SM Wirtschaftsberatungs
AG
Interviewpartner: Martin Schmitt, Vorstandsvorsitzender (seit 1996)
Gehaltene Aktien: 500.000 Aktien (von 3,464 Mio.) bzw. 14,4% des Grundkapitals
Die
SM Wirtschaftsberatungs AG hat sich in der Vergangenheit mit der Immobilien-
und Wertpapierverwaltung beschäftigt, vor kurzem aber bekannt gegeben,
dass man sich künftig auf die Versicherungsvermittlung, insbesondere
der Beratung von Unternehmen bei der betrieblichen Altersvorsorge konzentrieren
möchte. Betriebliche Altersvorsorge ist für die deutschen
Unternehmen eine Möglichkeit, die Lohnnebenkosten zu senken und
damit eine ausgesprochene Wachstumsbranche, insbesondere, da bisher
erst 35 Prozent der Unternehmen in Deutschland ihren Mitarbeitern diese
Altersvorsorge anbieten. Wir haben den Vorstands-vorsitzenden, Martin
Schmitt, über die Zukunftsaussichten seines Unternehmens befragt.
Das Vorstandsinterview (DVI): Herr Schmitt, bitte erläutern
Sie unseren Lesern, warum Sie Ihr Geschäftsmodell umgestellt haben
und warum Sie in der Versicherungsvermittlung so stark expandieren können.
Schmitt: Der Kostendruck im Bereich der Vermögensverwaltung
ist während der letzten Jahre kontinuierlich stark angestiegen.
Ein Ende dieses Trends war nicht abzusehen, so dass die SM AG auch bei
einer kontinuierlichen Steigerung des verwalteten Volumens keine Aussicht
auf größere Erträge hatte. Da im Bereich der Anlageabschlussvermittlung
der betriebliche Alters-vorsorge (BAV) unsere Programme zur Senkung
der Lohnnebenkosten von Unternehmen sehr stark nachgefragt werden, versprechen
wir uns hierdurch einen kontinuierlichen Vertragszuwachs. Die besondere
Chance liegt darin, dass selbst die Unternehmen die bereits die betriebliche
Altersvorsorge anbieten, selten mehr als 20% ihrer Belegschaft die Verträge
näher bringen konnten. Durch das steigende Kostenbewusstsein bei
Arbeitgebern und Arbeitnehmern, liegen hierin noch enorme Steigerungspotentiale.
Insbesondere auch durch unsere Unabhängigkeit, da wir völlig
frei und ohne Vorgaben Produkte und Anbieter auswählen können.
DVI: Herr Schmitt, die Einnahmen aus betrieblicher
Altersvorsorge sind im vergangenen Jahr bereits um 76 Prozent gewachsen
und lagen bei zirka 1,2 Millionen Euro. Bitte teilen Sie uns mit, welche
Einnahmen Sie aus diesem neuen Geschäftsfeld im laufenden und im
kommenden Jahr erwarten.
Schmitt: Die Provisionseinnahmen für das laufende
Jahr werden nach unserer derzeitigen Planung und den vorliegenden Verträgen
um mindestens 100% wachsen. 2005 sollten zu diesem erhöhten Stand
noch einmal ähnliche Wachstumsraten hinzukommen.
DVI: Herr Schmitt, das sind ja ganz überraschende
Zuwachsraten, was machen Sie besser als die Großen der Branche?
Schmitt: Durch die Sicherstellung der Beratung eines
jeden einzelnen Mitarbeiters erzielt die SM AG überdurchschnittliche
Abschlussquoten, die mit einer niedrigen Stornoquote einhergehen. Des
Weiteren konzentrieren wir uns auf den gehobenen Mittelstand, so dass
das durchschnittlich von uns beratene Unternehmen mehr als 500 Mitarbeiter
beschäftigt. Da wir hierbei auch noch Branchen- oder Verbandslösungen
anbieten können, sind wir der Konkurrenz, die im übrigen meist
nur Standardlösungen anbietet, einen Schritt voraus. Außerdem
können wir auf eine hohe Weiterempfehlungsquote auch durch befreundete
Versicherungsunternehmen und Finanz-multiplikatoren verweisen.
DVI: Haben Sie keine Befürchtungen, dass die Großen
der Branche anfangen, Sie zu kopieren, wenn Ihr Geschäftsmodell
Erfolg hat und Ihr Erfolg in größerem Stil bekannt wird?
Denn im Moment haben Sie ja noch den Vorteil, dass Sie weitgehend „im
Verborgenen“ arbeiten können.
Schmitt: Die Frage der Kopierbarkeit stellt sich natürlich,
doch insbesondere mit Blick auf unsere hohe Flexibilität, die Qualifikation
und Motivation unserer Mitarbeiter sowie unsere Kontakte zum Mittelstand
müssen wir die sogenannten Großen der Branchen nicht fürchten.
Das Problem stellt sich erst ab mindestens dem 20-fachen Umsatz von
heute. Sie haben insofern allerdings Recht, dass sich auch die großen
Finanzvertriebe, insbesondere die börsennotierten, dieses absoluten
Wachstumsmarktes annehmen.
DVI: Herr Schmitt, das Geschäft bei Ihnen wird
im Wesentlichen von den beiden Vorstands-mitgliedern getragen. Welche
längerfristige Motivation haben Sie und was würde passieren,
wenn eines der Vorstandsmitglieder ausfallen würde?
Schmitt: Die SM AG wurde 1996 durch die heutigen beiden
Vorstände Schmitt und Mattis gegründet. Sie sind auch heute
noch Großaktionäre und haben Ende des letzten Jahres neue
Verträge unterschrieben. Unsere Motivation ist, die SM AG zu einer
Marke auszubauen, und zwar nicht nur im Bereich der betrieblichen Altersvorsorge,
sondern allgemein was die Senkung der Lohnnebenkosten angeht. Auf Sicht
der nächsten Jahre haben wir uns vorgenommen unter die ersten 20
der Deutschen Finanzdienstleister nach Provisionsvolumen zu kommen.
Für den Fall des Todes einer der beiden Vorstandsmitglieder haben
wir auf dessen Leben eine hohe Risikolebensversicherung abgeschlossen.
Diese Summe dient dann dazu, einen Nachfolger und die Übergangszeit
finanzieren zu können.
DVI: Welche Risiken liegen in Ihrem neuen Geschäftsmodell?
Schmitt: Risiken aus unserem Geschäftsmodell ergeben
sich dann, wenn sich gesetzliche Grundlagen ändern würden.
Wie z.B. die Abschaffung der Sozialversicherungsfreiheit von Bei-trägen
(diese sind allerdings bis 2008 gesichert), es wird über deren
Verlängerung derzeit deutlich nachgedacht. Das „Risiko“
von deutlichen Steuersenkungen in Deutschland sehen wir als sehr gering
an, daher profitieren wir regelrecht von hohen Steuern in Deutschland.
DVI: Welche Vorteile hat ein Unternehmen, wenn es sich
zur Übernahme des BAV-Modells entschließt?
Schmitt: Die Vorteile für das Unternehmen sind
vielfältig. Zum einen kann das Unternehmen aktiv an einer gesetzlichen
Pflicht, die seit 2001 besteht, arbeiten und damit die Belastung der
Personalabteilung deutlich reduzieren. Der größte Vorteil
dürfte aber darin zu sehen sein, dass das Unternehmen auf die vom
Arbeitnehmer eingezahlten Beiträge, die unter der Beitrags-bemessungsgrenze
liegen, die anteiligen Sozialversicherungen einspart. Dies kann bereits
bei einem mittelständischen Unternehmen zu einer sechsstelligen
jährlichen Kostenentlastung führen. Beim derzeit hohen Margendruck
in vielen Branchen spüren wir ein hohes Interesse der Unternehmen,
diese Einsparmöglichkeiten zu nutzen, ohne die Mitarbeiter zu belasten.
Wir registrieren sogar, daß Unternehmen mit dem Betriebsrat vereinbaren,
Teile der Ersparnis als freiwillige Zahlung des Unternehmens an den
Mitarbeiter zusätzlich einzuzahlen, was wiederum die Motivation
der Mitarbeiter erhöht.
DVI: Herr Schmitt, Sie haben vor kurzem bekannt gegeben,
dass Sie alle stillen Lasten aus der Bilanz beseitigt haben. Ist die
Bilanz jetzt wirklich ganz lastenfrei und haben die Anleger jetzt eine
„neue SM Wirtschaftsberatung“ vor sich?
Schmitt: Der Anleger hat keine neue SM AG vor sich,
sondern lediglich eine um die stillen Lasten des Jahres 2002 bereinigte.
Wir hatten damals erhebliche Wertpapierbestände, die sich im Anlagevermögen
befunden haben, und nach dem Crash von uns entweder verkauft oder konsequent
wertberichtigt wurden. Des weiteren haben wir die Rückstellungen
für alle erdenk-lichen Risiken gut dotiert und den Immobilienbestand
kritisch bewertet. Die Bilanz der SM AG darf getrost als sehr solide
bezeichnet werden und weist derzeit eher stille Reserven auf - und das
bei einer Eigenkapitalquote von knapp 47% und einer Bilanzsumme von
21,7 Millionen EUR im Konzern.
DVI: Die Einnahmen, die Sie oben genannt haben: Was
bedeutet das für das Ergebnis je Aktie?
Schmitt: Das Ergebnis dürfte sich für das
Jahr 2004 auf knapp 78 Cent je Aktie belaufen (wir haben noch einen
Verlustvortrag). Für das Jahr 2005 ist eine deutliche weitere Steigerung
zu erwarten, da sich ein höheres Provisionsvolumen überdurchschnittlich
auf unseren Ertrag auswirkt. Die SM AG hat die Schätzungen vor
einem derzeit realistischen Hintergrund aufgestellt und diese basieren,
was die Provisionen angeht, zu zwei Dritteln auf bereits vorliegenden
Verträgen. Die Neugewinnung von Unternehmern liegt voll im Plan,
und gerade im Februar konnten sehr schöne Mandate akquiriert werden.
DVI: Herr Schmitt, Sie haben eine sehr prominente Aktionärsstruktur.
Können Sie uns diese bitte erläutern und mitteilen, seit wann
die Versicherungsgesellschaften an Ihrem Unternehmen beteiligt sind?
Schmitt: Sie meinen damit, daß wir deutsche Versicherungen
in der Aktionärsstruktur haben, die derzeit etwas über 30%
des Kapitals halten. Diese verteilen sich auf 7 konkurrierende Unter-nehmen,
die sich zwischen den Jahren 1999 und 2003 beteiligt haben.
DVI: Herr Schmitt, was passiert, wenn eine dieser Gesellschaften
verkaufen will?
Schmitt: Derzeit ist keiner der institutionellen Anleger
abgabewillig. Versicherer haben uns in Gesprächen mitgeteilt, dass
sie sehr wohl erkannt haben, in was für einem Wachstumsmarkt wir
uns bewegen und mit welcher Professionalität wir unsere Mandate
abwickeln. Man kann davon ausgehen, dass aus diesem Umfeld auch keine
Aktien auf den Markt kommen werden. Sollte dies jedoch einmal so sein,
werden wir bei einer Umplatzierung behilflich sein, da das Interesse
gerade von Großanlegern aus der Finanzwirtschaft während
der letzten Wochen und Monate deutlich gestiegen ist.
DVI: Herr Schmitt, wie sehen denn Ihre Aussichten für
die Dividende aus?
Schmitt: Die Dividende für das Jahr 2003 hängt
davon ab, inwieweit die Zielerfüllung für das erste Quartal
erreicht wird; allerdings lässt das Jahr 2004 sich sehr gut an.
Für das Jahr 2004 streben wir grundsätzlich eine Ausschüttung
von zwei Dritteln des Ertrages an, das wären zirka 50 Cent.
DVI: Der Kurs der Aktie hat sich ja seit der Veröffentlichung
über die Verstärkung des Geschäfts-modelles hinsichtlich
der betrieblichen Altersvorsorge schon deutlich nach oben bewegt. Ein
einstelliges KGV für einen Finanzdienstleister ist immer noch als
sehr preiswert zu bezeichnen. Wie sehen Sie diese Kursentwicklung?
Schmitt: Das drückt lediglich das Vertrauen der
bisherigen Aktionäre aus. Wir haben bei unseren bisherigen Aktionären
kaum Verkäufe, sondern eher Nachkäufe auf dem jetzigen Niveau
registriert. Ich gehe davon aus, dass der Kurs weiter steigen wird.
DVI: Nennen Sie uns abschließend drei Gründe,
warum Anleger in die SM-Aktie investieren sollten.
Schmitt: Hierzu lassen sich auch mehr als drei Gründe
aufführen. Die wesentlichen dürften jedoch sein: Die SM befindet
sich in einem absoluten Wachstumsmarkt, verfügt über grundsolide
Bilanz-strukturen und weist nur einen Bruchteil des Kurs-Gewinnverhältnisses
der großen börsen-notierten Finanzdienstleister auf. Unser
KGV liegt auf Basis 2004 nur bei 9,2.
DVI: Besten Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Chefredakteur Rochus C. Rüttnauer.
http://www.das-vorstandsinterview.de