02.03.05  DAS VORSTANDSINTERVIEW
MDB AG

Interviewpartner: Peter Freiherr von Jungenfeld, Vorstand
Das Interview wurde am 01.03.05 geführt.

MDB HomepageHintergrund: Die MDB AG, eine mittelständische Holding für Beteiligungen aus der Bauzubehörindustrie, ist zwar seit 1992 an der Börse, aber relativ wenig bekannt. Durch Verluste in den Jahren 2000 und 2001 ist das Papier aus dem Focus der Anleger geraten. In den vergangenen beiden Jahren wurden zwei Kapitalerhöhungen durchgeführt, die dem Unternehmen frische Mittel in der Größenordnung von knapp 3,1 Mio. Euro gebracht haben. Angesichts der Tatsache, dass die MDB AG im vergangenen Jahr nach den kürzlich veröffent-lichten Meldungen ein Ergebnis je Aktie von zirka 3,1 erzielt hat, ist die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von zirka 11 weit unter dem Marktdurchschnitt bewertet. Das Vorstandsinterview hat den Alleinvorstand, Freiherr von Jungenfeld, zu den mittelfristigen Aussichten der Gruppe befragt.

Das Vorstandsinterview (DVI): Herr von Jungenfeld, bitte beschreiben Sie uns Ihr Geschäfts-modell.

Herr v. Jungenfeld: Die MDB AG besteht aus drei Gruppen: Die DIMEX-Gruppe ist ein Anbieter von PVC-Profilsystemen für Fenster und Türen und machte 2004 einen Umsatz von ca. 49 Mio. Euro. Die MDB France-Gruppe mit einem Gesamtumsatz von rund 36 Mio. Euro besteht im Wesent-lichen aus zwei Herstellern der Holzindustrie, zum einen Panaget – ein innovativer Hersteller von Fertigparkett – und zum anderen das Spanplattenwerk Armor Panneaux. Die dritte Unternehmens-gruppe ist die HAUSprofi-Gruppe mit Schwerpunkten im Zubehör für Steildächer und Fassaden- und Fundamente-Vollwärmeschutz. Die HAUSprofi-Gruppe erreichte im vergangenen Jahr ca. 53 Mio. Euro Umsatz.

DVI: Haben Sie die Sanierungen abgeschlossen, oder sind im Jahr 2005 noch Restrukturierungs-aufwendungen zu erwarten?

Herr v. Jungenfeld: Wir haben die wesentlichen Sanierungsmaßnahmen bereits in 2002 abgeschlossen, es gab lediglich in 2003 noch einige „Nachläufer“. Es ist sogar sehr erfreulich, dass wir das dritte Jahr in Folge unsere Ergebnisse in allen drei Teilkonzernen nennenswert steigern konnten. Lag zum Beispiel das operative EBT aller drei Geschäftsbereiche im Jahr 2002 noch bei 852.000 Euro, so konnte dies bereits im Jahr 2003 auf zirka 3,4 Mio. Euro gesteigert werden. Im vergangenen Jahr ist uns ein weiterer Zuwachs von 2 Mio. auf 5,4 Mio. Euro gelungen. Davon müssen die Aufwendungen der Holding sowie konzernbilanziell vorgeschriebene Maßnahmen (z.B. Abschreibungen auf Firmenwerte) abgezogen werden. Sie sehen, damit sind wir seit drei Jahren auf einem sehr guten Weg.

DVI: Ihre Holding hat drei Geschäftsbereiche. Welches Ihrer Segmente macht Ihnen am meisten Freude?

Herr v. Jungenfeld: Während in Frankreich eine EBIT-Marge von 8,9% erwirtschaftet werden konnte, lag die HAUSprofi-Gruppe bei 5% und die DIMEX-Gruppe bei 3,7%. Die geplante Kapazitätssteigerung in Frankreich von gut 20% ist in diesem Jahr mit Anlaufkosten verbunden, so dass es uns nicht möglich sein wird, in diesem Jahr die EBIT-Marge zu erhöhen. Dies ist jedoch lediglich eine vorübergehende Erscheinung. Bei der HAUSprofi-Gruppe werden die Margen trotz weiterem Wettbewerbsdruck gehalten werden können, gleiches gilt auch für die DIMEX-Gruppe.

DVI: In welchem Ihrer Geschäftsbereiche wollen Sie in 2005 am meisten wachsen?

Herr v. Jungenfeld: Bei der Parkettfabrik Panaget in Frankreich haben wir bis vor kurzem mit einer 7-Tage-Woche gearbeitet, und die Kapazität war im wahrsten Sinne des Wortes mit über 100% ausgelastet. Dies waren nicht mehr haltbare Zustände. Wir haben uns deshalb entschlossen, mit einem Investitionsaufwand von 4,3 Mio. Euro die Kapazität zu erweitern. Die neue Produktions-stätte, die zur Jahresmitte 2005 komplett fertig gestellt sein soll, wird in diesem Jahr nur zu einem Viertel ausgelastet werden können. Wir sehen insbesondere bei Panaget jedoch ein kontinuier-liches Wachstum und planen, im Ergebnis in den nächsten fünf Jahren die Erhöhung der Vorsteuermarge von derzeit 8,5% auf 9,2%.

Bezogen auf das niedrigere Budget 2005 planen wir für die gesamte MDB France-Gruppe zumindest eine Verdoppelung der Vorsteuermarge in den nächsten 5 Jahren. Bei der DIMEX-Gruppe ist ein Wachstum von 57,5 auf zirka 75 Mio. Euro geplant, bei einer gleichzeitigen Steigerung der EBIT-Marge von 2,6% auf 3,9%. Sie sehen daher, dass wir auch in schwachen Märkten in der Lage sind, unsere Umsatzvolumina und Ergebnisse zu steigern.

DVI: Wo liegen Ihre Investitionsschwerpunkte im laufenden Jahr?

Herr v. Jungenfeld: In Frankreich werden wir im laufenden Jahr zur Kapazitätserweiterung den größten Betrag investieren, bei der DIMEX-Gruppe sind es 2,3 Mio. Euro. Bei der HAUSprofi-Gruppe fühlen wir uns relativ gut aufgestellt, so dass knapp 0,5 Mio. Euro an Investitionen geplant worden sind. Die Investitionen sind mehr als doppelt so hoch wie die Abschreibungen, das heißt, die einzelnen Gruppen müssen ihre Investitionen teilweise über die Aufnahme von Fremdkapital finanzieren.

DVI: Woher kommt es, dass die MDB AG gerade in Frankreich mit den für Unternehmen ungünstigen Arbeitskonditionen (35-Stunden-Woche, starker Einfluss der Gewerkschaften) am meisten Geld investiert hat?

Herr v. Jungenfeld: In einzelnen Bereichen der MDB France-Gruppe haben wir eine hervorragende Marktstellung, zum Beispiel bei der Parkettfabrik Panaget, die in Frankreich Nummer zwei am Markt ist und einen Marktanteil von 15% hat. Panaget ist es gelungen, in neuen Märkten – zum Beispiel in Nordamerika – in erheblichem Umfang neue Kunden zu gewinnen und sich damit von der Binnenkonjunktur in Frankreich abzukoppeln. Panaget verfügt über ein exzellentes Produkt-programm einerseits und optimale Logistikprozesse andererseits, so dass wir behaupten können, dass diese Firma auch sehr gute Perspektiven in der Zukunft hat. Natürlich ist die 35-Stunden-Woche eine Belastung, aber durch individuelle Regelungen (Vereinbarung mit den Gewerkschaften oder Arbeitszeitkonten) können wir den notwendigen Ausgleich schaffen.

DVI: Wie ist der Ergebnissprung von -0,7 Euro auf 3,1 Euro im vergangenen Jahr zu erklären?

Herr v. Jungenfeld: Zum einen durch die erhöhten Deckungsbeiträge, bedingt durch eine Steige-rung des Umsatzes von 117 auf 125 Mio. Euro, wobei die hieraus resultierenden Deckungs-beiträge eine Steigerung des Rohertrages von 56 auf 58 Mio. Euro zur Folge hatten. Darüber hinaus haben die Wirkungen der abgeschlossenen Sanierungsaktivitäten bei der HAUSprofi-Gruppe eine Steigerung des EBITs von 2,0 auf 2,3 Mio. Euro zur Folge gehabt, bei der DIMEX-Gruppe von 0,8 auf 1,6 Mio. Euro und bei der MDB France-Gruppe von 2,5 auf 3,2 Mio. Euro. Der geplante Ergebnisrückgang in 2005 kommt ausschließlich aus der Inbetriebnahme der neuen zusätzlichen Produktionskapazitäten beim Beteiligungsunternehmen Panaget.

DVI: Was sind die Highlights im laufenden Jahr?

Herr v. Jungenfeld: Zum einen die Erweiterungen der Produktion in Frankreich. Wir sehen die dafür notwendigen Anlaufkosten im Jahr der Errichtung eines komplett neuen Fertigungsstandortes als normal an. Diese Investitionen sind eindeutig in die Zukunft gerichtet und ermöglichen uns, künftig höhere Ergebnisse zu erzielen: So planen wir für das Jahr 2006 eine Steigerung im MDB-Konzern-EBIT auf bis zu 7 Mio. Euro nach 5,9 Mio in 2004. Euro. Neben der bereits erwähnten Kapazitäts-erweiterung in Frankreich freut es uns insbesondere, dass wir sowohl bei der HAUSprofi-Gruppe als auch bei der DIMEX-Gruppe neue Großkunden gewinnen konnten, die uns in die Lage versetzen, mittelfristig deutliche Umsatzzuwächse in diesen beiden Gruppen zu erwirtschaften. Daneben arbeiten wir weiterhin daran, unsere Kostenstruktur permanent zu optimieren, um die Ertragslage des Unternehmens weiter auszubauen.

DVI: Welche Pläne haben Sie für die mittelfristige Zukunft?

Herr v. Jungenfeld: Unsere Fünfjahresplanung bis 2009 sieht vor, dass bei einem konsolidierten Umsatz von rund 170 Mio. Euro die EBIT-Marge bei 5% nachhaltig liegen sollte. Mit dieser Zielsetzung sind wir überzeugt, dass wir uns auch deutlich von dem Branchendurchschnitt in Westeuropa abheben werden.

Wir sehen das Wachstum ausschließlich in den bestehenden Auslandsmärkten, zirka 65 % unserer Umsätze erwirtschaften wir im Ausland. Dabei sind die direkten Exporte der inländischen Gesellschaften noch nicht mit berücksichtigt, unser gesamter Auslandsanteil liegt bei rund 75%.

DVI: Teilen Sie die Meinung von Analysten, dass Ihre Aktie deutlich unterbewertet ist?

Herr v. Jungenfeld: Diese Frage kann ich mit einem klaren Ja beantworten, denn auf Basis des 2005er-Planergebnisses haben wir nur ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 11 und im Hinblick auf das geplante Ergebnis 2006 nur eine Bewertung von 9,5. Wenn Sie unseren track-record ansehen, dann ist zu erkennen, dass wir auch in stagnierenden oder gar rückläufigen Märkten unsere Umsätze kontinuierlich erhöhen können, zum Beispiel liegt der geplante Umsatz dieses Jahres – basierend auf konservativer Planung – um 11,5% höher als im Jahr 2003.

DVI: Was werden Sie tun, um diese Unterbewertung zu beseitigen?

Herr v. Jungenfeld: Wichtig ist es aus unserer Sicht, künftig zu einer regelmäßigeren Berichterstattung überzugehen, als dies in den Vorjahren der Fall war. Darunter verstehen wir, quartalsmäßig die Aktionäre über die Entwicklung der Gruppe zu informieren. Dies wird erstmals für das erste Quartal im April 2005 erfolgen. Wir planen auch Präsentationen vor institutionellen Anlegern, außerdem wird es sicherlich jeden Aktionär freuen zu hören, dass wir im laufenden Jahr zumindest die Dividendenfähigkeit wieder herstellen wollen, d.h. Auflösung der Gewinnrücklagen zum Ausgleich des Bilanzverlustes in der AG.

DVI: Fühlen Sie sich überhaupt an der Börse wohl, oder möchten Sie lieber das De-Listing anstreben?

Herr v. Jungenfeld: Schon aus den vorgenannten Maßnahmen können Sie erkennen, dass wir eine offene Kommunikation mit unseren Aktionären suchen. Wir haben jetzt wieder ansprechende Zahlen zu melden, und wir hoffen, dass diese auch von der Börse entsprechend honoriert werden. Ein De-listing ist daher nicht geplant.

DVI: Wenn Sie also kein De-Listing anstreben, wo sehen Sie den fairen Wert der MDB–Aktie?

Herr v. Jungenfeld: Vor dem Hintergrund einer Eigenkapitalquote von mehr als 85% (in der AG-Bilanz), den kontinuierlich steigenden Umsatzvoluminas und den deutlich über dem Branchen-durchschnitt liegenden EBIT-Margen wäre ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12 sicherlich kein zu ambitioniertes Ziel.

DVI: Besten Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Chefredakteur Rochus C. Rüttnauer.

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