Mifa: „Kasse machen ist etwas anderes“
Mifa,
die Mitteldeutsche Fahrradwerke AG, produziert seit 1907 Fahrräder.
Heute rollen in Sangerhausen neben den für große Handelsketten
produzierten Rädern auch die Marken „Mifa“ und „Germatec“
vom Band. Nun will das Unternehmen den Gang an die Börse wagen.
Wir sprachen mit Gründer und Alleinvorstand Peter Wicht über
Geschichte, Gegenwart und Zukunft des Unternehmens am Rande des Kyffhäusers.
Instock:
Mifa kennen wahrscheinlich nur ehemalige DDR-Bürger. Führt
Mifa, wie viele ehemalige Ost-Firmen, ein Dasein im Schatten der übermächtigen
Westkonkurrenz?
Wicht:
Das ist bei uns mit Sicherheit nicht der Fall. Wir verkaufen unsere
Produktion zu 90 bis 95 Prozent in die alten Bundesländer. Das
nicht nur unter der Marke Mifa, sondern auch unter dem Marken-namen
Germatec und unter den unterschiedlichsten Marken unter dem Dach großer
Handels-marken. Allerdings führte Mifa, damals übrigens unter
anderem Namen, bis zur Übernahme durch Herrn Lehman und mich eher
ein Schattendasein. 1996 verließen 35.000 Fahrräder die Produk-tionshallen.
Seit 2000 arbeitet die Mifa Mitteldeutsche Fahrradwerke AG nun profitabel.
Im vergangenen Jahr haben wir 535.000 Räder produziert.
Instock:
Wie schlug sich das in den Büchern nieder?
Wicht:
Wir haben unseren Cash flow von 2001 bis 2003 auf drei Millionen Euro
verdreifacht. Im vergangenen Jahr verdienten wir vor Steuern und Zinsen
5,6 Millionen Euro. Das entspricht einer EBIT-Marge von 8,8 Prozent.
Ich glaube, diese Fakten sprechen für sich.
Instock:
Wie groß ist bei Mifa die Fertigungstiefe?
Wicht:
Selbstverständlich kaufen auch wir weltweit von Zulieferern Komponenten
ein. Das ist international so üblich. Von uns kommt das Design
des Rades. Wir lackieren die Räder nach höchsten Umweltstandards
mit wasserlöslichen Lacken selber und versehen sie mit einer Schutzschicht
aus Polyesterpulver. Auch die Speichen ziehen wir selber ein.
Instock:
Warum?
Wicht:
Für diese Arbeiten braucht es erfahrene Leute und teure Roboter.
Beides haben wir hier in Sangerhausen.
Instock:
Heißt das, bei Mifa ist die Verlagerung der Produktion ins Ausland
kein Thema?
Wicht:
Ja, das heißt es. Die Tendenz, die Produktion ins Ausland zu verlagern,
ist ja teilweise schon wieder rückläufig, Firmen kommen schon
wieder zurück. Wir haben bewiesen, dass man auch in Deutschland
gut und profitabel produzieren kann. Das ist etwas schwieriger, als
einfach ins Ausland zu gehen, aber es geht. Wichtig ist dabei, mit hoher
Effizienz zu produzieren, wie wir es seit Jahren machen.
Instock:
Sie bleiben Sangerhausen treu?
Wicht:
Wir bleiben Sangerhausen, das im Bundesland Sachsen-Anhalt liegt, treu.
Nicht umsonst haben wir hier gerade ein großes neues Logistikzentrum
errichtet. Wir haben damit noch viel Luft für weitere Expansion
an diesem Standort.
Instock:
Was ist die Zielgröße für die kommenden Jahre?
Wicht:
Wir wollen unsere Produktion auf 1 Million Räder jährlich
ausweiten.
Instock:
Wieso sammeln Sie dann jetzt im Rahmen eines Börsengangs frisches
Kapital ein?
Wicht:
Erst einmal werden wir mit dem Geld der Aktionäre keine langfristigen
Verbindlichkeiten ablösen, weil wir solche nicht haben. Was wir
allerdings haben, sind kurzfristige Kredite, weil wir in unserem Geschäft
bei Aufträgen teilweise über mehrere Monate hinweg in Vorleistung
gehen müssen. Wir bekommen beispielsweise von einer Handelskette
im Juni einen Auftrag, für den wir dann Komponenten und Materialien
einkaufen müssen. Bezahlt werden wir aber erst im Frühjahr
des kommenden Jahres. Wir werden nun einen Teil des IPO-Erlöses
dafür zurückhalten. Damit senken wir unsere Kreditbelastungen
und werden unabhängiger von den Banken. Darüberhinaus werden
wir einen Teil des Geldes für die Erschleißung neuer Märkte
aufwenden.
Instock:
Wohin soll es gehen?
Wicht:
Wir denken da zuerst an Skandinavien, die Benelux-Länder und Frankreich.
Dabei fahren wir eine zweigleisige Strategie. Zum einen werden wir mit
unseren Kunden, wozu beispielsweise Metro gehört, wachsen und mit
denen diese Märkte erobern. Zum anderen werden wir in den genannten
Regionen sogenannte Brückenköpfe errichten.
Instock:
Wie weit sollen die ausgebaut werden?
Wicht:
Wir werden dort weder Produktionsstellen noch riesige Vertriebsnetze
aufbauen. Vielmehr werden wir mit nationalen Händlern zusammenarbeiten.
So bleiben auch dort die Kosten überschaubar.
Instock:
Nicht nur die Mifa-Kasse wird mit dem Börsengang kräftig gefüllt.
Auch Sie und Ihr Partner werden Kasse machen.
Wicht:
Mifa haben wir bereits von langfristigen Verbindlichkeiten befreit.
Das wollen wir im Zuge des Börsengangs nun auch mit uns machen.
Ich komme aus dem Osten, hatte demzufolge nicht Un-mengen Kapital und
musste, um Mifa zum Laufen zu bringen, privat Kredite aufnehmen. Die
sollen nun abgelöst werden. Im übrigen geben Herr Lehmann
und ich – wir beide halten jeweils 2,5 Millionen Aktien an Mifa
– jeweils 10 Prozent unserer Anteile ab. Kasse machen ist etwas
anderes.
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