22.04.04  Instock-Interview - trading-house.net AG (WKN: 663220)

Tradinghouse: "Uns gibt es noch"

trading-house.net HomepageDaytrading hatte sich in den Boomzeiten am Aktienmarkt fast zu einem Volkssport entwickelt. Entsprechend groß war die Zahl derjenigen, die eine entsprechende Ausbildung und Handelsplätze anboten. Davon sind nach dem Börsen-Crash der vergangenen Jahre nur noch wenige übriggeblieben. Dazu gehört der Branchen-Pionier, die inzwischen börsennotierte trading-house.net aus Berlin. Wir sprachen mit Gründer und Alleinvorstand Rafael S. Müller über die aktuelle Situation des Unternehmens.

Instock:
Wieso gelingt es Ihnen eigentlich nicht, profitabel zu arbeiten?

Müller:
Wir sind in hohem Maße von der Entwicklung an der Börse und dem daraus resultierenden Verhalten unserer Kunden abhängig. Steigende Kurse an der Börse bedeuten auch steigende Umsätze. Das zeigt sich bereits in diesem Jahr. Kaum boomt die Börse etwas, ziehen auch bei uns die Umsätze an. Jetzt geht es eher seitwärts und so ist auch unsere Entwicklung.

Instock:
Diese Abhängigkeit von steigenden Börsenkursen ist unverständlich, schließlich können Ihre Kunden auch bei fallenden Kursen Gewinne erzielen. Können Sie das Ihren Kunden nicht richtig vermitteln?

Müller:
Das ist nicht das Problem. Unsere Kunden gehen aber lieber bei steigenden Kursen long als umgekehrt. Das heißt nicht, dass unsere Kunden nicht die Möglichkeiten der Leerverkäufe nutzen. Aber sie sind in schlechten Marktsituationen einfach weniger risikobereit. Für uns bedeutet das, dass sich der Umsatz pro Händler in schlechten Börsenzeiten durchaus halbiert.

Instock:
Ist auch die Kundenzahl so dramatisch rückläufig?

Müller:
Nein, wir haben gegenüber der Boomphase im Jahr 1999 einen Kundenbestand von etwas weniger als 80 Prozent, die aber weniger handeln als in den Boomzeiten.

Instock:
Dann ist es Ihnen nicht gelungen, in ausreichendem Maß Neukunden zu gewinnen?

Müller:
Die Leute sitzen zum Teil noch auf ihren Verlusten. In solcher Situation bewegen sich die Leute einfach nicht. Sie schauen sich ja nicht einmal ihr Depot an.

Instock:
Dann haben Sie das Ziel ihres Börsengangs – mehr Publicity gleich mehr Kunden – verfehlt?

Müller:
Nein, das haben wir nicht verfehlt. Das können wir gar nicht verfehlt haben, weil es uns noch gibt, weil wir trotz des schlechten Umfeldes noch immer eine schwarze Null schreiben. Andere sind in dieser Zeit pleite gegangen.

Instock:
Trotz der vielbeschworenen schwarzen Null kreist der Pleitegeier immer wieder über der trading-house.net. Nun soll eine Kapitalerhöhung für frisches Geld sorgen. Wofür wollen Sie das Geld ausgeben?

Müller:
Ausgeben wollen wir es gar nicht. Wir werden mit dem frischen Kapital unsere Bilanz ausgleichen und mit dem Rest ein kleines finanzielles Polster aufbauen. Damit kommen wir in eine Position, wie wir sie komfortabler noch nicht erlebt haben. Wir schreiben dann nicht nur eine schwarze Null, wir haben dann sogar eine Sicherheit in der Hinterhand.

Instock:
Sie wollen mit dem Unternehmen umziehen, vor allem um weitere Kosten zu sparen. Wie hoch wird die Ersparnis ausfallen?

Müller:
Für das laufende Geschäftsjahr 2003/04 hat das keine Auswirkungen mehr. Allerdings wird sich das 2004/05 in unseren Zahlen schon niederschlagen. Die niedrigere Miete macht ungefähr 10 Prozent unseres Umsatzes aus. Allerdings ist das nur ein geringer Effekt. Wir starten dann richtig durch, wenn auch die Börse wieder anzieht.

Instock:
Und Sie Neukunden gewinnen. Dazu sollen ja auch die steigende Zahl von Börsenbriefen dienen, die sie herausgeben beziehungsweise herausgeben wollen. Gibt es schon erste Neukunden, die auf diesem Weg akquiriert wurden?

Müller:
Ja, wir konnten so schon einige Kunden gewinnen.

Instock:
Die Börsenbriefe werden alle im Hause produziert, sprich geschrieben. Bleibt da bei insgesamt fünf Fachleuten überhaupt noch Zeit, sich intensiv um die eigentlichen Händler und deren Betreuung zu kümmern, wie Sie es ja immer versprechen?

Müller:
Die Briefe, derzeit sind es vier, sind nicht so aufwendig. Einer wird beispielsweise vollelektronisch erstellt und verschickt. Einen anderen schreibe ich selber. Der erscheint so drei bis viermal im Monat und ich benötige jeweils eine Stunde dafür. Das geht mit Sicherheit nicht zu Lasten unserer Kundenbetreuung.

Instock:
Auf Ihrer Hauptversammlung war die Rede davon, dass demnächst ein zweiter Vorstand berufen werden soll. Warum gerade jetzt?

Müller:
Da ist etwas nicht ganz richtig angekommen. Hierbei handelt es sich lediglich um eine mittel- bis langfristige Planung. Auch ich möchte nicht ewig alleine die Verantwortung für das Unternehmen tragen. Doch aktuell ist da nichts geplant. Das wäre auch kaum möglich, angesichts unserer Kassenlage. Aber wenn ein Investor kommt, sind wir auch auf einen solchen Schritt vorbereitet.

Instock:
Wie aus Ihrem Geschäftsbericht hervorgeht, soll noch in diesem Geschäftsjahr die Satzung der trading-house.net geändert werden. Warum das?

Müller:
Das ist mehr eine Formalie. Als die Satzung aufgestellt wurde, waren wir noch keine Publikumsgesellschaft. Auch sonst haben sich einige Dinge geändert, die es erforderliche machen, die Satzung den neuen Gegebenheiten anzupassen.

www.instock.de