06.12.04  DAS VORSTANDSINTERVIEW
FORTEC Elektronik AG

Interviewpartner: Dipl.-Ing. Dieter Fischer, Alleinvorstand
Gehaltene Aktien: k. A., Gehaltene Optionen: 20.000 Optionen
Das Interview wurde am 02.12.04 geführt.

FORTEC HomepageHintergrund: Die Zahlen haben Seltenheitscharakter: Innerhalb von zehn Jahren haben sich die Umsätze bei Fortec mehr als versechseinhalb-facht. Und seit dem Geschäftsjahr 98/99 ist der Jahresüberschuss von 0,67 Mio. Euro auf 1,3 Mio. Euro knapp verdoppelt worden. In der Regel hat das Unternehmen 60% der Gewinne einbehalten und 40% ausgeschüttet, deshalb hat Fortec auch die Gewinnrücklagen auf 3,3 Mio. Euro per 30.6.04 anheben können. Fortec ist ohne jegliche Bankverbindlichkeiten und hat eine Eigen-kapitalquote von zirka 75%. Die Optionsscheine haben jedoch erst bei Aktienkursen von über 45 Euro einen inneren Wert. DVI hat den Alleinvorstand, Herrn Dipl.Ing. Dieter Fischer zu den weiteren Perspektiven des Unternehmens befragt.

Das Vorstandsinterview (DVI): Herr Fischer, wie haben Sie es in den letzten 20 Jahren geschafft – allen Konjunkturproblemen zum Trotz – kontinuierlich schwarze Zahlen auszuweisen und diese Wachstumsstory abzuliefern?

Herr Fischer: In ausgewählten Segmenten der Elektronikindustrie gehört Fortec im deutsch-sprachigen Raum zu den Marktführern, so bei den industriellen Netzteilen, die Nummer 2 bei den Industrierechnern und die Nummer 5 bei den Displays. Diese Strategie soll auch auf ganz Europa ausgedehnt werden. Wir entwickeln für unsere Kunden ausgesuchte Lösungen und erreichen damit nicht nur eine hohe Kundenbindung, sondern der Kunde ist auch angesichts des hohen Dienstleistungsanteils bereit, uns besser zu honorieren, als wenn wir ein reiner Material-beschaffer wären. Wir sind besonders stark in der Industrieautomatisation (Umsatzanteil ca. 40%), in der Medizintechnik (25%), im Segment „point of information“ (z.B. Fahrgastinformations-systeme bei ICE’s, Umsatzanteil ca. 25%).

Außerdem garantieren unsere einfachen Strukturen innerhalb der Gruppe eine direkte Nähe zum Kunden. Wir reagieren in wirtschaftlichen Boom-Phasen, wie zuletzt Mitte der 90er-Jahre, ganz anders, als wir dies heute tun, wo wir uns in einer relativen Stagnation befinden. Fortec verfügt bei ihren entscheidenden Mitarbeitern über langjährige Markt- und Managementerfahrung, und dies ist die Basis dafür, dass wir keinen einzigen Verlust seit der Gründung ausweisen mussten.

DVI: Was hebt Sie in Ihrer Unternehmensstrategie von den anderen Firmen in der Branche ab?

Herr Fischer: Unser Geschäftsmodell ist meines Wissens einmalig in der High Tech-Branche. Bei jeder anderen Gesellschaft steht eine Produktidee als Ausgangspunkt unternehmerischer Aktivitäten: Zuerst wird ein Produkt entwickelt, dann zur Serienreife gebracht und danach werden Kunden für dieses Produkt gesucht – damit sind mindestens 2 bis 5 Verlustjahre vor-programmiert.

Bei uns steht nicht das Produkt, sondern der Kunde als Ausgangsbasis für unternehmerisches Handeln. Wir haben uns für erklärungsbedürftigere Produkte wie Powersupplies, Displays und Embedded Computers entschieden. Heute lassen wir diese Geräte teilweise nach unseren Spezifikationen -vorwiegend in Asien- produzieren und bieten im deutschsprachigen Raum dementsprechend Dienstleistungen wie Beratung, Modifikationen und Anpassungen an. Unsere Strategie ist sehr einfach: Wir erhöhen beständig die Wertschöpfung bei bestehenden Kunden und vergessen dabei nicht, neue Kunden für existierende Produkte zu begeistern.

DVI: Sind Sie mit den Expansionsmöglichkeiten bei der Fortec-Gruppe am Limit angekommen, und können Sie nur noch über die Akquisition von Tochtergesellschaften wachsen?

Herr Fischer: Wir haben mit unserem aktuellen Produktportfolio inzwischen eine teilweise Markt führende Position erreicht. Aufgrund der oft atomistischen Struktur des Wettbewerbs sollte aber weiteres Wachstum in den nächsten Jahren durchaus möglich sein, nicht zuletzt durch unsere 1998 eingeleitete räumliche Expansion in vorerst die angrenzenden Nachbarstaaten. Wir haben aufgrund unserer gesicherten Position im Produktbereich in 2003 begonnen, für unsere bestehenden Kunden Subsysteme inklusive eigen entwickelter Hard- und Software nach deren Spezifikationen anzubieten. Dies ist zum Beispiel bei der von uns neu gegründeten Tochter-gesellschaft ROTEC Technologie GmbH in Rastatt der Fall. Hier entwickeln wir kundenspezifische Lösungen, z.B. Rückgabesysteme für Bibliotheken, Testsysteme für Halbleiterindustrie. Die ROTEC ist ein Beispiel dafür, wie wir wachsen wollen: Diese GmbH machte beispielsweise im Geschäftsjahr 03/04 einen Umsatz von 250.000 Euro und soll in 05/06 2 Millionen Euro umsetzen.

Parallel nutzen wir unsere Ingenieurkapazität, um unserer bestehenden Kundenbasis die komplette Ingenieurdienstleistung anbieten zu können. Darunter muss man sich vorstellen, dass ein Kunde mit einer Produktidee zu uns kommt, und wir ihm die komplette Entwicklung dafür machen, das Gerät zur Serienreife bringen und uns auch noch um die Produktion und Logistik kümmern. Wir sind damit also noch lange nicht am Limit unserer Möglichkeiten angekommen. Ganz im Gegenteil: Wir haben jetzt die Grundlagen gelegt, um unser Wachstum in den nächsten Jahren wieder deutlich beschleunigen zu können.

DVI: Sie sprechen von einem mittelfristigen Umsatzziel von 50 Mio. Euro, wie wollen Sie das erreichen?

Herr Fischer: 50 Mio. Euro sind eher unser mittelfristiges Ziel. Zum Beispiel wollen wir bei den Tochtergesellschaften mehr als 30% zulegen, sowohl bei der EMTRON GmbH wie auch bei der Altrac AG in der Schweiz. Auch bei der AG haben wir zweistellige Wachstumsraten, nicht nur im Umsatz, sondern auch im Ertrag geplant. Außerdem haben wir eine „Kriegskasse“ von mehr als 3 Mio. Euro, die wir für die Übernahme einer hochinteressanten Firma einsetzen wollen. Auch ist nicht ausgeschlossen, dass wir auch eigene Aktien als Akquisitionswährung einsetzen. Im laufenden Geschäftsjahr streben wir wieder ein Ergebnis über dem Vorjahr an, wie auch in den vergangenen Jahren. Der entscheidende Ergebnissprung wird jedoch im kommenden Geschäftsjahr stattfinden.

DVI: Wie groß soll Fortec im Jahr 2010 sein und welche Umsatzrendite wollen Sie bei dieser Zielerreichung Ihren Aktionären präsentieren?

Herr Fischer: Zum Ende des Jahrzehnts wollen wir 100 Mio. Euro erreichen. Etwa 60 Mio. Euro werden dann aus dem Produktbereich kommen, 40 Mio. Euro aus der Ingenieurdienstleistung und den Komplettsystemen. Wir hatten seit Anbeginn ein Renditeziel beim Umsatz von 7% bis 8%, welches wir in der Regel auch erreicht haben. Unsere Planung ist darauf aufgebaut, das auch bei einem Umsatz von 100 Mio. Euro zu erreichen. Mit dem Umsatz werden wir natürlich auch die Anzahl der Aktien erhöhen und planen, bis 2010 bei mindestens 1,5 Mio. Aktien zu sein. Auf diese erhöhte Anzahl je Aktie wäre dies dann ein Ergebnis je Aktie von zirka 3,75 Euro.

DVI: Welche Voraussetzungen müssen nach Ihrer Meinung gegeben sein, damit die emittierten Optionsscheine jemals wieder einen inneren Wert bekommen?

Herr Fischer: Der Anleger muss wieder erkennen können, dass Fortec nicht nur in der Rezession stabile Erträge erzielen kann und damit ein weitgehend risikoloser, attraktiver Dividendentitel ist, sondern dass Fortec auch wieder nachhaltig wächst. Hier stehen wir bei den Anlegern in der Pflicht. Bei steigenden Umsätzen und Erträge wird der Aktienkurs wie in der Vergangenheit wieder automatisch mit steigen. Aus heutiger Sicht rechne ich mit wieder sichtbaren Umsatzzuwächsen ab dem nächsten Geschäftsjahr 2005/06, weil die Ingenieurdienstleistungen und kompletten Industrie-PC-Systeme einen substantiellen Ergebnis- und Umsatzanteil haben werden.

DVI: Wie viel Geld wollen Sie durch die Optionsscheine vereinnahmen und was soll mit dieser Liquidität angefangen werden?

Herr Fischer: Wir rechnen mit Einnahmen von 13,5 Mio. Euro aus den Optionsscheinen (300.000 Optionen x 45 Euro Basispreis). Dies sollte es uns ermöglichen, neben unserer internen Expan-sionsstrategie eine substantielle Akquisition zu tätigen, das heißt, mindestens ein Unternehmen in der Größenordnung von 30-40 Mio. Euro Umsatz liegt. Mit dieser Akquisition können wir unser Ziel „100 Mio. Euro Umsatz erreichen“, schneller umsetzen.

DVI: Setzt dies nicht einen Kurs der Fortec-Aktie von mindestens 50 Euro voraus?

Herr Fischer: Ja natürlich, aber die 50 Euro sind noch nicht das Kursziel, das ich mittelfristig sehe.

DVI: Ihr Vorstandsvertrag läuft noch bis zum 30.6.2008. Werden Sie nochmals für eine weitere Amtszeit antreten?

Herr Fischer: Ich möchte mit der Fortec die 100-Millionen Euro Umsatzgrenze überschreiten. Dies wird wohl noch nicht Mitte 2008 erreicht sein. Damit werde ich voraussichtlich noch für eine weitere Amtszeit, also bis 2013, zur Verfügung stehen.

DVI: Welche strategischen Ziele haben Sie in dieser Zeit und welche Vision haben Sie für den Aktienkurs?

Herr Fischer: Langfristig sehe ich die Fortec auf den drei Säulen High Tech Produkte (das, was die Fortec bislang hauptsächlich macht), Ingenieurdienstleistung und Komplettsysteme inklusive Hard- und Software. Mit den letzten beiden Segmenten haben wir gerade erst begonnen. Wenn unsere Strategie aufgeht, beziehungsweise wenn die ersten substantiellen Erfolge auch für den Anleger sichtbar werden, denke ich, dass der Kurs in zwei bis drei Jahren zwischen 60 und 80 Euro liegen wird.

DVI: Besten Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Chefredakteur Rochus C. Rüttnauer.

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