DEAG Deutsche Entertainment
AG
Interviewpartner: Peter L.H. Schwenkow, Vorstandsvorsitzender
Gehaltene Aktien: 248.000 Aktien (von 13,75 Mio.) des Grundkapitals,
1,3 Mio. Euro Wandelschuldverschreibungen
Das Interview wurde am 11.01.05 geführt. Kurs am 11.01.05 bei 1,87 Euro.
Hintergrund:
Die DEAG Deutsche Entertainment AG, die sich per Ende 2002 von ihrer
verlustbringenden Beteiligung an der Stella Entertainment AG getrennt
hatte und durch eine erfolgreiche Kapitalmaßnahme Ende 2003 frisches
Geld in ihre Kassen brachte, steht per Ende 2004 gut aufgestellt da:
Die Restrukturierung ist abgeschlossen, die DEAG konzentriert sich nunmehr
erfolgreich auf ihr Kerngeschäft, den Live-Entertainment-Bereich.
Die Q3-Zahlen wiesen ein Ergebnis je Aktie von +21 Cent (-40 Cent) auf,
das aus operativen, wie auch nicht operativen Ergebnissen stammt. Da
die Orderbücher für 2005 bereits gut gefüllt sind, wird
im laufenden Jahr das Ergebnis operativ nachhaltig steigen. Wir haben
Herrn Peter L.H. Schwenkow, Vorstandsvorsitzenden der DEAG, zu den mittelfristigen
Aussichten für sein Unternehmen befragt.
Das Vorstandsinterview (DVI): Herr Schwenkow, erläutern
Sie bitte unseren Lesern Ihre Geschäftsfelder.
Herr Schwenkow: Die DEAG Deutsche Entertainment AG
produziert und veranstaltet professionelle Live-Unterhaltung. Unser
Angebot ist dabei sehr breit gefächert und reicht von der Klassik
wie dem Berliner Philharmonischen Orchester bis zu Rock- und Pop-Veranstaltungen
wie Kylie Minogue, Rod Stewart und Elton John in Deutschland, Österreich,
Schweiz und Grossbritannien. Wir betrei-ben Spielstätten wie z.B.
die Waldbühne in Berlin, die Jahrhunderthalle in Frankfurt und
das Hallenstadion in Zürich, Varieté Theater wie den Wintergarten
in Berlin und den Friedrichsbau in Stuttgart und last but not least
weltweite Konzerttourneen wie z.B. mit Paul McCartney.
DVI: Es ist Ihnen gelungen, äußerst hochrangige
Künstler in jeder ihrer Sparten präsentieren zu können.
Zur Zeit in aller Munde ist zum Beispiel die Sopranistin Anna Netrebko.
Ist es so, dass die Künstler generell langfristige exklusive Kontrakte
mit Ihnen eingehen und Sie dadurch eine gewisse Planungssicherheit in
Bezug auf Ihre Umsätze haben?
Herr Schwenkow: Wir profitieren von langfristigen Verträgen,
die in der Klassik möglich sind, z.B. mit Anna Netrebko oder André
Rieu. Im Rock/Pop-Bereich ist das Gros der Künstler in seiner Attraktivität
zu volatil. Hier erreichen wir jedoch eine Glättung der Schwankungen
durch exklusive Bespielungsverträge wie z.B. mit der Waldbühne
in Berlin oder dem Hallenstadion in Zürich. Unser Markt ist Nachfrage
getrieben, von daher ist es in dem Segment nicht so wichtig, wer im
kommenden Jahr auf Tournee geht, entscheidend ist, dass die Künstler
kommen. Aber eines möchte ich auch sehr deutlich sagen, wir sind
im Entertainment Business tätig: Das ist keine Behörde und
kein Chemiebetrieb. Unser Geschäft ist natürlich immer wieder
von Schwankungen und zeitlichen Umstellungen gekennzeichnet. Unsere
langjährige Erfahrung, unsere Größe und Marktstellung
und unsere deutlich optimierte interne Struktur ermöglichen es
uns aber, diese Schwankungen auf das Gesamtgeschäft gesehen zu
vermindern.
DVI: Die Umsatzbeiträge der Segmente betrugen
2003 von „Artist & Tours“ 89%, von „Urban Enter-tainment“
4,7% und von „Theatres“ 6,3%. Wie sieht die Verteilung für
2004 aus?
Herr Schwenkow: Wir haben noch keine abschließenden
Zahlen für 2004 vorliegen, gehen jedoch davon aus, dass im Großen
und Ganzen diese Umsatzaufteilung in 2004 bestehen bleibt.
DVI: Erwarten Sie für 2005 eine weitere Verschiebung
dieser Umsatzanteile, und worauf führen Sie diese zurück?
Herr Schwenkow: Wir erwarten für 2005 eine weitere
Stärkung des Segments Artist & Tours, da auch das neue Segment
Classics, das bei uns zweistellig wächst, zu Artist & Tours
gehört, sodass wir in diesem Segment wahrscheinlich über 90%
Umsatzanteil erzielen werden.
DVI: Sie haben sich in Deutschland eine erstklassige
Stellung als Tourneeveranstalter erarbeitet und sind in der Schweiz
sogar Marktführer. Gibt es Expansionspläne in andere Länder?
Herr Schwenkow: Nicht zu vergessen unsere marktstarke
Position in Grossbritannien. Vielleicht sollte ich nochmals das Business
Modell erklären: Wir sind in vielen Fällen als „Großhändler“
tätig, d.h. wir veranstalten auch in Spanien, Benelux, Skandinavien
und USA - allerdings immer in Zusammenarbeit mit nationalen oder regionalen
Promotern. Von daher gibt es für uns derzeit keine Notwendigkeit,
eigene Niederlassungen in darüber hinaus gehenden Ländern
zu etablieren.
DVI: Welche Unterschiede sehen Sie in der Vermarktung
Ihrer Tickets im Vergleich zum Wettbe-werb, welche Vorteile haben Sie
gegenüber der Konkurrenz?
Herr Schwenkow: Wir sind in der Wahl unseres Vertriebssystems
vollständig frei, d.h. an kein Vertriebssystem exklusiv gebunden.
Dieses schafft uns eine optimale Vermarktung und öffnet uns die
Möglichkeiten für neue Vertriebssysteme wie z.B. print@home.
Entscheidend wird für die nächsten zwei Jahre sein, dass wir
die Zusatzerlöse aus diesen Vertriebskanälen erhöhen.
DVI: Der Umsatz 2004 wird durch die Renovierung des
Hallenstadions Zürich und der daraus resultierenden Umsatzausfälle
reduziert sein. Wie hoch schätzen Sie die Ausfälle ein und
werden diese ab 2005 wieder voll ausgeglichen werden können?
Herr Schwenkow: Das Hallenstadion Zürich wird
im 2. Halbjahr 2004 und im ersten Halbjahr 2005 durch die Stadt Zürich
für 160 Mio. Schweizer Franken renoviert. Der Umsatzausfall beträgt
pro Kalenderjahr rund 15. Mio. Euro und wird 2006 wieder voll ausgeglichen
sein. Ich möchte hervor-heben, dass die Stadt Zürich hier
für uns investiert. Die DEAG verfügt nach Abschluss der Reno-vierung
über eine der modernsten Spielstätten Europas. Das wird künftig
ein deutliches Asset sein, für das wir den Umsatzausfall jetzt
gern in Kauf nehmen.
DVI: Ein sehr erfreulicher Aspekt der Q3-Zahlen ist,
dass Sie die Zinsaufwendungen um über 50% gegenüber dem Vorjahreszeitraum
reduzieren konnten. Wie sehen Sie Ihre Möglichkeiten, diese weiter
zu reduzieren?
Herr Schwenkow: Unser Geschäftsmodell ist im Prinzip
aufgrund der langen Vorverkaufszeiten cash-positiv. Da wir derzeit für
das operative Geschäft keine Bankfinanzierungen in Anspruch nehmen,
sollten sich die Zinsaufwendungen auch zukünftig weiter reduzieren
lassen. Spätestens mit dem Verkauf der ersten Teilgrundstücke
um die Jahrhunderthalle in Frankfurt entfallen auch die Zinsaufwendungen
der hierauf liegenden 4 Mio. Euro Hypothek.
DVI: In Ihrer ad-hoc Meldung vom November 04 schreiben
Sie, dass Sie die Organisation der DEAG weiter optimieren wollen. Bedeutet
dies weiteren Restrukturierungsaufwand in 2004 und 2005 nach Kosten
von 12,1 Mio. Euro in 2003?
Herr Schwenkow: Wir sehen derzeit keinen weiteren Restrukturierungsaufwand
im Jahr 2005 und werden Ende des ersten Quartals durch den Umzug in
neue Geschäftsräume weitere Einspa-rungen im sechsstelligen
Bereich erzielen können.
DVI: Sie sind gerade dabei, Grundstücke der Jahrhunderthalle
in Frankfurt zu verkaufen. Was werden Sie mit den Erlösen machen,
die Sie für Mitte 2005 erwarten?
Herr Schwenkow: Aus den ersten Teilerlösen von
zirka 6,3 Mio. Euro, die voraussichtlich im ersten Halbjahr 05 eingehen,
werden wir die verbliebene Resthypothek zurückführen und aus
den Erlösen, die wir dann für die Jahre 2006 und 2007 geplant
haben, das operative interne Wachstum unterstützen.
DVI: Aus Ihrem Segment „Artist & Tours“
planen Sie, in 2005 die „Entertainment One AG“ an die Börse
zu bringen. Wir realistisch sind diese Pläne?
Herr Schwenkow: Wir haben keinerlei Zeitdruck und müssen
den IPO von Entertainment One AG nicht forcieren. Sollte das Kapitalmarktumfeld
in diesem Jahr positiv sein, werden wir diesen Schritt sicher tun. Das
würde dem Markt natürlich zeigen, was diese Beteiligung wert
ist. In dieser Firma liegen nach unserer Meinung ganz erheblich stille
Reserven.
DVI: Ihrer Schweizer Tochtergesellschaft „Good
News Productions AG“ (ebenfalls zum Segment „Artist &
Tours“ gehörend) wird ein fairer Wert von über 30 Mio.
Euro zugeschrieben. Wie sind die mittelfristigen Pläne für
diese Tochter, auch im Hinblick auf einen etwaigen zweiten Börsengang?
Herr Schwenkow: Sie werden verstehen, dass ich hierzu
noch keine Stellungnahme abgeben kann. Tatsächlich ist Good News
eine ganz wichtige und sehr werthaltige Beteiligung im DEAG Konzern.
Der Geschäftsführer hat gerade seinen Vertrag um weitere 3
Jahre verlängert. Sie sehen also, dass wir mit Good News einiges
vorhaben.
DVI: Wo liegen mittelfristig gesehen die Ziele der
DEAG und können Sie diese ohne Kapitalmaß-nahmen realisieren?
Herr Schwenkow: Die DEAG wird als führender Live-Entertainment-Anbieter
weiterhin intern wachsen und sich dabei zunehmend vom alleinigen Veranstalter
zum Produzenten von Events wandeln. Das bedeutet, dass mehr Rechte wie
z.B. TV, DVD und Publishingrechte zur Generierung höherer Margen
entstehen werden. Wir benötigen für dieses interne Wachstum
keine weiteren Kapitalmaßnahmen.
DVI: Wenn Sie so gut verdienen - weshalb versteht Sie
der Kapitalmarkt nicht?
Herr Schwenkow: Es wird unsere vordringliche Aufgabe
in den kommenden 12 Monaten sein, dem Kapitalmarkt wieder Vertrauen
in die DEAG Aktie zu geben. Wir haben 2002 schwere Fehler gemacht, haben
Ende 2003 mit der Kapitalerhöhung, der Abfindung der Banken und
der Lösung möglicher Prozeßrisiken die Weichen für
die Zukunft gestellt. 2004 war insofern ein Übergangs-jahr, in
dem wir uns auf unsere alten Stärken als Produzent und Veranstalter
besinnen konnten, und wir sehen für 2005 unsere Veranstaltungspipeline
gut gefüllt. 2005 werden wir operativ schwarze Zahlen schreiben
und die vollen Ergebnis- und Wachstumsperspektiven werden dann mit der
Wiedereröffnung des Hallenstadions in Zürich 2006 sichtbar
werden.
DVI: Der aktuelle Kurs Ihrer Aktie kann Sie keinesfalls
zufrieden stellen. Wo sehen Sie den fairen Wert Ihrer Aktie?
Herr Schwenkow: Natürlich bin ich mit dem Aktienkurs
nicht zufrieden. Ich glaube aber fest, dass er sich entsprechend entwickeln
wird, wenn wir dem Markt zeigen, dass wir unsere Hausaufgaben gemacht
haben und mit uns wieder als profitabler und starker Player zu rechnen
ist. Wir gehen dabei langfristig orientiert vor und meine Aufgabe als
CEO ist es, das operative Geschäft in diesem Sinne weiter voranzutreiben.
Durch dieses Vorgehen wird der Kurs sich dann so entwickeln, dass alle
Aktionäre - mich eingeschlossen - viel mehr Freude daran haben.
Analysten sehen den fairen Wert der Aktie - auf Basis dessen, was wir
jetzt schon zeigen können - zwischen 2,40 und 3,50 Euro.
DVI: Besten Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Chefredakteur Rochus C. Rüttnauer.
http://www.das-vorstandsinterview.de