Stratec: "Wir sind ein ganz langweiliger Haufen"
Die
Stratec Biomedical Systems AG entwickelt und produziert vollautomatische
Systeme für Partner aus der klinischen Diagnostik und Biotechnologie
mit eigenen patentgeschützten Technologien. Im ersten Halbjahr
2004 erwirtschaftete das Unternehmen einen Gewinn nach Steuern von 1,229
Millionen Euro (Vorjahr: 0,526 Millionen Euro) beziehungsweise 0,37
Euro je Aktie. Den Halbjahres-Umsatz steigerte Stratec um 31,3 Prozent
auf 18,304 Millionen Euro (Vorjahr: 13,939 Millionen Euro). Über
die zukünftige Entwicklung des Birkenfelder Unternehmens sprachen
wir mit Finanzvorstand Marcus Wolfinger.
Instock:
Was gibt es Neues bei Stratec?
Wolfinger:
Neues? Wir sind doch ein ganz langweiliger Haufen.
Instock:
Selbst bei Firmen, die ihren Gewinn steigern, kann es doch etwas Berichtenswertes
geben.
Wolfinger:
Zunächst mal läuft es bei uns ganz ordentlich. Auf der einen
Seite haben wir laufende Entwicklungsprojekte und laufende Serienfertigung
von bestimmten Geräten. Auf der anderen Seite sind wir selbstverständlich
– weil die Entwicklungs- und Akqusitionszyklen bei Stratec sehr
lange sind – auch vertriebsseitig aktiv. Wie die Zahlen belegen,
laufen die Geräteabsätze bei den etablierten Systemen sehr
gut. Wir haben einige logistische Maßnahmen und Maßnahmen
aus dem Umfeld der Logistik getroffen, die für eine deutliche Margenausweitung
sorgen.
Instock:
Mit welchem Erfolg?
Wolfinger:
Mit sehr gutem Erfolg. Man sieht es jetzt noch nicht an der Wareneinsatzquote.
Zum Jahresende wird man es genau an dieser Kennziffer sehen. Das heißt,
wir gehen von einer deutlichen Steigerung der EBIT-Marge aus.
Instock:
Bei Zahlen sind Sie ja immer sehr zurückhaltend.
Wolfinger:
Wer spricht schon gerne über Zahlen?
Instock:
Mit welcher EBIT-Marge rechnen Sie?
Wolfinger:
Wir haben keine Zahlen für 2004 kommuniziert. Der Grund liegt einfach
darin, daß wir Entscheidungen und Maßnahmen zum Ende dieses
beziehungsweise zum Beginn des nächsten Jahres haben, die nicht
nur allein durch uns bestimmbar sind. Auf diese Abläufe hat auch
der Kunde maßgeblichen Einfluß. Hinzu kommt jetzt, daß
wir aufgrund der frühen Zulassung unseres vollautomatischen Analysesystems
„Galileo“ für den US-amerikanischen, kanadischen und
japanischen Markt im Augeblick mit dem Kunden in einer Phase sind, wo
abgeklärt wird, was wir liefern können. Der Kunde ist seinerseits
dabei zu klären, wie viel Geräte er noch bis Jahresende benötigt.
In dieser gerade laufenden Phase eine Plananpassung durchzuführen
wäre nicht sinnvoll. Bitte zitieren Sie mich mit der Aussage, auch
Stratec-Kenner werden nicht enttäuscht sein.
Instock:
Es gibt noch keine „Galileo“-Verkaufszahlen für das
zweite Quartal?
Wolfinger:
Das System ist schon erfolgreich im nicht-nordamerikanischen Markt etabliert.
Da läuft es sehr gut. Es liegen von unserem US-Partner Immucor
Lieferwünsche vor. Wir ermitteln im Augenblick, wie wir diese befriedigen
können. Wie bekannt, haben wir sehr langfristige Vorlieferanten-Beziehungen.
Da kann man einfach anrufen und 20 Stück mehr ordern.
Instock:
Mit welchen Auswirkungen auf Umsatz und Gewinn im zweiten Halbjahr?
Wolfinger:
Die Meßlatte hängt recht hoch. Es ist ja kein Geheimnis,
daß wir im zweiten Halbjahr immer mehr Umsatz gemacht haben, als
in den sechs Monaten zuvor. Dabei war der Ergebnisbeitrag des zweiten
Halbjahres immer überproportional. Das heißt, der geneigte
Betrachter wird nicht enttäuscht sein.
Instock:
Sind Gewinn- und Umsatzsteigerungen von 805 beziehungsweise 55 Prozent
wie im ersten Quartal überhaupt zu überbieten?
Wolfinger:
In Prozent bestimmt nicht. Wenn man allerdings die Relationen sieht,
daß wir 45 Prozent des Umsatzes immer im ersten Halbjahr gemacht
haben, dann sieht man, wo wir landen werden. Dazu kommt ja noch die
Steigerung oben drauf. Es ist ja auch bekannt, daß wir für
2005 einen Umsatz mit 45 Millionen Euro vorgecastet haben. Dazu kommt
ein gewisses Up-site-Potential. Weiterhin haben wir für das kommende
Jahr 84 Cent Gewinn je Aktie vorgecastet. Auch hier gehen wir davon
aus, daß wir diese Prognose übertreffen werden.
Instock:
Das bedeutet, daß die 2008-Prognose von rund 70 Millionen Euro
Umsatz als sehr konservativ anzusehen ist?
Wolfinger:
Diese Zahlen stammen allerdings von Analysten, die wir bestätigten.
Insofern stehen wir dazu. Allerdings umfasst eine solche Planung mit
diesem zeitlichen Horizont bei Stratec gewisse Annahmen. Dazu ist anzumerken,
daß wir in einer sehr komfortablen Situation sind, weil wir wissen,
welche Entwicklungsverträge wir in der Pepiline haben, wann diese
in den Markt kommen und was die Mindestabnahmenmengen sind. Heißt,
wir haben eine relativ gute Planbarkeit. Das wir am Markt vorbei entwickeln
ist bei Stratec relativ gering. Bei der Planung bis 2008 kommen selbstverständlich
bestimmte Annahmen über Verträge hinzu, die in der Zukunft
abzuschließen sind. Auch hier sind wir nicht aggressiv vorgegangen,
aber es sind eben Annahmen. Wir stehen zu dem, was wir gesagt haben.
Es kann aber auch besser werden.
Instock:
Stratec entwickelt prinzipiell nur im Kundenauftrag?
Wolfinger:
Nein, das ist genau das, was wir nicht so sehen wollen. Wir machen normalerweise
Plattform-entwicklungen. Das sind Vorentwicklungen im Forschungsbereich,
Funktionsmuster, Machbar-keitsstudien und so weiter. Das entwickeln
wir auf eigenes Ticket. Dann suchen wir uns einen Kunden, gehen mit
dem durch eine gemeinsame Spezifikationsphase, so daß wir am Ende
unser System mit unsere Technologie auf Kundenbedürfnisse entwickeln.
Wir haben teilweise Schutzrechte auf diese Technologien. Dabei versuchen
wir die vertragliche Gestaltung mit unseren Kunden so zu halten, daß
er durch Bezahlung von Meilensteinen keine Rechte an der Entwicklung
erwirbt, sondern Eintrittgelder in unsere Technologie bezahlt. Dafür
bekommt der Kunde ein auf seine Bedürfnisse zugeschnittenes System.
Instock:
Sind ähnliche Systeme wie „Galileo“ in der Pipeline?
Wolfinger:
Wir haben im April 2002 über einen Vertragsabschluß mit der
Firma Bayer per Ad-hoc-Mitteilung berichtet. Unsere Entwicklungszeiten
sind kein Geheimnis. Sie sind sogar Teil des Heraus-stellungsmerkmals
von Stratec. Da kann man relativ einfach ausrechnen, wann die Systeme
in den Markt eingeführt werden müssten.
Instock:
Das ist das Bonbon, den Sie für Ende 2004, Anfang 2005 angekündigt
haben?
Wolfinger:
Das kann ich nicht bestätigen, aber auch nicht dementieren. Man
kann ja eins und eins zusammenzählen.
www.instock.de