13.01.05  DAS VORSTANDSINTERVIEW
DEAG Deutsche Entertainment AG

Interviewpartner: Peter L.H. Schwenkow, Vorstandsvorsitzender
Gehaltene Aktien: 248.000 Aktien (von 13,75 Mio.) des Grundkapitals, 1,3 Mio. Euro Wandelschuldverschreibungen
Das Interview wurde am 11.01.05 geführt. Kurs am 11.01.05 bei 1,87 Euro.

DEAG HomepageHintergrund: Die DEAG Deutsche Entertainment AG, die sich per Ende 2002 von ihrer verlustbringenden Beteiligung an der Stella Entertainment AG getrennt hatte und durch eine erfolgreiche Kapitalmaßnahme Ende 2003 frisches Geld in ihre Kassen brachte, steht per Ende 2004 gut aufgestellt da: Die Restrukturierung ist abgeschlossen, die DEAG konzentriert sich nunmehr erfolgreich auf ihr Kerngeschäft, den Live-Entertainment-Bereich. Die Q3-Zahlen wiesen ein Ergebnis je Aktie von +21 Cent (-40 Cent) auf, das aus operativen, wie auch nicht operativen Ergebnissen stammt. Da die Orderbücher für 2005 bereits gut gefüllt sind, wird im laufenden Jahr das Ergebnis operativ nachhaltig steigen. Wir haben Herrn Peter L.H. Schwenkow, Vorstandsvorsitzenden der DEAG, zu den mittelfristigen Aussichten für sein Unternehmen befragt.

Das Vorstandsinterview (DVI): Herr Schwenkow, erläutern Sie bitte unseren Lesern Ihre Geschäftsfelder.

Herr Schwenkow: Die DEAG Deutsche Entertainment AG produziert und veranstaltet professionelle Live-Unterhaltung. Unser Angebot ist dabei sehr breit gefächert und reicht von der Klassik wie dem Berliner Philharmonischen Orchester bis zu Rock- und Pop-Veranstaltungen wie Kylie Minogue, Rod Stewart und Elton John in Deutschland, Österreich, Schweiz und Grossbritannien. Wir betrei-ben Spielstätten wie z.B. die Waldbühne in Berlin, die Jahrhunderthalle in Frankfurt und das Hallenstadion in Zürich, Varieté Theater wie den Wintergarten in Berlin und den Friedrichsbau in Stuttgart und last but not least weltweite Konzerttourneen wie z.B. mit Paul McCartney.

DVI: Es ist Ihnen gelungen, äußerst hochrangige Künstler in jeder ihrer Sparten präsentieren zu können. Zur Zeit in aller Munde ist zum Beispiel die Sopranistin Anna Netrebko. Ist es so, dass die Künstler generell langfristige exklusive Kontrakte mit Ihnen eingehen und Sie dadurch eine gewisse Planungssicherheit in Bezug auf Ihre Umsätze haben?

Herr Schwenkow: Wir profitieren von langfristigen Verträgen, die in der Klassik möglich sind, z.B. mit Anna Netrebko oder André Rieu. Im Rock/Pop-Bereich ist das Gros der Künstler in seiner Attraktivität zu volatil. Hier erreichen wir jedoch eine Glättung der Schwankungen durch exklusive Bespielungsverträge wie z.B. mit der Waldbühne in Berlin oder dem Hallenstadion in Zürich. Unser Markt ist Nachfrage getrieben, von daher ist es in dem Segment nicht so wichtig, wer im kommenden Jahr auf Tournee geht, entscheidend ist, dass die Künstler kommen. Aber eines möchte ich auch sehr deutlich sagen, wir sind im Entertainment Business tätig: Das ist keine Behörde und kein Chemiebetrieb. Unser Geschäft ist natürlich immer wieder von Schwankungen und zeitlichen Umstellungen gekennzeichnet. Unsere langjährige Erfahrung, unsere Größe und Marktstellung und unsere deutlich optimierte interne Struktur ermöglichen es uns aber, diese Schwankungen auf das Gesamtgeschäft gesehen zu vermindern.

DVI: Die Umsatzbeiträge der Segmente betrugen 2003 von „Artist & Tours“ 89%, von „Urban Enter-tainment“ 4,7% und von „Theatres“ 6,3%. Wie sieht die Verteilung für 2004 aus?

Herr Schwenkow: Wir haben noch keine abschließenden Zahlen für 2004 vorliegen, gehen jedoch davon aus, dass im Großen und Ganzen diese Umsatzaufteilung in 2004 bestehen bleibt.

DVI: Erwarten Sie für 2005 eine weitere Verschiebung dieser Umsatzanteile, und worauf führen Sie diese zurück?

Herr Schwenkow: Wir erwarten für 2005 eine weitere Stärkung des Segments Artist & Tours, da auch das neue Segment Classics, das bei uns zweistellig wächst, zu Artist & Tours gehört, sodass wir in diesem Segment wahrscheinlich über 90% Umsatzanteil erzielen werden.

DVI: Sie haben sich in Deutschland eine erstklassige Stellung als Tourneeveranstalter erarbeitet und sind in der Schweiz sogar Marktführer. Gibt es Expansionspläne in andere Länder?

Herr Schwenkow: Nicht zu vergessen unsere marktstarke Position in Grossbritannien. Vielleicht sollte ich nochmals das Business Modell erklären: Wir sind in vielen Fällen als „Großhändler“ tätig, d.h. wir veranstalten auch in Spanien, Benelux, Skandinavien und USA - allerdings immer in Zusammenarbeit mit nationalen oder regionalen Promotern. Von daher gibt es für uns derzeit keine Notwendigkeit, eigene Niederlassungen in darüber hinaus gehenden Ländern zu etablieren.

DVI: Welche Unterschiede sehen Sie in der Vermarktung Ihrer Tickets im Vergleich zum Wettbe-werb, welche Vorteile haben Sie gegenüber der Konkurrenz?

Herr Schwenkow: Wir sind in der Wahl unseres Vertriebssystems vollständig frei, d.h. an kein Vertriebssystem exklusiv gebunden. Dieses schafft uns eine optimale Vermarktung und öffnet uns die Möglichkeiten für neue Vertriebssysteme wie z.B. print@home. Entscheidend wird für die nächsten zwei Jahre sein, dass wir die Zusatzerlöse aus diesen Vertriebskanälen erhöhen.

DVI: Der Umsatz 2004 wird durch die Renovierung des Hallenstadions Zürich und der daraus resultierenden Umsatzausfälle reduziert sein. Wie hoch schätzen Sie die Ausfälle ein und werden diese ab 2005 wieder voll ausgeglichen werden können?

Herr Schwenkow: Das Hallenstadion Zürich wird im 2. Halbjahr 2004 und im ersten Halbjahr 2005 durch die Stadt Zürich für 160 Mio. Schweizer Franken renoviert. Der Umsatzausfall beträgt pro Kalenderjahr rund 15. Mio. Euro und wird 2006 wieder voll ausgeglichen sein. Ich möchte hervor-heben, dass die Stadt Zürich hier für uns investiert. Die DEAG verfügt nach Abschluss der Reno-vierung über eine der modernsten Spielstätten Europas. Das wird künftig ein deutliches Asset sein, für das wir den Umsatzausfall jetzt gern in Kauf nehmen.

DVI: Ein sehr erfreulicher Aspekt der Q3-Zahlen ist, dass Sie die Zinsaufwendungen um über 50% gegenüber dem Vorjahreszeitraum reduzieren konnten. Wie sehen Sie Ihre Möglichkeiten, diese weiter zu reduzieren?

Herr Schwenkow: Unser Geschäftsmodell ist im Prinzip aufgrund der langen Vorverkaufszeiten cash-positiv. Da wir derzeit für das operative Geschäft keine Bankfinanzierungen in Anspruch nehmen, sollten sich die Zinsaufwendungen auch zukünftig weiter reduzieren lassen. Spätestens mit dem Verkauf der ersten Teilgrundstücke um die Jahrhunderthalle in Frankfurt entfallen auch die Zinsaufwendungen der hierauf liegenden 4 Mio. Euro Hypothek.

DVI: In Ihrer ad-hoc Meldung vom November 04 schreiben Sie, dass Sie die Organisation der DEAG weiter optimieren wollen. Bedeutet dies weiteren Restrukturierungsaufwand in 2004 und 2005 nach Kosten von 12,1 Mio. Euro in 2003?

Herr Schwenkow: Wir sehen derzeit keinen weiteren Restrukturierungsaufwand im Jahr 2005 und werden Ende des ersten Quartals durch den Umzug in neue Geschäftsräume weitere Einspa-rungen im sechsstelligen Bereich erzielen können.

DVI: Sie sind gerade dabei, Grundstücke der Jahrhunderthalle in Frankfurt zu verkaufen. Was werden Sie mit den Erlösen machen, die Sie für Mitte 2005 erwarten?

Herr Schwenkow: Aus den ersten Teilerlösen von zirka 6,3 Mio. Euro, die voraussichtlich im ersten Halbjahr 05 eingehen, werden wir die verbliebene Resthypothek zurückführen und aus den Erlösen, die wir dann für die Jahre 2006 und 2007 geplant haben, das operative interne Wachstum unterstützen.

DVI: Aus Ihrem Segment „Artist & Tours“ planen Sie, in 2005 die „Entertainment One AG“ an die Börse zu bringen. Wir realistisch sind diese Pläne?

Herr Schwenkow: Wir haben keinerlei Zeitdruck und müssen den IPO von Entertainment One AG nicht forcieren. Sollte das Kapitalmarktumfeld in diesem Jahr positiv sein, werden wir diesen Schritt sicher tun. Das würde dem Markt natürlich zeigen, was diese Beteiligung wert ist. In dieser Firma liegen nach unserer Meinung ganz erheblich stille Reserven.

DVI: Ihrer Schweizer Tochtergesellschaft „Good News Productions AG“ (ebenfalls zum Segment „Artist & Tours“ gehörend) wird ein fairer Wert von über 30 Mio. Euro zugeschrieben. Wie sind die mittelfristigen Pläne für diese Tochter, auch im Hinblick auf einen etwaigen zweiten Börsengang?

Herr Schwenkow: Sie werden verstehen, dass ich hierzu noch keine Stellungnahme abgeben kann. Tatsächlich ist Good News eine ganz wichtige und sehr werthaltige Beteiligung im DEAG Konzern. Der Geschäftsführer hat gerade seinen Vertrag um weitere 3 Jahre verlängert. Sie sehen also, dass wir mit Good News einiges vorhaben.

DVI: Wo liegen mittelfristig gesehen die Ziele der DEAG und können Sie diese ohne Kapitalmaß-nahmen realisieren?

Herr Schwenkow: Die DEAG wird als führender Live-Entertainment-Anbieter weiterhin intern wachsen und sich dabei zunehmend vom alleinigen Veranstalter zum Produzenten von Events wandeln. Das bedeutet, dass mehr Rechte wie z.B. TV, DVD und Publishingrechte zur Generierung höherer Margen entstehen werden. Wir benötigen für dieses interne Wachstum keine weiteren Kapitalmaßnahmen.

DVI: Wenn Sie so gut verdienen - weshalb versteht Sie der Kapitalmarkt nicht?

Herr Schwenkow: Es wird unsere vordringliche Aufgabe in den kommenden 12 Monaten sein, dem Kapitalmarkt wieder Vertrauen in die DEAG Aktie zu geben. Wir haben 2002 schwere Fehler gemacht, haben Ende 2003 mit der Kapitalerhöhung, der Abfindung der Banken und der Lösung möglicher Prozeßrisiken die Weichen für die Zukunft gestellt. 2004 war insofern ein Übergangs-jahr, in dem wir uns auf unsere alten Stärken als Produzent und Veranstalter besinnen konnten, und wir sehen für 2005 unsere Veranstaltungspipeline gut gefüllt. 2005 werden wir operativ schwarze Zahlen schreiben und die vollen Ergebnis- und Wachstumsperspektiven werden dann mit der Wiedereröffnung des Hallenstadions in Zürich 2006 sichtbar werden.

DVI: Der aktuelle Kurs Ihrer Aktie kann Sie keinesfalls zufrieden stellen. Wo sehen Sie den fairen Wert Ihrer Aktie?

Herr Schwenkow: Natürlich bin ich mit dem Aktienkurs nicht zufrieden. Ich glaube aber fest, dass er sich entsprechend entwickeln wird, wenn wir dem Markt zeigen, dass wir unsere Hausaufgaben gemacht haben und mit uns wieder als profitabler und starker Player zu rechnen ist. Wir gehen dabei langfristig orientiert vor und meine Aufgabe als CEO ist es, das operative Geschäft in diesem Sinne weiter voranzutreiben. Durch dieses Vorgehen wird der Kurs sich dann so entwickeln, dass alle Aktionäre - mich eingeschlossen - viel mehr Freude daran haben. Analysten sehen den fairen Wert der Aktie - auf Basis dessen, was wir jetzt schon zeigen können - zwischen 2,40 und 3,50 Euro.

DVI: Besten Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Chefredakteur Rochus C. Rüttnauer.

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