Mifa: "Kurs überlasse ich den Anlegern"
Der
Fahrradhersteller Mifa aus dem sachsen-anhaltinischen Sangerhausen ist
seit sechs Monaten an der Börse notiert. Was ist seitdem passiert?
Wir sprachen mit Vorstandschef Peter Wicht.
Instock:
Sie sind vor sechs Monaten an die Börse gegangen. Gab es seit dem
17. April 2004 etwas, was Sie Ihren Aktionären lieber nicht sagen
wollten?
Wicht:
Nein, eigentlich nicht. An der Entwicklung der Zahlen ist ja zu sehen,
daß es bei Mifa nach vorn gegangen ist. Solche Momente gab es
nicht.
Instock:
Gab es denn etwas, was Sie mit großer Freude verkündet haben?
Wicht:
Wir haben mit großer Freude verkündet, daß unser Umsatz
so stark wachsen konnte. Das vor allem, weil uns dies gegen den Branchentrend
gelungen ist. Wir haben somit auch erhebliche Marktanteile hinzugewonnnen.
Die können wir momentan allerdings nicht klar definieren, da es
keine verläßlichen Zahlen gibt. Aus der Branche hört
man, daß die Zahlen allgemein nach unten gehen. Wir dagegen wachsen
stark.
Instock:
Wieso hinkt das Wachstum von Gewinn Zinsen und Steuer (EBIT) hinter
dem Umsatzplus hinterher?
Wicht:
Der Hauptgrund war, daß sich der Preisdruck im Markt gegenüber
dem Vorjahr verstärkt hat. Wir konnten jedoch sehr wettbewerbsfähige
Preise anbieten, weil wir unsere Kosteneffizienz nochmals verbessert
haben. Dadurch konnten wir unseren Wettbewerbern weitere Marktanteile
abnehmen.
Instock:
Ist der Preisdruck nur auf den deutschen Markt so stark oder auch auf
den internationalen Märkten?
Wicht:
Vorrangig auf dem deutschen Markt. Ich gehe allerdings davon aus, daß
die internationalen Preise nachziehen werden.
Instock:
Sie haben 2004 Ihren Umsatz bisher um 26 Prozent gesteigert, halten
gleichzeitig an der Jahresprognose von gut 20 Prozent Umsatzplus fest.
Wieso sind Sie da so zurückhaltend?
Wicht:
Wir müssen das vierte Quartal abwaren. Die Fahrradbranche ist ein
sehr saisonal abhängiges Geschäft, in dem man den größten
Teil des Umsatzes im ersten Halbjahr realisiert. Bevor ich mich nun
weiter aus dem Fenster lehne, möchte ich doch abwarten, was die
letzten Monate des Jahres noch bringen.
Instock:
Läuft nicht jetzt die Produktion für das Weihnachtsgeschäft?
Wicht:
Weihnachtsgeschäft gibt es in der Fahrradbranche kaum. Wir produzieren
bereits jetzt für das kommende Jahr. Es ist ja leider so, daß
bei schlechtem Wetter, wie wir es gerade in dieser Jahreszeit haben,
kein Mensch auf die Idee kommt, ein Fahrrad zu kaufen. Das Weihnachts-geschäft
ist sehr gering. Ein Fahrrad ist kein typisches Weihnachtsgeschenk.
Instock:
Der Umsatz wird im vierten Quartal also deutlich geringer ausfallen
als in den Vorquartalen?
Wicht:
Das will ich so nicht sagen. Warten wir die drei Monate ab.
Instock:
Zum Börsengang sprachen Sie davon, daß Sie mit Ihren Handelspartnern
vor allem im Ausland wachsen wollen. Was hat sich an dieser Stelle bisher
getan?
Wicht:
Da sind wir mit allen im Gespräch, es geht mit allen vorwärts.
Nur konkrete Ergebnisse können wir noch nicht vorweisen.
Instock:
Was hat sich überhaupt bei Mifa seit dem Börsengang verändert?
Wicht:
Für das Unternehmen an sich hat sich nichts geändert. Wir
arbeiten nach wie vor daran, daß wir unsere Marktanteile ausweiten
und daß wir noch effizienter werden. Das hat sich durch den Börsengang
nicht verändert. Positiv verändert hat sich allerdings, daß
wir bei großen Kunden jetzt sehr bekannt sind. Die rufen uns inzwischen
an und bitten um Angebote. Heute kennt man die Mifa besser und das hilft
uns.
Instock:
Haben Sie überhaupt noch Kapazitäten frei?
Wicht:
Wir haben noch Kapazitäten. Noch arbeiten wir nicht an der Auslastungsgrenze.
Instock:
Insgesamt läuft es also rund. Können Sie das auch mit Blick
auf den Börsenkurs sagen oder gibt es hier eher Sorgenfalten?
Wicht:
Das ist eine sehr schwierige Frage. Ein Kurs ist einfach da. Man muß
analysieren, warum der Verlauf so ist. Ich kann das aber schwer bewerten.
Wichtiger ist, daß ich mit dem Verlauf des Geschäftsjahres
zufrieden bin. Den Kurs überlasse ich den Anlegern.
Instock:
Sehen Sie Möglichkeiten etwas dafür zu tun, daß sich
das gute Ergebnis auch im Kurs widerspiegelt?
Wicht:
Wir haben bezüglich unserer Öffentlichkeitsarbeit einen großen
Schritt nach vorn gemacht. Wir müssen Investoren einfach mehr zeigen,
was wir können. Ich glaube, daß wir hier einen richtigen
Schritt in die Zukunft gemacht haben.
Instock:
Stichwort Zukunft. Wie sieht die mittelfristige Planung aus?
Wicht:
Darüber möchte ich nicht reden. Bei dem neuen Anlegerschutzgesetz
jetzt so einfach eine Prognose abgeben, daß möchte ich nicht.
Wir streben zum Jahresende eine EBIT-Steigerungsrate von mindestens
20 Prozent an.
Instock:
Vergessen wir die Zahlen. Wohin will der Firmenlenker Peter Wicht Mifa
bewegen?
Wicht:
Da hat sich seit dem Börsengang nichts geändert. Wir werden
weiterhin mit aller Kraft, wie schon in diesem Jahr, daran arbeiten,
die Effektivität unsere Produktion weiter zu verbessern. Wir werden
ebenso daran arbeiten, weitere Marktanteile zu bekommen.
Instock:
Marktanteile kann man auch kaufen. Sind Akquisitionen in Planung?
Wicht:
Darüber denken wir im Moment überhaupt nicht nach. Wir sehen
immer wieder, wie wichtig es ist, von einem Standort aus die Kosten
zu kontrollieren. Einer unserer wesentlichen Vorteile gegenüber
unseren Wettbewerbern ist, daß wir die riesige Stückzahl
Fahrräder an einem Standort fertigen. Wir haben eine Produktionsleiter,
wir haben eine Einspeicherei, wir haben eine Lackiererei. Andere müssen
das mit dem Faktor x multiplizieren. Das ist unser Vorteil im Kostenbereich,
den wir so schnell nicht aus der Hand geben.
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