COMTRADE AG
Interviewpartner: Dr. Babette Sievers, Vorstandsvorsitzende (seit 2003)
Gehaltene Aktien: Keine; Grundkapital ist in 9,8 Mio. Aktien eingeteilt
Die
Hamburger Comtrade AG ist ein herstellerunabhängiges IT-Leasingunternehmen.
In 2003 erfolgte eine radikale Re-strukturierung, mit dem Ziel sich
wieder voll auf das Kerngeschäft zu konzentrieren. Ausflüge
in die Bereiche eSolutions und allgemeines Mobilienleasing hatten die
Gesellschaft in den letzten Jahren in Probleme gebracht. Nun sind diese
Bereiche ausgegliedert worden bzw. in die Abwicklung gegangen. Im Kerngeschäft,
der Finanzierung von IT für Großunternehmen und große
Mittelständler sowie der Handel mit im wesentlichen gebrauchtem
IT Equipment besitzt Comtrade Alleinstellungsmerkmale. Auch im Vorstand
gab es in 2003 wesentliche Veränderungen zu denen wir die Vorstandsvorsitzende
Dr. Babette Sievers befragt haben.
Das Vorstandsinterview (DVI): Frau Dr. Sievers, bitte
erläutern Sie unseren Lesern, ob Sie Ihr Geschäftsmodell umgestellt
haben oder was die Gründe sind, dass Sie jetzt so gut wachsen können.
Frau Dr. Sievers: Wir haben das Geschäftsmodell
nicht umgestellt, sondern uns durch die Restrukturierung im Jahr 2003
wieder voll auf unser Kerngeschäft konzentriert. Die Ausflüge
in den Bereich eSolutions und allgemeines Mobilienleasing haben die
Gesellschaft viel Geld gekostet. Dementsprechend sind diese Bereiche
ausgegliedert worden bzw. in die Abwicklung gegangen. In unserem Kerngeschäft,
der Finanzierung von IT für Großunternehmen und große
Mittelständler sowie der Handel mit im wesentlichen gebrauchtem
IT Equipment haben wir Alleinstellungsmerk-male, die uns Wettbewerbsvorteile
sichern. Diese Alleinstellungsmerkmale liegen in der Verknüp-fung
von IT-Finance und Brokerage sowie dem ISO-zertifizierten Servicecenter
in Moerfelden (hohes knowhow bei der Überholung von Leasing-Rückläufern).
Die Hersteller- und Banken-unabhängigkeit erlaubt uns freie Entscheidungsfähigkeit.
DVI: Welche Umsatz- und Ergebnisplanungen haben Sie
für das laufende Jahr?
Frau Dr. Sievers: Wir haben bisher keine Planungen
herausgegeben. Nur soviel an dieser Stelle: Unser Schwerpunkt liegt
in der Ergebnisverbesserung. Dementsprechend gehen wir von einem substantiell
positiven Ergebnis für das Jahr 2004 aus. Wie sich der Umsatz entwickeln
wird, hängt davon ab, wie viel Liquidität wir in Neugeschäft
bzw. Trade investieren werden. In jedem Fall wird sich der Umsatz im
Vergleich zu 2003 wesentlich erhöhen. Der Ertrag in 2004 wird deutlich
positiv, die Wende wird ab dem zweiten Quartal absehbar sein.
DVI: Welche Risiken liegen denn in Ihrem Geschäftsmodell?
Frau Dr. Sievers: Das Geschäftsmodell ist erprobt,
da die Gesellschaft bereits seit 1987 am Markt operiert. In der Vergangenheit
sind natürlich auch Fehler gemacht worden, auch im Kerngeschäft,
aber wir haben aus diesen Fehlern gelernt. Dementsprechend refinanzieren
wir uns im Bereich IT-Finance bei Banken im Wege der Forfaitierung und
sind im Bereich IT-Brokerage über die inter-nationalen Brokerplattformen
am Markt mit der Folge, dass wir keine wesentliche Vorratswirtschaft
betreiben bzw. Veräußern unsere Leasingausläufer, von
denen wir bereits im Schnitt mit sechs Monaten Vorlauf wissen, dass
diese zur Veräußerung stehen. Das gibt uns genug Zeit, den
besten Käufer zu suchen. Wir finden die Käufer aus Banken,
Versicherungen und Industrie-unternehmen, so daß das Risiko relativ
gering ist, dass wir auf diesen Ausläufern sitzen bleiben.
DVI: Sie haben Ihren Mitarbeiterstab in 2003 um 60%
reduziert. Wie werden Sie die geplanten Umsätze mit der derzeitigen
Crew schaffen?
Frau Dr. Sievers: Die Reduktion hängt mit der
Restrukturierung zusammen. Indem wir Bereiche geschlossen haben, die
keine Erträge erwirtschaften, haben wir durch die Reduzierung Kosten
eingespart, denen keine Gewinne gegenüberstanden. Den oben genannten
Umsatz können wir auf alle Fälle mit dem Mitarbeiterstamm
bewältigen, da wir im Kernbereich nicht abgebaut haben.
DVI: In Ihrer Bilanz haben Sie noch eine Eigenkapitalquote
von 12% per 30.9.03 (nach 16% per 12/02) ausgewiesen. Der Zinsaufwand
ist seit 2001 kontinuierlich gestiegen auf nunmehr fast 4 Mio Euro pro
Jahr – obwohl die Zinsen allgemein gesunken sind. Wie werden sich
diese Zahlen nach den durchgeführten Kapitalmaßnahmen verändern?
Frau Dr. Sievers: Die Kapitalmaßnahmen werden
sich positiv auf die Eigenkapitalquote aus-wirken. Der erhöhte
Zinsaufwand resultiert aus der notwendigen Fremdkapitalzuführung,
die nicht immer unter den günstigsten Voraussetzung abgeschlossen
werden konnte. Indem wir nunmehr Kapitalmaßnahmen am Kapitalmarkt
durchführen, reduziert dies die Fremdfinanzierung und damit den
Zinsaufwand gemessen am Volumen des Neugeschäfts.
DVI: Per 30.9.03 war Ihr Vorratsvermögen von 1,6
Mio Euro (31.12.02) fast vollständig abgebaut, die Sachanlagen
haben sich in den ersten neun Monaten 03 um fast 3 Mio Euro reduziert.
Welcher Handlungsbedarf besteht hier in naher Zukunft?
Frau Dr. Sievers: Grundsätzlich ist es unser Bestreben,
ein möglichst geringes Vorratsvermögen zu haben. Wenn jedoch
die Gegenstände für einen Leasingvertrag bereits angeschafft
sind, der Leasingvertrag aber erst in der nächsten Periode beginnt,
dann stellen diese Vermögensgegen-stände Vorratsvermögen
dar. Der Unterschied aus den Sachanlagen ergibt sich aus der Bilanzierung
von Operate Lease-Verträgen der Vergangenheit. Da die Verträge
vor 1999 alle als Operate Lease eingestuft wurden, diese Verträge
aber nunmehr kontinuierlich weniger werden und von den Neuverträgen
weniger Verträge als Operate Lease einzustufen sind, entsteht eine
Verringerung dieser Position.
DVI: Ihre Leasing-Forderungen betrugen per 30.9. insgesamt
zirka 31 Mio Euro. Wie haben Sie sich gegen Forderungsausfälle
abgesichert?
Frau Dr. Sievers: Wie oben bereits dargestellt, haben
wir unser Geschäft im wesentlich forfaitiert, so dass wir das Ausfallrisiko
nicht tragen. Auf unsere eigenen Bücher nehmen wir nur Kunden,
die § 18 KWG nicht erfüllen, d.h. keine Bilanz herausgeben,
jedoch bonitätsmäßig so hervorragend sind, dass wir
in diesen kein Ausfallrisiko sehen. In den Jahren 2000/2001 hat man
allerdings diese Prüfung nicht gemacht und dementsprechend einige
Insolvenzen von Neue Markt Unternehmen gehabt. Diese Ausfälle hatte
die Gesellschaft in den letzten zwei Jahren liquiditäts-mäßig
zu verdauen.
DVI: Ist der Vertragsbestand mit historischen Anschaffungskosten
von 127,5 Mio. Euro eine Belastung oder eine Chance?
Frau Dr. Sievers: Das ist das Asset der Gesellschaft.
Schließlich sind die Anlagegegenstände aus dem Vertragsbestand
dasjenige, welches nach Ablauf der Grundmietzeit entweder in Verlänge-rungen
oder Abverkauf geht. Da wir im wesentlichen Vollamortisationsverträge
schließen, fängt dort die Musik für uns an, dies bedeutet,
dass wir darauf unsere Margen erwirtschaften, da nach Ablauf der Grundmietzeit
in der Regel keine Belastungen entgegen stehen.
DVI: Welche Akquisitionsmöglichkeiten für
Neukunden und in welchen Ländern haben Sie für die nächsten
Jahre geplant?
Frau Dr. Sievers: Hier müssen Sie unterscheiden.
Für Finanzierungen werden wir uns nach derzeitiger Planung auf
den deutschen Raum beschränken, da eine Expansion in andere Länder
aufgrund der unterschiedlichen Rechtssituationen mit erheblichen Anlaufkosten
verbunden wäre. Für den Bereich Brokerage sind wir bereits
jetzt weltweit aktiv, da wir auf den beiden Hauptbroker-plattformen
in den USA und den Niederlanden aktiv sind. Da die Abwicklung aber nicht
durch vor Ort Akquise sondern über das Internet erfolgt, brauchen
wir dafür keine Niederlassungen in anderen Ländern.
DVI: Sind Sie jetzt so aufgestellt, dass Sie auch einige
Durststrecken überstehen könnten, wenn die Konjunktur nicht
so anspringt, wie es alle Experten erwarten?
Frau Dr. Sievers: Ja. Das ist ein weiterer Vorteil
von Comtrade. Das Geschäftsmodell ist so aufgestellt, dass es für
beide Konjunkturentwicklungen gewappnet ist. Springt die Konjunktur
nicht wie erwartet an, dann machen wir mehr Nachmietgeschäft und
Trade mit gebrauchter IT (da der Kunde nicht neu investieren will und
hier Einsparpotential hat), springt die Konjunktur an, dann machen wir
mehr Neugeschäft.
DVI: Sind Sie durch die Pläne der Bundesregierung,
die Miet- und Leasingaufwendungen der Gewerbesteuer zu unterwerfen,
in Ihren Akquisitionsanstrengungen nicht stark behindert?
Frau Dr. Sievers: Viel gravierender sind die Restriktionen
, die durch Basel II ausgehen. Dahin wird die Nachfrage nach Leasing
eher erhöht. Wir sind bestrebt, jetzt uns stärker im Ausland
zu refinanzieren.
DVI: Nennen Sie unseren Lesern einige gute Gründe,
warum Ihre Aktie kaufenswert ist.
Frau Dr. Sievers: Derzeit ein günstiger Kurs,
da dieser noch die orientierungslose Vergangenheit beinhaltet. Wir haben
jetzt einer saubere Bilanz, die von den „Altlasten“ bereinigt
ist. Der IT-Leasingmarkt, in dem wir uns bewegen, ist ein absoluter
Wachstumsmarkt. Gerade der IT-Bereich verspricht hohes Wachstum. Als
flexibles und herstellerunabhängiges Unternehmen wollen wir daran
überdurchschnittlich partizipieren. Comtrade ist die klassische
Turnaround-Story mit hohem Potential. Wir wollen in 2004 ein positives
Ebit erreichen. Wir haben zudem eine stabile und kapitalkräftige
Aktionärsstruktur, nachdem FM Fund Management Limited 29,57 Prozent
der Aktien übernommen hat. Durch diese Veränderung und weitere
Institutionelle, die in die Aktie eingestiegen sind, hat die Gesellschaft
die Aktionärsstruktur, die die Gesellschaft nach vorn bringt durch
professionelles Know How des Kapitalmarkts.
DVI: Besten Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Chefredakteur Rochus C. Rüttnauer.
http://www.das-vorstandsinterview.de