25.02.05  DAS VORSTANDSINTERVIEW
MME Me, Myself & Eye Entertainment AG

Interviewpartner: Dr. Christian Franckenstein, Finanzvorstand
Gehaltene Aktien: 813.000 Aktien (7,33%), keine Optionen
Das Interview wurde am 23.02.05 geführt. Kurs am 24.02.05 bei 4,90 Euro.

MME HomepageHintergrund: Mit der rückwirkenden Übernahme aller Geschäftsanteile der Moviement GmbH ist die MME Me, Myself & Eye Entertainment AG als unabhängiger TV-Produzent in Deutschland in eine neue Größenklasse aufgestiegen. Die neue MME MOVIEMENT-Gruppe nimmt derzeit Platz 5 der TV-Produzenten in Deutschland ein und ist das größte unabhängige Unternehmen. Durch die Produktion von sieben täglichen Sendungen („Richterin Barbara Salesch“, „Das Jugendgericht“, „Das Familiengericht“, „Zwei bei Kallwass“, „Niedirg & Kuhnt“, „Einsatz in vier Wänden“ und „Schmeckt nicht gibt’s nicht“) ist MME MOVIEMENT Marktführer im Bereich der profitablen Produktion von Dailies. Im Rahmen der Zusammenführung der beiden Gesellschaften waren nicht nur eine Reihe von internen Hausaufgaben zu erledigen, sondern die Fusion hat auch größere Kursschwankungen ausgelöst. Jetzt ist MME wieder in ein ruhigeres Fahrwasser eingekehrt. Wir haben den Finanzvorstand, Herrn Dr. Franckenstein, nach den mittelfristigen Perspektiven des Unternehmens gefragt.

Das Vorstandsinterview (DVI): Herr Dr. Franckenstein, liegen jetzt die Fusionsturbulenzen hinter Ihnen, oder haben Sie die Probleme aus der Zusammenführung von zwei rechtlich selbständigen Unternehmen immer noch nicht ganz verdaut?

Dr. Franckenstein: Von Turbulenzen kann keine Rede sein. Richtig ist, dass die Übernahme von Moviement eine besondere Herausforderung war, weil die kleinere MME die größere Moviement GmbH übernommen hat. Da unsere Tochtergesellschaften aber unabhängig voneinander am Markt agieren, ist das operative Geschäft von der Übernahme so gut wie nicht beeinträchtigt worden. Die strukturellen und kapitalmäßigen Maßnahmen im Zusammenhang mit der Trans-aktion sind mittlerweile vollständig abgeschlossen. Dies gilt insbesondere für die Kapital-erhöhungen gegen Sacheinlage um insgesamt 3,44 Mio. Aktien sowie für die personellen Veränderungen im Vorstand und Aufsichtsrat. Wir konzentrieren uns jetzt auf die Optimierung von Prozessen in den einzelnen Funktionsbereichen sowie die Förderung von Kreativität mit dem Ziel, unsere Schlagkraft am Markt zu stärken und auf der Kostenseite Synergien zu heben.

DVI: Welche Marktstellung haben Sie jetzt in Deutschland?

Dr. Franckenstein: Mit einem erwarteten pro-forma Umsatzvolumen von ca. € 80 Mio. im Jahr 2004 gehört die neue MME MOVIEMENT Gruppe zu den fünf führenden Produktionsunternehmen in der deutschen Fernsehbranche. Doch im Vergleich zu Wettbewerbern wie Bavaria-Gruppe, Studio Hamburg oder die UFA-Gruppe (Tochter von RTL Group) ist die MME MOVIEMENT unabhängig. Wir haben keinen öffentlich-rechtlichen Gesellschafter und gehören keinem Konzernverbund an. Diese Unabhängigkeit sehen wir als deutlichen Wettbewerbsvorteil, wenn es darum geht, künftiges Wachstum zu realisieren. Weder müssen wir auf öffentlich-rechtliche Befindlichkeiten Rücksicht nehmen, noch gelten für uns langwierige konzerntypische Entscheidungswege. Diese Freiräume werden wir zu unserem Vorteil nutzen. Diese Unabhängigkeit der MME MOVIEMENT wird ein entscheidender Parameter sein, wenn es darum geht, kreative Talente an uns zu binden oder auch weitere Unternehmen in unsere Unternehmensgruppe zu integrieren.

DVI: Wo liegen die Stärken in Ihrem Geschäft, und wie grenzen Sie sich beispielsweise zu Ihren Hauptwettbewerbern ab?

Dr. Franckenstein: MME MOVIEMENT ist ein TV-Produktionsunternehmen im Segment Entertainment. Hier unterscheiden wir vier Programmbereiche: Fiction, Non-Fiction, Doku-mentation und Show/Musik. In allen vier Bereichen agieren wir vor allem als Auftragsproduzent, d.h. diese Projekte sind zu 100% durch Kundenaufträge finanziert. Das Fernsehproduktions-geschäft ist weltweit ein Projektgeschäft, es lebt von vielen einzelnen Programmen mit unterschiedlicher Lebensdauer. Unsere Stärke sind unsere derzeit sieben täglichen, quoten-starken Sendungen. Unsere „Dailies“ stellen für unsere Kunden und uns stabile und planbare Geschäftsparameter dar, was in einem schnelllebigen Marktumfeld sehr vorteilhaft ist. Mit unseren seriellen Programmen werden die Zuschauer werktäglich insgesamt fast fünfeinhalb Stunden unterhalten. Im heutigen Markt geht es darum, den Zuschauer an das Programm und damit an einen bestimmten Sender zu binden. Es geht darum, Sehgewohnheiten zu schaffen. Hierfür brauchen die Sender serielle, wiederkehrende Formate. Diese zu entwickeln und dauerhaft erfolgreich zu etablieren, ist unsere wesentliche Aufgabe.

DVI: Welche neuen Sendungen haben Sie mit Ihren Hauptkunden RTL, SAT1, ARD für das laufende Jahr vereinbaren können?

Dr. Franckenstein: Die Branche extrem schnelllebig. Fakt ist, dass vergangenes Jahr viele der neuen Programme vom Zuschauer nicht akzeptiert wurden. Wir haben den Eindruck, dass der Zuschauer in einer Zeit zunehmender Verunsicherung in seinem persönlichen Umfeld und Alltag im Fernsehen zurückfinden will zu verlässlicher und qualitativer Unterhaltung. Das Programm-angebot muss somit wieder berechenbarer werden. Der Zuschauer möchte beim Einschalten des Fernsehers in der Regel nicht überrascht werden. Dies ist nicht gleichzusetzen mit einer generellen Ablehnung von programmatischen Neuerungen. Diese müssen jedoch die Programm-strukturen des einzelnen Senders und damit das angestammte Sehverhalten der jeweiligen Zuschauer stärker berücksichtigen. Für uns bedeutet dies, in erster Linie die etablierten seriellen Formate ständig zu pflegen und zu adaptieren, kleinere Neuerungen einzuführen und den Zuschauer auch einer längeren Zeit noch gewohnt gut und interessant zu unterhalten. Die MME MOVIEMENT Gruppe ist stark positioniert im Bereich der so genannten daytime. Unser Ziel ist es, künftig stärker in der Prime Time, also ab 19.00 Uhr, repräsentiert zu sein.

DVI: Welchen Umsatz und welches Ergebnis sehen Sie im laufenden Jahr für realistisch an?

Dr. Franckenstein: Wie Sie wissen, kann ich Ihnen an dieser Stelle nicht mehr sagen als derzeit öffentlich bekannt. Nach der Übernahme der moviement kommt die MME MOVIEMENT Gruppe nach unseren letzten Prognosen auf einen Konzernumsatz von ca. € 80 Mio. und einer EBITDA-Marge von bis zu 10%. Seien Sie versichert, dass es nicht unser Ziel ist, hier stehen zu bleiben. Wir wollen wachsen, aber mit einem ausgeprägten Risikobewusstsein und unter steter Berücksichtigung unserer eigenen Ressourcen.

DVI: Bleibt Ihr Geschäft zyklisch, oder sind Sie heute in der Lage, durch Ihre gute Positionierung im Markt eine gut kalkulierbare Gewinnentwicklung vorzulegen?

Dr. Franckenstein: Unser Geschäft trägt den Charakter eines Projektgeschäfts und ist damit grundsätzlich schwankungsanfällig. Dies gleichen wir jedoch durch langfristige Geschäftsbe-ziehungen, unser breites Produktportfolio und die breite Kundenabdeckung aus. MME MOVIEMENT soll durch den weiteren Ausbau des Geschäfts eine weitere Risikoreduktion, d.h. noch geringere Abhängigkeit von einzelnen Formaten, erreichen. Darüber hinaus ist die Umsatzabhängigkeit vom Erfolg einzelner Programme von zuvor 35 auf unter 10% zurückgegangen. Die Multi-Label-Strategie mit unabhängigen Produktionsunternehmen bietet hier den besten Ansatz, Programmkompetenz auf der einen und Vielseitigkeit auf der anderen Seite unter dem Dach einer strategischen Holding zu bündeln.

DVI: Sie haben langfristige Darlehen von 15 Mio. Euro, aber auch liquide Mittel von knapp 9 Mio. Euro. Warum haben Sie eine so hohe Cash-Position?

Dr. Franckenstein: Bei den langfristigen Darlehen per 30. September 2004 handelte es sich um Finanzverbindlichkeiten, die im Zuge der Akquisition der moviement von der MME AG aufgenommen wurden. Dieses Darlehen wird linear bis Ende 2007 zurückgeführt. Die ausgewiesenen Cash-Bestände unterliegen größeren Schwankungen, die typisch für unser Projektgeschäft sind. In den ausgewiesenen Barmitteln sind auch projektbezogene Anzahlungen enthalten, die wir regelmäßig von unseren Auftraggebern, den Sendern, erhalten und die dann sukzessive in die jeweiligen Projekte investiert werden.

DVI: Sie haben Firmenwerte von fast 32 Mio. Euro aktiviert. Werden diese Firmenwerte dem so genannten Impairment-Test standhalten?

Dr. Franckenstein: Die MME MOVIEMENT Gruppe stellt den Konzernabschluss nach IFRS-Regeln auf. Damit können aktivierte Firmenwerte nicht mehr linear über einen bestimmten Zeitraum abgeschrieben werden. Dies ist ein wesentlicher Unterschied zur HGB-Bilanzierung. Wir müssen die Beteiligungsansätze und damit die Firmenwerte in der Konzernbilanz jährlich überprüfen durch den so genannten Impairment-Test. Dabei ist auf die jeweils übernommenen Unternehmensteile im einzelnen abzustellen. Es wird also jährlich eine Neubewertung vorgenommen. Diese wird von den Wirtschaftsprüfern der Gesellschaft durchgeführt. Mir liegen heute keinerlei Anhaltspunkte vor, die auf eine Anpassung der Firmenwerte in unserer Konzernbilanz hinweisen würden.

DVI: Wie sind Sie mit der Entwicklung des Aktienkurses zufrieden?

Dr. Franckenstein: Die Entwicklung der Aktie in den letzten 12 Monaten war sehr positiv. Die MME-Aktie startete 2004 mit einem Kurs von € 1,62. Ende des Jahres 2004 lag der Kurs bei € 3,90, also ein Plus von 140%.Derzeit notiert die Aktie um € 4,75, also ca. 20% höher als zum Jahresende. Es geht nun darum, das Vertrauen des Marktes in das neue Unternehmen zu stärken, nicht zuletzt durch eine offene Finanzkommunikation. Der Beginn wird der 4. April sein, an dem wir sowohl detailliert über das abgelaufene Geschäftsjahr 2004 berichten als auch einen konkreten Ausblick auf 2005 geben werden. Unser Geschäftsbericht wird erstmalig auch in englischer Sprache erscheinen, da wir ein erhöhtes Interesse an unserer Aktie aus USA, England und Frankreich feststellen.

DVI: Haben Sie für Ihre Aktionäre eine Überraschung im Ärmel?

Dr. Franckenstein: Selbst wenn ich eine Überraschung hätte, dürfte ich sie Ihnen nicht sagen. Im Ernst: Es ist unser Ziel, die MME MOVIEMENT am Kapitalmarkt als attraktiven, berechenbaren und soliden Medienwert zu positionieren. Das ist eine Herausforderung, auf die wir uns die nächsten Monate vollständig konzentrieren werden. Der Markt hat solide Medienwerte ja wieder für sich entdeckt.

DVI: Ist Ihr derzeitiger Großaktionärskreis stabil, oder wird es noch Umplatzierungen geben?

Dr. Franckenstein: Alle Großaktionäre zeigen ein hohes unternehmerisches Engagement, denn sie sind im Aufsichtsrat bzw. im Vorstand vertreten. Das werte ich als Indikator für ein langfristiges Engagement in der Aktie. Letztlich aber muss diese Frage jeder Aktionär für sich selbst beantworten.

DVI: Wie groß ist denn der Anteil Ihrer institutionellen Anleger, und wie hat sich dieser in den letzten Monaten verändert?

Dr. Franckenstein: Ich kann Ihnen derzeit noch keine genauen Angaben machen, aber: Wir stellen in jedem Falle erhöhtes Interesse von institutioneller Seite an unserem Unternehmen fest. Dies ist ganz in unserem Interesse, denn wir sind überzeugt, dass die neue Gruppe von ihrer Größen-ordnung und Kapitalstruktur her auch für institutionelle Investoren attraktiv ist.

DVI: Die Börse ist ja derzeit für neue Aktien sehr aufgeschlossen. Wollen Sie die derzeitige Ergiebigkeit des Kapitalmarktes nicht nutzen, um Ihre Bilanzposition weiter zu verbessern?

Dr. Franckenstein: So unmittelbar nach der moviement-Akquisition sind wir mit unserer Bilanzstruktur derzeit nicht unzufrieden, zumal wir die langfristigen Bankschulden bereits zum Jahresende um € 3 Mio. reduzieren konnten. Kapitalmaßnahmen sehe ich nur im Zusammen-hang mit oder in Vorbereitung von profitablen, wertsteigernden Unternehmensübernahmen für die MME MOVIEMENT Gruppe. Vor weiteren Kapitalerhöhungen stehen uns hierfür jedoch vorrangig mehr als 600.000 eigene Aktien zur Verfügung, die mit 92 Cent zu Buche stehen.

DVI: Welche faire Bewertung können Sie sich für die Aktie von MME vorstellen?

Dr. Franckenstein: Mit der fairen Bewertung einer Aktie ist das immer so eine Sache. Deswegen würde ich für die Beantwortung dieser Frage gerne auf die kürzlich erschienene Research-Studie von First Berlin verweisen, hier wird ein Kursziel von 8,65 Euro angegeben.

DVI: Besten Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Chefredakteur Rochus C. Rüttnauer.

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