Essanelle: "Wollen weitere 4 Millionen Euro Schulden abbauen"
Essanelle
hat Halbjahreszahlen vorgelegt, aus denen hervorgeht, daß bei
der Schuldentilgung das Jahresziel bereits erreicht wurde. Die Friseur-Kette
hat darüber hinaus schon nach sechs Monaten mit 0,9 Millionen Euro
Vorsteuer-gewinn die eigene Neunmonatsvorgabe erfüllt. Wir sprachen
mit Vorstand Achim Mansen unter anderem darüber, warum die Gewinnprognose
nicht angehoben wurde.
Instock:
Im Juni sprach Ihr Vorstandskollege Grimminger davon, daß Sie
im Bereich der Marke „Essanelle“ moderat wachsen wollen.
Das ist nicht gelungen. Andererseits ist im Halbjahresbericht davon
die Rede, daß alle Ziele erreicht wurden. Wie paßt das zusammen?
Mansen:
Moderat wachsen hat er sicherlich nicht auf ein halbes Jahr bezogen,
sondern eher mittelfristig gesehen. Wir wollen insgesamt moderat wachsen
und das eher verstärkt bei „Super Cut“ und „Hair
Express“. Sicherlich wollen wir auch, da wo es sich anbietet,
bei „Essanelle“ neue Salons eröffnen. Das ist eben
im ersten Halbjahr nicht der Fall gewesen. Wenn ich das erste Halbjahr
2003 mit dem ersten 2004 vergleiche, so haben wir sieben „Essanelle“-Salons
weniger. Wie das am Jahresende aussieht, weiß ich momentan nicht.
Wir versuchen, da unsere Schwerpunkte zu setzen, wo es am meisten Sinn
macht und vor allem, wo es am meisten Ertrag bringt.
Instock:
Sie gehen ja mit der Marke „Essanelle“ vor allem in große
Einkaufscenter oder Bahnhöfe. Da müßten ja schon Verträge
vorliegen.
Mansen:
Die liegen auch vor und wir werden im zweiten Halbjahr auch Salons der
Marke „Essanelle“ eröffnen.
Instock:
Auffällig ist, daß Ihre Franchise-Nehmer bessere Umsätze
aufweisen, als der Konzern. Wie kommt das?
Mansen:
Die haben in der Tat auf vergleichbarer Fläche etwas mehr Umsatzzuwachs.
Die sind im vergangenen Jahr aber auch etwas mehr im Minus gewesen,
als wir. Wenn ich allerdings das mal mit „Hair-Express“
oder „Super Cut“ vergleiche, dann haben die deutlichere
Umsatzzuwächse als „Modshair“. Gott sei Dank ist es
so, daß sich „Modshair“ wieder nach oben entwickelt.
Im Moment sieht es so aus, als ob die ihre Krise durchwandert haben
und wieder auf einem aufsteigenden Ast sind.
Instock:
Nun ist Ihr Geschäft angesichts der Konsumflaute in Deutschland
wahrscheinlich schwierig. Haben Sie überhaupt eine Chance, den
Ängsten und der damit verbundenen Konsumzurück-haltung zu
begegnen oder müssen Sie die aussitzen?
Mansen:
Aussitzen mit Sicherheit nicht. Das wäre das Schlechteste, was
man tun kann. Natürlich haben wir eine Chance. Wir müssen
auch mit Aktionen, so wie das alle anderen machen, und vernünftigen
Kundenbindungsmitteln dagegen steuern. Es ist ja zu sehen, daß
es uns gelingt. Wenn man in den vergangenen Wochen die Berichterstattung
über Kaufhof oder Karstadt gelesen hat – dort sind wir ja
stark vertreten – dann geht es uns nicht so schlecht wie denen.
Da haben wir unseren Umsatz auf vergleichbarer Fläche ziemlich
stabilisiert. Das führe ich darauf zurück, daß wir für
die Kunden sinnvolle Aktionen machen und daß wir auch eine vernünftige
Qualität bieten. Obwohl im Kaufhaus weniger Kundenfrequenz ist,
schaffen wir es trotzdem, zumindest unsere Stammkunden zu binden.
Instock:
Gibt es noch Möglichkeiten, an der Preisschraube zu drehen?
Mansen:
Nein, da geht nichts. Lohnkostensenkungen sind beispielsweise in der
Regel nur über gezielten Mitarbeiterabbau möglich. Wir sind
ja tarifgebunden und müssen Tarif bezahlen, was wir auch machen.
Dazu zahlen wir auch noch Leistungsprämien. Da wollen wir nicht
ran und das werden wir wohl auch nicht abschaffen.
Instock:
Zurück zu den Zahlen: Sie bilanzieren noch immer nach HGB. Demnächst,
so schreibt es der Gesetzgeber vor, müssen Sie nach internationalen
Standards bilanzieren. Wann werden Sie umstellen?
Mansen:
Wir stellen dieses Jahr um. Allerdings werden wir erst den Jahresabschluss
2005 nach IAS bilanzieren. Das ist dann Pflicht. Wir haben uns ja vor
zwei Jahren entschieden, aus Kostengründen den Prime-Standard zu
verlassen, weil man dort nach IAS bilanzieren muß. Das bedeutet,
wir müßten jetzt zwei Buchhaltungen machen. Wäre der
Gesetzgeber so schlau gewesen zu sagen, wer nach IAS bilanziert, der
ist von HGB befreit, wäre es ja gut. Leider ist das nicht so. Ich
muß ja aufgrund meiner Steuererklärung immer noch einen HGB-Abschluß
machen und den überleiten in die Steuerbilanz. Da gilt in Deutschland
immer noch das Maßgeblichkeits-prinzip. Wir sind hier bei Essanelle
schlank organisiert und für uns ist es auch für die Steuerung
des Geschäftes sinnvoller, nach HGB zu operieren.
Instock:
Sie haben im ersten Halbjahr ein Vorsteuerergebnis von 0,9 Millionen
Euro erwirtschaftet. Gleichzeitig haben Sie bestätigt, daß
Sie im gesamten Geschäftsjahr ein Vorsteuerergebnis von 1,2 Millionen
Euro anstreben. Das bedeutet, Sie planen für das zweite Halbjahr
also nur mit einem Vorsteuergewinn von 0,3 Millionen Euro?
Mansen:
Nein, wir wollen selbstverständlich mehr einfahren.
Instock:
Wieso haben Sie die Prognose dann nicht angehoben?
Mansen:
Wir haben die ja schon angehoben. Ursprünglich haben wir nur 1
Million Euro angepeilt. Jetzt ist das erste Halbjahr gut gelaufen. Wir
liegen da schon über unseren internen Plänen. Ich kann aber
nicht voraussetzen, daß es für den Rest des Jahres so weitergeht.
Wir haben in Deutschland nach wie vor keine stabile Konsumentenlage
und unser Herbst- mit dem anschließenden Weihnachts-geschäft
ist ein wichtiger Faktor. Wichtig ist auch die Frage, wie entwickelt
sich das Geschäft im August und September. Einige Bundesländer
haben noch Ferien und das Wetter spielt bei uns ebenfalls eine große
Rolle. Im August 2003 war es glühend heiß, da haben einige
Kunden ihre Termine abgesagt. Wie sich das in diesem Jahr entwickelt,
können wir nicht genau sagen.
Instock:
Das vierte Quartal ist ja nun immer besonders stark. Andererseits haben
Sie im ersten Halbjahr trotz Einführung der Gesundheitsreform und
Hartz IV-Diskussion Ihre eigenen Vorgaben überboten. Vor diesem
Hintergrund ist es unverständlich, daß Sie für das zweite
Halbjahr nur mit 0,3 Millionen Euro Vorsteuergewinn rechnen.
Mansen.
Es gibt ja naturgemäß im Jahresabschluß immer noch
ein Paar Unwägbarkeiten, wie neu zu bewertende Rückstellungen,
eventuell auch Wertberichtigungen auf Darlehen. So etwas kann alles
noch kommen. Es stimmt aber, wenn das zweite Halbjahr genau so wie das
erste läuft, werden wir mehr als 1,2 Millionen Euro Vorsteuergewinn
erzielen. Aber ich sehe mich heute dazu nicht in der Lage, das schon
mal zu versprechen. Was ich versprechen kann, ist, daß wir uns
bemühen werden, mehr zu tun. Das ist ganz klar. Doch die Prognose
würden wir ganz gern erst einmal bei 1,2 Millionen Euro lassen.
Instock:
Gibt es denn eine neue Prognose für die Schuldentilgung. Hier haben
Sie nach eigener Aussage Ihr 2004-Ziel ja bereits erreicht?
Mansen:
Da haben wir unser Ziel erreicht. Wir wollen bis Jahresende weitere
4 Millionen Euro Schulden abbauen.
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