Constantin: "Wir planen konservativ"
Constantin-Film
ist die Welt der schwarzen Zahlen zurückgekehrt und hat gleichzeitig
seine 2004-Prognose angehoben. Wir sprachen mit dem Vorstandsvorsitzender
Fred Kogel unter anderem darüber, warum diese Anhebung so zögerlich
ausgefallen ist.
Instock:
Ihre angehobene Prognose für 2004 ist ziemlich enttäuschend.
Sie wollen im zweiten Halbjahr lediglich 100 Millionen Euro und damit
nicht mehr als im ersten umsetzen. Selbst im sehr schwachen Jahr 2003
erwirtschafteten Sie im zweiten Halbjahr 78 Millionen Euro. Ihre 2004-EBIT-Prognose
ist mit 8 Millionen Euro ähnlich enttäuschend, wenn man allein
die Erfolgsmeldungen über „(T)Raumschiff Surprise –
Periode 1“ dagegen hält.
Kogel:
Letztendlich kann man das sehr leicht erklären. Erst einmal muß
man sehen, wo wir herkommen. Wir kommen von 112 Millionen Euro Umsatz
im vergangenen Jahr und einem negativen EBIT von 11,8 Millionen Euro.
Da ist nach den Halbjahreszahlen sehr eindeutig zu sehen, daß
Constantin – und das ist das Halbjahr ohne „(T)Raumschiff
Surprise“ – auf dem besten Wege ist, den Turnaround zu erreichen.
Wenn sich nun jemand die Anhebung unserer Prognose auf mehr als insgesamt
200 Millionen Euro vorgestellt hat, dann muß man natürlich
immer mehrere Dinge berücksichtigen. Das zweite Halbjahr besteht
nicht nur aus „Bully“, sondern auch aus weiteren großen
Projekten.
Instock:
Welche sind das?
Kogel:
Das ist „Der Untergang“ – eines der Schlüsselprojekte
des zweiten Halbjahres für uns. Das zweite ist „Resident
Evil – Apocalypse“. Beide kommen im September in die Kinos.
Das dritte große Projekt ist der zweite Teil von „Bibi Blocksberg“und
das vierte große Thema wird „Alexander der Große“
sein, der neue Film von Oliver Stone. Diese vier Projekte bieten sowohl
Chancen als auch Risiken. Das muß man in der Planung berücksichtigen.
Im Zusammenhang mit „(T)Raumschiff“ ist noch zu erwähnen,
daß die Vereinbarungen mit herbX natürlich heute anders aussehen,
als zu Zeiten vom „Schuh des Manitu“.
Instock:
Sie verdienen beim „(T)Raumschiff Surprise“ nicht allzu
viel?
Kogel:
Das können Sie so nicht behaupten. Wir haben aber eine völlig
andere Ausgangssituation:. „(T)Raumschiff Surprise“ hat
z.B. hohe Marketing-Aufwendungen. Deshalb sind die Kalkulationen für
beide Filme völlig unterschiedlich.
Instock:
Dennoch ist Ihre Prognose schwer zu verstehen, denn normalerweise gilt
das zweite Halbjahr in der Filmwirtschaft ja als das stärkere.
Sie wollen im zweiten aber kaum mehr Umsatz als im ersten Halbjahr erwirtschaften.
Kogel:
Die Constantin Film AG zeichnet sich durch eine konservative Planung
aus. Wenn man eine Planung am Schluß übertreffen kann, ist
das schön. Was wir nicht wollen, ist, die Planung nach unten zu
korrigieren.
Instock:
Verständlich. Doch es sieht zumindest so aus, als ob Sie nicht
an den großen Erfolg der vier genannten Projekte und der bisher
nicht erwähnten Fernsehproduktionen so recht glauben.
Kogel:
Das hat damit gar nichts zu tun. Wir planen mit Zielen , die wir im
risikoreichen Kinogeschäft nach unserer Marktkenntnis realistischerweise
erreichen können. Die Zahlen 2004 sehen insgesamt wesentlich besser
aus, als die des vergangenen Jahres. Erst der Jahresabschluss 2004 wird
letztendlich zeigen, wo wir tatsächlich raus kommen.
Instock:
Sie sprechen immer nur von der Kinoauswertung. Wie sieht es bei der
zweiten und dritten Verwertungsstufe, also DVD und Fernsehen aus?
Kogel:
Constantin hat erst im Januar 2004 damit begonnen hat, die Eigenauswertung
im Bereich Home-Entertainment vorzunehmen. Unser Verleihprogramm DVD/Video
ist durch den Start im Januar 04 zwar stark, aber vom Produkt her noch
begrenzt. Dazu kommt, dass die Constantin 2003 kein allzu starkes Kinojahr
gehabt hat. Die DVD/Video-Sperrfrist bei deutschen geförderten
Filmen beträgt sechs Monate. Bei internationalen Filmen ist sie
kürzer. Das heißt, daß die starken Filme aus dem zweiten
Halbjahr 2004 erst 2005 auf DVD und Video veröffentlicht werden.
Wir hoffen, daß wir ein gutes Home-Entertainment-Jahr 2005 haben
werden.
Instock:
Wie sieht es mit der Fernsehverwertung der Filme aus?
Kogel:
Die Fernsehverwertung ist bei Constantin sehr klar geregelt. Wir haben
bezüglich der Pay-TV-Rechte einen Rahmenvertrag über unsere
Eigenproduktionen mit „Premiere“. Wir haben eine umfangreiche
Kooperation mit T-Online bezüglich der Video-on-demand-Rechte und
wir arbeiten derzeit mit allen Fernsehsendern in Deutschland zusammen,
wenn es um die Free-TV-Aus-wertung geht. Wir haben sehr gute Geschäftsbeziehungen
zu ARD, RTL und der ProSiebenSat1-Media AG. Mit allen drei Sendern schließen
wir regelmäßig Lizenzverträge über Eigenproduktionen
sowie Lizenzeinkäufe.
Instock:
Wie verkaufen sich Ihre eigenen Produktionen ins Ausland?
Kogel:
Bei großen internationalen Produktionen ist der Auslandsverkauf
Bestandteil des gesamten Finanzierungskonzeptes. Bei den nationalen
Projekten von Constantin ist das unterschiedlich. Ein deutscher Comedy-Film
mit Tom Gerhard ist aufgrund der Regionalität des Themas eher national
und in Österreich und der Schweiz vermarktbar. Ein Film wie „Autobahnraser“,
der ein actionorientierter Teeny-Comedy-Film ist, läßt sich
auch international verkaufen.
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