03.05.04  DAS VORSTANDSINTERVIEW
Curasan AG

Interviewpartner: Hans Dieter Rössler, Vorstandsvorsitzender
Gehaltene Aktien: 46,3% der Aktien (von 5,0 Mio.)
Das Interview wurde am 26.04.04 geführt.

curasan HomepageDie Curasan AG, die früher auf zwei Standbeinen – Generika und Bio-materials (synthetisches Knochenregenerationsmaterial) – gestanden hatte, hat im vergangenen Jahr eine Umstrukturierung vorgenommen: Das wesentliche Kern-geschäft ist heute der Vertrieb von Biomaterials und Biologicals für die Regenerative Medizin. Daher ist im laufenden Jahr auch mit einem Umsatzrückgang von knapp 15 auf zirka 10 Millionen Euro zu rechnen. Wir haben den Alleinvorstand und Mehrheitsaktionär, Herrn Hans Dieter Rössler, zu den Zukunftsaussichten seines Unternehmens befragt.

Das Vorstandsinterview (DVI): Herr Rössler, auch nach dem Verkauf der Generika-Sparte an DeltaSelect in Pfullingen ist die Geschäftssparte Pharmaceuticals noch geringfügig aktiv. Bitte erzählen Sie unseren Lesern, wie sich im laufenden Jahr das Umsatzverhältnis zwischen den beiden Geschäftsbereichen einpendeln wird und welche Wachstumschancen die beiden Seg-mente haben.

Herr Rössler: Die Umsatzanteile werden bei 80 – 85% für die Biomaterials/ Biologicals (ca. 8 – 8,5 Mio. €) und 15 – 20% für Pharmaceuticals (ca. 1,7 – 2,1 Mio. €) liegen. Die Wachstumsraten betragen im laufenden Jahr ca. 60% bei den Biomaterials/ Biologicals bzw. 300% bei den Arzneimitteln, weil die Basis nach diesem Verkauf niedrig ist.

DVI: Sie sprechen selbst in ihrem Geschäftsbericht davon, dass der Markt für Biomaterials sich nur relativ zögerlich entwickelt. Haben Sie genügend finanzielle „Power“, um dieses verhaltene Marktwachstum zu überstehen oder sehen Sie in einem Ihrer Märkte einen Umsatzsprung?

Herr Rössler: Im Geschäftsbericht sind die Prognosen der Marktforschungsinstitute aufgeführt. Das jährliche Wachstum dürfte danach bei mehr als 10% liegen. Die von uns international durch-geführten klinischen Studien dürften zudem den Kenntnisstand der Ärzte verbessern. Unsere personellen Kapazitäten und finanziellen Mittel sind völlig ausreichend, um sowohl an der Markt-entwicklung zu partizipieren als auch diese mitzugestalten. Dies insbesondere deswegen, weil wir die Vorleistungen für das momentane und künftige Wachstum in den vergangenen Jahren er-bracht haben. Wir erwarten keinen Umsatzsprung in einem speziellen Markt, sondern erfreulicher-weise auf breiter Front. Dabei wird insbesondere der Export einen großen Beitrag leisten. Die Exportquote am Gesamtumsatz ist in 2003 von 16 auf 22% gestiegen und für 2004 mit 39% ge-plant. Bei den Pharmaceuticals vertreiben wir weiterhin Streptokinase von Aventis, Unser Krebs-mittel Mitem® wird seit Februar 2004 von der Schwarz Pharma Tochter Hoyer Madaus in der Urologie vertrieben. Dieses Produkt wird mittelfristig auch im Export angeboten werden.

DVI: Haben Sie noch weitere Pharmaceuticals, die zur Vermarktung anstehen?

Herr Rössler: Nein, im Moment nicht.

DVI: Welche Firmen sind in den jeweiligen Märkten für Sie die stärksten Wettbewerber?

Herr Rössler: Der „stärkste Wettbewerber“ ist leider immer noch der autologe (patienteneigene) Knochen, der mittels eines zweiten chirurgischen Eingriffs an einer gesunden Stelle entnommen und an eine Defektstelle transplantiert wird. Dieses den Patienten belastende und nicht risikofreie Vorgehen ist m.E. heute nicht mehr indiziert, da Cerasorb® zu vergleichbar guten klinischen Resultaten führt, ohne den Patienten zusätzlich zu belasten. Ansonsten handelt es sich eher um mittelständisch ausgerichtete Firmen, die überwiegend nur regional aufgestellt sind.

DVI: Neben den USA sind welche Länder für Sie die wichtigsten Absatzmärkte und wo liegt Ihr jeweiliges größtes Potential?

Herr Rössler: Der wichtigste Absatzmarkt ist Europa mit einer gewissen Dominanz des Heimat-marktes. Die größten Potentiale liegen jedoch in USA, da dort weitaus häufiger am Skelettsystem des Menschen operiert wird als in anderen Ländern. Aber auch China und Japan (ab 2005) werden in den nächsten Jahren erhebliche Anteile zur Umsatzentwicklung beitragen.

DVI: Ist Ihr Patentschutz „Cerasorb®“ stark genug abgesichert, dass Ihre Pionierleistung nicht kurzfristig von einem großen Biotech-Konzern kopiert werden kann?

Herr Rössler: Cerasorb® ist zwischenzeitlich zu einer Dachmarke ausgebaut worden, dabei haben wir bei allen Neuentwicklungen Patentschutz beantragt, wobei sich diese Verfahren noch in der Prüfungsphase befinden, in der wir Prioritätsschutz genießen.

DVI: Sehen Sie sich mit dieser Absicherung in einer sicheren Position?

Herr Rössler: Würde uns ein Wettbewerber kopieren und unser Patent würde zu einem späteren Zeitpunkt erteilt, dann würde sich der Patentverletzer in einer heute noch nicht definierbaren Summe schadenersatzpflichtig machen. Unsere Anmeldungen haben deshalb in hohem Umfang auch eine „abschreckende“ Wirkung.

DVI: Welche Wachstumserwartung haben Sie für 2005 und welche Ergebnisse wollen Sie in diesen beiden Jahren vor Steuern erzielen?

Herr Rössler: Für 2005 erwarten wir eine Umsatzsteigerung von ungefähr 50% auf ca. 15 Mio. €. Da die Kosten nur sehr moderat steigen werden, dürften wir in 2005 gut profitabel sein mit einer EBIT-Rendite von über 10%. Außerdem ist ein positives Finanzergebnis von ca. 0,4 Mio. Euro zu erwarten, so dass das Ergebnis vor Steuern bei ca. 2, 4 Millionen Euro liegen wird. Wir haben in der Vergangenheit breit investiert: Der Umsatz wird in den USA von 1,3 Mio. in 2004 bis 2005 auf das 2,5fache steigen. Wir erzielen unsere gesamten Umsätze in mehr als 40 Ländern.

DVI: Aus dem Verkauf an DeltaSelect sind noch 5 Millionen Euro offen. Wann erwarten Sie diese Zahlung und haben Sie dafür eine Bankbürgschaft?

Herr Rössler: Der größere Teil der Zahlung erfolgt in Raten bis Oktober 2005, der Rest in Raten bis Oktober 2008. Abgesichert sind die offenen Posten durch eine Patronatserklärung der Mutter-gesellschaft der Erwerberin sowie durch Verpfändung verkaufter Assets.

DVI: Haben Sie zur weiteren Absicherung der Markterschließung in absehbarer Zukunft eine Kapitalerhöhung geplant?

Herr Rössler: Eine Kapitalerhöhung zur Absicherung der Markterschließung wird in absehbarer Zeit in Anbetracht unserer Kapitalausstattung nicht notwendig werden. Allerdings prüfen wir derzeit Akquisitionen. Bei einer Realisierung könnte eine Kapitalerhöhung sinnvoll sein, vorausgesetzt, der Kurs bewegt sich zuvor noch deutlich nach oben.

DVI: Welches Kurspotential sehen Sie selbst in Ihrer Aktie?

Herr Rössler: Die curasan-Aktie hat im Augenblick eine Marktkapitalisierung nahe des Eigen-kapitals. Bei einem Unternehmensverkauf würde man ein Mehrfaches hiervon erzielen. Bei einem geschätzten Ergebnis von 48 Cent je Aktie für 2005 hat Curasan auf dem derzeitigen Niveau ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von zirka 8 und ist damit am unteren Rand der sogenannten „Peergroup“ bewertet. Die Chance auf Kursverdoppelung im Hinblick auf die Perspektiven im kommenden Jahr sind deshalb durchaus realistisch.

DVI: Besten Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Chefredakteur Rochus C. Rüttnauer.

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