14.09.04  Instock-Interview - Funkwerk AG (WKN: 575314)

Funkwerk: "Wir haben auf das richtige Pferd gesetzt"

Funkwerk HomepageFunkwerk gehört zur kleinen Schar ehemaliger DDR-Betriebe, die den Sprung in die Marktwirtschaft geschafft haben. Allein im ersten Halbjahr 2004 steigerten die Thüringer ihren Umsatz um 62,2 Prozent auf 125,4 Millionen Euro und den Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) um 81 Prozent auf 12,5 Millionen Euro. Nun steht die Aufnahme in den TecDax unmittelbar bevor. Wir sprachen darüber mit Finanzvorstand Norbert Gunkler.

Instock:
Erst einmal herzlichen Glückwunsch zur Aufnahme in den TecDax. Was bedeutet das für Funkwerk?

Gunkler:
Vielen Dank. Zu Ihrer Frage: Zum einen ist die Öffentlichkeitswirkung deutlich besser. Das vor allem im Vergleich zum Nemax 50, in dem wir vorher waren. Zum anderem denken wir, daß wir auch einen deutlichen Fortschritt erzielt haben, was die Aufnahme von Funkwerk in die Fonds betrifft. Durch die Aufnahme in den TecDax sind wir ins Blickfeld der Investoren gerückt.

Instock:
Sie rechnen mit steigenden Kursen?

Gunkler:
Kurzfristig ist das schwer zu beantworten. Es ist die Frage, ob nicht ein Teil der Kurssteigerung in den vergangenen zwei Monaten vorweg genommen wurde. Schließlich galten wir schon im Vorfeld der TecDax-Aufnahme als Favorit dafür. Mittelfristig rechne ich auf jeden Fall damit.

Instock:
In letzter Zeit war der Funkwerk-Kurs eher rückläufig. Das erweckt nicht den Eindruck, daß langfristige Investoren sich schon mit Aktien eindecken.

Gunkler:
Anfang August gingen wir in Richtung 34 Euro. Dann gab es eine leicht rückläufige Tendenz. Das war nach unseren Erkenntnissen darauf zurückzuführen, daß zwei, drei große Investmentfonds Gewinne realisiert hatten. Nun hat der Kurs sich deutlich über der 30 Euro-Marke stabilisiert.

Instock:
Worauf führen Sie die Funkwerk-Erfolgsstory zurück?

Gunkler:
Ich glaube, daß wir die richtige Strategie verfolgt haben. Dabei wurde darauf abgezielt, nicht in Massenmärkten zu operieren, sondern Nischenmärkte im Bereich der Kommunikationstechnik zu finden. Auf der anderen Seite ist es wichtig, daß dies Wachstumsmärkte sind. Zum Dritten ist wichtig, daß die Eintrittsbarrieren für mögliche Konkurrenten sehr hoch sind. Wenn man unsere drei Geschäftsfelder auf diese Kriterien abklopft, so denke ich, ist es uns gut gelungen, diese Strategie umzusetzen.

Instock:
Sie sind Zulieferer für die Autoindustrie. Ist das kein Massenmarkt?

Gunkler:
In unserem Geschäftfeld Automotive Communication liefern wir im hochwertigen Bereich, sprich ausgerichtet auf Marken wie Audi, DaimlerChrysler und BMW, Kommunikationsanlagen. Das sind Produkte, die nicht auf Mittelklasse-Wagen ausgerichtet sind. Das soll auch künftig so bleiben.

Instock:
Sie sprachen von hohen Markteintrittsbarrieren für die Konkurrenz. Wie äußern die sich?

Gunkler:
Das kann man gut am Beispiel unseres Bereiches Traffic & Control Communication sehen. Wir sind hier beispielsweise hundertprozentiger Lieferant der neuen Mobilfunk-Terminals für die Deutsche Bahn. Da ist es wichtig, jahrelanges Anwenderwissen im Bereich Kommunikations-technik bei Bahnen zu haben. Wir haben hier eine Position aufgebaut, bei der es einem Konkurrenten, der vielleicht einigermaßen die Technologie beherrscht, kaum gelingen kann, hier einzudringen. Die Erfahrungen, über die wir verfügen, lassen sich so schnell nicht aufholen.

Instock:
Zum Börsengang war eines Ihrer Ziele, nicht nur die Deutsche Bahn, sondern auch die europäischen Bahnen mit entsprechender Technologie zu beliefern. Konnten Sie diese Pläne schon umsetzen?

Gunkler:
Genau das beginnt jetzt. Die Deutsche Bahn hatte die Vorreiterrolle bei der Einführung der GSMR-Technologie übernommen. Hier ist der Auftrag fast beendet. Gerade in diesen Tagen beginnt die Auslieferung für die französische Bahn. Da haben wir in einem Konsortium 50 Prozent des Auftrages. In zwei Monaten werden wir zu 100 Prozent die belgische Bahn mit unserer Technologie beliefern. Weitere Ausschreibungen stehen kurz vor der Entscheidung. Da wir hier klar vor der Konkurrenz sind, sehen wir auch gute Chancen, Aufträge für weitere europäische Länder zu erhalten.

Instock:
Das zeigt, daß der Funkwerk-Plan, den Standard im europäischen Bahnsystem zu setzen, aufgegangen ist.

Gunkler:
Wir haben hier eindeutig mit bisher 10.000 ausgelieferten GSMR-Terminals eine europaweite Spitzenposition. Die Konkurrenz ist in einem Stadium, wo sie Musterlieferungen tätigt. Schon die hohe Stückzahl zeigt, daß wir auf das richtige Pferd gesetzt haben, sprich auf die richtige Technologie. Wir konnten so einen gewissen Vorsprung gewinnen.

Instock:
Wieviel des europäischen Bahnmarktes stehen noch aus?

Gunkler:
Wir schätzen nur für das Produktsegment Mobilfunk den europäischen Markt auf 700 Millionen Euro. Da sind noch Aufträge im Volumen von 600 Millionen Euro zu vergeben.

Instock:
Da haben Sie ja noch einiges vor sich.

Gunkler:
Das reicht für die nächsten Jahre.

Instock:
Bleiben wir noch in diesem. Sie haben für das erste Halbjahr Zahlen vorgelegt. Danach haben Sie in den ersten sechs Monaten weit mehr als die Hälfte des geplanten Jahresumsatzes und des EBIT erwirtschaftet. Warum gibt es keine Anhebung der Prognose?

Gunkler:
Wir sind vorsichtig geblieben und haben gesagt, daß wir mehr als 220 Millionen Euro umsetzen wollen und damit schon die ursprüngliche Planung übertreffen werden. Beim EBIT werden wir auch mehr als 20 Millionen Euro erreichen. Wir haben zwischenzeitlich in diversen Gesprächen mit Investoren und Analysten diese Zahlen konkretisiert. Jetzt bewegen wir uns zwischen 230 und 240 Millionen Euro Umsatz. Wichtig war uns, daß dies eine sehr realistische Prognose ist. Wir sind für konservative Planungsverfahren bekannt. Die Gefahr ist immer groß, daß Analysten sofort noch einmal 20 Millionen Euro draufschlagen. Das ist bei der genannten Planung allerdings nicht mehr drin.

Instock:
Haben Sie auch die EBIT-Planung angehoben?

Gunkler:
Ja, wir haben ja immer gesagt, daß wir eine EBIT-Marge von 10 Prozent anstreben. Diese Vorgabe behalten wir auch bei.

Instock:
Wie sieht die mittelfristige Planung aus?

Gunkler:
Grundsätzlich ist unser Planungshorizont etwa zwei Jahre. Gerade jetzt sind wir in der Planungsphase für das kommende Jahr. In groben Zahlen gesprochen, rechnen wir für 2005 mit einem Wachstum aus eigener Kraft von mindestens 20 Prozent. Dieses Tempo wollen wir auch darüber hinaus in etwa beibehalten.

Instock:
Ihren Halbjahresumsatz haben Sie um 62 Prozent gesteigert. Rechnen Sie nun mit einem moderateren Wachstum?

Gunkler:
Von 62 Prozent stammen etwa 40 Prozent aus organischen Umsätzen und der Rest kam durch die Akquisition von Elmeg und der Plettac hinzu. Wenn man die 40 Prozent organisches Wachstum sieht, dann wird sich das Tempo verlangsamen, weil wir jetzt – speziell durch den Auftrag der Deutschen Bahn – diesen Riesen-Anstieg hatten. Das ist der Hauptgrund, weshalb wir sagen, unser organisches Wachstum wird sich in der Größenordnung von 20 Prozent jährlich bewegen.

Instock:
Die Funkwerk-Kassen sind gut gefüllt. Sind weitere Akquisitionen geplant?

Gunkler:
Die sind auf jeden Fall geplant. Wir führen verschiedene Gespräche mit verschiedenen Firmen. Diese sind in unterschiedlichen Stadien, doch ich denke, daß wir in näherer Zukunft mit weiteren Akquisitionen aufwarten werden.

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