Zapf Creation: "Keine Prognose für Jahresüberschuss"
Der
Puppenkonzern Zapf Creation hat gerade Quartalszahlen vorgelegt. Dabei
kehrte die Gesellschaft in die Gewinnzone zurück, nachdem das erste
Quartal noch tiefrot beendet wurde. Wir sprachen darüber mit Monika
Collée, Vize-Präsidentin des Unternehmens.
Instock:
Sie haben gerade Halbjahreszahlen vorgelegt. Ließ der Kapitalmarkt
daraufhin die Puppen tanzen oder reagierte man eher zurückhaltend
auf das Zahlenwerk?
Collée:
Mit Sicherheit nicht mit Zurückhaltung, vielmehr positiv überrascht.
Wir bewegen uns am oberen Ende der Erwartung und haben die auf der operativen
Ergebnisseite sogar leicht übertroffen. Wir selber hatten eine
Prognose zum Halbjahr von rund 50 Millionen Euro Umsatz mit einer schwarzen
Null gegeben. Wir haben 49,7 Millionen Euro umgesetzt und 400.000 Euro
operativ verdient.
Instock:
Netto war kein Gewinn geplant?
Collée:
Nachdem wir im ersten Quartal mit 2,1 Millionen Euro negativ waren,
war das nicht zu schaffen. Das ist auch eine Frage, wie das Geschäft
mit Spielwaren verläuft. Ich glaube, es weiß jeder, dass
das dritte und vierte Quartal mit Blick auf das Weihnachtsgeschäft
die stärkeren sind.
Instock:
Gibt es aus dem Weihnachtsboom kein Geschäft im ersten Quartal,
zum Beispiel durch das Einlösen von Geldgeschenken?
Collée:
Sicherlich ist das im Handel so.
Instock:
Das wirkt sich im ersten Quartal nicht auf Umsatz und Ergebnis bei Zapf
aus?
Collée:
Tendenziell nein.
Instock:
Was lief im zweiten Quartal besser als im ersten, damit sie wieder operativ
schwarze Zahlen schreiben konnten?
Collée:
Die Zahlen im zweiten Quartal bewegen sich auf Vorjahrsniveau. Das Problematische
im ersten Quartal dieses Jahres war, dass wir zum einen in unserem wichtigsten
Markt Deutschland mit höheren Inventurbeständen aus 2003 eingestiegen
sind. Normalerweise haben wir unterjährig auch hier ein stärkeres
Quartal, weil die Marke, weil die Produkte einfach bekannter sind. Dieses
Jahr mussten wir in den ersten Wochen zuerst diese Inventurbestände
abbauen. Dazu kam, dass es mit Blick auf das Ostergeschäft im Haus
an der Schnittstelle zu SAP Kommunikations-schwierigkeiten gab. Das
brachte uns in Lieferschwierigkeiten.
Instock:
Ende vergangenen Jahres sprach Ihr Finanzvorstand Rudolf Winning davon,
dass Zapf im ersten Halbjahr 2004 den französischen Markt erschließen
will. Wieso war davon bisher nichts zu hören?
Collée:
Ich glaube, da haben Sie sich etwas missverstanden. Wenn es um die Frage
ging, wo für uns weiteres Potential liegt, dann ist das mit Sicherheit
Frankreich. Wir sind in diesem Markt mit einer eigenen Niederlassung
seit 2000 vertreten. Doch der französische Markt ist einer, in
dem man sehr starke Umsätze im zweiten Halbjahr hat.
Instock:
Herr Winning sprach weiterhin davon, dass eine völlig neue Puppe
im ersten Halbjahr auf den Markt kommen soll und es einen Relaunch von
„Baby Born“ geben wird. Wie ist hier der Stand der Dinge?
Collée:
Wir haben zwei neue Puppen, die dieses Jahr auf den Markt kommen werden.
Das ist einmal die neue „Baby Born“-Puppe. Sie ist in der
letzten Juni-Woche in Deutschland eingeführt worden. Im dritten
Quartal erfolgt dann die weltweite Markteinführung. Dann kommt
eine absolute Neuheit. Die Puppe heißt „Love me Chou Chou“.
Die kann ihre Beine bewegen, die kann Mama sagen, die ist sehr lebensecht.
Auch diese Puppe wird weltweit im dritten Quartal mit Blick auf das
Weihnachts-geschäft eingeführt.
Instock:
Heißt das, dass sich die Aktionäre für das zweite Halbjahr
auf deutlich bessere Umsatz- und Ergebniszahlen einstellen können?
Collée:
Das ist eine ganz einfache Rechnung. Wir erwarten im Jahr 190 Millionen
Euro Umsatz. Wir haben jetzt gut 50 Millionen eingefahren. Wir machen
also dreimal soviel Umsatz im zweiten Halbjahr. Wir fahren im zweiten
Halbjahr selbstverständlich auch ein besseres Ergebnis ein. Die
Prognose liegt bei 24 Millionen Euro operatives Ergebnis. Davon haben
wir 0,4 Millionen in den Büchern. Das heißt, wir generieren
aus 140 Millionen Euro Umsatz mehr als 23 Millionen Euro operatives
Ergebnis. Das ist eine EBIT-Marge von 19 bis 20 Prozent, was realistisch
ist. Solche Margen hatten wir in der Vergangenheit auch.
Instock:
Die neuen Produkte sind also nicht so phantastisch vom Markt aufgenommen
worden, dass sie Ihre Prognose etwas aufstocken könnten?
Collée:
Wir bleiben bei der Prognose, die wir im Juni abgegeben haben. Da waren
Produktneuheiten bereits mit eingeplant. Die Rückläufigkeit
resultiert aus dem Minidoll-Geschäft.
Instock:
In diesem Segment bleiben Sie aber nach wie vor aktiv?
Collée:
Ja, wir werden 2005 mit einer komplett neuen Linie und einer neuen Marke
starten.
Instock:
Wo liegt darüber hinaus die Zukunftsmusik bei Zapf Creation?
Collée:
Wir haben eine jährliche Innovationsrate von 70 Prozent. Wir haben
selbstverständlich auch sehr viele Zubehörartikel. Auch die
sind unterjährig immer wieder neu. Diese Neuheitenrate wird sich
auch im kommenden Jahr fortsetzen.
Instock:
Sie sprechen immer vom operativen Ergebnis. Mit welchem Netto-Ergebnis
rechnen Sie eigentlich 2004?
Collée:
Wir geben keine Prognose für den Jahresüberschuss.
Instock:
Warum nicht?
Collée:
Weil wir das nicht machen?
Instock:
Gibt es dafür irgendwelche Gründe?
Collée:
Bei uns als börsennotiertes Unternehmen schaut man eher auf die
operativen Entwicklungen und die operativen Margen.
Instock:
Aktionäre sind ja auch an Dividenden interessiert. Da interessiert
dann schon der Netto-Gewinn.
Collée:
Ich denke, die Dividendenzahlungen an die Aktionäre ist bei Zapf
Creation mehr als zufrieden-stellend. Sie konnten ja in der Vergangenheit
attraktive Dividenden einfahren.
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