01.10.04  DAS VORSTANDSINTERVIEW
TA Triumph-Adler AG

Interviewpartner: Dr. Dietmar Scheiter, Vorstandsvorsitzender
Das Interview wurde am 29.09.04 geführt.

TA HomepageHintergrund: In DAS VORSTANDSINTERVIEW vom 7. Juni 2004 hatte der Vorstand von TA für das Jahr 2004 ein Ergebnis je Aktie von 3 Cent und für das kommende Jahr von 30 Cent prognostiziert. Das Management von TA hatte damals zum Ausdruck gebracht, dass im laufenden Jahr noch Restrukturierungskosten in der Größenordnung von 5,5 Mio. Euro anfallen werden, und dass bei einem vollen Jahresvergleich die laufenden Restrukturierungsmaßnahmen, bestehend aus Personalabbau von 250 Mitarbeitern, Eliminierung von Zwischenholding-Gesellschaften, Zusammenlegung von Standorten etc,. eine gesamte Kostenreduktion in Höhe von 16 Mio. Euro bedeuten.

Wir haben das Management anlässlich der geplanten Kapitalerhöhung gefragt, ob Triumph-Adler weiter auf Kurs ist und wie das zweite Halbjahr 04 beurteilt wird.

DAS VORSTANDSINTERVIEW (DVI): Herr Dr. Scheiter, wie sind Sie mit den Fortschritten des Restrukturierungsprogramms zufrieden?

Dr. Scheiter: Sie wissen, dass wir die großen Blöcke unserer Restrukturierung aus dem Weg geräumt haben. Vor allem können wir wohl stolz darauf sein, dass es uns gelungen ist, alle Schritte im Wesentlichen so zu gehen, wie wir sie angekündigt hatten. Wermutstropfen waren dabei sicher die schwache Marktlage für Beteiligungsverkäufe und der Abbau der früher nötigen Konzernstrukturen, die zusammen unsere Jahresergebnisse deutlich belastet haben und leider auch 2004 noch belasten.

Aber: Das ist jetzt Vergangenheit. Wir schaffen heute solide Grundlagen für einen Kurs, der in den kommenden Geschäftsjahren deutliche Ergebnissteigerungen mit sich bringen wird. Bei dieser letzten Stufe unserer Restrukturierung liegen wir bei der Reduzierung der operativen Kosten im Plan. Meine Zusage vom Juni steht, dass wir auf Basis einer Ganzjahresbetrachtung die Kosten 2006 gegenüber 2003 um zirka 40 Cent je Aktie reduziert haben werden.

DVI: Und wie entwickelt sich Ihr „Sorgenkind“, die Präsentations- und Medientechnik (PMT?

Dr. Scheiter: Aus dem Bereich PMT haben wir zwischenzeitlich die stark defizitäre CAN.media-Gruppe veräußert. Die Projektierung und Einrichtung von Konferenz- und Schulungszentren hatte unter der Konjunkturschwäche besonders zu leiden. Aus der Veräußerung ist ein Buchverlust entstanden, der das Ergebnis des dritten Quartals belasten wird.

DVI: Werden Sie in 04 weitere Gesellschaften aus dem PMT-Bereich verkaufen und was sind die maximalen Risiken aus der Umstrukturierung im PMT-Segment?

Dr. Scheiter: Wir haben eine ganze Anzahl strategischer Optionen geprüft und mit dem Aufsichtsrat erörtert. Dabei haben wir die verschiedenen Interessen von Mitarbeitern, Kunden und Aktionären abgewogen und uns für ein differenziertes Vorgehen entschieden. Dort wo keine wirtschaftlich sinnvolle Integration der PMT-Aktivitäten ins Imaging-Geschäft möglich ist, werden entsprechende Veräußerungsoptionen geprüft. Bei den Veräußerungen kann es zu Buchverlusten kommen. Aus heutiger Sicht würde ich auf Basis unserer Annahme erzielbarer Veräußerungspreise die bilanziellen Risiken auf bis zu 5 Millionen Euro schätzen. Dies schließt aber den Buchverlust aus der Veräußerung der CAN.media bereits ein. Mit diesen Schritten erreichen wir aber eine klare Stärkung des Kerngeschäfts und damit der Ertragskraft.

DVI: Welche Umsatz- und Ertragssteigerung im Vergleich zum Vorjahr können Sie im Bereich von „Imaging“ (Drucken, Faxen, Scannen und Kopieren) im 3. und 4. Quartal 04 voraussichtlich erreichen?

Dr. Scheiter: Wir gehen heute von einer weiterhin positiven Entwicklung des Imaging-Bereichs im zweiten Halbjahr aus (im ersten Halbjahr ist das EBIT in diesem Bereich von 7,7 auf 11,1 Mio Euro gestiegen) und erwarten in diesem Bereich trotz der unverändert schwierigen Marktverfassung ein leichtes Umsatzwachstum gegenüber dem Vorjahr bei einer deutlich überproportionalen Ergebnisentwicklung.

DVI: Werden im 4.Quartal im Konzern nochmals a. o. Aufwendungen anfallen?

Dr. Scheiter: Wir haben in unserem Kommentar gegenüber den Analysten von außerordentlichen Aufwendungen im Geschäftsjahr 2004 von zirka 5,5 Mio. Euro gesprochen. Zum 30.06.2004 waren hiervon 3,3 Mio. Euro angefallen.

DVI: Welches Jahresergebnis erscheint Ihnen nach diesen neuerlichen Belastungen für das laufende Jahr aus heutiger Sicht realistisch zu sein?

Dr. Scheiter: Geplant hatten wir trotz der Restrukturierungsaufwendungen schon für das laufende Jahr ein leicht positives Ergebnis. Die Einschnitte bei PMT mussten aber tiefer angesetzt werden als erwartet. Diesbezüglich haben wir in der Vergangenheit bei diversen Anlässen von zusätzlichen Belastungen in Höhe von rund fünf bis sieben Millionen Euro gesprochen. Dies insbesondere für den Fall, dass einzelne Maßnahmen zur Neupositionierung der PMT-Aktivitäten noch im Geschäftsjahr 2004 realisiert werden müssen. Das schlägt 2004 auch ins Jahres-ergebnis durch.

Ich gehe davon aus, dass dieser Effekt inzwischen im Kurs bereits eingepreist ist. Aber diese einmaligen Aufwendungen sind nur teilweise liquiditätswirksam und sie machen im Effekt den Weg frei, um die Ertragspotenziale aus unserem Kerngeschäft auch in vollem Umfang realisieren zu können: Das ist wesentlich schon für die unmittelbare Zukunft.

DVI: Ist denn im Bereich „Imaging“ auch schon eine konjunkturelle Erholung zu verspüren oder führen Sie die beachtlichen Verbesserungen in der EBIT-Marge auf Ihre Sortimentspolitik und Ihr aktives Marketing zurück?

Dr. Scheiter: Wir haben in diesem Feld eine exzellente Position. Bei Kopierern, Faxgeräten und Druckern sind wir mit deutlichem Abstand Marktführer. Wir haben unseren Marktanteil innerhalb der letzten 18 Monate von gut 9% auf deutlich über 10% erhöhen können. Dabei kommen uns unsere flächendeckende Präsenz bei Wartung und Service und die Zusammenarbeit mit Kyocera Mita sehr zugute.

Mit der baldigen Verfügbarkeit der neuen Farbkopierer und Multifunktionsgeräte planen wir zusätzliche Geschäfte und Umsätze im zweiten Halbjahr diesen Jahres. Wenn die Konjunktur im kommenden Jahr stärker anziehen sollte als prognostiziert, dann sollten wir davon überdurch-schnittlich profitieren können; das ist aber nicht Ausgangspunkt unserer Planung.

Die besseren Margen sind teilweise auf unsere starke Marktstellung zurückzuführen; aber auch unser verbessertes Kostenmanagement wirkt hier nachhaltig ergebnisstärkend. Ebenso wirkt sich die intensive Zusammenarbeit mit unserem strategischen Partner Kyocera Mita positiv aus. Die Austauschaktion von Fremdgeräten, die im kommenden Jahr eine Größenordnung von zirka 10.000 Kopier- und Drucksystemen erreichen wird, schafft ein erhebliches Ertragspotential. Denn mit eigenen Geräten, die nur mit codierten Verbrauchsmaterialien zu bestücken sind, legen wir die Basis für nachhaltige Ertragspotentiale.

Ein weiterer Vorteil: Im Bereich Imaging haben wir einen hohen Anteil lang laufender Leasing-Verträge mit unseren Kunden abgeschlossen, so dass wir hier über eine solide Planungs-grundlage verfügen.

DVI: Bereits im Q2 Bericht waren Verbesserungen in der Rohertragsmarge und in der Personal-kostenquote erkennbar. Wie wird sich dieser Trend in den kommenden Quartalen fortsetzen?

Dr. Scheiter: Wir sehen hier weitere Verbesserungspotenziale, zumal wir sowohl in der Verschlankung der gesamten Organisation als auch beim Einkauf erhebliche Fortschritte gemacht haben. Um Ihnen ein Beispiel zu geben: Zum 30.06.2004 waren in unserem Unternehmen 1.799 Mitarbeiter beschäftigt. Dies bedeutet einen Rückgang gegenüber dem 20. Juni 2003 um 130 Mitarbeiter. Hierdurch entstehen erhebliche Kosteneinsparungen, die aber erst jetzt, nachdem diese Maßnahmen auch umgesetzt wurden, voll ergebniswirksam werden. In Summe werden sich unsere Maßnahmen ab dem nächsten Jahr auch beim Jahresüberschuss deutlich bemerkbar machen, denn zum Jahresende werden wir noch 1729 Mitarbeiter haben, ohne dass unsere Effizienz leidet.

DVI: Was bedeutet dies auf das Ergebnis je Aktie bezogen? Bleiben Sie bei Ihrer Gewinnprognose von knapp 30 Cent für das kommende Jahr oder können Sie diese nach dem Umbau von PMT eher noch erhöhen?

Dr. Scheiter: An der Prognose würde ich generell festhalten, durch die Kapitalerhöhung im Verhältnis 6:1 tritt aber eine gewisse Verwässerung ein, wir werden im kommenden Jahr zirka 40,4 Mio. Aktien haben. Bei einem geplanten Jahresüberschuß von zirka 10 Mio. Euro lässt sich daher ein verwässertes Ergebnis je Aktie von 0,23 Euro ermitteln.

DVI: Haben Sie Indikationen dafür, dass sich Ihr Großaktionär bei der bevorstehenden Kapital-erhöhung dahingehend verhalten wird, dass er seinen Anteil auf 30% aufstocken wird?

Dr. Scheiter: Wie in unserer Ad-hoc Mitteilung vom 28.09. ausgeführt, beabsichtigt Kyocera Mita ihren Aktienanteil auf 29,9% aufzustocken. Dies bedeutet auch für Kyocera Mita ein weiteres substantielles Investment in unsere Gesellschaft und zeigt die strategische Bedeutung der TA Triumph-Adler AG für Kyocera Mita. Damit intensiviert sich unsere strategische Partnerschaft nicht nur auf einer operativen Ebene, sondern auch gesellschaftsrechtlich. Im übrigen werde auch ich meinen Anteil von derzeit 2,8% auf bis zu 3,5% erhöhen, und eine ganze Anzahl von Aktionären haben mir ebenfalls versichert, dass sie ihre Bezugsrechte voll ausüben wollen, so dass wir davon ausgehen, dass die Kapitalerhöhung von 15 Mio. Euro in vollem Umfang platziert wird.

DVI: Wie erklären Sie denn Ihren Aktionären, dass Sie bei einem aktuellen Kurs von 2,10 Euro eine Aktie zu 2,56 Euro kaufen?

Dr. Scheiter: Das ist doch ein klares Signal, dass wir an die Zukunftsaussichten dieses Unternehmens glauben und uns für das künftige Wachstum stark machen. Kyocera Mita wie auch andere Aktionäre bauen auf die weiteren Wachstums- und Ertragspotenziale bei Triumph-Adler. Wir sind unverändert überzeugt, dass das aktuelle Kursniveau nicht den realen Wert unseres Unternehmens widerspiegelt.

DVI: Mit welchem Blickwinkel sollten Anleger Neuengagements bei Triumph-Adler eingehen, oder raten Sie Aktionären, eventuell bestehende Engagements zu verbilligen?

Dr. Scheiter: Wir schaffen jetzt die Grundlagen für den fundamentalen Turnaround in den kommenden Geschäftsjahren. Über eine Dividende zu sprechen ist heute sicher zu früh, aber ich bin überzeugt, dass sich die Ergebnisverbesserung auch in Kurssteigerungen ausdrücken wird. Aus meiner Sicht sind wir ein vorzügliches Investment für einen mittel- und langfristig orientierten Anleger. Und der hat jetzt eine ausgesprochen günstige Gelegenheit einzusteigen.

DVI: Teilen Sie die Einschätzung von Analysten, dass der faire Wert der Aktie bei 4 Euro anzusetzen ist?

Dr. Scheiter: Auf Basis der Ergebnisprognosen 2005/2006 erscheint mir 4 € als durchaus realistisch. Aber Sie wissen auch: Die Kurse macht der Markt – wir bringen unser Geschäft voran.

DVI: Besten Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Chefredakteur Rochus C. Rüttnauer.

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