Brainpower N.V.
Interviewpartner:
Rocco Pellegrinelli, CEO und Chairman
Das Interview wurde am 06.12.04 geführt. Kurs am 06.12.04 bei 1,11
Euro.
Das Vorstandsinterview (DVI): Herr Pellegrinelli, was
macht Brainpower eigentlich?
Rocco Pellegrinelli: Brainpower entwickelt Software
und bietet Dienstleistungen zur Unterstützung bei Anlageentscheidungen
und für die Kommunikation. Unsere Kunden sind Asset Manager, Privatbanken,
Finanzberater, Analysten und Broker in Banken und anderen Finanzhäusern.
Mit unseren Produkten und Dienstleistungen helfen wir diesen Kunden,
ihre Finanzprodukte und ihre Anlageberatung qualitativ zu verbessern
sowie in den betreffenden Abteilungen ihrer Häuser schneller, effizienter
und damit letztlich auch kostengünstiger zu arbeiten.
DVI: Welches Potenzial birgt denn dieser Markt?
Rocco Pellegrinelli: Der Markt für unsere Produkte
und Dienstleistungen ist riesig und unsere potenziellen Kunden sind
außerordentlich finanzstark. Wir sprechen hier von mehr als 15.000
Finanzhäusern weltweit, darunter Banken, Fondsgesellschaften, Hedge
Fonds und Vermögens-beratungshäuser. Banken bestreiten rund
19 Prozent der globalen Ausgaben für Informations-technologie.
Und unser Zielmarkt wird weiter wachsen. Die Summe der verwalteten Vermögen
betrug im Jahr 2002 weltweit $30 Billionen. Die Boston Consulting Group
prognostiziert bis 2006 ein Wachstum auf $39 Billionen. Vermögensverwaltung
ist das am schnellsten wachsende Marktsegment: Die Anzahl der Dollar-Millionäre
wird laut einer Prognose der Tower Group jährlich um 12 Prozent
wachsen und der gleichen Prognose zufolge werden Investitionen in Analyse-software
alle anderen Segmente sowohl im Bereich Retail als auch im institutionellen
Bereich deutlich übertreffen.
DVI: Was unterscheidet Ihre Produkte von denen Ihrer
Wettbewerber?
Rocco Pellegrinelli: Es geht um Qualität, Nutzbarkeit
und Skalierbarkeit. Wir definieren Qualität als Mischung aus Anwendungsbreite
und -tiefe. Nutzbarkeit und Skalierbarkeit sind zentrale Para-meter
des Softwarezeitalters und wir wollen auch und gerade in diesen Kategorien
Innovations-führer sein. Wir wollen alle sechs Monate neue und
noch leistungsfähigere Versionen unserer Produkte auf den Markt
bringen. Das ist eine große Herausforderung und verlangt uns sehr
viel ab. Aber in diesem Geschäft ist man dem Wettbewerb entweder
voraus, oder man hinkt hinterher. Dazwischen gibt es nichts.
DVI: Wie begründet sich Ihrer Ansicht nach der
Bedarf im Markt an Ihren Produkten und Services?
Rocco Pellegrinelli: Nach dem Abwärtszyklus der
vergangenen Jahre sehen sich viele Finanzhäuser aktuell einer doppelten
Herausforderung gegenüber. Einerseits verlangen deren Kunden –
und insbesondere die vermögenden Privatkunden – einen besseren
Service, individuellere Beratung und eine insgesamt konsistentere Performance
– und das alles zu niedrigen Preisen. Andererseits ist die technologische
Infrastruktur der Banken nach Jahren sehr großer Investitionszurückhaltung
veraltet. Sie ist vielfach nicht mehr geeignet, den Anlageprofis bessere
und schnellere Services bei gleichzeitig niedrigen Kosten zu ermöglichen.
Das gilt insbesondere für den Bereich des Front Office, also den
Teil der Technik, den Asset Manager und Kundenbetreuer nutzen. Bei Brainpower
entwickeln wir Instrumente, die Banken in die Lage versetzen, ihre Finanzprodukte
und –dienstleistungen zu verbessern und vorhandene Ressourcen
effizienter zu nutzen. Wir alle kennen den Kosten- und Wettbewerbsdruck,
unter dem die Bank-häuser stehen. In diesem Umfeld haben unsere
Produkte und Dienstleistungen allerbeste Marktchancen. Die Nachfrage
nach Brainpower-Technologie ist unabweisbar vorhanden.
DVI: Das hört sich beinahe wie eine Killerapplikation
für einen riesigen Markt an. Wo sehen Sie die Herausforderungen
auf dem Weg zu mehr Wachstum für Ihr Unternehmen?
Rocco Pellegrinelli: Wie soeben bereits gesagt ist
der Markt für unsere Produkte riesig. Der aktuelle Anteil von Brainpower
an diesem Markt liegt bei unter einem Prozent. Das ist einerseits sicher
unbefriedigend, zeigt aber andererseits auch das gewaltige Wachstumspotenzial,
über das Brainpower verfügt. Unser Ziel ist es, auch mit Hilfe
von Partnern, die unseren Vertrieb ergänzen und verstärken,
in drei Jahren einen Marktanteil von drei bis fünf Prozent zu erreichen.
Allerdings reicht es bei weitem nicht aus, das richtige
Produkt zur richtigen Zeit zu haben. Der Schlüssel zu signifikantem
Wachstum ist die Fähigkeit, global zu verkaufen und auch After-Sales-Aktivitäten
zu betreiben. Das ist der Grund, warum wir den Vertrieb über Partnerkanäle
zur schnellen Stärkung unserer Vertriebskraft bei gleichzeitig
geringen Fixkosten zum integralen Bestandteil unserer Wachstumsstrategie
gemacht haben. Der Vertrieb über Drittpartner ist eine ideale Ergänzung
zu unseren eigenen, unmittelbaren Sales-Aktivitäten und eröffnet
uns attraktive zusätzliche Möglichkeiten, unsere Marktanteile
weiter zu erhöhen.
Eine unserer Hauptaufgaben ist es also jetzt, schnell
ein solides und qualitativ hochwertiges Netzwerk von Partnerschaften
aufzubauen, um über einen starken und globalen Vertrieb das identifizierte
Wachstumspotenzial auszuschöpfen. Daran arbeiten wir sehr hart
und erste Ergebnisse liegen ja bereits auf dem Tisch.
DVI: Welche Ergebnisse meinen Sie damit?
Rocco Pellegrinelli: Im Rahmen der Einführung
des neuen Produktes Reuters Wealth Manager (RWM) hat sich die Reuters
Gruppe entschieden, hochwertige Analysen für ihre Kunden mit Brainpower
Netxceed zu unterstützen. Brainpower-Technologie ist jetzt also
als funktionaler Bestandteil in ein Reuters-Produkt mit hohem Kundenvolumen
eingebettet. Reuters hat bereits mehr als 2.500 Absatzpositionen für
den RWM bekannt gegeben und an jeder einzelnen werden wir über
entsprechende Lizenzgebühren partizipieren. Das ist ein sehr vielversprechendes
Modell für künftiges Wachstum bei Brainpower, das wir in naher
Zukunft auch mit anderen Partnern umsetzen wollen.
Und wenn sich ein Unternehmen von der Bedeutung und
mit der Reputation der Reuters Gruppe bei einem Produkt von der Wichtigkeit
des Reuters Wealth Managers für Brainpower als Partner entscheidet,
dann sehen wir das ausnahmsweise einmal ganz unbescheiden auch als Beleg
für die Güte unserer Produkte.
DVI: Zu den Finanzen Ihres Unternehmens. In Ihrer Pflichtberichterstattung
zum 3. Quartal haben Sie angekündigt, dass Brainpower im 4. Quartal
erstmals seit dem Börsengang im September 2000 ein positives EBITDA
ausweisen wird.
Rocco Pellegrinelli: Richtig. Für das Schlussquartal
des Jahres 2004 erwarten wir nach Jahren roter Zahlen den Break Even.
Wir glauben, dass unsere langfristige Strategie nun beginnt, sich für
alle sichtbar auch in positiven Geschäftsergebnissen auszuzahlen.
DVI: Warum hat es so lange gedauert, die Gewinnzone
zu erreichen?
Rocco Pellegrinelli: Wir haben auch in den schwierigen
Jahren mit extrem schwacher Nachfrage stets in Innovationen investiert
und damit auf die nächste Aufwärtsphase im Zyklus gesetzt.
Das ist der Hauptgrund für den Cash Burn der zurückliegenden
Jahre. Wenn Sie im High Tech-Business nicht bereits im Vorfeld der nächsten
Aufwärtsphase, die ja im Zyklus beinahe unweigerlich kommen muss,
neue und bessere Produkte entwickeln, sind Sie dazu verdammt, Chancen
zu verpassen und dem Wettbewerb hinterherzulaufen. Sie sind nur dann
erfolgreich, wenn Sie gut auf sich ergebende Chancen vorbereitet sind.
Wir haben heute die richtigen Produkte für unsere Kunden, weil
wir stets – auch in sehr harten Zeiten – an unserer Vision
und unseren Investitionen in Forschung und Entwicklung festgehalten
haben.
DVI: Und was sind die Gründe für Ihren Optimismus
für 2005?
Rocco Pellegrinelli: Es gibt neben der Tatsache, dass
wir dank unserer kontinuierlichen Investitionen in die Zukunft heute
über extrem wettbewerbsfähige Produkte verfügen, im Wesentlichen
drei Gründe für unseren positiven Ausblick sowohl für
das laufende Quartal als auch für das gesamte Jahr 2005.
Erstens ist das Marktumfeld jetzt so günstig wie
seit 1999 nicht mehr. Banken beginnen, wieder in IT zu investieren und
unsere Business-Pipeline war noch nie so gut gefüllt wie heute.
Zweitens beginnen unsere Partnerschaften, erste Früchte
zu tragen. Der eben geschilderte Reuters-Deal ist eine erste hochwertige
Partnerschaft mit großem Potenzial. Wir sind sehr zuversichtlich
und haben allen Grund zu glauben, dass in 2005 weitere strategische
Allianzen folgen werden.
Und last but not least ist unser Geschäftsmodell
sehr robust und anpassungsfähig. Wir haben die typischen Vorteile
eines Software-Unternehmens, das einen globalen Markt von Tokio bis
Frankfurt, von New York nach London und Singapur mit einheitlichen Produkten
und Applikationen bedienen kann. Darüber hinaus sind rund 80 Prozent
unserer Umsätze fortlaufend, da wir unsere Produkte in der Regel
nicht verkaufen, sondern gegen Lizenzgebühren vermieten. Die meisten
unserer Verträge haben eine Laufzeit von drei Jahren, was Klarheit
und Kontinuität für unseren Cash-Flow mit sich bringt. Das
bedeutet, dass Teile unserer Umsätze für die kommenden Jahre
aufgrund der bestehenden Verträge heute bereits garantiert sind.
DVI: Sie haben vor wenigen Tagen eine Kapitalerhöhung
durchgeführt. Was waren die Gründe für diese Maßnahme?
Rocco Pellegrinelli: Das ist korrekt. Wir haben am
30. November durch die Ausgabe von 1,45 Millionen neuer Aktien Finanzmittel
in Höhe von € 1,7 Millionen erlöst. Dieser Zufluss frischen
Kapitals gibt uns zusätzliche Finanzkraft, um unser Wachstumspotenzial
in 2005 optimal ausschöpfen zu können. Diese Finanzspritze
in Kombination mit unserem sich kontinuierlich verbessernden Cash-Flow
gibt Brainpower eine solide Grundlage zur weiteren erfolgreichen Umsetzung
unseres Businessplans. Im Übrigen werten wir die Tatsache, dass
das gesamte Aktienpaket binnen kurzer Zeit vollständig platziert
werden konnte, auch als Beleg für das Vertrauen und die Unterstützung
des Kapitalmarktes in die Strategie und die Zukunft des Unternehmens.
DVI: Einige Analysten prognostizieren für Ihr
Unternehmen in 2005 einen Gewinn von 10 Cent pro Aktie. Was sagen Sie
dazu?
Rocco Pellegrinelli: Sie werden verstehen, dass ich
keine Analystenmeinungen kommentieren oder konkrete Ergebnisprognosen
abgeben möchte. Aber es ist richtig, dass es sehr positive und
ermutigende Einschätzungen zu unserem Unternehmen gibt. So haben
zum Beispiel die Analysten von Independent Research am 17. November
eine Analyse zu Brainpower veröffentlicht. Diese Analyse setzt
ein Kursziel für unsere Aktie von € 1,50 an und gibt eine
Kaufempfehlung für unser Papier.
Wir selber erwarten wie gesagt auch, dass 2005 ein
gutes Jahr sowohl beim Umsatzwachstum als auch beim EBIT sein wird.
Wir sind nicht zuletzt auch wegen unseres Bestandes von mehr als 100
zum Teil sehr namhaften Kunden in fünf Ländern bestens aufgestellt,
um das einmalige Asset unserer Spitzentechnologie in den vor uns liegenden
Jahren kraftvoll zu nutzen.
DVI: Besten Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Chefredakteur Rochus C. Rüttnauer.
http://www.das-vorstandsinterview.de