PlasmaSelect AG
- Fast jeder Deal ist ein Schnäppchen
Interviewpartner: Herr Karl-Heinz Riggers, Vorstandsvorsitzender
Gehaltene Aktien: Riggers Holding 7,206 Mio. Aktien, davon persönlich
13,4% des Grundkapitals. Die Holding ist mit 52,4% beteiligt.
Das Interview wurde am 21.07.04 geführt. Kurs am 21.07.04 bei 4,61
Euro
Hintergrund:
Unheimlich viel Dynamik ist in den letzten zwölf Monaten in die
Münchner Holding gekommen, die mit Ihren Töchtern im Gesundheitsbereich
mit Schwerpunkt in der Herstellung und Vertrieb von Generika tätig
ist: Gab es am 30.6.03 erst zwei Beteiligungen (DeltaSelect und RenaSelect),
und hatten diese Beteiligungen damals noch ein relativ beschei-denes
Umsatzniveau, so wurden in der Zwischenzeit vier neue Zukäufe von
Unternehmensteilen getätigt, die bis auf eine Aquisition bei der
Tochter Deltaselect integriert wurden. Fast jede Akquisition bringt
die Aktionäre von PlasmaSelect einen deutlichen finanziellen Schritt
nach vorne und ist meist auch mit einer besonderen Attraktivität
verbunden z.B. Akquisition von der italienischen Pierrel, bei der der
Verkäufer unmittelbar nach dem Verkauf 24% seiner früheren
Firma zum Preis von 3 Mio. Euro zurückgekauft hat. Dies war fast
doppelt so hoch wie der Kaufpreis von 1,6 Mio. Euro für 100% von
Pierrel.
In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres (30.5.)
sind die Umsätze auf 27,9 (13,8) Mio. Euro und das EBIT auf 1,145
(-0,535) Mio. Euro gesprungen. Dies lässt Analystenschätzungen
mit 35 Cent (11) je Aktie für das laufende Geschäftsjahr immer
realistischer werden, insbesondere auch nach der Akquisition von Curamed
Pharma GmbH, die ab dem 1.7.04 in die Deltaselect integriert wird. PlasmaSelect
hat vor wenigen Tagen einen Ergebnissprung im Betriebsergebnis von zirka
– 500.000 Euro auf 1,25 Mio. Euro bekannt gegeben und die Ergebnisprognose
um 50% nach oben erhöht. Dies war möglicherweise noch lange
nicht das Ende des Ertragszuwachses im laufenden Jahr. DVI hat den Vorstandsvorsitzenden,
Karl-Heinz Riggers, über die Zukunftsaus-sichten von PlasmaSelect
befragt.
Das Vorstandsinterview (DVI): Herr Riggers, Sie hatten
am 31.5. vergangenen Jahres noch ca. 33,1 Mio. Euro Liquidität.
In der Zwischenzeit sind Ihre Barmittel im kurzfristigen Bereich weiter
stark auf 16,7 Mio. Euro zurückgegangen. Wie lange werden Sie in
diesem rasanten Tempo noch weiter expandieren können?
Herr Riggers: Akquisitionen aus Eigenmitteln werden
in der Zukunft sicherlich nur noch vereinzelt realisierbar sein, gleichwohl
erwirtschaftet der PlasmaSelect-Konzern einen relativ hohen eigenen
cash-flow, die es unserem Unternehmen ermöglichen, grundsätzlich
nach der Möglichkeit von Akquisitionsfinanzierung Ausschau zu halten.
Der gesamte Kaufpreis von Curamed, unserer letzten Akquisition, ist
derzeit nur zum Teil bezahlt und wird bis Ende Oktober voll beglichen
sein. Diese Akquisition wird zu 100% aus unserer eigenen Liquidität
bezahlt. Außer den gewünschten Akquisitionen im Home-Care-Bereich
(drei größere und 1 kleineres Unternehmen) sind derzeit keine
weiteren Akquisitionen geplant.
DVI: Bitte erläutern Sie unseren Lesern, wie Sie
es geschafft haben, die Pierrel-Akquisition (heute Altaselect) so erfolgreich
abzuschließen und welche Synergie-Effekte es aus dieser Übernahme
gibt.
Herr Riggers: Pierrel war zum Zeitpunkt der Übernahme
nur mit 20% der möglichen Kapazität ausgelastet und hat Verluste
eingefahren. Dazu hatte das Unternehmen finanzielle Verpflich-tungen
in der Größenordnung von mehr als 4 Mio. Euro. Daher war
der Verkäufer daran interessiert, die Firma zu sehr vernünftigen
Konditionen zu verkaufen, insbesondere vor dem Hintergrund, weil wir
ihm in Aussicht stellen konnten, durch unsere Vertriebswege bei DeltaSelect
seine Kapazität in erheblichem Umfang zusätzlich auszulasten.
In der Zwischenzeit ist die Kapazitätsauslastung auf 30% gestiegen,
und ab 1.1.2005 soll sie durch Übertragung von Kapazitäten
eines bisherigen Sublieferanten auf über 85% steigen. Wir haben
außerdem in Italien einen eigenen Vertrieb aufgebaut, sodass es
Altaselect in 05 möglich sein wird, ca. 16 Mio. Euro Umsatz zu
machen inklusive 17 Mio. Einheiten Infusionslösungen als konzerninterne
Lieferungen, sodass AltaSelect im kommenden Jahr mit einem positiven
Ergebnis abschließen wird.
Vor dem Hintergrund dieser Perspektive war der Teilrückkauf
(24 %) durch den früheren Eigentümer verständlich.
DVI: Sie haben DeltaSelect zu Ihrer stärksten
Tochtergesellschaft gemacht und erzielen eine Betriebsergebnismarge
im zweistelligen Bereich. Welchen Umsatz und welches Betriebsergebnis
werden Sie mit DeltaSelect im laufenden Jahr (30.11.04) voraussichtlich
machen, wenn keine neuen Gesellschaften bis zum 30.11.04 hinzukommen?
Herr Riggers: Die DeltaSelect hat im ersten Halbjahr
des laufenden Geschäftsjahres einen Umsatz in Höhe von ca.
21,5 Mio. Euro erreicht bei einem EBIT in Höhe von 2,4 Mio. Euro.
Das entspricht einer EBIT-Marge von zirka 11,2%. Für das zweite
Halbjahr gehen wir – auch bedingt durch die Akquisition der Curamed
– von einer deutlichen Umsatzsteigerung aus, wobei die EBIT-Marge
ebenfalls ganz deutlich verbessert werden sollte. Dies ist auch der
Grund dafür, dass wir in unserer kürzlichen ad-hoc-Meldung
die Ergebnisprognose um 50% erhöht haben. All dies ist das Ergebnis
von Synergieeffekten aus Einkauf, Logistik und Vertrieb, die unserer
Meinung nach kein Zufall sind. Auch bringt künftig die eigene Produktion
in der Gruppe positive Effekte für DeltaSelect, da bei der DeltaSelect
die Bezugspreise für Infusionslösungen niedriger sein werden
als derzeit.
DVI: Haben Sie die Fertigungsprobleme bei RenaSelect
gelöst und welchen Ergebnisbeitrag erwarten Sie aus diesem Bereich
im laufenden und im kommenden Jahr?
Herr Riggers: Die RenaSelect hatte in der Vergangenheit
die Problematik, dass es ihr noch nicht gelungen war, aus dem Entwicklungsprojekt
– sprich aus dem Labor – die neu entwickelte Faser in die
Serienfertigung überzuführen. Das führte dazu, dass wir
im Moment deutlich hinter unseren geplanten Umsatzerwartungen bei der
RenaSelect zurückhängen; wir gehen jedoch davon aus, dass
diese Probleme nunmehr nachhaltig gelöst sind. Die ersten Ergebnisse
der neu entwickelten Faser sind doch sehr beeindruckend und lassen die
Erwartung zu, im nächsten Jahr die geplanten Umsätze zu realisieren.
Wir erwarten jedoch aufgrund der Markteinführung einer neuen Dialysefaser
auch für das kommende Jahr noch ein negatives EBIT.
DVI: Was freut Sie an der Übernahme des Produktbereiches
Haemaccel® von Aventis Pharma, der Anfang Mai 04 erfolgte, besonders
und warum wird diese neue Aktivität über die Tochter TheraSelect
gesteuert?
Herr Riggers: Das besondere an dem Produkt Haemaccel®
ist natürlich, dass es sich um einen hier weltweit eingeführten
Markennamen handelt. Das Produkt Haemaccel® hat eine Zulassung in
92 Ländern, dies wird dazu führen, dass durch den Vertrieb
von Haemaccel die Möglichkeit eröffnet wird, die Produktpalette
der DeltaSelect, - insbesondere die im generischen Bereich - weltweit
bekannt zu machen und zwar über bestehende Händlerverbindungen
von Aventis. Wir arbeiten im Moment daran, die entsprechenden Vertriebswege
zu etablieren.
Darüber hinaus hat die Produktionsstätte
der TherraSelect in Marburg eine neue funktionsfähige Produktionseinheit
für die Bottle-Pack-Flaschen (Kunststofflaschen) für den Infusionsmarkt.
Diese Anlage war bislang noch nicht in Betrieb. Die Buchwerte für
diese Produktionsanlagen betrugen nahezu 10 Mio. Euro. Wir sind im Moment
dabei, diese Maschinen auf unsere Anforderungen hin zu modifizieren
und gehen davon aus, dass wir innerhalb der nächsten 12 Monate
unseren Eigenbedarf an Kunststofflaschen für die DeltaSelect hier
selbst in vollem Unfang herstellen werden. Die heute verkauften Mengen
betragen zirka 12 Millionen Einheiten, diese können zu 100% in
Marburg produziert werden. Dies ist ein weiterer wichtiger Schritt unserer
Strategie, die DeltaSelect weg vom Handelsunternehmen zum Eigenproduzenten
zu führen. Damit machen wir uns nachhaltig konkurrenzfähig
in nationalen und internationalen Märkten.
Außerdem wurde vor kurzem die Produktion von
Haemaccel® wieder angefahren; wir haben hier das komplette Know-how
inklusive der früheren Produktionsmannschaft übernommen. Wir
erwarten erste Umsätze mit dem von uns produzierten Haemaccel®
für das kommende Geschäftsjahr.
Die Produktion von Haemaccel® einerseits und die
Eigenfertigung der Kunststofflaschen andererseits werden zu einer weiteren
Steigerung der Rohertragsmarge bei unserer größten Tochtergesellschaft
Deltaselect beitragen.
DVI: Welchen Umsatz- und Ergebnisbeitrag erwarten Sie
aus TherraSelect in Marburg im laufenden und kommenden Jahr?
Herr Riggers: Bei TherraSelect erwarten wir im laufenden
Jahr – bedingt durch Anfangsverluste – ein negatives Ergebnis,
das jedoch im kommenden Jahr schon wieder ausgeglichen sein wird. Es
ist geplant, das Produkt Haemaccel® über die bestehenden Vertriebskanäle
zum einen der DeltaSelect in Südamerika, Asien bzw. Nordeuropa,
im Mittelmeer-Raum über die AltaSelect abzuwickeln. Dies wird dazu
führen, dass die TherraSelect im nächsten Geschäftsjahr
ein außerordentlich hohes Betriebsergebnis erwirtschaften wird,
die hier entstehenden Margen werden sich aber in Teilen auch bei der
Delta- bzw. AltaSelect niederschlagen.
DVI: Kann die Übernahme der Curamed Pharma GmbH
auch wieder als „Schnäppchen“ bezeichnet werden?
Herr Riggers: Für die Aktionäre von PlasmaSelect
ist der Kauf von Curamed sicherlich ein Schnäppchen, insbesondere
deshalb, weil es uns gelingt, das Produktionsprogramm von Curamed komplett
in die Vertriebsorganisation von DeltaSelect zu integrieren. Wir haben
bei Curamed nur einen Produktmanager, aber 12 Medikamentenzulassungen
übernommen und sind deshalb äußerst schlank aufgestellt.
Es werden durch diese Integration ganz erhebliche Synergie-Effekte freigesetzt,
wahrscheinlich löst dies im kommenden Jahr einen deutlichen Ertragssprung
aus.
DVI: Wie wird Curamed die Ergebnisse von DeltaSelect
beeinflussen?
Herr Riggers: Aufgrund der Akquisition Curamed wird
der geplante Umsatz der DeltaSelect von 45 Mio. Euro deutlich überschritten
werden. Dies führt im EBIT-Ergebnis dazu, dass sich die EBIT-Marge
für das laufende Geschäftsjahr auf einen deutlich zweistelligen
Bereich einpendeln wird. Im kommenden Geschäftsjahr werden die
Umsätze zirka 60 Mio. Euro erreichen, damit einhergehend wird die
EBIT-Marge überproportional zulegen.
DVI: Welche Synergieeffekte ergeben sich aus den Akquisitionen?
Herr Riggers: Die Synergieeffekte sind natürlich
dadurch gegeben, dass die DeltaSelect ihrem Ziel zum Eigenhersteller
deutlich näher gekommen ist und damit die Ertragsmarge des Zwischenhandels
eliminiert werden kann. Darüber hinaus sind natürlich auch
Vorteile des gemeinsamen Einkaufs, aber auch der Logistik gegeben.
DVI: Bereits im September vergangenen Jahres wurde
der Einstieg in den sogenannten „Home-Care-Bereich“ angekündigt.
Bisher wurde jedoch noch keine Akquisition getätigt. Wie beurteilen
Sie die Chancen, in dem für Sie neuen Marktsegment überhaupt
zum Zuge zu kommen?
Herr Riggers: Wir befinden uns hier nach wie vor im
Verhandlungsstadium, leider dauern die Verhandlungen länger, als
wir es erwartet haben. Wir sind jedoch nach wie vor optimistisch, dass
das Unternehmen PlasmaSelect noch im laufenden Geschäftsjahr den
Einstieg in diesen hochinteressanten Geschäftsbereich „Home-Care“
finden wird.
DVI: Es gibt Ergebnisschätzungen im Markt, wonach
Sie im laufenden Jahr 35 Cent je Aktie und im kommenden Jahr 48 Cent
je Aktie verdienen werden. Wie realistisch sind aus Ihrer Sicht diese
Gewinnschätzungen?
Herr Riggers: In unserer ad-hoc-Meldung vom 15.Juli
haben wir unsere Ergebnisplanung um 50% angehoben auf 26 Cent je Aktie,
wir gehen davon aus, dass dies jedoch eine konservative Betrachtung
darstellt. 35 Cent je Aktie sind ein sehr ehrgeiziges Ziel, aber sicherlich
nicht unmöglich. Aufgrund der oben erwähnten positiven Entwicklung
und der positiven zukünftigen Aussichten halten wir auch 48 Cent
je Aktie für das nächste Jahr sicherlich für sehr optimistisch,
aber auch hier ist es durchaus denkbar, dass es möglich sein wird,
in diese Größenordnung hineinzuwachsen.
DVI: Wo würden Sie nach Ihren Unternehmensplanungen
den realistischen Gewinn für 04/05 ansiedeln wollen?
Herr Riggers: Wir haben gerade vor kurzem eine neue
Ergebnisplanung veröffentlicht und wollen uns derzeit nicht im
Detail äußern. Wir werden aber unsere neuen Planzahlen für
das kommende Jahr spätestens im November 04 veröffentlichen.
DVI: Wo sehen Sie aus heutiger Sicht einen fairen Preis
für die PlasmaSelect-Aktie?
Herr Riggers: Ich finde es als Vorstand eines Unternehmens
nicht gerade seriös, einen fairen Wert zu nennen. Der faire Wert
wird durch den Markt bestimmt.
DVI: Besten Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Chefredakteur Rochus C. Rüttnauer.
http://www.das-vorstandsinterview.de