18.01.05  DAS VORSTANDSINTERVIEW
Jack White Productions AG

Interviewpartner: Jack White, Vorstandsvorsitzender
Gehaltene Aktien: 1.750.150 Aktien von 7 Mio. Stück
Das Interview wurde am 16.01.05 geführt.

Jack White HomepageHintergrund: Seit unserem Interview im Juli 2004 hat sich die Jack White Productions AG weiter ausgesprochen erfreulich entwickelt: Der Kurs stieg von 4,12 Euro auf ca. 6,40 Euro – und das ist nach einhelliger Meinung von Analysten noch nicht „das Ende der Fahnenstange“. Begründet wird dies mit der sehr guten Situation des Unternehmens, das 2004 die prognostizierten Ergebnisse voraussichtlich erreichen konnte (das Ergebnis nach Steuern wird voraussichtlich bei mindestens 2,2 Mio. Euro liegen). Dies bedeutet auch eine Steigerung des Gewinns pro Aktie auf ca. 36 Cent. Für 2006 ist geplant, erstmals eine Dividende zu bezahlen und das Ergebnis je Aktie um mehr als 60 Prozent zu steigern. Wir haben den Vorstandsvorsitzenden, Herrn Jack White, zu den Plänen und Aussichten für das laufende und kommende Jahr befragt.

Das Vorstandsinterview (DVI): Herr White, seit unserem letzten Gespräch hat sich Ihr Unter-nehmen weiterhin hervorragend entwickelt. Welche Ihrer drei Sparten „Labels“, „Verlage“ und „Vertrieb“ hat dazu besonders beigetragen?

Herr White: Der absolute Highflyer ist unser Segment „Labels“, das zirka 50% vom Umsatz und deutlich über 90% des Profits erbringt. Während in den ersten neun Monaten die Segmente „Verlage“ und „Vertrieb“ noch leicht im negativen Bereich lagen, hat sich dies im vierten Quartal ins Positive gedreht. Auch im laufenden Jahr 05 bleibt das Ertragsniveau des Segments „Labels“ auf einem sehr hohen Niveau.

DVI: Sie erreichten bereits mit den Q3-Zahlen 04 fast das Niveau des Gesamtjahres 2003. Das heißt, das Jahresergebnis 2004 wird ein neues Rekordergebnis für Ihr Unternehmen?

Herr White: Nach all dem, was wir heute wissen, hat das Jahr 2004 ein neues Rekordergebnis in der Unternehmensgeschichte gebracht, und damit haben wir zum vierten Mal in Reihenfolge unsere Prognosen eingehalten.

DVI: Bitte erklären Sie uns den Charakter der so genannten NTO-Verträge.

Herr White: Mit den NTO-Verträgen (Non Traditional Outlets), also Verträgen mit nicht-traditionellen Vertriebswegen wie etwa Schlecker oder Tchibo, rechnen wir im deutschsprachigen Raum in diesem Jahr mit insgesamt 1,5 – 2 Mio. Euro Umsatz. Dieses Marktsegment wird von unserem Herrn Schnittke federführend bearbeitet und soll in den kommenden Jahren auch auf andere wichtige europäische Markte ausgedehnt werden.

DVI: Ihr Gewinnwachstum (auf EBIT-Basis) betrug in den ersten 9 Monaten 2004 rd. 80%. Können Sie dieses Tempo im laufenden Jahr beibehalten?

Herr White: Wir werden mit Sicherheit auch in diesem Jahr ein sehr hohes Tempo beibehalten. Genaueres werden wir jedoch erst bei der Bekanntgabe der Jahreszahlen und der offiziellen Prognose für das laufende Jahr Ende März / Anfang April veröffentlichen.

DVI: Ihre operative EBIT-Marge liegt derzeit bei 16%. Wie sehen Ihre Ziele hier mittelfristig aus?

Herr White: Wir wollen eine EBIT-Marge von über 20% erzielen, voraussichtlich in diesem, spätestens jedoch im kommenden Jahr. Die Gründe dafür sind in erster Linie die Umstellung bei Bertelsmann vom Bandübernahmevertrag auf den Vertriebsvertrag sowie die unserer Meinung nach vorprogrammierte Explosion der neuen Musikrichtung „Reggaeton“, mit der wir zur Zeit wieder Nummer Eins in den amerikanischen Billboard-Charts sind. Vorprogrammiert auch deshalb, denn wenn man in Amerika Nummer eins ist, dann wirkt sich das automatisch früher oder später weltweit aus. Dies zeigt sich heute schon vor allem in den ganzen latein-amerikanischen Ländern, und daran, dass Universal, die in Amerika unser Vertriebspartner sind, den Weg eingeschlagen hat, unsere Produkte ihrem weltweiten Vertriebsnetz anzubieten. Für die deutliche Steigerung der EBIT-Marge sind beide Hauptsäulen, nämlich der neue Vertriebsvertrag mit Bertelsmann und die Explosion der Reggaeton-Musik gleichbedeutend wichtig.

DVI: Zum 1.Juli 04 hatten Sie die Vertriebsvereinbarungen mit der Bertelsmann Music Group (BMG) umgestellt. Konnten Sie bereits in 2004 Auswirkungen verzeichnen, und wie sehen Sie hier die künftige Entwicklung?

Herr White: Die Umstellung hat sich bereits in der zweiten Jahreshälfte 04 ausgewirkt, nachdem wir zum Beispiel im vorangegangenen Jahr 2003 insgesamt knapp 750.000 LP´s verkauft haben, haben wir nur im 2.Halbjahr 2004 zirka 680.000 LP´s verkauft. Mit dieser Entwicklung sind wir sehr zufrieden. Sie beweist nachdrücklich, dass unsere Entscheidung, vom Bandübernahmevertrag auf Vertriebsvertrag umzusteigen, richtig war.

In der AG bedeutet die Umstellung auf Vertriebsvertrag, dass wir in 2005 gegenüber dem Jahr 2003 bei gleichen Verkaufszahlen eine vorprogrammierte Vervierfachung des Umsatzes und auch eine deutliche Erhöhung des Gewinns haben werden. Bitte berücksichtigen Sie jedoch, dass das Jahr 2004 ein Übergangsjahr war, denn wir hatten hier das erste Halbjahr noch unter dem Bandübernahmevertrag, während ja nur die zweite Jahreshälfte erst unter dem Vertriebsvertrag gelaufen ist.

Unter vorsichtigen Annahmen werden wir in der AG in 2005 den Umsatz gegenüber 2004 sicher-lich verdoppeln und das Ergebnis auch deutlich erhöhen können.

DVI: Was ist der eigentliche Kick an der Umstellung des Vertriebsvertrages?

Herr White: Dass wir jetzt in der Lage sind, wie die großen Majors, Künstler unter Vertrag zu nehmen, die wir uns bisher nicht leisten konnten. Außerdem können wir jetzt selbst Marketing-strategien entwickeln und selbst entscheiden, dadurch haben wir eine ganz andere „Power“ im Markt.

DVI: Ihr USA-Geschäft hat sich in 2004 durch den Wechsel von BMG zu Universal als Vertriebs-partner ebenfalls positiv entwickelt. Welche Erwartungen haben Sie mittelfristig für diesen Markt?

Herr White: Auch für die USA haben wir sehr positive Erwartungen wobei wir doch hier nicht vergessen sollten, dass unsere amerikanische Company mehr im Katalogbereich tätig ist, aber hierfür ist Universal der perfekte Partner, weil Universal traditionell etwas von Back-Katalog versteht, während es bei BMG USA hierfür keine eigene Abteilung gibt . Wenn Sie allerdings mit USA unsere puertoricanische Company meinen, dann muß ich sagen, hier wird es einen ganz gewaltigen Sprung nach vorne geben. Mittelfristig kann ich nicht ausschließen, dass die Gewinne, die in der Kombination von der amerikanischen Company und der puertoricanischen Company kommen, mindestens 50% des gesamten Ertrages darstellen werden.

DVI: Sie verzeichnen bereits stolze Erfolge im Bereich „Reggaeton-Musik“ in den USA. Wie sehen Sie die Chancen, auch in Europa mit diesem Musikstil Anklang zu finden?

Herr White: In der Tat ist es richtig, dass – ausgelöst durch die Titelgeschichte vom Billboard-magazine, dem größten Musikmagazin der Welt, Anfang November 04 zumindest erstmal in den USA eine Explosion in der Musikrichtung Reggaeton stattgefunden hat, und das wird sich, wie schon gesagt, weltweit ausdehnen. Im Herbst 2003 fand ein großes Reggaeton-Konzert im Madison Square Garden in New York statt, das bis auf den letzten Platz ausverkauft war, und von 11 Reggaeton-Künstlern waren sieben von unserem Label. Dies sehen wir als nachhaltigen Beweis dafür, dass diese Musikrichtung akzeptiert ist und freuen uns, dass unser puerto-ricanisches Label die absoluten Superstars dieser neuen Musikrichtung unter Vertrag hat.

DVI: Insgesamt sehen Ihre Gewinnerwartungen daher wie aus?

Herr White: Wir erwarten 50% Gewinn aus der Kombination Amerika-Puerto Rico, damit ist auch dokumentiert, wie gewaltig „drüben“ die Entwicklung stattfindet. Aber hier in Deutschland werden wir in diesem Jahr eine „Explosion“ erfahren: Wir werden in 2005 unserem Umsatz in Deutschland mindestens verdoppeln und damit werden auch die Erträge entsprechend wachsen.

DVI: Bei unserem letzten Gespräch haben Sie erwähnt, dass Sie sich vom Internetgeschäft Einiges versprechen. Wie hat sich diese Sparte entwickelt, und wie beurteilen Sie hier die künftigen Chancen?

Herr White: In der Tat haben wir mit Microsoft einen non-exklusiven Deal, und Microsoft wird – das wissen wir – in den nächsten Wochen und Monaten sehr agressiv auftreten, um apple mehr entgegenzutreten. Auch mit apple sind wir kurz vor einem Vertragsabschluß, ebenfalls auf non-exklusiver Basis. Insgesamt wird sich das Internetgeschäft in den nächsten Jahren sehr, sehr positiv entwickeln. In der Kombination des legalen downloadens einerseits, den CD-Verkäufen andererseits werden insgesamt die Umsätze in der weltweiten Musikindustrie wachsen.

DVI: Welchen Ergebnisbeitrag erwarten Sie aus dem Internet-Geschäft?

Herr White: Das kann man heute einfach nicht sagen. Wir wären nicht seriös, wenn wir hier eine Prognose abgeben würden, da wir noch nicht genügend Erfahrung mit diesem Geschäftszweig haben. Die Erfahrung wollen wir erstmal in diesem Jahr sammeln. Natürlich war es richtig, Microsoft als Partner zu nehmen, und jetzt auch Apple sich als Partner zu holen, da es eine unaufhaltsame Entwicklung ist: Aber in Zahlen können wir das heute noch nicht fassen.

DVI: Wie funktioniert hier Ihre Vergütungsstruktur?

Herr White: Über unseren Microsoft-Vertrag erhält die amerikanische Company 66 Cent pro legal download. Microsoft hat in der Zwischenzeit bekannt gemacht, dass eine eigene Download-Plattform zur Verfügung steht, und wir gehen davon aus, dass das Geschäft in den kommenden Monaten in verstärktem Umfang ins Laufen kommen wird.

DVI: Sie erwähnten im Juli, dass Sie einen „großen Hit“ in petto hätten. Können Sie uns verraten, um was es sich dabei gehandelt hat – und ob es dergleichen bald wieder geben wird?

Herr White: Nach wie vor ist es ja richtig, dass – wenn wir mal wieder einen Riesenhit haben würden, alle unsere Prognosezahlen ad absurdum geführt würden. Wir haben ja im vergangenen Jahr gesagt, dass wir in 2004 von einem Hit ausgehen, und zwar bei Hansi Hinterseer mit „Hände zum Himmel“. Wir hatten damit gerechnet, dass dieser Titel der große Oktoberfest-Hit würde, er ist es aber nur zur Hälfte geworden. Vielleicht wird er es in diesem Jahr, aber gerade mit Hansi Hinterseer haben wir einen möglichen neuen Riesenhit, und vielleicht schaffen wir es ja in diesem Jahr, den ersten richtig großen Hit zu landen mit einem Titel, der „Jessica“ heißt.

DVI: Wird „Jessica“ besonders promoted?

Herr White: Wir haben in Kürze hintereinander drei große Fernseh-Abendsendungen (Musikanten-stadel, Das Frühlingsfest der Volksmusik, Servus Hansi Hinterseer); ferner wird es eine Spezial-aktion nur für die Hütten und die Diskotheken geben. Hier sind hochkarätige Promotionleute engagiert worden, die sich darum kümmern werden, dass „Jessica“ ein richtig großer Party-Hit wird.

DVI: Könnte noch ein anderer Titel ein großer Hit werden?

Herr White: Ganz aktuell gehen wir davon aus, dass „Gasolina“ von Daddy Yankee in Richtung Welthit marschiert: In den USA ist dieser Titel seit heute in den Top 40 der Billboard Hot 100 Single-Charts (Platz 35). Die Listung mit „bullit“ deutet darauf hin, dass es weiter nach oben geht. Auch die neueste LP von Daddy Yankee ist in Serie seit vier Wochen auf Platz eins in den Latin Album-Charts.

DVI: Herr White, nach außen macht Ihre Gesellschaft den Eindruck, dass der Erfolg sehr mit Ihrer eigenen Person verbunden ist. Was würde passieren, wenn Sie mal längere Zeit ausfallen würden?

Herr White: Diese Frage wurde in den vergangenen Jahren immer wieder gestellt. Der Annahme, dass die Jack White Productions AG eine one-man-show ist, muß ich mittlerweile ganz, ganz klar widersprechen. Zunächst haben wir in unserem Vorstand Herrn Klaus Munzert, der als Musiker mindestens so begabt und verrückt ist wie ich; mit meinem Sohn haben wir einen sehr starken Finanzchef. Seit der Umstellung auf den Vertriebsvertrag haben wir mit Herrn Helmut Schnittke einen sehr hochkarätigen Vertriebsmann. Bei Herrn Schnittke ist geplant, dass er auch mittelfristig in den Vorstand aufrücken wird.

Aber lassen Sie uns die Sache von der Praxis her sehen: Was würde wirklich passieren, wenn mir morgen etwas zustoßen würde? Unsere ganzen Künstlerverträge sind nicht an Personen gebunden, sondern gehören der Company. Der Gesamtkatalog unserer mittlerweile knapp 88.000 Lizenzrechte gehört ebenfalls der Company. Wir sind in der Tat schon längst keine „ one-man-show“ mehr, sondern ein richtig gutes Team.

DVI: Wann werden Sie selbst wieder verstärkt in die Musikstudios gehen und sich der „lästigen“ Verwaltungsarbeit endledigen können?

Herr White: Da die Company jetzt so aufgestellt ist, dass ich mich um die Verwaltungsdinge nicht mehr so kümmern muß, wie das in den vergangenen fünf Jahren der Fall war, werde ich in der Tat ab sofort wieder verstärkt in den Studios sein.

DVI: Was planen Sie mit Cash-flow des Jahres 2004; werden Sie einen Teil der langfristigen Schulden abbauen?

Herr White: Wir hatten per 30.9. langfristige Darlehen in Höhe von 5,6 Mio. Euro. Derzeit planen wir keine außerordentlichen Tilgungen. Pro Jahr tilgen wir knapp 25%. Die Nettoverschuldung lag per 30.9.04 noch bei knapp 5 Mio. Im vergleichbaren Vorjahreszeitraum betrug sie noch 8,1 Mio. Euro. Im Laufe dieses Jahres wird sie sich annähernd ausgleichen, so dass die gute Ertragslage auch deutlich in besseren Bilanzrelationen sichtbar werden wird.

DVI: Die Aktionärsstruktur hat sich bei Ihnen deutlich verbessert, Sie sind regelrecht „hoffähig“ bei institutionellen Anlegern geworden. Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Herr White: Dadurch, dass sich der free float auf zirka 65% erhöht hat und wir außerdem dieses starke Ertragspotential vor uns sehen, haben auch institutionelle Investoren die Chancen in unserer Aktie erkannt. Die börsentäglichen Umsätze betragen zirka 30.000 Stück, sodaß auch für größere Investoren genügend Liquidität vorhanden ist. Wir freuen uns, dass sich im Kreise unserer Aktionäre in der Zwischenzeit institutionelle Investoren in der Größenordnung zwischen 20 – 25% befinden.

DVI: Ihre Eigenkapitalquote hat sich per 30.9.04 von 48,7% auf 54,8% verbessert. Dadurch ist der Kurs mit 3,24 Euro je Aktie in cash unterlegt (vor Berücksichtigung der langfristigen Verbindlich-keiten). Kann dies als Indiz dafür gelten, dass Sie künftig eine Dividende zahlen werden?

Herr White: Wie schon angedeutet, wird sich unsere Eigenkapitalquote spürbar verbessern. Auch der Verlustvortrag (in der AG per 30.9.04 von zirka 2,9 Mio. Euro) wird bis zur Mitte diesen Jahres voraussichtlich vollständig ausgeglichen sein, sodaß wir die Gewinne des zweiten Halbjahres 2005 als Dividende im Jahr 2006 ausschütten können.

DVI: Der aktuelle Kurs von ca. 6,4 Euro wird von zahlreichen Analysten als längst nicht ausgereizt angesehen, die avisierten Kursziele gehen bis 10.80 Euro. Wo sehen Sie den fairen Wert Ihrer Aktie?

Herr White: Tatsache ist, dass wir durch die diversen Umstrukturierungen heute ein ganz anderes Ertragspotential haben, als dies noch vor zwei Jahren der Fall war. Wir sind heute um Klassen besser aufgestellt. Meines Erachtens hat die Börse dieses schlummernde und teilweise auch schon sichtbare Ertragspotential noch nicht in vollem Umfang realisiert. Deshalb gehe ich auch in Zukunft von deutlich steigenden Aktienkursen aus. Ich habe die starke Zuversicht, dass der Aktienkurs auch auf dem aktuellen Niveau noch als sehr günstig eingeschätzt werden kann.

DVI: Besten Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Chefredakteur Rochus C. Rüttnauer.

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