Valor: "China ist eine richtige Elektronik-Bonanza"
Valor,
im Prime Standard gelistet, gehört zu den insgesamt nur 8 israelischen
Unternehmen, die an der Deutschen Börse notiert sind. Der in Yavne
beheimatete Softwareentwickler steht jetzt vor einem seit längerem
angekündigten Sprung in eine technologisch und wirtschaftlich neue
Dimension. Wir sprachen mit Finanzvorstand Dan Hoz.
Instock:
In einem Interview vor knapp einem Jahr antworteten Sie auf die Frage,
wie Sie Ihr Unternehmen auf einer Skala von 1 bis 10 einordnen, mit
acht bis achteinhalb. Wie fällt Ihre Einschätzung für
2004 aus?
Hoz:
Von der Position der Firma her sogar noch etwas besser. Wir haben unsere
Ausgaben für Forschung und Entwicklung im Jahr 2004 deutlich erhöht,
um Valor so ausgezeichnet aufzustellen. Dafür haben wir, wie vor
einem Jahr angekündigt, in Kauf genommen, daß diese Investition
unseren aktuellen Nettogewinn kurzfristig schmälert. Dies ist die
Basis für überdurchschnittliche Profite in der nahen Zukunft.
Instock:
Damit lägen Sie im Plan.
Hoz:
Richtig, wir liegen voll im Plan. Wir haben trotz dieser wesentlich
erhöhten Aufwendungen in die Zukunft des Unternehmens darauf bestanden,
weiterhin profitabel zu sein. Wir hätten sicherlich 2004 auch 2
oder 3 Millionen Dollar Gewinn ausweisen können, das wäre
uns aber zu kurzfristig gedacht. Die getätigten Investitionen werden
uns und unseren Aktionären in den nächsten zwei, drei Jahren
richtig Freude bereiten.
Instock:
Wofür haben Sie das Geld konkret ausgegeben?
Hoz:
Das waren Aufwendungen für die Entwicklung neuer Produkte. Keine
Produkte, die uns oder unseren Entwicklern allein gefallen, sondern
solche, die der Markt verlangt und mit denen wir im kommenden Jahr richtig
punkten wollen.
Instock:
In dem schon angesprochenen Interview hatten Sie angekündigt, 2008
die Grenze von 100 Millionen Dollar Umsatz erreichen zu wollen. Davon
sind Sie noch meilenweit entfernt. Wie wollen Sie dieses ehrgeizige
Ziel erreichen?
Hoz:
Ein entscheidender Wachstumstreiber wird der chinesischen Markt sein.
Aktuell generieren wir dort 14 Prozent unseres Umsatzes. Wir haben unsere
dortige Belegschaft 2004 verdreifacht. Jetzt arbeiten 45 Verkaufsleute
für Valors Erfolg in China. Die aktuellen Erlöse dort sind
eine Verdrei-fachung des vorherigen Wertes und jedes weitere Quartal
bedeutet einen neuen Umsatzrekord in China. Eine richtige Elektronik-Bonanza.
Im nächsten Quartal werden wir dort schon 20 bis 25 Prozent des
Valor-Umsatzes erwirtschaften. Unser mittel- bis langfristiges Ziel
ist es, daß mindestens 50 Prozent des Umsatzes aus dieser Region
stammt.
Instock:
In China haben sich schon viele verhoben. Was macht Sie so sicher, daß
dies Valor nicht passiert?
Hoz:
Wir sind mit dem richtigen Produkt zur richtigen Zeit am richtigen Markt.
Wichtig ist, daß man in China nach dem chinesischen Prinzip verkauft.
Dort kann man nicht mit einem deutschen oder israelischen Konzept ankommen.
Bis auf unseren obersten Manager und seinem Stellvertreter sind alle
Valor-Mitarbeiter in China Leute aus dem Land. Das macht den kulturellen
Unterschied zwischen uns als israelischem Unternehmen und den chinesischen
Kunden wett. Hinzu kommt, daß in China sehr viele internationale
Unternehmen vertreten sind, zu denen wir schon Kontakt in Europa und
den USA haben und die schon Kunden von uns sind. So ist es natürlich
leichter, zu deren chinesischen Dependancen vorzudringen. Weiterhin
spielt uns in die Hände, daß die chinesischen Elektronik-Hersteller
von ihren europäischen und amerikanischen Partnern immer wieder
auf Einhaltung der Qualitätsstandards kontrolliert werden. Hierbei
wird oftmals verlangt, das die Chinesen mit unserer Software arbeiten.
Das ist ein weiterer Vorteil für uns.
Instock:
Fürchten Sie nicht, daß die Chinesen Sie einfach kopieren,
wie das hundertfach geschieht?
Hoz:
Unsere Software kann man nicht einfach schnell im Laden kaufen. Sie
erfordert Implemen-tierungszeiten von zwei bis drei, manchmal auch von
sechs Monaten. Unsere Ingenieure vor Ort müssen die Software dann
in die bestehende Prozessstruktur einbinden. Deshalb haben wir vor Kopisten
relativ wenig Angst.
Instock:
Kommen wir zum Umsatzwachstum zurück.
Hoz:
Neben dem beschriebenen Wachstum in China wollen wir die Umsatzgrenze
von 100 Millionen Dollar durch die Entwicklung neuer Produkte durchbrechen.
Die Neuerungen werden in den nächsten ein bis zwei Jahren auf den
Markt gebracht. Als drittes wollen wir unsere 30 Millionen Dollar in
der Kasse für weitere Akquisitionen einsetzen. Wir denken an ein
bis zwei Übernahmen, die sofort unsere Produktpalette erweitern
und uns die Möglichkeit geben, weitere und größere Zukäufe
zu finanzieren. Wir achten bei der Auswahl solcher Zukäufe vor
allem darauf, daß sie Valor technologisch und strategisch ergänzen
und sich gut in unser Gesamtkonzept einpassen.
Instock:
Wir sprechen immer nur vom Umsatz. Wie sieht Ihre Gewinnplanung aus?
Hoz:
Unsere Fixkosten sind auf dem jetzigen Niveau stabil. Sie werden also
nicht anwachsen, ganz im Gegenteil zum Umsatz. Dieser Trend, den wir
für die kommenden Jahre sehen, führt zwangsläufig dazu,
daß unser Gewinn deutlich steigen wird.
Instock:
Gibt es eine angepeilte Marge?
Hoz:
2005 sollten wir ein EBIT von 8 bis 10 Prozent erreichen können.
Instock:
Bei welchem geplanten Umsatz?
Hoz:
Wir haben ja gesagt, daß wir 2004 eine drei als erste Zahl beim
Umsatz haben wollen. Wir werden wohl so bei 31 bis 32 Millionen Dollar
Umsatz landen. Das wäre ein Zuwachs von 25 bis 30 Prozent, verglichen
mit dem Vorjahr. Im nächsten Jahr streben wir 35 bis 40 Millionen
Dollar Umsatz an. Das ist sehr realistisch.
Instock:
Können die Aktionäre darauf hoffen, daran beteiligt zu werden?
Hoz:
Ja, das können sie. Valor wird auch dieses Jahr zirka 40 bis 50
Prozent des erwirtschafteten Gewinns an die Aktionäre ausschütten.
Wir sind ja ein dividendenzahlendes Unternehmen, haben schon zweimal
Dividende gezahlt.
Instock:
Immer mehr deutsche Firmen gehen dazu über, ihre IT-Abteilungen
ins Ausland zu verlagern. Gibt es solche Tendenzen auch in Israel?
Hoz:
Die Wissensbasis bei der Software-Entwicklung nimmt in Israel weltweit
eine Spitzenstellung ein. Auf der anderen Seite sind die Kosten für
hoch qualifizierte Leute bei uns wesentlich niedriger als in den USA
oder beispielsweise in Deutschland.
Instock:
Ist Israel dann ein klassisches Land für Outsourcing?
Hoz:
Nein. Unsere Stärke sind Neuentwicklungen.
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