Dr. Hönle AG
- UV-Technologie
Interviewpartner: Herr Norbert Haimerl, Vorstandsmitglied
Das Interview wurde am 07.10.04 geführt. Kurs am 07.10.04 bei 7,17
Euro.
Hintergrund:
Dr. Hönle AG, ein Systemanbieter im Bereich von UV-Trocknungs-geräten
und –lacken ist in einem absoluten Zukunftsmarkt tätig: Branchenanalysen
gehen davon aus, dass der UV-Markt aufgrund der Substitution herkömmlicher
Verfahren jedes Jahr um etwa 10 % wächst. Die mittels UV-Technologie
hergestellten Produkte ermöglichen höhere Produktionsgeschwindigkeiten,
eine bessere Oberflächenqualität und zeichnen sich wegen ihrer
Lösungsmittelfreiheit auch durch eine größere Umweltfreundlichkeit
aus. Diesen Trend macht sich Dr. Hönle zunutze: Wurden im Geschäftsjahr
01/02 (30.9.) noch 13,3 Mio. Euro Umsatz gemacht, so sollen es im kommenden
Jahr (ohne Akquisitionen) zirka 25 Mio. Euro werden. Dabei wachsen die
Erträge dreistellig. Allein in den ersten neun Monaten des laufenden
Geschäftsjahres (also per 30.6.) ist das Vorsteuerergebnis um 144
% gestiegen. Dreistellige Zuwachsraten im Ertrag haben in Deutschland
höchstens 20 Unternehmen vorzuweisen. Dr. Hönle zählt
zu diesen Gesellschaften. DVI hat das Vorstandsmitglied, Herrn Norbert
Haimerl, zu den Wachstumschancen des Unternehmens gefragt.
DVI: In welchen Anwendungsfeldern werden die Vorteile
der UV-Technologie am meisten geschätzt?
Herr Haimerl: 60 % unserer Umsätze machen wir
im Bereich Farb- und Lacktrocknung. Unsere Kunden kommen hier aus der
Druck- und der Beschichtungsindustrie. Im Bereich Kleb- und Kunststoffe
liegt der Umsatzanteil bei 30 %, die restlichen 10 % verteilen sich
auf die Oberflächen-entkeimung und die Sonnensimulation. Die Gründe,
warum sich unsere Kunden letztlich für den Einsatz der UV-Technologie
entscheiden, sind sehr unterschiedlich. Die Wünsche reichen von
der Senkung der Produktionskosten, einer besseren Qualität der
produzierten Endprodukte, bis hin zu Umweltgesichtspunkten. Herkömmliche
Farben und Lacke beinhalten bis zu 80 % Lösemittel. Beim Einsatz
von UV-Farben und Lacken, aber auch bei Klebstoffen kann auf Lösemittel
verzichtet werden. Die Qualitätsvorteile im Farben und Lackbereich
bestehen vor allem in einer kratz-beständigeren Oberfläche,
hohen Glanzgraden und einer Lösemittelbeständigkeit.
DVI: Die Druckindustrie ist eine wichtige Abnehmerbrache
der Dr. Hönle AG. Hat die Branche ihre Talsohle jetzt durchschritten?
Herr Haimerl: Die Stimmung in der Druckindustrie hellt
sich unseres Erachtens zusehends auf. Wir haben neue Großkunden
hinzugewonnen und beliefern sehr interessante neue Anwendungs-felder.
Druckbereiche wie der Offsetdruck und Flexodruck, aber auch der Inkjet
Druck, haben sich in diesem Geschäftsjahr sehr positiv entwickelt.
Im Unternehmenssegment Farben und Lacke haben wir daher in den ersten
neun Monaten eine Umsatzsteigerung von 49 % gegenüber dem Vorjahr
erzielt. Diese Entwicklung gibt Anlass optimistisch in die Zukunft zu
blicken.
DVI: Sind Sie mit den Impulsen von der DRUPA, der weltgrößten
Druck- und Papiermaschinen Messe, die nur alle vier Jahre stattfindet,
zufrieden?
Herr Haimerl: Die DRUPA wurde mit großer Spannung
erwartet, weil sie die weltweit führende Fachmesse für die
Druckindustrie ist und als wichtiges Stimmungsbarometer gilt. Wie den
Medien zu entnehmen war, haben sich die Teilnehmer überwiegend
positiv über den Verlauf der Messe geäußert. Auch die
Erwartungen von Hönle wurden voll erfüllt. Die neuen Hönle
Produkte, wie das elektronische Vorschaltgerät und weiterentwickelte
leistungsstarke UV-Trockner trafen auf große Resonanz. Auftragseingang
und Auftragsbestand liegen deutlich über Vorjahresniveau.
DVI: Wann werden Sie den ersten Auftrag in der Automobilindustrie
machen können, und was für ein Volumen dürfte dieser
Auftrag voraussichtlich haben?
Herr Haimerl: Die Automobilindustrie ist bereits ein
wichtiger Abnehmerkreis für uns. Wir gehen davon aus, dass in drei
bis vier Jahren die UV-Technik in weit mehr Anwendungsfeldern als bisher
bei der Fertigung von Automobilen Einzug halten wird. Wir denken dabei
an die Lackierung ganzer Automobilkarossen oder an den Einsatz neuartiger
UV-reaktiver Substanzen im Karosserie-bereich. Wir sind heute schon
in diesem Bereich aktiv, um uns diesen interessanten Zukunfts-markt
zu erschließen.
DVI: Schildern Sie bitte unseren Lesern, wie sich die
Umsatzanteile zwischen Geräten und Klebstoffen in den letzten Jahren
entwickelt haben.
Herr Haimerl: Wir sind 2001 als UV-Anlagenbauer an
die Börse gegangen. In den darauf folgenden Jahren haben wir uns
zum UV-Systemanbieter entwickelt. UV-Anlagen, Strahler und Klebstoffe
werden auf den jeweiligen Prozess abgestimmt und ermöglichen es
unseren Kunden optimale Produktionsergebnisse zu erzielen. Für
uns hat die Entwicklung zum Systemanbieter zudem den Vorteil, dass wir
uns durch den Verkauf von Verbrauchsgütern von konjunkturellen
Schwankungen im Investitionsgüterbereich unabhängiger machen.
Der Verbrauchsgüteranteil beträgt derzeit ca. 20 %, er soll
in den nächsten drei Jahren auf über 30% weiter steigen.
DVI: Welchen Umsatz und welches Ergebnis erwarten Sie
für Hönle im Jahr 2010?
Herr Haimerl: Wir möchten in Zukunft organische
Umsatzzuwachsraten zwischen 10 % und 20 % pro Jahr erzielen. Die Bedingungen
dafür sind gut. Der UV-Markt ist nach Expertenmeinung, aber auch
nach unserer Einschätzung, aufgrund der Vorteile die die UV-Technik
gegenüber den herkömmlichen Trocknungsverfahren bietet, ein
Wachstumsmarkt. In diesem Markt ist die Dr. Hönle AG mit leistungsstarken
Systemlösungen, einem hochmotivierten Mietarbeiterteam und kerngesunden
Bilanzstrukturen hervorragend aufgestellt. Aufgrund der geringen Fertigungstiefe
und der Konzentration auf unsere Kernkompetenz den Bereich Forschung
und Entwicklung erwarten wir im Vergleich zum Umsatzwachstum eine überproportionale
Ergebnisentwicklung. Im kommenden Jahr streben wir daher eine EBIT-Quote
von ca. 16 % an.
DVI: Sie sitzen auf liquiden Mitteln von über
16 Mio. Euro. Warum setzen Sie diese Liquidität nicht einfach zur
Übernahme eines unangenehmen Wettbewerbers ein?
Herr Haimerl: Wir haben als börsennotiertes kerngesundes
Unternehmen mit einem hohen Cashanteil sehr gute Möglichkeiten
innerhalb der nächsten Jahre über operatives Wachstum und
Akquisitionen zu einem der größten UV-Anbieter weltweit aufzusteigen.
Wir beobachten den Markt derzeit sehr aufmerksam. Unser Fokus liegt
dabei auf europäischen Unternehmen die im Bereich UV-Anlagen, UV-Strahler
und Klebstoffe tätig sind.
DVI: Wie viel eigene Aktien haben Sie derzeit im Bestand,
und was wollen Sie damit anfangen?
Herr Haimerl: Wir haben innerhalb der letzten Monate
eigene Aktien zurückgekauft und werden diese vorrangig für
Akquisitionen verwenden. Die Anzahl der eigenen Aktien beläuft
sich derzeit auf ca. 140.000 Stück.
DVI: Die Kursentwicklung war durch mehrere Blocktransaktionen
in den letzten Wochen negativ beeinflusst. Haben diese Investoren kein
Vertrauen in die Entwicklungsfähigkeit Ihres Unter-nehmens, oder
sind die Umsatz- und Ertragserwartungen nach außen zu wenig bekannt?
Herr Haimerl: Wir hatten in den letzten Monaten einen
erhöhten Abgabedruck von Seiten institutioneller Investoren. In
den letzten Wochen konnten wir jedoch in mehreren Einzel-gesprächen
mit Vertretern von Fonds und Vermögensverwaltungen wieder ein starkes
Interesse institutioneller Anleger an der Hönle Aktie feststellen.
Der erst vor kurzem erstellte neue Research Bericht der Norddeutschen
Landesbank spiegelt den UV-Markt und unser Unternehmen sehr gut wieder.
Mehrere Einzelgespräche mit institutionellen Investoren sind in
den nächsten Wochen geplant.
Wir gehen davon aus, dass die Umsatz und Ertragserwartungen
allen interessierten Investoren über die Quartalsberichte und diverse
Presseveröffentlichungen bekannt bzw. zugänglich sind.
DVI: Welche Maßnahmen werden Sie in den kommenden
Wochen im Rahmen Ihrer IR-Arbeit ergreifen?
Herr Haimerl: Wir werden unsere Pressearbeit verstärken,
werden unsere IR-Arbeit europaweit ausrichten und aktiv potentielle
Investoren informieren.
DVI: Analysten billigen Ihnen im kommenden Jahr einen
Umsatz von knapp 25 Mio. Euro und ein Ergebnis je Aktie von ca. 60 Cent
zu. Was sagen Sie zu diesen Prognosen?
Herr Haimerl: Wie bereits erwähnt, gehen wir im
kommenden Jahr von Umsatzzuwachsraten von 10 – 20 % aus. Als EBIT-Quote
streben wir im Jahr 2004/2005 die 16 % an.
DVI: Welchen Gewinnmultiplikator sehen Sie für
Ihr Wachstumsunternehmen als fair an?
Herr Haimerl: Wir gehen davon aus, dass wir mit einem
Umsatzwachstum von 10 – 20 % ein überproportionales Ergebniswachstum
erzielen können. Derzeit liegt das KGV für 2005 mit einem
Kurs von 7,00 € bei ca. 12. Alleine die liquiden Mittel und die
Finanzanlagen belaufen sich auf über 3 € je Aktie. Setzt man
das KGV ins Verhältnis zum Ergebniswachstum, so sehen wir in Bezug
auf den Gewinnmultiplikator noch deutliches Potential in der Zukunft.
Voraussetzung ist immer, dass sich die allgemeine Stimmung an den Kapitalmärkten
verbessert.
DVI: …..also ein Kurs von 13 Euro je Aktie wäre
Ihrer Meinung nach angemessen?
Herr Haimerl: Welcher Kurs tatsächlich angemessen
ist, bestimmt der Markt. Wir sehen jedoch noch deutliches Potenzial
nach oben.
DVI: Wie wollen Sie die Aktionäre am diesjährigen
Erfolg teilhaben lassen?
Herr Haimerl: Wie auf der letzten Hauptversammlung
berichtet, verfolgt die Dr. Hönle AG grund-sätzlich das Ziel,
ihre Aktionäre am Erfolg des Unternehmens zu beteiligen. In welchem
Umfang diese Beteiligung ausfällt, wird sich an der Höhe des
erzielten Ergebnisses und den geplanten Vorhaben orientieren. Für
das Geschäftsjahr 2003/2004 ist eine Dividende, die deutlich über
der des Vorjahres liegt, geplant.
DVI: Besten Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Chefredakteur Rochus C. Rüttnauer.
http://www.das-vorstandsinterview.de