27.04.04  Instock-Interview - MIFA Mitteldeutsche Fahrradwerke AG (WKN: A0B95Y)

Mifa: „Kasse machen ist etwas anderes“

MIFA HomepageMifa, die Mitteldeutsche Fahrradwerke AG, produziert seit 1907 Fahrräder. Heute rollen in Sangerhausen neben den für große Handelsketten produzierten Rädern auch die Marken „Mifa“ und „Germatec“ vom Band. Nun will das Unternehmen den Gang an die Börse wagen. Wir sprachen mit Gründer und Alleinvorstand Peter Wicht über Geschichte, Gegenwart und Zukunft des Unternehmens am Rande des Kyffhäusers.

Instock:
Mifa kennen wahrscheinlich nur ehemalige DDR-Bürger. Führt Mifa, wie viele ehemalige Ost-Firmen, ein Dasein im Schatten der übermächtigen Westkonkurrenz?

Wicht:
Das ist bei uns mit Sicherheit nicht der Fall. Wir verkaufen unsere Produktion zu 90 bis 95 Prozent in die alten Bundesländer. Das nicht nur unter der Marke Mifa, sondern auch unter dem Marken-namen Germatec und unter den unterschiedlichsten Marken unter dem Dach großer Handels-marken. Allerdings führte Mifa, damals übrigens unter anderem Namen, bis zur Übernahme durch Herrn Lehman und mich eher ein Schattendasein. 1996 verließen 35.000 Fahrräder die Produk-tionshallen. Seit 2000 arbeitet die Mifa Mitteldeutsche Fahrradwerke AG nun profitabel. Im vergangenen Jahr haben wir 535.000 Räder produziert.

Instock:
Wie schlug sich das in den Büchern nieder?

Wicht:
Wir haben unseren Cash flow von 2001 bis 2003 auf drei Millionen Euro verdreifacht. Im vergangenen Jahr verdienten wir vor Steuern und Zinsen 5,6 Millionen Euro. Das entspricht einer EBIT-Marge von 8,8 Prozent. Ich glaube, diese Fakten sprechen für sich.

Instock:
Wie groß ist bei Mifa die Fertigungstiefe?

Wicht:
Selbstverständlich kaufen auch wir weltweit von Zulieferern Komponenten ein. Das ist international so üblich. Von uns kommt das Design des Rades. Wir lackieren die Räder nach höchsten Umweltstandards mit wasserlöslichen Lacken selber und versehen sie mit einer Schutzschicht aus Polyesterpulver. Auch die Speichen ziehen wir selber ein.

Instock:
Warum?

Wicht:
Für diese Arbeiten braucht es erfahrene Leute und teure Roboter. Beides haben wir hier in Sangerhausen.

Instock:
Heißt das, bei Mifa ist die Verlagerung der Produktion ins Ausland kein Thema?

Wicht:
Ja, das heißt es. Die Tendenz, die Produktion ins Ausland zu verlagern, ist ja teilweise schon wieder rückläufig, Firmen kommen schon wieder zurück. Wir haben bewiesen, dass man auch in Deutschland gut und profitabel produzieren kann. Das ist etwas schwieriger, als einfach ins Ausland zu gehen, aber es geht. Wichtig ist dabei, mit hoher Effizienz zu produzieren, wie wir es seit Jahren machen.

Instock:
Sie bleiben Sangerhausen treu?

Wicht:
Wir bleiben Sangerhausen, das im Bundesland Sachsen-Anhalt liegt, treu. Nicht umsonst haben wir hier gerade ein großes neues Logistikzentrum errichtet. Wir haben damit noch viel Luft für weitere Expansion an diesem Standort.

Instock:
Was ist die Zielgröße für die kommenden Jahre?

Wicht:
Wir wollen unsere Produktion auf 1 Million Räder jährlich ausweiten.

Instock:
Wieso sammeln Sie dann jetzt im Rahmen eines Börsengangs frisches Kapital ein?

Wicht:
Erst einmal werden wir mit dem Geld der Aktionäre keine langfristigen Verbindlichkeiten ablösen, weil wir solche nicht haben. Was wir allerdings haben, sind kurzfristige Kredite, weil wir in unserem Geschäft bei Aufträgen teilweise über mehrere Monate hinweg in Vorleistung gehen müssen. Wir bekommen beispielsweise von einer Handelskette im Juni einen Auftrag, für den wir dann Komponenten und Materialien einkaufen müssen. Bezahlt werden wir aber erst im Frühjahr des kommenden Jahres. Wir werden nun einen Teil des IPO-Erlöses dafür zurückhalten. Damit senken wir unsere Kreditbelastungen und werden unabhängiger von den Banken. Darüberhinaus werden wir einen Teil des Geldes für die Erschleißung neuer Märkte aufwenden.

Instock:
Wohin soll es gehen?

Wicht:
Wir denken da zuerst an Skandinavien, die Benelux-Länder und Frankreich. Dabei fahren wir eine zweigleisige Strategie. Zum einen werden wir mit unseren Kunden, wozu beispielsweise Metro gehört, wachsen und mit denen diese Märkte erobern. Zum anderen werden wir in den genannten Regionen sogenannte Brückenköpfe errichten.

Instock:
Wie weit sollen die ausgebaut werden?

Wicht:
Wir werden dort weder Produktionsstellen noch riesige Vertriebsnetze aufbauen. Vielmehr werden wir mit nationalen Händlern zusammenarbeiten. So bleiben auch dort die Kosten überschaubar.

Instock:
Nicht nur die Mifa-Kasse wird mit dem Börsengang kräftig gefüllt. Auch Sie und Ihr Partner werden Kasse machen.

Wicht:
Mifa haben wir bereits von langfristigen Verbindlichkeiten befreit. Das wollen wir im Zuge des Börsengangs nun auch mit uns machen. Ich komme aus dem Osten, hatte demzufolge nicht Un-mengen Kapital und musste, um Mifa zum Laufen zu bringen, privat Kredite aufnehmen. Die sollen nun abgelöst werden. Im übrigen geben Herr Lehmann und ich – wir beide halten jeweils 2,5 Millionen Aktien an Mifa – jeweils 10 Prozent unserer Anteile ab. Kasse machen ist etwas anderes.

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