29.07.04  DAS VORSTANDSINTERVIEW
Jack White Productions AG

Interviewpartner: Jack White, Vorstandsvorsitzender
Gehaltene Aktien: 38,57 % über die J.W. Beteiligungen GmbH; Streubesitz 52,57% (Gezeichnetes Kapital: 7,0 Mio.)
Das Interview wurde am 27.07.04 geführt. Kurs am 27.07.04 bei 4,12 Euro

Jack White HomepageHintergrund: Die Jack White Productions AG hat im vergangenen Jahr einen Umsatz von 24,2 Mio. Euro und einen Nettogewinn von 1,5 (1,0) Mio. Euro erzielen können. Im ersten Quartal 2004 hat sich der Konzernumsatz auf 5,4 (5,0) Mio. Euro erhöht, das Ergebnis nach Steuern stieg sogar um 154% auf 673 TEuro. Außerdem sind dem Unternehmen bis Juni 2004 im Rahmen der dritten Kapitalerhöhungstranche der letzten neun Monate insgesamt 2,345 Mio. Euro frische Mittel zugeflossen. Der Durchschnittskurs über alle drei Tranchen lag bei 3,91 Euro je Aktie, was unter den ursprünglichen Erwartungen von 4,5 Euro je Aktie lag, obwohl das Unternehmen einen hohen zweistelligen Gewinnzuwachs für das laufende Jahr in Aussicht stellen konnte. DVI hat den Vorstandsvorsitzenden Herrn Jack White, zur mittelfristigen Einschätzung befragt.

Das Vorstandsinterview (DVI): Herr White, bitte erläutern Sie unseren Lesern Ihr Geschäftsmodell.

Herr White: Vorwegschicken möchte ich zunächst, dass wir ein Unternehmen sind, das Gewinne macht und im dritten Jahr in Folge die Prognosen eingehalten hat.

Unsere 1998 gegründete Jack White Productions AG mit Sitz in Berlin, in der ich meine inzwischen 35-jährige Erfolgsgeschichte fortführe, produziert und veröffentlicht Musikaufnahmen mit verschie-denen Künstlern. Das Hauptgeschäft ist also die Auswertung von Leistungsschutzrechten über die fünf Labels im Konzern. Dazu gehören die Veröffentlichung von Eigenproduktionen, die Über-nahme von Lizenzrechten fertiger Produktionen (Fremdproduktionen) sowie die Verwertung der Rechte aus unserem hochwertigen Back-Katalog, in dem alle im Konzern vorhandenen Musik-lizenzen gebündelt sind. Mit einem Back-Katalog von aktuell über 87.000 Lizenzrechten ist der Konzern einer der größten unabhängigen Musiklizenzrechteinhaber der Welt. Vertrieben werden die national und international zur Veröffentlichung anstehenden Musikaufnahmen über unsere externen Kooperationspartner BMG und Universal. Dieses Geschäftsfeld ist unter dem Namen „Labels“ gebündelt.

Das zweite Segment „Verlage“ umfasst die Auswertung der im Konzern vorhandenen Urheber-rechte. Im Gegensatz zu Leistungsschutzrechten, die vom ausübenden Künstler erworben werden, schützen Urheberrechte den Schöpfer eines Werkes, also den Komponisten und Textdichter. Veröffentlichung und Vertrieb dieser Rechte erfolgen genauso wie bei den Leistungsschutz-rechten, also über die Labels und Vertriebspartner.

Unser dritter Bereich ist die Sparte „Vertrieb“. Hierbei handelt es sich ausschließlich um die Vertriebsaktivitäten unserer Tochtergesellschaft in Puerto Rico, die neben diesem Segment auch im Segment „Labels“ aktiv ist und somit eigene und fremde Tonträger über ihr Groß- und Einzelhandelsnetz vermarktet. Zudem dient das Geschäftsfeld „Vertrieb“ der Etablierung eigener Künstler und neuer Trends.

DVI: Wie verhalten sich die drei Segmente Vertrieb, Labels und Verlag im Verhältnis von Umsatz- und Gewinnanteil?

Herr White: Legen wir die Zahlen des ersten Quartals 2004 zugrunde, so ergibt sich ein interessantes Bild: Umsatzmäßig ist der Vertrieb mit 53% unser größtes Segment, das Segment Labels trägt 45% bei, das Segment Verlag etwa 2%. Der Gewinnanteil des Vertriebssegments beträgt dagegen gerade einmal 1%. Hier steuert das Segment Labels den größten Anteil bei mit 96%, die restlichen 3% kommen vom Segment Verlag. Daraus wird auch klar, dass wir unser renditestärkstes Segment Labels stark forcieren möchten und im Segment Vertrieb durch Produkt-diversifikation die Margen um 2-3%-Punkte steigern wollen. Unser Ziel ist hier, das Segment Labels national und international weiter zu stärken, da hier, um es einfach auszudrücken, das Geld verdient wird. Das umfangreiche Musikrepertoire, was im Back-Katalog gebündelt ist, garantiert uns langfristig jährliche Lizenzeinnahmen in Millionenhöhe, denn der gesetzliche Schutz des Vervielfältigungs- und Verbreitungsrechts gilt für eine Dauer von 50 Jahren nach Erscheinen der Tonträger. Einen weiteren Vorteil hat der Back-Katalog: Er macht uns unabhängig vom Tageshit.

DVI: Warum ist Ihr Standort auf Puerto Rico für Sie so wichtig?

Herr White: Puerto Rico ist der Schlüsselmarkt der lateinamerikanischen Musik und traditionell schon immer die Brutstätte der großen Latinostars und auch der Latinohits gewesen. Vidal Investments, so heißt unsere Tochtergesellschaft auf Puerto Rico, ist es gelungen, einen Super-star nach dem anderen aufzubauen. Das zu dieser Company gehörende Label VI Music erhielt inzwischen einige Grammies und gerade in diesem Frühjahr sage und schreibe neun Billboard Latin Award Nominations. Daß der Weltmarktführer Universal längst unser Vertriebspartner für USA ist, hat sich sicherlich schon rumgesprochen.

DVI: Welchen Einfluß auf das Geschäft hat Ihr neuer Vertrag mit der Bertelsmann Tochter-gesellschaft Bertelsmann Music Group (BMG) auf den Umsatz und Ertrag im laufenden und im kommenden Jahr?

Herr White: Sie sprechen hier einen ganz wichtigen Punkt an. In der Tat gibt es eine Veränderung in unserem Vertriebssystem. Es geht hierbei um die Veröffentlichungen der AG im deutsch-sprachigen Raum. Hier haben wir den Vertrag mit unserem langjährigen Partner BMG, mit dem wir nun schon seit 35 Jahren zusammen arbeiten, um weitere fünf Jahre verlängert und vom bisherigen Labellizenz- bzw. Bandübernahmevertrag auf einen sog. Vertriebsvertrag umgestellt. Das bedeutet für uns, um direkt auf Ihre Frage zu antworten, dass die AG bei gleichem Verkaufserfolg ihren Umsatz ab dem nächsten Jahr mehr als verdreifachen kann (2003: 2,9 Mio. €) und wir bereits für das aktuelle Jahr durch die Umstellung zum Halbjahr mit einer knappen Umsatzverdopplung bei der Muttergesellschaft rechnen.

Diese Entwicklung ist darin begründet, dass bisher, wenn die BMG eine CD an den Händler gegeben hat, der sog. Händlerabgabepreis von z.B. 12 € als Umsatz bei der BMG erfasst wurde und somit also nicht unser Umsatz war. Von diesen 12 € haben wir in der Vergangenheit unter 30% als Lizenz erhalten, was offiziell dann auch der Umsatz der AG war. Beim neuen Vertrag wird der komplette Händlerabgabepreis bei der Jack White Productions AG als Umsatz verbucht und die BMG erhält eine Vertriebspauschale, die unter 20% liegt. Während wir also von den bisher 100% mehr als 70% des Händlerabgabepreises an die BMG abgegeben haben, müssen wir jetzt – seit dem 1. Juli 2004 – keine 20% mehr abgeben.

DVI: Welchen Gesamtumsatz und welchen Nettogewinn wollen Sie im laufenden Jahr erzielen?

Herr White: Das erste Quartal 2004 deutet die Entwicklung für dieses Jahr bereits eindrucksvoll an, wobei ich an dieser Stelle keine Umsatzprognose abgeben möchte. Unterm Strich zählt doch nur der Nettogewinn, und der, das prognostiziere ich, wird im hohen zweistelligen prozentualen Bereich zulegen (2003: 1,5 Mio. €).

DVI: Wie sehen Ihre Perspektiven für das kommende Jahr aus?

Herr White: Durch den neuen Vertrag mit BMG und dem damit verbundenen Margenanstieg sind wir nun in der Lage, zukünftig auch Stars unter Vertrag zu nehmen, die wir bisher nicht bezahlen konnten. Außerdem gehe ich davon aus, dass das Internetgeschäft auch für unser Unternehmen zusehends an Bedeutung gewinnen wird. Aufgrund des vor wenigen Wochen zwischen unserer us-amerikanischen Tochtergesellschaft und Microsoft abgeschlossenen online-Distributionsver-trages, wird Microsoft, die noch in 2004 mit einer eigenen Musikdownloadplattform auf den Markt kommen werden, über alle Songs unseres Back-Kataloges verfügen können. Dies, und eine konti-nuierliche Ausweitung unseres Stammgeschäftes kann zu einem sehr spannendem Jahr 2005 führen, so dass eine weitere kräftige Gewinnsteigerung vorprogrammiert ist.

DVI: Wie ist es zu erklären, dass Sie trotz guter fundamentaler Zahlen nicht Ihre Ziele bei der Kapitalerhöhung erreichen konnten?

Herr White: Die ersten beiden Tranchen der Kapitalerhöhung wurden wie geplant platziert. Die dritte und letzte Tranche wurde Mitte Juni 2004 platziert, jedoch nur zu einem Durchschnittspreis von 4,15€. Der geplante Durchschnittskurs über alle drei Tranchen konnte folglich am Ende des Tages aufgrund des schwachen Gesamtmarktes nicht erzielt werden. Trotzdem sehen wir die abgeschlossene Kapitalerhöhung als Erfolg an. Insgesamt spülte uns die Kapitalerhöhung knapp 2,4 Mio. € in die Kassen.

DVI: Wer sind die Eigentümer von European Media Investments Ltd. und welchen Anlegerhorizont haben diese Investoren?

Herr White: Die European Media Investments Ltd., eine 100%-ige Tochter von Navigator Invest-ments Limited in London, hatte ursprünglich die gesamte Kapitalerhöhung übernommen. Die Aktien wurden jedoch zwischenzeitlich mit Unterstützung der Seydler Wertpapierhandelsbank AG bei verschiedenen Fonds platziert, welche längerfristiges Interesse signalisiert haben, weil sie wie Independent Research ein Kursziel von 7,40 € sehen.

DVI: Welches Ergebnis je Aktie erwarten Sie im laufenden und im kommenden Jahr, bezogen auf das erhöhte Kapital?

Herr White: Es gibt verschiedene Studien, die uns für dieses Jahr ein EPS von etwa 0,39 Euro zutrauen und für 2005 mit etwa 0,42 Euro je Aktie rechnen. Wir halten diese Gewinnschätzungen für erzielbar und nicht übertrieben, mischen uns jedoch nicht in Analystenprognosen ein. Unsere Prognose, wie ich bereits erwähnt habe, ist die, das wir in diesem Jahr beim Nettoergebnis im hohen zweistelligen prozentualen Bereich und auch im nächsten Jahr kräftig zulegen werden.

DVI: Welche strategischen Maßnahmen zur längerfristigen Expansion haben Sie geplant?

Herr White: Wir werden uns weiterhin auf unser Kerngeschäft, die Auswertung der Leistungs-schutz- und Urheberrechte konzentrieren. Insbesondere das margenstarke Segment Labels wollen wir weiter stark vorantreiben und die Chancen im digitalen Musikbereich verstärkt nutzen. Mittelfristiges Ziel ist, eine EBIT-Marge von mehr als 20% zu erreichen. Natürlich denken wir an dieser Stelle auch an unsere vielen Aktionäre. Wie Sie vielleicht mitbekommen haben, hatten wir am 5. Juli eine sensationell gute Hauptversammlung. Die Vertreter der Aktionärsverenigungen DSW und SDK waren nur des Lobes, und deswegen steht über allem die Maximierung des Unternehmenswerts!

DVI: Wo sehen Sie den fairen Wert Ihrer Aktie und welche Maßnahmen wollen Sie ergreifen, um diesen Wert zu erreichen?

Herr White: Wenn Sie sich die Einschätzungen der Analysten zu unserer Aktie z.B. von Independent Research, First Berlin oder dem Bankhaus Lampe – um nur einige zu nennen - anschauen, dann sind wir nach Expertenmeinung deutlich unterbewertet. Wir schließen uns dem Korridor der veröffentlichten Kursziele von 6,10€ - 7,40€ innerhalb der nächsten 10-12 Monate an, wobei dies aus dem Bauch heraus eine höchst konservative Einschätzung ist, weil wir nämlich einen großen Hit haben werden.

DVI: Besten Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Chefredakteur Rochus C. Rüttnauer.

http://www.das-vorstandsinterview.de