14.06.04  DAS VORSTANDSINTERVIEW
Baader Wertpapierhandelsbank AG

Interviewpartner: Herr Uto Baader, Vorstandsvorsitzender
Gehaltene Aktien: ca. 14,795 Mio. Aktien (von 22,95 Mio. Aktien)
Das Interview wurde am 04.06.04 geführt. Kurs am 11.06.04 bei 5,55 Euro

Baader Bank HomepageHintergrund: Die Baader Wertpapierhandelsbank hat im vergangenen Jahr die Orderbücher von mehreren ehemaligen Wettbewerbern übernommen und ist damit zum unangefochtenen Marktführer in Deutschland geworden. Die Marktanteile an Orderbüchern in Aktien erreichen an den deutschen Börsen Prozentsätze, die kaum noch steigerbar sind (Stuttgart: 77%, München knapp 38%). Lediglich an die Düsseldorfer Börse hat sich der Vorsitzende des Vorstandes, der die Bank aus einer Einzelfirma zum anerkannten Partner von Großbanken aufgebaut hat, noch nicht herangetraut. Schon im vergangenen Jahr ist der turn-around nachhaltig geglückt, der Jahresüberschuss im ersten Quartal 2004 zeigte einen swing von fast 6 Mio. Euro. DVI hat den Vorsitzenden des Vorstandes, Herrn Uto Baader, zu den aktuellen und mittelfristigen Perspektiven seines Unternehmens gefragt.

DVI: Herr Baader, beschreiben Sie bitte für unsere Leser die Stärken Ihres Unternehmens.

Baader: Baader ist die führende Wertpapierhandelsbank in Deutschland. Mit einem Eigenkapital von über 100 Mio. Euro, 190 hervorragend ausgebildeten Mitarbeitern, IT-Investitionen von mehre-ren Mio. Euro jährlich und über 30.000 betreuten Orderbüchern, sehen wir uns für die kommenden Anforderungen und die Änderungen in der deutschen Börsenlandschaft gut gewappnet.

DVI: Wenn man die hohen Marktanteile in München und Stuttgart sieht, dann muss man sich fragen, sind diese Marktanteile an diesen Plätzen noch weiter ausbaubar?

Baader: Die Marktanteile in München und Stuttgart sind nahe zu ausgereizt. Dies kann man insbesondere vom Platz Frankfurt nicht behaupten. Hier sehen wir noch einiges Potential unseren Marktanteil zu erhöhen.

DVI: Die Skontren in Düsseldorf sind bisher von Ihnen noch weitgehend unangetastet. Was ist der Grund dafür, dass sich Ihre Kollegen am Niederrhein so vehement gegen die „Invasion aus Bayern“ stemmen?

Baader: Wir sind bereits an den Börsen Berlin-Bremen, Frankfurt, München und Stuttgart als Skontroführer vertreten. Das sind auch die Börsenplätze, auf die sich unsere Aktivitäten in Zukunft konzentrieren. Im übrigen sind wir bereits Mitglied der Börse Düsseldorf.

DVI: Im ersten Quartal 2004 haben Sie das Handelsergebnis von 3,6 Mio. auf 12,4 Mio. Euro steigern können. Dies war auch der Grund, warum Sie eine sehr schöne Ertragssteigerung von fast 6 Mio. Euro ausweisen konnten. Müssen Sie nicht befürchten, dass bei seitwärts tendie-renden Börsen das Handelsergebnis wieder spürbar zurückgeht?

Baader: Unser Geschäft ist extrem prozyklisch. Geht es an der Börse nach oben, verdient Baader. Geht es nach unten oder seitwärts mit wenig Umsätzen, wirkt sich das sofort auf das Handels-ergebnis aus. Deshalb streben wir auch auf der anderen Seite eine möglichst niedrige Fixkosten-belastung an und bauen unsere Diversifikation in die Bereiche Derivate und Renten weiter aus.

DVI: Welche Erwartungen haben Sie denn für die deutsche Börse im laufenden Jahr?

Baader: Obwohl der hohe Ölpreis als auch das sich nicht abzeichnende Ende der „Terrorismus-bekämpfung“ sind nicht gerade förderlich für exorbitante Kurssteigerungen. Wir gehen deshalb von einer leicht steigenden Börse zum Jahresende aus. Die Handelsvolumina dürften in der zweiten Jahreshälfte anziehen.

DVI: Sie betreuen bei den deutschen Aktien einige Dax-Werte und fast alle Small- und Mid-caps. Ist dies ein Segment, das Sie besonders reizt, oder wurden Sie in dieses Segment gedrängt?

Baader: Ursprünglich kommt Baader aus dem Handel mit Auslandsaktien. Eine Nische, die für uns zu klein wurde. Über die Zukäufe insbesondere im letzten Jahr konnten wir uns auch einen signifikanten Marktanteil beim Handel in deutschen Aktien sichern, ebenso im Derivate- und im Rentenbereich.

DVI: Da 90% Ihrer Erträge aus in- und ausländischen Aktien kommen und 10% aus Derivaten und Rentenhandel, sind die Erträge aus dem Bereich Kapitalmarkttransaktionen vernachlässigbar. Wollen Sie hier nicht stärker expandieren?

Baader: Die letzten drei Jahre haben leider keine Möglichkeiten geboten, in diesem Bereich zu expandieren. Im laufenden und insbesondere für das nächste Jahr sieht es aber bereits nach einer deutlichen Verbesserung aus. So konnten wir gerade in den letzten Wochen zwei Kapital-erhöhungen (Brain Force, Arques) maßgeblich begleiten. Unsere Spezialisierung liegt auf den kleineren und mittleren Unternehmen. Bei Megadeals wie Postbank, etc. wird man unseren Namen vergeblich suchen.

DVI: Was ist für Sie interessanter: Der Handel mit inländischen oder mit ausländischen Aktien?

Baader: Beides ist für uns sehr interessant. Bei inländischen Aktien ist es das teilweise enorme Handelsvolumen, von dem wir profitieren. In Auslandsaktien sind die Margen etwas höher, aber auch das Risiko!

DVI: Neben dem Courtage- und dem Wertpapiervermittlungsgeschäft bieten Sie auch Kapital-marktdienstleistungen an. Bis zu welchem Volumen wollen Sie IPO´s oder Kapitalerhöhungen selbst begleiten?

Baader: In das eigene Obligo nehmen wir derzeit Volumina von bis zu 7 Mio. Euro je Transaktion. Insgesamt kann das zu platzierende Volumen aber auch deutlich höher sein.

DVI: Wie viele Kapitalmarkttransaktionen wollen Sie im laufenden Jahr noch begleiten, und was steckt für 2005 in der „Pipeline“?

Baader: Auf eine genaue Anzahl möchte ich mich nicht festlegen lassen. Dazu ist dieses Geschäft viel zu sehr von der allgemeinen Stimmung an der Börse abhängig. Unsere Dienstleistungen werden derzeit sehr viel stärker nachgefragt als noch vor 12 Monaten.

DVI: Die Expansionschancen in Deutschland werden immer kleiner. Wann wagen Sie den Sprung über die Grenzen hinaus?

Baader: Mit den Expansionschancen im Inland werden wir bestimmt noch 2 Jahre vollauf beschäftigt sein. Der Sprung über die nationalen Grenzen hinaus ist in unserem Geschäft relativ schwierig. Dies sieht man auch daran, dass Ausländern bisher der Sprung nach Deutschland ebenfalls immer misslungen ist. Wenn wir in das Ausland expandieren, wird dies ein wohlvorbereiteter Schritt sein.

DVI: Es gibt Schätzungen im Markt, wonach Sie im laufenden Jahr 27 Cent und im kommenden Jahr 41 Cent je Aktie verdienen sollen. Sind diese Gewinnschätzungen aus Ihrer Sicht realistisch oder eher zu konservativ?

Baader: Wir selbst sind mit Gewinnschätzungen sehr zurückhaltend. Denn die Basis für unsere Gewinne, nämlich die Handelvolumina und Marktbewegungen, sind nicht prognostizierbar.

Wenn Sie z. B. davon ausgehen, dass sich die Lage im Nahen Osten erheblich beruhigt, der Ölpreis wieder sinkt oder Bush wiedergewählt wird, sehe ich den Dax Ende 2005 bei über 5.000 Punkten. Dann ist auch die von Ihnen genannte Ergebnissteigerung erreichbar.

DVI: Halten Sie den Börsenkurs angesichts Ihrer hohen Marktführerschaft im Moment für fair, oder welches Potential sehen Sie für unsere Anleger?

Baader: Wir haben bei den Auslandsaktien sicherlich einen Marktanteil von 50%, bei den deutschen Aktien zirka 20%. Damit sind wir unserem Wettbewerb eine erhebliche Nasenlänge voraus. Wir sehen daher unsere Aktie wie einen Optionsschein mit einem ganz hohen Hebel auf den Gesamtmarkt. Ein Aufgeld müssen Sie dafür in meinen Augen derzeit nicht bezahlen.

DVI: Ihre Marktkapitalisierung beträgt derzeit zirka 143 Mio. Euro. Sie sind mit 66% beteiligt. Wenn sich ein Ausländer in Deutschland einkaufen will, sind Sie sicherlich der erste Akquisitions-kandidat. Was würde passieren, wenn man Ihnen für Ihr Paket 110 Mio. Euro bieten würde?

Baader: Uns kann man nicht akquirieren. Man könnte sich eventuell über eine Kapitalerhöhung bei uns beteiligen. Allerdings nur, wenn dies strategisch einen ordentlichen Mehrwert ergibt. An Eigenkapital mangelt es uns sicher nicht! An kurzfristigen liquiden Mitteln haben wir derzeit einen Bestand von zirka 40 Mio., dies sind immerhin 1,75 Euro je Aktie. Das sind ca. 30% des Börsenkurses, und damit können wir uns in die Reihe der cash-Werte einordnen lassen.

DVI: Da Sie nicht verkaufen wollen, vermitteln Sie uns bitte eine Perspektive, wohin Sie das Unternehmen in den nächsten fünf Jahren führen wollen und wie die außenstehenden Aktionäre daran partizipieren können.

Baader: Die Konsolidierung innerhalb unserer Branche wird in den nächsten zwei Jahren abgeschlossen werden. Von ehemals über 100 Unternehmen wird es dann nur noch etwa 10 geben. Wir werden uns an diesem Prozess weiter sehr aktiv beteiligen. Ziel ist es zum einen unsere Stellung in Frankfurt weiter auszubauen und zum anderen von den Ergebnis-schwankungen im Bereich Aktien unabhängiger zu werden. D.h. wir werden weiter die Bereiche Derivate und Renten verstärkt ausbauen.

Auch der Bereich Kapitalmarktdienstleistungen wird einen gehörigen Teil dazu beitragen. Der deutsche Unternehmer hat zukünftig nur noch 2 Alternativen: Entweder er geht an die Börse, um sich dort das nötige Kapital zu beschaffen, oder er geht ins Ausland. Dazu sind wir Deutsche aber zu sesshaft, daher fördert die Baaderbank Börsengänge von mittelständischen Unternehmen.

DVI: Ihr Optimismus ist ja schon kaum nachvollziehbar. Vor dem Hintergrund, dass wir in Deutschland für sehr wenig Unternehmergeist, wenig Eigeninitiative und eine Gleichmacherei in der Gesellschaft haben, verwundert uns diese Aussage sehr. Wo sollen denn die Impulse herkommen?

Baader: Sie nennen genau das verdrehte Bild, das uns suggeriert wird. Unter den derzeit höchst widrigen Umständen haben wir in Deutschland einen exorbitanten Unternehmergeist und soviel Eigeninitiative wie nie. Sonst gäbe es den Deutschen Unternehmer aufgrund unserer unsäglichen sozialistischen Gleichmacherei ja schon längst nicht mehr.

Und eines möchte ich Ihnen vorhersagen: Die Unternehmer werden, wie bereits so oft in der Vergangenheit, eine Renaissance erleben. Nur durch Unternehmer, die in den Standort Deutschland investieren, werden Arbeitsplätze geschaffen und Wachstum erzeugt. Wachstum, ohne das Deutschland seine internationale Spitzenstellung weiter verlieren wird. Auf die tragende wirtschaftliche Säule, den investierenden Unternehmer, wird man sich wieder besinnen. Und dann startet der Siegeszug des Deutschen Unternehmers. Und wohin? An die Börse!

DVI: Wenn Sie für die deutsche Börse so bullish sind, dann haben Sie in Ihrem Geschäft den Höhepunkt ja noch lange nicht erreicht. Wie sehen Sie denn den Kurs Ihrer Aktie innerhalb der nächsten fünf Jahre klettern?

Baader: Wenn der DAX zum Ende des Jahrzehnts bei über 10.000 Punkten steht, kann sich unsere Aktie vervielfachen.

DVI: Besten Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Chefredakteur Rochus C. Rüttnauer.

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