Elmos: „Nicht abhängig von gängigen Chip-Märkten“
Elmos
(TecDax) verdient sein Geld seit Jahren fast ausschließlich als
Zulieferer für die europäische Autoindustrie. Wir sprachen
vor dem Hintergrund der unlängst vorgelegten 2004-Zahlen mit Unternehmens-Mitgründer
und Vorstand Klaus Weyer.
Instock:
Sie liegen mit den 2004-Zahlen in allen relevanten Bereichen über
Ihren eigenen Vorgaben?
Weyer:
Wir liegen, glaube ich, gut im Zielgebiet.
Instock:
Das kling fast so, als ob Sie ein etwas besseres Ergebnis erwartet hätten?
Weyer:
Nein. Wir sind ja dafür bekannt, daß unsere Planung, die
wir nach außen vermitteln, keine ist, die mit großen Sicherheiten
oder Abschlägen gerechnet ist, um später positiv zu überraschen.
Was wir uns intern als ehrgeiziges Ziel setzen, geben wir auch nach
außen weiter. Wir müssen uns deshalb in der Regel ziemlich
anstrengen, unseren eigenen Planungen nachzukommen. Des-wegen sind wir
über die 2004-Zahlen auch nicht enttäuscht. 2004 war ja kein
ganz einfaches Jahr, vor allem, wenn man die sich stark eingetrübte
Stimmung im zweiten Halbjahr berücksichtigt. Wir sind ja sogar
gut durch das vierte Quartal gekommen, obwohl das bei uns wirklich nicht
das allerstärkste ist.
Instock:
Die Prognosen für die Chip-Industrie für 2005 sind nicht rosig.
Werden auch für Elmos die Zeiten schwieriger?
Weyer:
Wir gehören zwar offiziell zur Chipindustrie, eigentlich passen
wir aber nicht in diesen Rahmen. Wir sind ja nicht abhängig von
den gängigen Chip-Märkten. Wenn beispielsweise Intel Schnupfen
hat, dann sehen wir das leider auch, nämlich an unserem Kurs. Doch
auf der geschäftlichen Ebene ist das für uns völlig uninteressant.
Wir hängen vielmehr von unserem Kernmarkt ab. Das ist letztlich
der Bedarf im Autogeschäft. Da sehen wir nach wie vor keine Schwäche
und keine Abschwächung. Wir gehen davon aus, daß die Autokonjunktur
in den kommenden Jahren irgendwo bei einer schwarzen Null liegen wird.
Da wird es nicht viel Wachstum geben, allerdings auch keine rückläufige
Entwicklung. Parallel dazu läuft der unaufhaltsame Trend, daß
in die Autos immer mehr Elektronik eingebaut wird.
Instock:
Dem steht entgegen, daß der Kostendruck der Autobauer auf die
Zulieferer immer größer wird. Beeinträchtigt das die
Erwartungen von Elmos nicht?
Weyer:
Die drücken schon seit Jahren. Spätestens seit es einen Herrn
Lopez bei VW gab, ist das Thema Kostendruck auf Zulieferer in aller
Munde. Wir müssen uns danach strecken, das ist ganz klar. Wir preisen
ja in unsere relativ langfristigen Projekte schon Preisnachlässe
ein. Wenn wir ein Projekt gewinnen, so läuft es nach einer Vorbereitungsphase
von drei Jahren über fünf bis sieben Jahre. Dabei machen wir
heute bereits die Preise für das dritte und das fünfte Jahr.
Damit haben wir einen relativ engen Preiskorridor für unsere gesamte
heutige Produktpalette, der in der Regel auch nicht verlassen wird.
Wir können auf der Substanz aufsetzend relativ genau rechnen, was
uns in den kommenden Jahren bevorsteht. Wenn wir mit einem neuen Produkt
antreten, was dann in zwei, drei Jahren umsatzwirksam wird, müssen
wir uns an den Marktbedingungen wieder reiben und mit diesen Preisen
konkurrieren. Dazu benötigen wir entsprechende Kostensenkungs-mechanismen,
die wir gegenwärtig einsetzen können. Da hilft uns die Halbleiterbranche.
Sie ermöglicht verkleinerte Strukturen und vergrößerte
Wafer ebenso wie die Effizienzsteigerung durch neue Maschinen. So erreichte
Einsparungen lassen sich beispielsweise in Form von Preisnach-lässen
weitergeben.
Instock:
Stichwort Effizienzsteigerung: Dieser Begriff wird zumeist in einem
Atemzug mit der Produkt- und Entwicklungsverlagerung nach China oder
Indien genannt. Ist das auch bei Elmos der Fall?
Weyer:
Nein. Bis auf eine gewisse Grauzone sind die im Automobilgeschäft
tätigen Halbleiterfirmen immer produzierende Unternehmen. Diese
Unternehmen, wie wir auch, unterliegen hier extremen Verpflichtungen.
Können wir beispielsweise einen Chip für 1,20 Euro nicht fristgerecht
liefern, kann VW das Auto nicht bauen. Diese Verpflichtungen kann man
nur erfüllen, wenn man den Daumen auf der eigenen Wertschöpfungskette
hat, sprich vor Ort produziert. Bliebe höchstens die Frage, mit
einer eigenen Fertigung nach Fernost zu gehen. Das erscheint angesichts
der Größenordnung und der damit verbundenen anderweitigen
Schwierigkeiten nicht besonders opportun. Wir können auch in Europa,
auch in Deutschland, wenn wir es einigermaßen geschickt anstellen,
kosteneffizient und profitabel produzieren.
Instock:
Wie steht es mit der in Fernost ansässigen Konkurrenz? Mit dem
Flugzeug sind die leichten Chips schnell zu transportieren. Macht Ihnen
das Sorgen?
Weyer:
So schnell geht das auch wieder nicht. Die Automobillieferketten sind
selbst in Europa nur mit Taxisonderfahrten und Hubschraubern aufrecht
zu erhalten. Da sind dann schon Stunden entscheidend. Von Asien aus
dauerte der Transport mit Zoll und allem drumherum dann doch Tage. Im
übrigen ist Elmos auch nicht so ein Feld-Wald-und-Wiesen-Lieferant,
sondern ein Spezialist, der maßgeschneiderte Lösungen liefert.
Deshalb ist die asiatische Konkurrenz keine für uns. Es gibt niemand
in Asien, der für europäische Fahrzeughersteller Lösungen,
wie wir sie machen, anbietet, entwickelt und liefert. Wenn wir uns um
die Konkurrenz kümmern, so sind das eher unsere europäische
Nachbarn und dort Firmen vergleichbarer Größe. Unser Nischen-geschäft
ist für die großen Wettbewerber zu schwierig oder einfach
nicht groß genug. Deshalb lassen die lieber die Finger davon.
Instock:
Gibt es bei Elmos Bestrebungen, die europäische Konkurrenz zu übernehmen?
Weyer:
Wenn man Investmentbanker fragt, sagen die selbstverständlich ja.
Aus deren Sicht sind das jetzt die Zeiten, in denen konsolidiert wird.
Da kann man aus Bankersicht gigantische Synergien-potentiale heben,
kritische Massen schöpfen und so weiter. Die gleichen Leute kommen
dann zwei Jahre später und reden davon, alles auszulagern und sich
auf das Kerngeschäft zu konzentrieren. Die leben davon und das
kann man ihnen auch nicht übel nehmen.
Instock:
Sie sind davon nicht so begeistert?
Weyer:
Wir sind davon nicht so begeistert, das ist richtig so. Wenn eine Übernahme
wirklich Sinn macht und es paßt, sind wir durchaus bereit, entsprechende
Schritte zu gehen. Sich mit gleichgroßen aber in ein gemeinsames
Bett zu legen, halte ich nicht für sinnvoll.
Instock:
Das bedeutet, daß der Fokus auch künftig bei Elmos klar auf
die Autoindustrie gerichtet ist?
Weyer:
Der Fokus bleibt ganz klar darauf gerichtet. Es wäre absolut töricht
und dumm, wenn sich Elmos, die eine starke Marktposition und eine sehr
gute Reputation im Automobilbau hat, sich auf andere Gebiete fokussiert.
Richtig ist aber auch, daß es im Firmenportfolio auch einige Beimischungen
geben muß, da man auf einem Bein nicht immer bequem stehen kann.
Wenn das eine Bein aber so solide wie das von Elmos ist, steht es sich
darauf auch nicht so schlecht. Wir haben aber nach langen Mühen
in der Telekommunikationsecke einen innovativen Produktfuß in
der Tür. Wir haben Sensoren, die wir nicht nur an Autobauer, sondern
an die verschiedensten Abnehmer liefern. Wir bekommen so sukzessive
Beimischungen aus anderen Märkten. Wenn das mal 20 oder 30 Prozent
vom Gesamtumsatz ausmacht, würde ich das für sehr gesund halten.
Instock:
Sie wollen auch 2005 weiter wachsen. Woher soll das Wachstum konkret
kommen?
Weyer:
Das Wachstum kommt vor allem aus unserem heutigen Geschäft beziehungsweise
aus unserer Design-Pipeline. Darin sind alle Produkte, mit deren Entwicklung
wir vor zwei, drei Jahren begonnen haben. Die beginnen 2005 ihr Serienleben.
Parallel dazu sehen wir, daß wir nach einigen Jahren Anlauf jetzt
auch mit unseren Amerikanern weiterkommen. Die Steigerungsraten liegen
bei 20 bis 40 Prozent. Das ist im Konzern zwar immer noch ein kleiner
Beitrag, aber es sind immerhin einige Millionen. So speist sich unsere
Prognose nicht aus Phantasien.
Instock:
Wie hoch wird die Dividende für 2004 ausfallen?
Weyer:
Elmos muß an dieser Stelle ein Spagat machen. Im Grunde haben
wir kein Geld, was wir ausschütten sollten. Es wäre besser,
es im Unternehmen zu halten. Dagegen steht das berechtigte Interesse
der Aktionäre, auch am Erfolg zu partizipieren, vor allem, wenn
der Markt unsere Entwicklung über den Kurs nicht honoriert. Wir
werden mit Sicherheit bei der Dividende keine großen Sprünge
machen. Wenn man die Formel vom vergangenen Jahr nimmt, dann scheint
die nicht jenseits von Gut und Böse zu sein. Im vergangenen Jahr
haben wir ja 25 Prozent vom Gewinn ausgeschüttet. Ob das in diesem
Jahr wieder genau 25 Prozent sind, weiß ich nicht. Das wird der
Aufsichtsrat erst Ende des Monats entscheiden.
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