15.02.05  DAS VORSTANDSINTERVIEW
Cancom IT Systeme AG

Interviewpartner: Klaus Weinmann, Vorstandsvorsitzender
Gehaltene Aktien: 487.645 Aktien (von 9,327 Mio.) des Grundkapitals, keine Optionen
Das Interview wurde am 14.02.05 geführt. Kurs am 14.02.05 bei 3,70 Euro.

CANCOM HomepageHintergrund: Der IT-Dienstleister Cancom ist vor Kurzem durch zwei Dinge ins Licht der Öffentlichkeit gerückt: Zum einen hat Cancom in München die Firma ECS Computer Partner GmbH mit einem Umsatz im Geschäftsjahr 2004 von ca. 23 Mio. Euro rück-wirkend zum 1.1.2005 übernommen, zum anderen profitiert Cancom vom Boom der Apple-Produkte, da das Unternehmen der größte Apple-Reseller in Deutschland ist. Cancom hat sich bereits in 2004 in der Verwaltung durch den Abbau von 30 Mitarbeitern deutlich verschlankt und geht davon aus, dass durch die Zusammenlegung von Tochterunternehmen ab 2005 ein jährlicher Kosteneinsparungseffekt von ca. 1 Mio. Euro erzielt werden kann. Dies ist – bezogen auf das erhöhte Kapital von 9.3 Mio. Euro – eine Ergebnisverbesserung von 7 Cent je Aktie. Cancom hat vor wenigen Tagen die Jahreszahlen 2004 in einer Ad-hoc-Meldung bekannt gegeben und auch einen sehr guten Ausblick für das laufende Geschäftsjahr präsentiert. „Das Vorstands-interview“ war das erste Pressemedium, das Cancom nach der Präsentation der neuen Zahlen über die Zukunftsperspektiven befragt hat.

Das Vorstandsinterview (DVI): Herr Weinmann, Ihre Prognose für 2005 lautet, dass Sie den Umsatz um 18% und das EBIT von 1,3 Mio. Euro auf 3,2 Mio. Euro steigern können. Wie zuversicht-lich sind Sie, dass Sie diese Prognose gegenüber den Aktionären auch einhalten können?

Herr Weinmann: Die Aussichten für CANCOM sind durchaus positiv. Wir haben im letzten Jahr unsere Hausaufgaben gemacht. D.h. bei steigendem Umsatz bleiben unsere Kosten trotzdem am Boden, so dass unser Ertrag mit jedem zusätzlich verdienten Euro überproportional steigt. Durch den Rückenwind im Apple-Umfeld, die beginnende Auflösung des Investitionsstaus im IT-Bereich und durch die zum 1. Januar erfolgte Übernahme der ECS Computer Partner GmbH wird unser Umsatz in diesem Jahr deutlich zulegen, wodurch sich unsere Ertragssituation spürbar ver-bessern sollte. Daher bin ich zuversichtlich, die Prognose auch einhalten zu können.

DVI: Sie weisen erstmals nach zwei Verlustjahren in 2004 wieder einen positiven Jahresüber-schuss aus und hatten per 31.12.04 eine freie Liquidität von 7,2 Mio. Euro. Warum haben Sie überhaupt eine Kapitalerhöhung gemacht?

Herr Weinmann: Die Übernahme der ECS Computer Partner GmbH erhöht natürlich unsere Bilanzsumme, wodurch unsere Eigenkapitalquote entsprechend sinkt. Durch die nun vollzogene Barkapitalerhöhung, können wir diesem Effekt entgegenwirken, so dass unsere Eigenkapitalquote in Summe trotz Übernahme der ECS Computer Partner GmbH sogar leicht gesteigert wird.

DVI: Welche Angaben können Sie uns zur Ertragslage der ECS Computer Partner GmbH machen?

Herr Weinmann: Die ECS Computer Partner hat im Geschäftsjahr 2004, also bereits vor unserer Übernahme, profitabel gearbeitet. Durch die Übernahme ergeben sich nun eine Vielzahl von Vorteilen, angefangen bei besseren Einkaufskonditionen bis hin zu den hohen Cross-Selling-Potenzialen, die zu einer weiteren Ergebnisverbesserung der ECS Computer Partner führen werden. Im laufenden Geschäftsjahr rechnen wir mit einem Ergebnisbeitrag auf EBITDA-Basis in Höhe von bis zu 1 Mio. Euro. Berücksichtigen muss man jedoch dabei, dass sich im Jahr 2006 weitere Einsparungseffekte aus der ECS-Übernahme ergeben werden.

DVI: Wie lange brauchen Sie, bis Sie die Integration der ECS verdaut haben, und wann können Sie eine weitere Expansion vornehmen – denn Cash wäre ja wirklich genug da?

Herr Weinmann: Wir sind recht erfahren im Integrieren neuer Beteiligungen. Im Falle der ECS Computer Partner verläuft die Integration bisher aber besonders problemlos. Das hat natürlich viel mit der tollen Motivation der Mitarbeiter auf beiden Seiten zu tun. So hatten wir zum Beispiel unser Warenwirtschaftssystem bereits drei Tage nach der Übernahme bei der ECS Computer Partner am Start. Damit konnten wir deren Kunden ohne nennenswerte Unterbrechung aus unserem Logistikzentrum in Jettingen-Scheppach mit Ware beliefern.

Was ich damit sagen will: Wir haben durchaus die Kraft und die Ressourcen, um weitere Übernahmen in dieser Jahreshälfte zu stemmen. Wie sie richtig sagen, verfügen wir dazu auch über die nötige Liquidität. Dabei werden wir natürlich mögliche Akquisitionsobjekte sorgfältig und gewissenhaft prüfen - wie im Falle der Übernahme der ECS Computer Partner.

DVI: Sie machen 45% Ihres Umsatzes im Apple-Umfeld. Wie viel Umsatzplus erwarten Sie unter Berücksichtigung des neuen „Mac mini“ und des MP3-Players „iPod“ im laufenden Geschäftsjahr?

Herr Weinmann: Der iPod war im vergangenen Jahr der absolute Renner. Apple konnte die Nachfrage beim iPod gar nicht vollständig erfüllen und kann es auch heute noch nicht. Dies gilt jedoch nur für das Produkt iPod. Der soeben auf der Macworld vorgestellte Apple Mac mini bietet gerade im Vergleich zu klassischen PCs ein sehr attraktives Preisleistungsverhältnis und ist damit für iPod-Nutzer, aber auch für viele Firmen äußerst interessant. Damit werden völlig neue Kundenschichten auf die Marke Apple und damit auch auf uns aufmerksam. Wir sehen daher im Apple-Umfeld auch für 2005 ein zweistelliges Umsatzwachstum zwischen 10-20%. Apple geht davon aus, dass ein interessanter Anteil der iPod-Kunden auch den Apple Mac mini kaufen wird. Das Preisniveau vom iPod wie auch vom Apple Mac mini ist jedoch für uns relativ niedrig, deshalb werden wir aus diesen beiden Produkten keine allzu großen Ergebnisbeiträge erwirtschaften. Berücksichtigen muss man jedoch, dass Cancom im vergangenen Apple-Wirtschaftsjahr das Einkaufvolumen mit Apple-Produkten insgesamt um 34% steigern konnten (Apple hat ein gebrochenes Wirtschaftsjahr, so dass dies bei uns noch nicht voll umsatzwirksam werden konnte). Wichtig ist, dass bereits unser Q4/2003 besonders stark war.

DVI: Spüren Sie auch bei Ihren anderen Geschäftsbereichen eine Konjunkturbelebung, oder wie beurteilen Sie allgemein das IT-Umfeld für 2005 und 2006?

Herr Weinmann: Wir haben ja bereits im vergangen Geschäftsjahr eine allmähliche Auflösung des Investitionsstaus im IT-Umfeld feststellen können, die sich auf praktisch alle Unternehmens-bereiche positiv ausgewirkt hat. Diese Tendenz dürfte sich im laufenden Jahr und auch in 2006 weiter fortsetzen. Neben Apple dürften dabei vor allem die Themenbereiche Storage, Security und IT-Consulting weiterhin überdurchschnittliche Wachstumsraten aufweisen. Durch die Übernahme der ECS Computer Partner haben wir uns gezielt in diesen Bereichen verstärkt und dürften damit entsprechend von einer Nachfragebelebung profitieren.

DVI: Ihre Bilanz hat sich im Vergleich zu 2003 deutlich verbessert. Was können Sie im Laufe des Jahres noch tun, um hier den inneren Wert des Unternehmens zu erhöhen?

Herr Weinmann: Wie Sie richtig vermuten, lohnt ein Blick auf unsere Bilanz zum 31.12.2004, insbesondere auf die kurzfristigen Bankverbindlichkeiten, die wir bis auf den kurzfristigen Anteil langfristiger Darlehen vollständig abbauen konnten. Gleichzeitig hat sich unsere Eigenkapital-quote im Jahresverlauf deutlich von 36,6 % auf nunmehr 41,7 % erhöht.

Wir haben natürlich das Ziel, unsere Bilanzrelationen auch im laufenden Geschäftsjahr weiter zu optimieren. Eine Möglichkeit wäre z.B. die vorzeitige Rückzahlung langfristiger Darlehen. Als Folge daraus würde unsere Eigenkapitalquote weiter steigen. Diese Betrachtung gilt jedoch nur unter der Maßgabe, dass wir keine weiteren Firmen im Laufe des Jahres übernehmen würden. Dies wird jedoch nicht der Fall sein, denn wir wollen expandieren.

DVI: Independent Research schätzt für das kommende Jahr ein Ergebnis je Aktie von 36 Cent. Ist diese Ergebnisschätzung eventuell zu ambitioniert?

Herr Weinmann: Angesichts der immer schärferen gesetzlichen Vorgaben fällt es uns als börsennotiertes Unternehmen leider immer schwerer, Gewinnschätzungen abzugeben, weshalb wir im Normalfall selbst auf Analystenschätzungen verweisen.

Independent Research ist mir jedoch als sehr gewissenhaftes und zuverlässiges Researchhaus bekannt, das in der Vergangenheit mit seinen Prognosen immer recht gut lag. Zu berücksichtigen ist, dass 20 Mio. Euro organisches Wachstum einen Ergebniszuwachs von mehr als 1,5 Mio. Euro im EBIT mit sich bringt. Damit ist die Ergebnisverbesserung 2006 sehr einfach nachzuvollziehen.

DVI: Sind Sie jetzt in eine Wachstumsphase eingetreten, oder sehen Sie den derzeitigen Boom nur als temporär an?

Herr Weinmann: Es handelt sich hier nach meiner Ansicht um nachhaltige Wachstums-möglichkeiten. Die Weichenstellungen der vergangenen Jahre tragen jetzt Früchte. Unsere verstärkten finanziellen Möglichkeiten haben sich in der Branche herumgesprochen und uns werden derzeit zunehmend interessante Akquisitionsmöglichkeiten angeboten.

DVI: Welchen Ergebnismultiplikator erachten Sie für Ihr Unternehmen als fair?

Herr Weinmann: Die faire Bewertung unserer Aktie überlasse ich natürlich den Aktionären. Aufgrund unseres Wachstums halte ich aber, das richtige Börsenumfeld vorausgesetzt, einen Ergebnismultiplikator von 15 bis 20 für durchaus vorstellbar. Das heißt, bei einem erwarteten Ergebnis in 2006 von 36 Cent je Aktie hat der Kurs noch deutliches Potential.

DVI: Besten Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Chefredakteur Rochus C. Rüttnauer.

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