D+S europe AG
Interviewpartner: Dipl.-Ing. Achim Plate, Vorstandsvorsitzender
Gehaltene Aktien: 542.525 (von 9,8 Mio.; kann sich durch Wandlung aus
Anleihe auf 13,6 Mio. bis 2005 erhöhen); zudem werden 350.000 Aktien
über Treuhänder gehalten.
Das Interview wurde am 15.07.04 geführt.
Hintergrund:
Die Hamburger D+S europe AG, einer der größten deutschen
Dienstleister im Bereich des Kundenkontaktmanagements, Telemarketings
und CRM, hat in den vergangenen beiden Jahren einen beeindruckenden
Turnaround vollzogen. Das Unternehmen hat seine Strukturen umfassend
verändert, sich in der Prozesssteuerung einen Innovationsvorsprung
erarbeitet und dadurch erhebliche Effizienzsteigerungen erzielt. Allein
die Personalkostenquote, die am 30. Juni 2002 noch bei 97% lag, hat
der Vorstand mit seinem konsequenten Durchgreifen auf unter 70% (IV.
Quartal 2003) gesenkt. Dieses Niveau hat die Gesellschaft nachhaltig
abgesichert und auch im ersten Quartal 2004 gehalten.
Gleichzeitig ist es dem Management gelungen, den Deckungsbeitrag
vom Tiefstwert von 26% auf 46% im IV.Quartal 2003 zu erhöhen. Das
Resultat der Neuorganisation durch den Vorstands-vorsitzenden Dipl.-Ing.
Achim Plate ist positiv: Das EBIT des Konzerns hat sich von -15,2 Mio.
Euro (2002) auf - 4,6 Mio. Euro (2003) verbessert. Allein im Q1 2004
gab es eine weitere Steigerung um gut 1 Mio. Euro im Vergleich zum Vorjahresquartal
auf 0,3 Mio. Euro.
In der Marktdarstellung ist es der D+S europe AG gelungen,
sich klar vom Wettbewerb zu differenzieren. Die D+S europe AG hat sich
als Qualitätsdienstleister auf oberstem Niveau positioniert und
belegt ihren Führungsanspruch durch internationale Auszeichnungen.
Aufgrund ihrer wegweisenden Steuerungstechnologien kann D+S die hohe
Qualität zu äußerst konkurrenz-fähigen Preisen
anbieten.
Für die Auftraggeber sind das die maßgeblichen
Entscheidungskriterien. Daher – und in Verbindung mit einer erfolgreichen
Neustrukturierung des Vertriebs – verzeichnet die Gesellschaft
seit dem Frühjahr 2004 Zuwächse im Auftragseingang um über
30%. Bei den Neuaufträgen handelt es sich ausschließlich
um Projekte mit langfristiger Ausrichtung. Die Verträge der D+S
europe AG haben meistens nach einer Startphase einen Mindestdauer von
zunächst ein bis drei Jahren. Die Umsätze und Ergebnisse der
D+S europe AG sind aufgrund der Langfristigkeit der Verträge gut
prognostizierbar.
DVI sprach mit dem größten Aktionär
und Vorstandsvorsitzenden, Herrn Dipl.-Ing. Achim Plate, über die
mittelfristigen Zukunftsperspektiven des Unternehmens, das in naher
Zukunft eine Barkapitalerhöhung plant.
DVI : Herr Plate, Sie prognostizieren der D+S europe
AG in den kommenden Jahren sprunghafte Gewinnzuwächse. Das in diesem
Jahr schwach positive Ergebnis pro Aktie soll im kommenden Jahr bereits
bei ca. 0,20 Euro liegen. Woraus resultiert Ihre Zuversicht?
Plate: Unsere Ergebnisplanung baut auf zwei wesentlichen
Entwicklungen auf. Zum einen haben wir ein außerordentlich starkes
Neugeschäft, das unser organisches Wachstum antreibt. Zum anderen
haben wir eine innovative Wachstumsstrategie, die aus drei Säulen
besteht: Wir entwickeln uns zum Dienstleister für Business Process
Management (BPM) und übernehmen für unsere Auftraggeber ganze
Prozessketten aus dem Vertriebs- und Kundenkontaktmanagement. Dadurch
verlängern wir unsere Wertschöpfungskette und erzielen höhere
Margen.
Wir internationalisieren unser Geschäft und erschließen
als Kompetenzführer unter anderem die Märkte Osteuropas wie
Polen, Tschechien und Ungarn.
Wir stärken unsere Marktposition und unsere Ertragskraft
durch die Akquisition hochrentabler Unternehmen.
DVI: Sie machen die D+S europe AG zum Dienstleister
für Business Process Management (BPM) – wo liegen die Vorteile
Ihres Geschäftsmodells gegenüber dem Ihres Wettbewerbs?
Plate: Unser Vorteil ist, dass wir jetzt als „First
Mover“ die Spitzenposition innerhalb eines neu entstehenden Dienstleistungsmarktes
besetzen können. Denn das Business Process Out-sourcing ist ein
internationaler Trend, in dessen Verlauf Unternehmen Aufgaben, die außerhalb
ihrer Kernkompetenz liegen, nicht mehr wie bisher als Einzelleistungen
vergeben, sondern sie zu Prozessketten verbinden und als solche ganzheitlich
übertragen. Die D+S europe AG übernimmt für ihre Auftraggeber
ganzheitliche Prozessketten insbesondere im Bereich des Vertriebs- und
Kundenkontaktmanagements, d.h. D+S arbeitet in einem stark wachsenden
Markt, in dem täglich Unternehmen Prozesse auf Dienstleister verlagern
(outsourcing).
Die hohe Kunst ist es dabei, alle Teile einer Prozesskette
intelligent zu kombinieren und vernetzt zu steuern. Diese Fähigkeit
zur Steuerung vernetzter Einzelprozesse ist der Schlüssel zum erfolgreichen
Business Process Management (BMP). Er ermöglicht erhebliche Synergien,
die sich in Kostenvorteilen für den Auftraggeber und in höheren
Margen für uns als Dienstleister auszahlen.
Die erforderliche Steuerungskompetenz haben wir mit
unserer 20-jährigen Erfahrung aufgebaut und mit unserer eigenen
Entwicklung, der Intraday Complete Control, zu einem wegweisenden Steuerungsinstrument
komprimiert.
DVI: Bitte erläutern Sie unseren Lesern Ihre Kundenstruktur.
Plate: Unsere Auftraggeber sind vorwiegend große
Unternehmen mit Hunderttausenden bis Millionen Endkunden, deren Betreuung
in unseren Händen liegt. Die Herkunftsbranchen unserer Auftraggeber
sind unter anderen Telekommunikation, Medien, Entertainment, Versorgung,
Finanz- und Versicherungswesen.
Mit unseren neun größten Kunden erwirtschaften
wir 83 % unseres Umsatzes. Mit allen großen Auftraggebern pflegen
wir eine langjährige Zusammenarbeit. Die Projekte nehmen erfahrungs-gemäß
mit der Laufzeit sukzessive an Komplexität zu. In einigen Fällen
hat sich D+S daher bereits stark in Richtung BPM-Dienstleister entwickelt.
Generell spüren wir bei unseren Auftraggebern eine hohe Affinität
zum Business Process Outsurcing. Zugleich vernehmen wir den Wunsch,
sie bei der Erschließung neuer europäischer Märkte zu
begleiten.
DVI: Wie hoch schätzen Sie das Risiko ein, beim
Markteintritt in Polen, Tschechien, Ungarn und der Slowakei Anfangsverluste
zu schreiben?
Plate: Unsere Strategie ist es, mit vorhandenen Aufträgen
vornehmlich aus dem Kreis unserer langjährigen Auftraggeber nach
Osteuropa zu expandieren. Wir starten also mit Aufträgen von deutschen
Unternehmen, die in diese Märkte vorstoßen wollen. Auf dieser
Grundlage gehen wir davon aus, dass es natürlich Anlaufkosten geben
wird, wir aber kumuliert bereits im ersten Jahr profitabel sein werden.
DVI: Welches Ordervolumen wollen Sie im laufenden Jahr
realisieren?
Plate: Wir haben uns ein Umsatzziel von gut 50 Mio.
Euro gesetzt und sehen uns derzeit bei ca. 52 Mio. Euro. Die Chancen,
dieses Ziel zu erreichen, sind also ausgesprochen gut, denn bis auf
einen kleinen Rest haben wir den Jahresumsatzes durch feste Verträge
bereits „in trockenen Tüchern“. Darüber hinaus
verhandeln wir im New-Sales derzeit mit mehreren Unternehmen über
ein Auftragsvolumen von insgesamt 10 Mio. Euro auf Jahresbasis. Davon
sollten wir nach unseren Erwartungen wenigstens ein Viertel noch für
dieses Jahr für uns gewinnen können, so dass unser Umsatzziel
sehr realistisch ist.
DVI: Wie wird die Ertragslage im laufenden Jahr aussehen?
Plate: Positiv. Das lässt sich aus unserer Umsatz-
und Deckungsbeitrag-Entwicklung ablesen. Denn unser Geschäft ist
aufgrund der mittel- bis langfristigen Verträge mit unseren Kunden
sehr klar prognostizierbar und auch für unsere Anleger sehr transparent.
Wir haben die schwächste Phase des Jahres hinter uns und haben
im zweiten Quartal nennenswerte Belastungen für Projektaufbau und
Schulungsmaßnahmen verdaut. Im dritten und vierten Quartal kommen
die erheblichen Umsatzzugewinne operativ voll zur Entfaltung. Nachdem
wir im vergangenen Jahr erstmals seit unserem Börsengang ein positives
EBITDA erreicht haben, werden wir somit in diesem Jahr erstmalig auch
ein positives EBIT in einer Größenordnung von mehr als 1
Mio. Euro erwirtschaften.
DVI: Welches Geschäftsvolumen wollen Sie im kommenden
Jahr realisieren und welchen Jahresüberschuss erwarten Sie in 2005?
Plate: Im kommenden Jahr werden wir erneut einen zweistelligen
Umsatzzuwachs auf über 60 Mio. Euro erreichen. Die Voraussetzungen
dafür sind mit unserem starken Neugeschäft und der Wachstumsstrategie
geschaffen. Aus diesem Volumen erwarten wir ein EBIT von über 5
Mio. Euro. Unter Berücksichtigung der Verwässerung durch Kapitalmaßnahmen
bedeutet das ein Ergebnis pro Aktie in einer Größenordnung
von ca. 0,20 Euro.
DVI: Welche Wachstumschancen sehen Sie mittelfristig?
Plate: Es gibt Prognosen von diversen Marktforschungsinstituten,
dass der Markt für outgesourcte (ausgelagerte) Dienstleistungen
pro Jahr um mindestens zirka 15% wachsen wird. Wir profitieren sehr
stark von diesem Trend und haben uns auch eine Infrastruktur aufgebaut,
mit der wir effizienter arbeiten können als unsere Kunden, als
wenn diese unsere Tätigkeiten selbst im eigenen Haus abwickeln
würden. Wir sehen uns im Wettbewerb gegen die anderen Mitbewerber
um zirka zwei Jahre in der Prozessteuerungs-Kompetenz voraus. Dieses
Know-how in Qualität und Effizienz hat sich insbesondere bei dem
Großauftrag einer renommierten Finanzierungsbank bewiesen, wo
wir den Auftrag gegen 18 Mitanbieter gewonnen haben. Darüber freuen
wir uns natürlich sehr, denn dieser Auftrag ist für Nachfolgeprojekte
eine sehr gute Referenz.
DVI: Welche Entwicklung sehen Sie 2004 bis 2006 im
Ergebnis je Aktie?
Plate: Wir planen in den nächsten Wochen eine
Kapitalerhöhung, die Anfang Juni von der Hauptversammlung 2004
zur zügigen Umsetzung unserer Vorhaben beschlossen wurde. Insgesamt
können wir bis zu 2,4 Mio. Stücke emittieren. Wir werden die
Emission sowohl unseren Aktionären als auch unseren Wandelobligationsinhabern
in einer Größenordnung von 10:3 anbieten. Damit fließt
uns brutto (also vor Emissionskosten) ein Betrag in der Größenordnung
von über 5 Mio. Euro zu. Im kommenden Jahr planen wir – dann
bezogen auf eine Zahl von ca. 13,6 Mio. Aktien – ein Ergebnis
je Aktie von ca. 0,20 und in 2006 von etwa 35 Cent je Aktie, wobei hier
weitere Akquisitionen – weil noch nicht unterschrieben –
nicht mit eingerechnet sind.
DVI: Wollen Sie die Kapitalerhöhung ausschließlich
für die Übernahme anderer Firmen einsetzen?
Plate: Die Investitionen dienen zur zügigen Umsetzung
aller drei Säulen unserer Wachstums-strategie, also Business Process
Management, Internationalisierung und Akquisitionen von Firmen, die
in unserem Ergebnis je Aktie eine deutliche Verbesserung bringen. Wir
gehen bei den Übernahmen sehr selektiv vor und bezahlen den Kaufpreis
nur nach dem nachgewiesenen Erfolg, wobei wir auch Aktien als Akquisitionswährung
einsetzen.
DVI: Welche Resonanz erwarten Sie auf Ihre geplante
Barkapitalerhöhung?
Plate: Wir rechnen mit einem sehr starken Interesse.
Dies ist vor allem auf die gute Entwicklung der Betriebsergebnisse,
basierend auf den stark verbesserten Deckungsbeiträgen, zurückzu-führen.
Außerdem kommt das gute Volumenwachstum durch die neuen Aufträge
hinzu. Damit steigen auch die Ergebnisse deutlich.
Unsere Altaktionäre können doppelt von der
Barkapitalerhöhung profitieren:
Über den attraktiven Preis hinaus, räumt
die Gesellschaft ihren Aktionären ein erhöhtes Bezugs-recht
ein, das um etwa 25 Prozent über dem ihnen zustehenden gesetzlichen
Bezugsrecht liegt. Normalerweise wäre das gesetzliche Bezugrechtsverhältnis
10:2,5; es wird verbessert auf ein Bezugsrecht von 10:3 dadurch, dass
zeichnungsberechtigte Altaktionäre im Bedarfsfall auf ihre Bezugsrechte
verzichten, um den neuen Aktionären dieses 10:3-Recht einzuräumen.
DVI: Besten Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Chefredakteur Rochus C. Rüttnauer.
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