16.11.04  Instock-Interview - Bechtle AG (WKN: 515870)

Bechtle: "Wir sind sehr zufrieden"

Bechtle HomepageWährend die IT-Branche bibbert, wärmt sich Bechtle an vollen Auftragsbüchern die Hände. Wir sprachen darüber mit Gründer-Vorstand Ralf Klenk.

Instock:
Eine Mitarbeiterin sprach gerade von Ihnen als Mann der ersten Stunde bei Bechtle. Angesicht der vorgelegten Zahlen kann man auch vom Mann der Stunde sprechen.

Klenk:
Das höre ich selbstverständlich gern. Wenn man mehr als 21 Jahre mit an der Spitze kämpft, ist das eine sehr schöne Sache. Ich habe damals ja die Freude gehabt, die Bechtle AG zu gründen.

Instock:
Der IT-Branche ist nicht gerade nach Jubeln zumute. Warum können Sie jubeln?

Klenk:
Ich darf das etwas relativieren. Wir sind zufrieden. Wenn ich das Wettbewerbs- und Marktumfeld betrachte, dann dürfen wir sogar sehr zufrieden sein. Wir jubeln aber nicht, denn unsere Zahlen sind das Resultat harter Arbeit. Der Markt insgesamt ist nach wie vor sehr schwierig. Er hat zwar aus unserer Sicht die Talsohle in etwa durchschritten. Wir sehen aber in den nächsten Jahren nur einen Markt, der mit moderaten Zuwachsraten aufwarten wird und nicht mehr wie in den achtziger oder neunziger Jahren mit 20 oder 30 Prozent Wachstum pro Jahr. Für das kommende Jahr rechnen wir mit einem Marktwachstum von 2 bis 5 Prozent. Wir wollen allerdings deutlich besser abschneiden.

Instock:
Was heißt das konkret?

Klenk:
Wir wollen in der Größenordnung von 3 bis 5 Prozent über dem Markt wachsen. Alles andere wäre eine Enttäuschung. Unser Ziel ist, Marktanteile zu gewinnen.

Instock:
Aktuell haben Sie ein organisches Wachstum von knapp 12 Prozent ausgewiesen. Wie kam das zustande?

Klenk:
Da zahlt sich unsere klare Strategie bei den Systemhäusern aus – einem unserer beiden Standbeine. Hier fokussieren wir uns auf den Mittelstand. Beim Mittelstand ist es wichtig, immer nahe beim Kunden vor Ort zu sein. Deshalb haben wir auch unsere 50 Systemhaus-Standorte.

Instock:
Das klingt recht simpel. Auf der anderen Seite hört man, daß der Mittelstand sich mit IT-Investitionen sehr zurückhält. Da muß Bechtle noch eine andere Trumpfkarte im Ärmel haben.

Klenk:
Wenn der Erfolg nur aus einer einzigen Facette bestehen würde, wäre er leicht kopierbar. Wenn ein Unternehmen im IT-Bereich erfolgreich wächst, dann hat es zur Konsequenz, daß es sich häufig in größeren und internationalen Kunden verliert. Das passiert, weil dort große Volumina laufen. Die Problematik ist, daß bei den Großunternehmen eigentlich immer die Hersteller mit im Angebot sind. Damit wird man als Systemhaus auf der einen Seite Partner und auf der anderen Wettbewerber. Im Mittelstandsbereich ist eine Hersteller-Unabhängigkeit ebenso wichtig wie die schon angesprochene regionale Nähe. Da können wir unsere strategischen Stärken ausspielen. Der zweite Punkt ist, Bechtle ist das einzige Unternehmen, das in zwei Geschäftsbereichen aktiv ist – dem reinen Handelsbereich und dem Systemhausbereich. Wir haben in beiden Geschäfts-feldern Wettbewerber, das ist keine Frage. Uns ist andererseits kein zweites Unternehmen bekannt, das diese Strategie so klar umgesetzt hat. Wir profitieren jetzt von den beiden Geschäftsbereichen. Ein Beispiel: Die Handelsaktivitäten mit Bechtle direkt und ARP benötigen ein höchst ausgeklügeltes Logistik-System. Das ist eine Anforderung, die ein klassisches System-haus nicht zum Überleben benötigt. Wenn es aber diese Fähigkeit hat, so ist das automatisch eine zusätzliche Wettbewerbsdifferenzierung. Das heißt, wir haben mit Sicherheit die beste Logistik aller Systemhäuser, eben weil sie besser ist, als eigentlich nötig. Es gibt aber auch Synergien in die andere Richtung. Die Systemhäuser haben eine extreme Kundenverzahnung. Es gibt über diesen Weg direkte Rückkopplungen vom Kunden, welche Produkte nachgefragt werden, warum sie nachgefragt werden und welche Probleme es gerade am Markt gibt. Diese Erfahrungen kommen uns wieder zugute.

Instock:
Sie sprachen davon, daß Ihre Stärke darin besteht, sich auf den Mittelstand zu konzentrieren. Bedeutet das nicht auch viele Mitarbeiter und damit auch hohe Personalkosten?

Klenk:
Bei Dienstleistern sind Personalkosten immer ein großer Kostenblock. Doch wir sehen das nicht negativ und eigentlich ist der Begriff auch falsch. Bei uns bedeuten viele Mitarbeiter auch viele Kunden. Außerdem gibt es bei uns eine Besonderheit. Die personalintensiven Systemhäuser sind alle wirtschaftlich selbständige Einheiten mit eigener Ergebnisverantwortung. Damit können wir unseren Kunden – Mittelständler wie die jeweiligen Systemhäuser – auf Augenhöhe begegnen. Andererseits haben wir die Potenz und die Finanzkraft, auch Aufträge großer Kunden ohne Schwierigkeiten zu erledigen.

Instock:
Viele Unternehmen, auch mit deutscher Kundschaft, verlagern ihre Standorte ins Ausland. Ist das auch ein Thema für Bechtle?

Klenk:
Wir sind auf den deutschsprachigen Raum ausgerichtet. Das trifft zumindest auf den Bereich der Systemhäuser zu. Würden wir damit ins Ausland gehen, müssten wir, ganz abgesehen von den Sprachproblemen, auf jetzt wirksame Synergieeffekt verzichten. Deshalb ist die Standort-verlagerung ins Ausland für uns kein Thema. Wie gesagt, das gilt für die Systemhäuser. Im Handelsbereich sind wir ohnehin europaweit aktiv.

Instock:
Kommen wir zu den aktuellen Zahlen. Sie haben Ihre Gewinnprognose von 33 auf 34 bis 35 Millionen Euro angehoben. Wieso sind sie bei der Umsatzprognose, die noch immer 1 Milliarde plus x Euro lautet, nicht konkreter geworden?

Klenk:
Ein Wort zuvor zum Gewinn: Anfang des Jahres sprachen wir von einem angepeilten Plus von 30 Millionen Euro Plus x. Mit den Halbjahreszahlen erfolgte dann die Präzisierung auf die genannten 33 Millionen. Nun haben wir nochmals etwas draufgelegt. Das ist beim Umsatz schwieriger, weil der projektabhängig schwankt. Es ist so, daß sich viele Kunden buchstäblich an den letzten Tagen des Jahres entscheiden, noch einen Auftrag zu erteilen, der durchaus umsatzrelevant ist. Wir sind sehr zuversichtlich, die 1 Milliarde Euro beim Umsatz zu erreichen. In welcher Größenordnung wir die Marke überbieten, ist noch nicht genau zu sagen.

Instock:
Ihr gutes 2004-Ergebnis stammt zu großen Teilen aus Akquisitionen. Sind die auch für 2005 geplant?

Klenk:
Nicht in diesen Dimensionen. Wir wollen unsere Systemhausstandorte von derzeit 50 auf 60 bis 65 ausbauen. Vor allem im Norden Deutschland gibt es noch weiße Flecke auf der Bechtle-Landkarte. Möglicherweise werden wir auch wieder eigene Standorte aufmachen. Das hat allerdings den Nachteil, daß Eigengründungen eine Vorlaufzeit von bis zu drei Jahren haben, ehe sie volle Leistung bringen. Bei Übernahmen verkürzt sich diese Frist auf zwei bis drei Monate.

Instock:
Wie sieht die Vision des Mannes der ersten Bechtle-Stunde für das Unternehmen aus?

Klenk:
Wir hatten unsere Agenda 2010 lange bevor in Berlin davon die Rede war. Als wir vor vier Jahren erstmals davon sprachen, in zehn Jahren die Grenze von 2 Milliarden Euro Umsatz erreichen zu wollen, glaubte uns keiner. Das hat sich geändert.

Instock:
Mit welchen Gewinnmargen rechnen Sie für 2010?

Klenk: Wir wollen unsere Vorsteuer-Gewinnmarge auf 5 Prozent steigern. Derzeit liegen wir bei 3,2 bis 3,5 Prozent.

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