TNG: "Fühlen uns nicht wohl im Freiverkehr"
Ölunternehmen
sind an der Frankfurter Börse relativ selten. Mit der einstigen
Beteiligungsgesellschaft TNG gibt es jetzt ein solches im Freiverkehr.
Wir sprachen mit dem neuen Vorstandschef und Öl-Experten Leigh
A. Hooper über den neu gefüllten TNG-Mantel.
Instock:
TNG – wer verbirgt sich dahinter?
Hooper:
Dahinter verbergen sich im wesentlichen drei Personen: zwei erfahrene
Ölmanager aus Texas und ich. Gemeinsam haben wir 75,1 Prozent der
TNG im September erworben.
Instock:
Sie haben also den AG-Mantel der TNG erworben?
Hooper:
Wir haben die Gesellschaft wegen ihrer Börsennotierung gekauft,
korrekt. Die übrig gebliebenen Beteiligungen waren weitgehend wertlos
als wir die Mehrheit übernommen haben. Wir bringen neues Leben
in Form der Activa Resources in die Gesellschaft ein.
Instock:
Was hat die amerikanische Activa Resources nach Deutschland gezogen?
Hooper:
Wir haben uns überlegt, welcher Börsenplatz für uns am
sinnvollsten ist? Es wurde auch darüber nachgedacht, über
ein IPO an die Börse zu gehen oder einen anderen Weg einzuschlagen.
Die Entscheidung fiel dann ganz klar für die Börse, aber gegen
ein IPO. Für Deutschland haben wir uns entschieden, weil wir internationale
Ambitionen haben. Die Akquisition von Activa Resources wird nicht die
letzte sein. Weitere Projekte im internationalen Öl- und Gasbereich
sollen dazu erworben werden. Ob das eine Gesellschaft ist oder ob wir
uns an Projekten beteiligen, ist dabei völlig offen. In dem Moment,
als diese Strategie beschlossen war, stand die Frage nach dem Börsenplatz.
Es musste nicht Amerika sein, da wir nicht nur dort aktiv sein werden.
Wir sind auch der Meinung, dass die Deutsche Börse eine der effizientesten
und professionellsten Märkte der Welt ist. Hinzu kommt, dass wir
hier ein positives Feedback von der Anlegerschaft erhalten haben und
wir denken, dass unsere Story hier verstanden und für gut befunden
wird.
Instock:
Wieso sind Sie der Ansicht, dass sie ähnliches nicht in New York
oder beispielsweise London finden?
Hooper:
Ein Grund, weshalb wir uns für Frankfurt entschieden haben, ist
sicherlich, dass ich mit dem deutschen Kapitalmarkt sehr verbunden bin.
Der zweite Grund ist, dass wir wirklich glauben, dass hier eine Anlegerschaft
vorhanden ist, die unsere Sache gut findet und das wir hier eine gewisse
Resonanz und Aufmerksamkeit finden. Das wäre in Amerika wesentlich
schwieriger.
Instock:
Bedeutet der Gang an die Börse, dass sie die Ausgabe neuer Aktien,
sprich eine Kapitalerhöhung planen?
Hooper:
Wir überlegen selbstverständlich, wie wir Kapital aufnehmen
können, um die Bohrprogramme, die wir haben, zu finanzieren. Nur
so können wir ja unsere Rechte in den USA auch verwerten.
Instock:
Es ist immer die Rede davon, dass man in den USA am besten Geschäfte
als Amerikaner machen kann. Bedeutet das in Ihrem Fall, dass Sie sich
eher auf den nicht-amerikanischen, eventuell auf den russischen Markt
konzentrieren wollen?
Hooper:
Im Gegenteil. Unser erstes Ziel ist die Ausbeutung der Reserven bei
unseren Projekten in Texas und Louisiana. Hier haben wir Rechte an zehn
Erdöl- und Erdgasfeldern. Das Team dort hat aber auch internationale
Projekterfahrung, von Lateinamerika bis hin zu Russland, auf die wir
bauen können. Wir prüfen derzeit diverse Möglichkeiten
im internationalen Bereich. Russland steht im Moment nicht auf der Liste.
Um näheres dazu zu sagen, ist es noch zu früh.
Instock:
Im Moment sind die Preise für Öl und Gas sehr hoch. Folglich
auch das Interesse an der Beteiligung an entsprechenden Unternehmen.
Doch der Preis kann auch wieder fallen. Wie groß schätzen
Sie das Risiko für Anleger im Öl- und Gasmarkt ein?
Hooper:
Meine persönliche Meinung ist, die Ölpreise werden weiter
auf diesem Niveau bleiben. Sie können durchaus noch höher
gehen. Der Grund ist ganz einfach mit einem Stichwort zu umschreiben:
“Peak Oil“.
Instock:
Was versteht man darunter?
Hooper:
Das ist inzwischen ein gängiger Begriff in der Ölindustrie,
der ein bestimmtes Szenario beschreibt. Dieses Szenario ist, dass wir
langsam aber sicher an einen Punkt kommen, wo die weltweite Ölproduktion
nicht mehr gesteigert werden kann. Das wir aktuell noch genügend
Reserven haben, ist keine Frage. Aber schon früher als viele glauben
kommt der Punkt, an dem die Ölproduktion insgesamt nicht mehr ausgeweitet
werden kann. Einige sagen, wir sind jetzt sehr nahe an diesem Punkt.
Dafür sprechen auch gewisse Indizien.
Instock:
Welche?
Hooper:
Fangen wir in Amerika an. Öl wurde in Amerika um etwa 1870 entdeckt.
Der Produktionshöhepunkt war 100 Jahre später, also zirka
1970. Seit 35 Jahren ist demnach die Ölproduktion in den USA leicht
rückläufig. Diese Entwicklung wird auch deutlich, wenn man
sich eine einzelne Quelle oder ein Ölfeld ansieht. Sind 50 Prozent
ausgebeutet sinkt die Produktionsrate. Das ist ein allgemeines Phänomen,
das man auch in den USA gesehen hat. Dort hat man 1970 ungefähr
die Hälfte der Gesamtreserven bereits ausgebeutet. Von da an war
es sehr schwierig, das Produktionsniveau aufrechtzuerhalten. Wir sehen
eine ähnliche Entwicklung in der Nordsee. Seit 1999 ist auch dort
die Produktion rückläufig. Noch eines lässt weiterhin
hohe Preise sehr wahrscheinlich erscheinen. Zu Beginn diesen Jahres
hatte die OPEC einen Zielkorridor von 22 bis 28 US-Dollar je Barrel
Öl. Damals sprach die OPEC noch davon, dass sie agieren wird, wenn
dieser Korridor 20 Tage lang überschritten wird. Agieren heißt,
die Produktion hochschrauben. Das haben sie nicht gemacht, auch nicht,
als der Ölpreis bei 55 Dollar stand. Man fragt sich warum?
Instock:
Und die Antwort?
Hooper:
Wir hatten ähnliche Szenarien bereits Anfang der Siebziger Jahre
mit dem Ölboykott und fast zehn Jahre später aufgrund des
Krieges zwischen Irak und Iran. Das waren krisenbedingte hohe Preise.
Heute sind es Marktfaktoren die den hohen Ölpreis erklären.
Die weltweite Öl-Nachfrage steigt und steigt. Tatsache ist, wir
produzieren und konsumieren derzeit 86 Millionen Barrel Öl pro
Tag. Die Prognosen gehen in Richtung 120 Millionen Barrel Tagesverbrauch
in etwa 20 Jahren. Durchaus vorstellbar wenn man bedenkt, dass 1.3 Mrd.
Chinesen vom Fahrrad auf das Auto umsteigen wollen! Wir müssen
täglich nochmals 30 Millionen Barrel mehr als heute produzieren.
Wenn man sich den Neuentdeckungs-Trend anschaut, ist es sehr unwahrscheinlich,
das zu erreichen.
Instock:
Zum Unternehmen zurück: Die TNG-Felder sind schon erschlossen und
keine Neuaufschlüsse?
Hooper:
Das ist richtig. Es sind keine neuen Felder. Wir werden aber auch Explorationen
nach neuen Öl- und Gasfeldern vornehmen wenn das Risiko-Ertrag-Verhältnis
für uns stimmt. Dies ist aber in Amerika eher unwahrscheinlich.
Instock:
Sie wollen jetzt die bisher nicht geförderten Reste an die Oberfläche
holen?
Hooper:
Ja, aber auch hier muß ich etwas ausholen, denn in Amerika ist
folgendes passiert: Vor zirka 20 Jahren haben die großen Ölgesellschaften
kein Potential mehr für das von ihren Aktionären geforderte
Wachstum in den USA gesehen. Daraufhin wurden in den achtziger Jahren
diese Gesellschaften wesentlich internationaler. Sie haben im tiefen
Wasser des Golfs von Mexiko angefangen zu bohren. Andere Ziele waren
die Küste Afrikas, das Kaspische Meer und die Nordsee. Es fand
also eine Abwendung vom amerikanischen Festland statt. Das war ein riesiger
Vorteil für die ganzen kleineren und mittelgroßen Firmen
in den USA. In der Zwischenzeit gelang es diesen Firmen, den Ölmarkt
in den USA zu dominieren. Jetzt haben die Gesellschaften zwei Vorteile.
Das erste ist ihr technologischer Vorsprung. Sie können viel genauer
erkennen, wo die Restreserven im Boden liegen. Der zweite Faktor ist
der Preis. Zum Ölpreis brauche ich nichts zu sagen, wohl aber zu
dem vom Gas. In Amerika hat es eine riesige Umstellung, vor allem in
der Stromindustrie, auf Gas gegeben. Der Gaspreis lag in den siebziger
Jahren weit unter einem Dollar pro 1.000 Kubikfuß. Gas war damals
ein absolutes Beiprodukt der Ölförderung, das abgefackelt
wurde. Als Gas in den achtziger und neunziger Jahren zunehmend in der
Strom-industrie eingesetzt wurde, lag der Preis im Schnitt bei 2 Dollar.
In den vergangenen drei Jahren schwankte der Preis für die 1.000
Kubikfuß zwischen 5 und 7 Dollar. Im Winter wurden sogar bis zu
10 Dollar bezahlt. Unsere Gesellschaft hat den Schwerpunkt im Bereich
Gas, hier liegen 70 Prozent unserer Rechte. Die zwei Faktoren, Technologie
und Öl- und Gaspreise, bilden optimale Voraussetzungen für
die Ausbeutung der Restreserven.
Instock:
Wo will sich die TNG mittelfristig am Markt positionieren?
Hooper:
Wir sehen uns als internationale Explorations- und Produktionsgesellschaft.
Das Betreiben von Raffinerien ist nicht unser Geschäft. Wir liefern
stattdessen unser Öl und Gas an die nächste Pipeline und das
schöne an den USA ist, dass es überall Pipelines gibt. Was
den Kapitalmarkt angeht streben wir ein Listing am Geregelten Markt
an. Wir fühlen uns nicht wohl im Freiverkehr und werden auf jeden
Fall im ersten Halbjahr 2005 den Segmentwechsel vornehmen.
Instock:
Wann fangen Sie an zu bohren?
Hooper:
Die Vorbereitungen für drei unserer zehn Projekte sind abgeschlossen.
Wir werden im Januar loslegen.
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