15.02.05  Instock-Interview - ELMOS Semiconductor AG (WKN: 567710)

Elmos: „Nicht abhängig von gängigen Chip-Märkten“

ELMOS HomepageElmos (TecDax) verdient sein Geld seit Jahren fast ausschließlich als Zulieferer für die europäische Autoindustrie. Wir sprachen vor dem Hintergrund der unlängst vorgelegten 2004-Zahlen mit Unternehmens-Mitgründer und Vorstand Klaus Weyer.

Instock:
Sie liegen mit den 2004-Zahlen in allen relevanten Bereichen über Ihren eigenen Vorgaben?

Weyer:
Wir liegen, glaube ich, gut im Zielgebiet.

Instock:
Das kling fast so, als ob Sie ein etwas besseres Ergebnis erwartet hätten?

Weyer:
Nein. Wir sind ja dafür bekannt, daß unsere Planung, die wir nach außen vermitteln, keine ist, die mit großen Sicherheiten oder Abschlägen gerechnet ist, um später positiv zu überraschen. Was wir uns intern als ehrgeiziges Ziel setzen, geben wir auch nach außen weiter. Wir müssen uns deshalb in der Regel ziemlich anstrengen, unseren eigenen Planungen nachzukommen. Des-wegen sind wir über die 2004-Zahlen auch nicht enttäuscht. 2004 war ja kein ganz einfaches Jahr, vor allem, wenn man die sich stark eingetrübte Stimmung im zweiten Halbjahr berücksichtigt. Wir sind ja sogar gut durch das vierte Quartal gekommen, obwohl das bei uns wirklich nicht das allerstärkste ist.

Instock:
Die Prognosen für die Chip-Industrie für 2005 sind nicht rosig. Werden auch für Elmos die Zeiten schwieriger?

Weyer:
Wir gehören zwar offiziell zur Chipindustrie, eigentlich passen wir aber nicht in diesen Rahmen. Wir sind ja nicht abhängig von den gängigen Chip-Märkten. Wenn beispielsweise Intel Schnupfen hat, dann sehen wir das leider auch, nämlich an unserem Kurs. Doch auf der geschäftlichen Ebene ist das für uns völlig uninteressant. Wir hängen vielmehr von unserem Kernmarkt ab. Das ist letztlich der Bedarf im Autogeschäft. Da sehen wir nach wie vor keine Schwäche und keine Abschwächung. Wir gehen davon aus, daß die Autokonjunktur in den kommenden Jahren irgendwo bei einer schwarzen Null liegen wird. Da wird es nicht viel Wachstum geben, allerdings auch keine rückläufige Entwicklung. Parallel dazu läuft der unaufhaltsame Trend, daß in die Autos immer mehr Elektronik eingebaut wird.

Instock:
Dem steht entgegen, daß der Kostendruck der Autobauer auf die Zulieferer immer größer wird. Beeinträchtigt das die Erwartungen von Elmos nicht?

Weyer:
Die drücken schon seit Jahren. Spätestens seit es einen Herrn Lopez bei VW gab, ist das Thema Kostendruck auf Zulieferer in aller Munde. Wir müssen uns danach strecken, das ist ganz klar. Wir preisen ja in unsere relativ langfristigen Projekte schon Preisnachlässe ein. Wenn wir ein Projekt gewinnen, so läuft es nach einer Vorbereitungsphase von drei Jahren über fünf bis sieben Jahre. Dabei machen wir heute bereits die Preise für das dritte und das fünfte Jahr. Damit haben wir einen relativ engen Preiskorridor für unsere gesamte heutige Produktpalette, der in der Regel auch nicht verlassen wird. Wir können auf der Substanz aufsetzend relativ genau rechnen, was uns in den kommenden Jahren bevorsteht. Wenn wir mit einem neuen Produkt antreten, was dann in zwei, drei Jahren umsatzwirksam wird, müssen wir uns an den Marktbedingungen wieder reiben und mit diesen Preisen konkurrieren. Dazu benötigen wir entsprechende Kostensenkungs-mechanismen, die wir gegenwärtig einsetzen können. Da hilft uns die Halbleiterbranche. Sie ermöglicht verkleinerte Strukturen und vergrößerte Wafer ebenso wie die Effizienzsteigerung durch neue Maschinen. So erreichte Einsparungen lassen sich beispielsweise in Form von Preisnach-lässen weitergeben.

Instock:
Stichwort Effizienzsteigerung: Dieser Begriff wird zumeist in einem Atemzug mit der Produkt- und Entwicklungsverlagerung nach China oder Indien genannt. Ist das auch bei Elmos der Fall?

Weyer:
Nein. Bis auf eine gewisse Grauzone sind die im Automobilgeschäft tätigen Halbleiterfirmen immer produzierende Unternehmen. Diese Unternehmen, wie wir auch, unterliegen hier extremen Verpflichtungen. Können wir beispielsweise einen Chip für 1,20 Euro nicht fristgerecht liefern, kann VW das Auto nicht bauen. Diese Verpflichtungen kann man nur erfüllen, wenn man den Daumen auf der eigenen Wertschöpfungskette hat, sprich vor Ort produziert. Bliebe höchstens die Frage, mit einer eigenen Fertigung nach Fernost zu gehen. Das erscheint angesichts der Größenordnung und der damit verbundenen anderweitigen Schwierigkeiten nicht besonders opportun. Wir können auch in Europa, auch in Deutschland, wenn wir es einigermaßen geschickt anstellen, kosteneffizient und profitabel produzieren.

Instock:
Wie steht es mit der in Fernost ansässigen Konkurrenz? Mit dem Flugzeug sind die leichten Chips schnell zu transportieren. Macht Ihnen das Sorgen?

Weyer:
So schnell geht das auch wieder nicht. Die Automobillieferketten sind selbst in Europa nur mit Taxisonderfahrten und Hubschraubern aufrecht zu erhalten. Da sind dann schon Stunden entscheidend. Von Asien aus dauerte der Transport mit Zoll und allem drumherum dann doch Tage. Im übrigen ist Elmos auch nicht so ein Feld-Wald-und-Wiesen-Lieferant, sondern ein Spezialist, der maßgeschneiderte Lösungen liefert. Deshalb ist die asiatische Konkurrenz keine für uns. Es gibt niemand in Asien, der für europäische Fahrzeughersteller Lösungen, wie wir sie machen, anbietet, entwickelt und liefert. Wenn wir uns um die Konkurrenz kümmern, so sind das eher unsere europäische Nachbarn und dort Firmen vergleichbarer Größe. Unser Nischen-geschäft ist für die großen Wettbewerber zu schwierig oder einfach nicht groß genug. Deshalb lassen die lieber die Finger davon.

Instock:
Gibt es bei Elmos Bestrebungen, die europäische Konkurrenz zu übernehmen?

Weyer:
Wenn man Investmentbanker fragt, sagen die selbstverständlich ja. Aus deren Sicht sind das jetzt die Zeiten, in denen konsolidiert wird. Da kann man aus Bankersicht gigantische Synergien-potentiale heben, kritische Massen schöpfen und so weiter. Die gleichen Leute kommen dann zwei Jahre später und reden davon, alles auszulagern und sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren. Die leben davon und das kann man ihnen auch nicht übel nehmen.

Instock:
Sie sind davon nicht so begeistert?

Weyer:
Wir sind davon nicht so begeistert, das ist richtig so. Wenn eine Übernahme wirklich Sinn macht und es paßt, sind wir durchaus bereit, entsprechende Schritte zu gehen. Sich mit gleichgroßen aber in ein gemeinsames Bett zu legen, halte ich nicht für sinnvoll.

Instock:
Das bedeutet, daß der Fokus auch künftig bei Elmos klar auf die Autoindustrie gerichtet ist?

Weyer:
Der Fokus bleibt ganz klar darauf gerichtet. Es wäre absolut töricht und dumm, wenn sich Elmos, die eine starke Marktposition und eine sehr gute Reputation im Automobilbau hat, sich auf andere Gebiete fokussiert. Richtig ist aber auch, daß es im Firmenportfolio auch einige Beimischungen geben muß, da man auf einem Bein nicht immer bequem stehen kann. Wenn das eine Bein aber so solide wie das von Elmos ist, steht es sich darauf auch nicht so schlecht. Wir haben aber nach langen Mühen in der Telekommunikationsecke einen innovativen Produktfuß in der Tür. Wir haben Sensoren, die wir nicht nur an Autobauer, sondern an die verschiedensten Abnehmer liefern. Wir bekommen so sukzessive Beimischungen aus anderen Märkten. Wenn das mal 20 oder 30 Prozent vom Gesamtumsatz ausmacht, würde ich das für sehr gesund halten.

Instock:
Sie wollen auch 2005 weiter wachsen. Woher soll das Wachstum konkret kommen?

Weyer:
Das Wachstum kommt vor allem aus unserem heutigen Geschäft beziehungsweise aus unserer Design-Pipeline. Darin sind alle Produkte, mit deren Entwicklung wir vor zwei, drei Jahren begonnen haben. Die beginnen 2005 ihr Serienleben. Parallel dazu sehen wir, daß wir nach einigen Jahren Anlauf jetzt auch mit unseren Amerikanern weiterkommen. Die Steigerungsraten liegen bei 20 bis 40 Prozent. Das ist im Konzern zwar immer noch ein kleiner Beitrag, aber es sind immerhin einige Millionen. So speist sich unsere Prognose nicht aus Phantasien.

Instock:
Wie hoch wird die Dividende für 2004 ausfallen?

Weyer:
Elmos muß an dieser Stelle ein Spagat machen. Im Grunde haben wir kein Geld, was wir ausschütten sollten. Es wäre besser, es im Unternehmen zu halten. Dagegen steht das berechtigte Interesse der Aktionäre, auch am Erfolg zu partizipieren, vor allem, wenn der Markt unsere Entwicklung über den Kurs nicht honoriert. Wir werden mit Sicherheit bei der Dividende keine großen Sprünge machen. Wenn man die Formel vom vergangenen Jahr nimmt, dann scheint die nicht jenseits von Gut und Böse zu sein. Im vergangenen Jahr haben wir ja 25 Prozent vom Gewinn ausgeschüttet. Ob das in diesem Jahr wieder genau 25 Prozent sind, weiß ich nicht. Das wird der Aufsichtsrat erst Ende des Monats entscheiden.

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