Mount10 Holding AG
Interviewpartner: Adrian Knapp, Vorstandsvorsitzender und Präsident
des Verwaltungsrates
Das Interview wurde am 26.11.04 geführt. Kurs am 25.11.04 bei 0,86
Euro.
Hintergrund:
Die Schweizer Holdinggesellschaft Mount10 hat in 2003 ihr Geschäftsmodell
umgestellt und gleichzeitig ein rigoroses Sparprogramm umgesetzt. Mount10
hat sich darauf spezialisiert, Datenbestände von Unternehmen in
optimaler Weise zu speichern und zu sichern. Da die Datenmengen in den
Unternehmen rasant anwachsen, ergeben sich für alle Unternehmen
die Probleme „ausreichender Speicherplatz“ und „effizientes
backup“ – hierfür stellt Mount10 Lösungen zur
Verfügung. Durch die Aufgabe des Hardwaregeschäftes und die
Konzentration auf die Datensicherungen hat sich der Umsatz von 2002
auf 2003 um 36% reduziert; die Vorsteuergewinn-Marge stieg jedoch von
-13,9% auf +6,0%. Auch die Eigenkapitalquote lag per Dezember 2003 bei
37,6% (2002: 20,5%). Wir haben Adrian Knapp zur aktuellen Lage seines
Unternehmens und den Zukunftsperspektiven befragt.
Das Vorstandsinterview (DVI): Herr Knapp, bitte schildern
Sie unseren Lesern Ihr Geschäfts-modell.
Herr Knapp: Mount10 ist ein Softwarelösungshaus
mit einem klaren Focus auf den Bereichen der Datenspeicherung, Datensicherung
und Datenaufbewahrung. Wir sind ein optimaler Partner in Zentraleuropa,
gerade in erweiterten EU-Ländern, damit Sie Ihre Daten optimal
speichern und auch wieder finden können und vor allem auch die
neuen Gesetzesregelungen, zum Beispiel in Deutschland mit den GDPdU
(Grundsätze zum Datenzugriff und zur Prüfbarkeit digitaler
Unterlagen), eröffnen uns neue Geschäftsmöglichkeiten.
Auch für den in den USA geltenden Sarbanes-Oxley-Act, der sich
mit dem gleichen Thema beschäftigt (Daten müssen gesetzes-konform
aufbewahrt werden, damit sie im Falle von Recherchen oder Audits von
den Behörden wieder gefunden werden können), haben wir neue
Produkte und Lösungen entwickelt.
DVI: Herr Knapp, in welcher Weise können Sie den
Unternehmen bei der Datensicherung Ihre Produkte und Dienstleistungen
anbieten?
Herr Knapp: Wir bieten unseren Kunden eine optimale
Verbindung zwischen unseren Software-Lösungen und den Professional
Services, als Gesamtlösung im Bereich Datenspeicherung und –sicherung.
Der Vorteil ist ganz klar: Gute Software-Technologie, verbunden –
und das ist eben ganz wichtig - mit den entsprechenden Integrationsservices.
Gerade diese Kombination ist ein herausragendes Alleinstellungsmerkmal
unseres Unternehmens.
DVI: Und wie sind Sie auf den hierfür etwas ungewöhnlichen
Namen „Mount10“ gekommen – hat er etwas mit Ihrem
Unternehmen zu tun?
Herr Knapp: Der Name Mount10 ist das einzige Überbleibsel
aus der Zeit unseres Unternehmens, als wir im managed-hosting-services-Bereich
positioniert waren – das war vor rund vier Jahren – und
ist auch Hintergrund der bekannten Geschichte, dass wir einen Berg in
den Schweizer Alpen als Data Center betrieben haben, wo die Daten eingespeichert
und eingelagert werden konnten. Wir verfolgen dieses Geschäftsmodell
nicht mehr. Wir sind ganz klar ein Software-Unternehmen und werden daher
versuchen, den Berg samt seiner Infrastruktur zu verkaufen. Entsprechende
Verhandlungen laufen bereits, denn diese Art der Datenauslagerung hat
in Zeiten des Terrorismus mit all seinen Formen einen nicht zu unterschätzenden
Wert und daher hoffen wir auf einen Verkaufserlös, der über
unserem Buchwert liegt.
DVI: Welche Unternehmen sind Ihre Kunden, und wie sehen
Sie hier die zukünftige Entwicklung?
Herr Knapp: Grundsätzlich sind datensensitive
und datenintensive Unternehmen unsere Haupt-zielgruppe, dies können
Sie aus unserer Referenzliste klar erkennen: Hier finden Sie Unter-nehmen
wie T-Systems, General Mills, Inc. (USA) oder TietoEnator, den größten
Systemintegrator in Skandinavien. Insbesondere der Mittelstand, der
sowohl datensensitive, als auch daten-intensive Materialien zu betreuen
hat, ist unsere Hauptzielgruppe.
DVI: Ihre Umsätze resultieren zu mehr als 50%
aus Deutschland, der Rest verteilt sich auf Finnland, Österreich
und die Schweiz. Wie sieht es mit dem restlichen Europa aus –
wollen Sie dorthin expandieren?
Herr Knapp: Wir sind erfreut, dass wir in Deutschland
sehr gut positioniert sind. Dies ist historisch bedingt, da unser Softwarehaus
in Hamburg liegt; wir hatten schon immer „einen starken Fuß
in Deutschland“, da wir glauben, dass es für uns sehr wichtig
ist, die deutschsprachigen Länder kompetent zu betreuen. Andererseits
werden verschiedene Geschäfte, insbesondere im EU-Osterweiterungsraum,
über die Schweiz abgewickelt. Dies verzerrt das Bild hinsichtlich
des Anteils der Schweiz etwas – der Anteil des Schweizer Geschäftes
ist ganz klar kleiner, als er effektiv aus der Segmentsberichtserstattung
ersichtlich ist. Die EU-Osterweiterungsländer sind einer unserer
Schwerpunkte der Expansion, die wir über Vertriebspartnerschaften
bearbeiten. Diese Länder werden bereits im kommenden Jahr einen
nennenswerten Umsatzbeitrag leisten.
DVI: Ein minimaler Prozentsatz Ihres Umsatzes stammt
aus den USA. Weshalb sind Sie dort engagiert – und wie hoch sind
die anfallenden Kosten hierfür?
Herr Knapp: In den USA betreuen momentan zwei Mitarbeiter
einen großen Kunden, auf den wir sehr stolz sind: Es handelt sich
um General Mills, Inc., die mit Marken wie z.B. Häagen-Dazs, Old
El Paso oder Green Giant einen jährlichen Umsatz von 12,3 Mrd.
US-Dollar macht. Das tägliche Backup Volume von General Mills beträgt
16 TerraByte (Anm. d. Red.: Ein Terabyte entspricht 1000 Gigabyte).
Mit unserem HiBack® Classic wird diese Aufgabe inklusive Verifizierung
des Backups in fünf Stunden erledigt. Unser Vertrag mit General
Mills ist langjährig und läuft vorerst noch 2,5 weitere Jahre:
Wir sind im geographischen Segment USA profitabel und möchten deshalb
diesen Markt auch kontinuierlich ausbauen.
DVI: Eine Frage zu Ihrer neuen Produktlinie MyHiBackTM
und HiFreezerTM: Wodurch heben sich diese von den Konkurrenzprodukten
ab?
Herr Knapp: MyHiBack™ ist ein Produkt, das in
den stark wachsenden Bereich von mobile computing positioniert ist.
Wir sind überzeugt davon, dass die ganze Datensicherung von Notebooks
sehr viel effizienter gestaltet werden muß. MyHiBack™ ist
die ideale Lösung hierfür. Dies ist ein Markt, der enormes
Wachstum bringen wird, und die Konkurrenz in diesem Segment ist relativ
übersichtlich, sprich es gibt wenig Konkurrenten. Wir erwarten
mit diesem Produkt eine erhebliche Umsatz- und Margenentwicklung. Unser
neues Produkt HiFreezerTM, das wir Anfang nächsten Jahres lancieren
werden, reagiert ganz klar auf die Gesetzesauflagen im Zusammen-hang
mit der Aufbewahrung von Unternehmensdaten. Auch hier rechnen wir mit
einem überdurchschnittlichen Wachstumspotential.
DVI: Ihr Q3-Bericht 04 war eher enttäuschend.
Wie sehen Sie das?
Herr Knapp: Ich bin absolut unzufrieden mit der Entwicklung
in den ersten drei Quartalen 2004. Die Gründe hierfür sehen
wir sicherlich einerseits in der schleppenden Wirtschaft in Zentraleuropa,
insbesondere in Deutschland, aber auf der anderen Seite spüren
wir die enorme Zurückhaltung bei den Kunden nicht im Absagen von
großen Projekten, sondern durch ständiges Verschieben dieser
Projekte. Wir haben eine sehr große Project-Pipeline, aber leider
dauert es derzeit viel länger, bis diese Verträge abgeschlossen
werden. Darunter litten wir, jetzt sehen wir Licht am Ende des Tunnels.
DVI: Vor kurzem haben Sie mit dem Kooperationsauftrag
mit der deutschen COLT Telecom GmbH überrascht. Wie ist es Ihnen
gelungen, diesen „dicken Fisch“ an Land zu ziehen?
Herr Knapp: Der Abschluss mit COLT Telecom ist sicher
eine Kombination von einerseits guter Technologie, die wir ohne jeden
Zweifel zur Verfügung stellen, den hervorragenden Referenz-kunden
in diesem Bereich, einem guten Beziehungsnetz zur Firma COLT Telecom
und dem lokalen Vorteil, den wir hier ausspielen konnten. Für diesen
Partner ist es sehr wichtig, dass er lokalen Zugriff auf unsere gesamte
Serviceunterstützungsorganisation hat. Wir erwarten durch diese
Kooperation bereits in 2005 ein steigendes Geschäftsvolumen.
DVI: Wie wird dieser Auftrag das Ergebnis im nächsten
Jahr beeinflussen?
Herr Knapp: Nach einer Anlaufphase von einem bis zwei
Quartalen erwarten wir einen positiven Impact auf unsere Resultate,
was sich auch auf das Ergebnis je Aktie auswirken wird. Wir sind besonders
stolz darauf, dass auch dieser Vertrag langjährigen Charakter hat.
DVI: Wird Ihnen dieser Referenzauftrag Türen an
anderer Stelle öffnen?
Herr Knapp: Wir sind davon überzeugt, dass es
extrem wichtig ist, relativ regelmäßig mit derart großen
Unternehmen langjährige Verträge abschließen zu können.
Dies hat eine Signalwirkung auf andere mögliche Kunden, mit welchen
wir aktuell in Verhandlungen stehen.
DVI: Welches EPS (= Earnings per share = Gewinn pro
Aktie) erwarten Sie insgesamt in 2005?
Herr Knapp: Durch den Management-Buy-Out in Finnland
wird der Umsatz im kommenden Jahr um zirka 2 Mio. Euro zurückgehen.
Wir werden jedoch auf alle Fälle schwarze Zahlen schreiben. Wir
werden 2004 auf EBITDA-Ebene mit einem leichten Minus abschließen
und planen, unter Umständen gewisse Bilanzpositionen zum Jahresende
2004 zu bereinigen, um für das kommende Jahr eine besonders gute
Ausgangsposition zu haben. Das Ergebnis 2005 hängt in erster Linie
auch davon ab, wie viel Zinsen für die Wandelanleihe bezahlt werden
müssen und wie viele Aktien vorzeitig gewandelt werden. Aus diesen
Gründen ist eine exakte EPS-Prognose derzeit relativ schwierig,
aber es ist durchaus vorstellbar, dass wir neue Höchstwerte erreichen.
DVI: Wo sehen Sie den fairen Wert Ihrer Aktie?
Herr Knapp: Den Wert einer Aktie bestimmt der Markt,
aber wir sehen in der gesamten IT-Branche eine gewisse Belebung. Wir
werden aufgrund der regionalen Diversifikation und unserer innovativen
Produkte im kommenden Jahr nachhaltig Geld verdienen. In den USA gibt
es mehrere Beispiele dafür, dass sehr hohe Multiples bezahlt werden,
wenn ein Unternehmen eine gewisse Technologie kaufen will. Es gibt auch
in Deutschland viele andere Fälle, wo Softwarefirmen deutlich unterbewertet
sind und daher noch ganz erhebliches Kurssteigerungspotential haben.
Zu diesen Firmen zählen wir auch.
DVI: Besten Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Chefredakteur Rochus C. Rüttnauer.
http://www.das-vorstandsinterview.de