Ihre Aktie hat immer noch einen Nominalwert von
3 Euro. Wann werden Sie einen Aktiensplitt vornehmen?
Dr. Giering: Derzeit ist die Aktie optisch „noch
nicht so schwer“, dass diese Maßnahme unmittelbar notwendig
wäre, sollten wir uns jedoch weiter so erfreulich entwickeln –
wovon ich ausgehe - , werden wir dieser Maßnahme positiv gegenüberstehen.
DVI: In Ihrer letzten Ad-hoc haben Sie nichts über
die Aufnahme der Dividendenzahlung ange-deutet. Haben Sie noch eine
Überraschung im Ärmel?
Dr. Giering: Die Entscheidung über die Aufnahme
von Dividendenzahlungen obliegt dem Aufsichtsrat im Rahmen der Feststellung
des Jahresabschlusses 2004. Dem möchte ich nicht vorgreifen.
DVI: Sie haben vor kurzem zwei neue Aktionäre
bekommen: Die Schweizer Invision Asset Management ist mit einem Anteil
von ca. 5%, und die FPM Funds SICAV (einer der erfolgreichsten deutschen
Fonds und Teil der DWS Investment Gruppe) mit 6,1% als Ihre größten
Aktionäre bekannt. Haben Sie keine Bedenken, dass sich über
kurz oder lang noch ein neuer Mehrheitsaktionär zeigen wird, der
die Geschicke in eine andere Richtung zu lenken versucht, als es Ihnen
lieb ist?
Dr. Giering: Es freut uns, dass sich diese beiden Investoren
für ein Engagement bei uns entschieden haben. Auch weitere mögliche
neue Mehrheitsaktionäre sollten Interesse an dem eingeschlagenen
Weg in Richtung steigender Umsätze und steigender Profitabilität
haben. Warum sollten diese also die Geschicke in eine andere Richtung
lenken?
DVI: Es gibt Analystenschätzungen im Markt, wonach
Sie im kommenden Jahr bei einer Netto-umsatzrendite von knapp 13% ein
Ergebnis je Aktie von 87 Cent erreichen können. Was halten Sie
von diesen Prognosen?
Dr. Giering: Wir haben 2004 eine Nettoumsatzrendite
von knapp über 10 % erreicht und werden uns auf dem Erreichten
sicher nicht ausruhen. Unseren Aktionären ist bekannt, dass bei
unserem Geschäftsmodell Skaleneffekte „systemimmanent“
sind. Um die 87 Cent je Aktie zu erreichen, müssten wir unsere
eigenen Prognosen leicht übertreffen, das heißt, dieser Wert
je Aktie sehe ich aus heutiger Sicht eher als sportlich an. Dies bedeutet
jedoch nicht, dass wir nicht wieder einen signifikanten Ergebnisanstieg
zeigen können.
DVI: Wo sehen Sie den fairen Ergebnismultiplikator
für Ihre Aktie?
Dr. Giering: Wenn man unsere Mitbewerber betrachtet,
dann findet man sehr unterschiedliche KGV Bewertungen. Hamamatsu Photonics
hat zum Beispiel ein KGV von 80, weil die Japaner den Technologiestandard
besonders hoch schätzen. Wir sind sicherlich bei einem KGV von
weniger als 14 im Branchendurchschnitt sehr moderat bewertet. Branchenstudien
gehen davon aus, dass die Durchschnittsbewertung in unserer Branche
bei zirka 46 liegt, insbesondere vor diesem Hintergrund haben wir noch
deutliches Potential. Aber ich glaube, man sollte dem Markt über-lassen,
welches KGV er für uns als gerechtfertigt ansieht.
DVI: Besten Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Chefredakteur Rochus C. Rüttnauer.
http://www.das-vorstandsinterview.de