Softship AG
Interviewpartner: Heiko Nocke, Finanzvorstand
Das Interview wurde am 01.10.04 geführt. Kurs am 04.10.04 bei 2,65
Euro.
Hintergrund:
Die 1989 gegründete Hamburger Softship AG ist Spezialanbieter von
Logistiksoftware in der Schifffahrts- und Luftfahrtbranche mit drei
Standbeinen. Das größte davon ist die Programmierung und
Wartung der gelieferten Lizenzsoftware mit einen Anteil in 2003 von
59% am Gesamtumsatz; über Lizenzen (23%), Beratung und sonstige
Dienstleistungen werden die restlichen 18% des Umsatzes erzielt. Softship
zählt zu den weltweit führenden Anbietern in dem Nischenmarkt
Schifffahrt und hat bislang über 100 Installationen bei namhaften
Kunden durchgeführt. An Gessit Pte.Ltd., einer Gesellschaft mit
Sitz in Singapur ist Softship zu 50% beteiligt. Gessit bietet Programme
zur Containerschadensbearbeitung an. Die Beteiligung an der AIRPAS Aviation
AG, Hannover, beträgt 33%. AIRPAS bietet seit kurzem im Luftfahrtbereich
eine hoch integrierte Lösung für das Kosten- und Finanzmanagement
(Streckenergebnisrechnung) an. Insgesamt konnte in 2003 erstmals nach
zwei Jahren wieder ein positives EBIT und ein positives Ergebnis je
Aktie erreicht werden. DVI sprach mit Herrn Heiko Nocke über die
Aussichten der kommenden Jahre.
Das Vorstandsinterview (DVI): Herr Nocke, wie wird
sich Ihrer Meinung nach das Ergebnis für 2004 auf Ihre drei Standbeine
Schifffahrts-Software, Containerschadensbearbeitung und Strecken-ergebnisrechnung
aufteilen?
Herr Nocke: Wir werden auch in diesem Jahr in der Schifffahrtsbranche
den größten Teil unseres Umsatzes und Gewinns erzielen. Vom
geplanten Umsatz werden 90% auf den Schifffahrtsbereich entfallen. Im
Luftfahrtbereich sind wir mit unserer Beteiligung an AIRPAS erst vor
zwei Jahren aktiv gestartet und stecken noch in den Anfängen.
DVI: Das Standbein Schifffahrt ist Ihr Kerngeschäft,
wie sich aus den eben genannten Zahlen ersehen lässt. Wie verhalten
sich Softwareangebote und Serviceleistungen im Verhältnis zueinander;
sind mit den Lizenzverträgen auch immer Serviceverträge verbunden?
Herr Nocke: Jeder Kundenauftrag ist hier sehr unterschiedlich.
Über die letzten Jahre kann man sagen, dass pro 100.000€ Lizenzauftrag
im ersten Jahr 40.000€ an Serviceleistungen hinzu-kommen. Bei vielen
Kunden bleibt dieser Serviceumsatz über Jahre erhalten, so dass
der Service-umsatz im Laufe der Jahre den Lizenzumsatz teilweise deutlich
übersteigt. Nahezu alle Kunden schließen mit uns einen Wartungsvertrag
ab. Hier liegt der Umsatz bei 12 – 15% p.a. des installierten
Softwarewertes.
DVI: Wie viele Kunden stehen den 18 Lizenzverkäufen
in 2003 gegenüber? Der geographische Schwerpunkt Ihrer Lizenz-Kunden
liegt wo, und planen Sie eine Fokussierung auf dieses Land?
Herr Nocke: Jedem Lizenzverkauf steht auch ein Kunde
gegenüber. Das sind entweder neue Kunden oder aber auch bestehende
Kunden die ihre Installation erweitern. Im Jahr 2003 konnten wir insgesamt
zehn Neukunden gewinnen. Der geographische Schwerpunkt ist hier Europa
mit 60% und Asien mit 30%. Auch in 2004 werden wir hier unseren Schwerpunkt
setzen. Jedoch hat sich in 2003 mit Südamerika eine sehr interessante
neue Region ergeben, die wir in 2004 ausbauen werden.
DVI: Herr Nocke, in der Rede zur HV 2003 wurde wenig
Lob für Ihre Business-Partner gefunden. Von den Partnern in England
und Holland hatten Sie sich ja damals bereits getrennt. Wie sieht die
Situation nun, zwei Monate später aus und wie viel Umsatzanteil
sollen die Business-Partner Ihren Planungen nach bringen?
Herr Nocke: Wir sind mit den Ergebnissen unserer Businesspartner
weiterhin nicht zufrieden. Nur einige wenige haben entsprechendes Geschäft
gebracht. In der Vergangenheit waren wir dort erfolgreich wo wir eigene
Niederlassungen haben. Da dies jedoch nicht in allen Ländern möglich
ist, werden wir in Ländern mit einem großen Potential, wie
in den Niederlanden, weitere eigene Niederlassungen eröffnen. In
den anderen Ländern werden wir die Ausbildung unserer Partner weiter
verbessern und noch mehr im Vertrieb unterstützen. Für 2004
haben wir einen Lizenzanteil von 30% über unsere Business Partner
geplant.
DVI: Ihr Vertriebsnetz wurde 2003 nicht weiter ausgebaut.
Was war der Grund hierfür, und wie sehen Sie Ihre Chancen, in den
Boom-Ländern China und Indien mitspielen zu können? Welche
Umsatz- und Ertragsmöglichkeiten sehen Sie für die kommenden
Jahre hier für Ihr Unternehmen?
Herr Nocke: Wir haben unser Vertriebsnetz in den vergangenen
Jahren konsequent ausgebaut und haben mit unseren elf Business Partnern
fast alle strategisch wichtigen Länder besetzt. In 2003 galt es
in die Unterstützung und in die Ausbildung der Partner zu investieren
und, wie schon gesagt, auch eine Konsolidierung durchzuführen.
In den Boom-Ländern sehen wir unsere Chancen unterschiedlich. In
China sind wir mit einem Partner vertreten. An dieser Partnerschaft
halten wir weiterhin fest und aktuell ist ein langjähriger Softship
Mitarbeiter für viele Wochen bei unserem Partner in China, um gemeinsam
das Geschäft voranzubringen. Der Markt für Software in Indien
ist aufgrund der Konkurrenzsituation deutlich schwieriger. Wir bearbeiten
den indischen Markt von unserer Niederlassung in Singapur aus, jedoch
ist der Schwerpunkt für dieses Jahr eindeutig China.
DVI: Welche Erwartungen haben Sie an den mittel- und
südamerikanischen Markt für die nächsten Jahre, wie wird
Ihr Engagement dort aussehen?
Herr Nocke: Unsere Erwartungen an diesen Markt sind
hoch. Wir haben im vergangenen Jahr zwei große Schifffahrtsbetriebe
in Südamerika als Neukunden gewinnen können. In diesem Jahr
ist ein Softship Mitarbeiter für drei Monate vor Ort gewesen und
hat Business Partner aufgebaut und gemeinsam mit ihnen den Schifffahrtsmarkt
bearbeitet. Der Markt ist so interessant, dass der Softship Mitarbeiter
für ein weiteres Jahr in Südamerika bleiben wird. Seine Aufgabe
ist es, nachhaltig Softship Kompetenz in dieser Region aufzubauen und
natürlich viele neue Kunden zu gewinnen.
DVI: Nun zu Ihren zwei weiteren Standbeinen: GESSIT,
eine singaporianische Gesellschaft, an der Sie mit 50% beteiligt sind,
arbeitet im Bereich der Containerschadensbearbeitung. Ist deren Aktionsradius
auf Asien beschränkt, oder wollen Sie weltweit agieren? Wie stark
sind hier Ihre Einflussmöglichkeiten?
Herr Nocke: Auch hier agieren wir bereits weltweit.
Unser Gessit Partner ICSB ist seit Jahren global aufgestellt und bei
unserem Kunden in Argentinien haben wir bereits die Lösung von
Gessit installiert. Da wir die Möglichkeit haben, über das
Softship Vertriebsnetz auch die Gessit Lösungen zu vermarkten,
ist unser Einfluss auf eine weltweite Vermarktung gegeben.
DVI: Wie hoch ist der Ertragsanteil von GESSIT in 2004
voraussichtlich, und welche Ergebnis-beiträge erwarten Sie in den
kommenden Jahren?
Herr Nocke: Bei Gessit müssen wir bei den Ergebnisbeiträgen
differenzieren. Gessit hat derzeit keine eigenen Mitarbeiter. Die gesamte
Softwareentwicklung und der Support werden von Softship Singapore erbracht.
Hieraus ergibt sich quotal zum einen ein Ergebnisbeitrag in diesem Jahr
der andere Ergebnisbeitrag erfolgt aus dem geplanten Gewinn. Ingesamt
könnte Gessit in diesem Jahr mit ca. 10% zum Gesamtergebnis beitragen.
DVI: Mit AIRPAS Aviation AG sind Sie Ende 2002 in den
Luftfahrtbereich eingestiegen. Was unter-scheidet das Angebot von AIRPAS
von dem der Konkurrenz und wo ist AIRPAS besser?
Herr Nocke: Wir haben trotz intensiver Recherche bisher
kein Konkurrenzprodukt gefunden, welches mit unserer hoch integrierten
Lösung zu vergleichen ist. Es gibt Produkte am Markt die einzelne
Bereiche wie Ground Handling, Fuel usw. abdecken. Jedoch eine bereichsübergreifende,
also integrierte Lösung wie AIRPAS sie bietet, kennen wir am Markt
nicht.
DVI: Das Großprojekt von AIRPAS mit einem Volumen
von 1,2 Mio. Euro wird in welchem Zeitraum abgewickelt werden können?
Können hier Folgeaufträge erwartet werden, und wenn ja, in
welcher Größenordnung?
Herr Nocke: Die Planung ist, das gesamte Projekt in
diesem Jahr zum Einsatz zu bringen. Somit wird auch das Erstauftragsvolumen
in diesem Jahr realisiert. Zusatzaufträge haben wir bereits erhalten.
Insgesamt rechnen wir in 2004 bei diesem Kunden mit Folgeaufträgen
in Höhe von 300- 400 T€. Über Wartung und weitere Anpassungen
und Erweiterungen versprechen wir uns auch in den nächsten Jahren
bei diesem Kunden adäquate Umsätze.
DVI: Die Touristikbranche zieht derzeit wieder stärker
an. Werden Sie Ihre Leistungen nur dem einen Kunden zur Verfügung
stellen, oder welche Kunden stehen auf Ihrer Wunschliste?
Herr Nocke: Nur ein Kunde, auch wenn er groß
und bedeutend im Markt ist, ist sicher zu wenig. Auf unserer Interessentenliste
stehen viele namhaft Airlines mit denen wir im Gespräch sind. Momentan
gehen wir von mindestens einem weiteren neuen Kunden in diesem Jahr
aus. Ob dieser Kunde dann noch umsatzrelevant wird, können wir
derzeit noch nicht genau absehen.
DVI: Wie heben Sie sich bei AIRPAS von den Leistungen
der Konkurrenz ab?
Herr Nocke: AIRPAS bietet seinen Kunden eine hochintegrierte
Lösung für das Kosten- und Finanzmanagement an. Diese Lösung
umfasst alle Bereiche einer Airline. Vom Ground Handling über Crew,
Fuel, Catering, Cargo und Passengers können unsere Kunden Flugprogramm-simulation,
Forecast-Erstellung, Reporting und automatische Rechnungsprüfung
durchführen. Das bietet unseres Wissens nach kein anderes Produkt
am Markt.
DVI: Welches Ergebnis erwarten Sie im laufenden und
im kommenden Jahr?
Herr Nocke: In diesem Jahr haben wir uns einen Konzernumsatz
von 5 Mio.€ vorgenommen, dass sind gut 13 % Steigerung gegenüber
dem Vorjahr. Als EBIT wollen wir in diesem Jahr 500 T€ erreichen.
Die Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr ist begründet durch
deutlich höhere geplante Lizenzumsätze in diesem Jahr. Per
Halbjahr liegen wir sehr gut im Plan. Die ertragsreichere Jahreshälfte
hat jetzt erst begonnen und per Halbjahr haben wir bereits 2,5 Mio.
€ an Umsatz erzielt. Das EBIT ist mit 210 T€ ebenfalls planmäßig.
Die Lizenzumsätze sind im ersten Halbjahr, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum,
bereits von 100 T€ auf 440 T€ gestiegen. Für das kommende
Geschäftsjahr halten wir eine ähnliche Umsatzsteigerung wie
dieses Jahr aus heutiger Sicht für möglich. Bei der Umsatzrendite
sollte ebenfalls eine leichte Steigerung möglich sein.
DVI: Sie haben Ihren Aktionären eine verbesserte
Kapitalmarktkommunikation versprochen. Wie soll diese aussehen?
Herr Nocke: Wir haben seit Oktober 2003 die VEM Aktienbank
AG mit dem Designated Sponsoring beauftragt. Die Liquidität unserer
Aktie hat sich hierdurch spürbar verbessert. Dies sehen wir auch
als einen Teil der Kapitalmarktkommunikation. Hierüber hinaus haben
wir die Öffentlichkeitsarbeit durch Pressemeldungen und Gespräche
mit Finanzjournalisten verstärkt. Die Anzahl der Berichte über
unsere Aktie hat in den letzten Monaten zugenommen. Auf unserer Webpage
steht allen ein Pressespiegel zur Verfügung. Unsere Aktionäre
unterrichten wir jeweils direkt über unseren IR Verteiler.
DVI: Bei den von Ihnen genannten Aussichten für
die kommenden Jahre: Wie bewerten Sie den derzeitigen Kurs der Softship
Aktie und wo sehen Sie den fairen Wert der Aktie?
Herr Nocke: Der gesamte Kapitalmarkt befindet sich
im Moment in einer Schwächephase. Obwohl unser Aktienkurs die letzten
Wochen sehr stabil geblieben ist, sehen wir als fairen Wert doch ein
KGV zwischen 12 und 14 was einem Kurs von 3,80€ bis 4,50€
entspricht.
DVI: Besten Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Chefredakteur Rochus C. Rüttnauer.
http://www.das-vorstandsinterview.de