Funkwerk: "Wir haben auf das richtige Pferd gesetzt"
Funkwerk
gehört zur kleinen Schar ehemaliger DDR-Betriebe, die den Sprung
in die Marktwirtschaft geschafft haben. Allein im ersten Halbjahr 2004
steigerten die Thüringer ihren Umsatz um 62,2 Prozent auf 125,4
Millionen Euro und den Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) um 81 Prozent
auf 12,5 Millionen Euro. Nun steht die Aufnahme in den TecDax unmittelbar
bevor. Wir sprachen darüber mit Finanzvorstand Norbert Gunkler.
Instock:
Erst einmal herzlichen Glückwunsch zur Aufnahme in den TecDax.
Was bedeutet das für Funkwerk?
Gunkler:
Vielen Dank. Zu Ihrer Frage: Zum einen ist die Öffentlichkeitswirkung
deutlich besser. Das vor allem im Vergleich zum Nemax 50, in dem wir
vorher waren. Zum anderem denken wir, daß wir auch einen deutlichen
Fortschritt erzielt haben, was die Aufnahme von Funkwerk in die Fonds
betrifft. Durch die Aufnahme in den TecDax sind wir ins Blickfeld der
Investoren gerückt.
Instock:
Sie rechnen mit steigenden Kursen?
Gunkler:
Kurzfristig ist das schwer zu beantworten. Es ist die Frage, ob nicht
ein Teil der Kurssteigerung in den vergangenen zwei Monaten vorweg genommen
wurde. Schließlich galten wir schon im Vorfeld der TecDax-Aufnahme
als Favorit dafür. Mittelfristig rechne ich auf jeden Fall damit.
Instock:
In letzter Zeit war der Funkwerk-Kurs eher rückläufig. Das
erweckt nicht den Eindruck, daß langfristige Investoren sich schon
mit Aktien eindecken.
Gunkler:
Anfang August gingen wir in Richtung 34 Euro. Dann gab es eine leicht
rückläufige Tendenz. Das war nach unseren Erkenntnissen darauf
zurückzuführen, daß zwei, drei große Investmentfonds
Gewinne realisiert hatten. Nun hat der Kurs sich deutlich über
der 30 Euro-Marke stabilisiert.
Instock:
Worauf führen Sie die Funkwerk-Erfolgsstory zurück?
Gunkler:
Ich glaube, daß wir die richtige Strategie verfolgt haben. Dabei
wurde darauf abgezielt, nicht in Massenmärkten zu operieren, sondern
Nischenmärkte im Bereich der Kommunikationstechnik zu finden. Auf
der anderen Seite ist es wichtig, daß dies Wachstumsmärkte
sind. Zum Dritten ist wichtig, daß die Eintrittsbarrieren für
mögliche Konkurrenten sehr hoch sind. Wenn man unsere drei Geschäftsfelder
auf diese Kriterien abklopft, so denke ich, ist es uns gut gelungen,
diese Strategie umzusetzen.
Instock:
Sie sind Zulieferer für die Autoindustrie. Ist das kein Massenmarkt?
Gunkler:
In unserem Geschäftfeld Automotive Communication liefern wir im
hochwertigen Bereich, sprich ausgerichtet auf Marken wie Audi, DaimlerChrysler
und BMW, Kommunikationsanlagen. Das sind Produkte, die nicht auf Mittelklasse-Wagen
ausgerichtet sind. Das soll auch künftig so bleiben.
Instock:
Sie sprachen von hohen Markteintrittsbarrieren für die Konkurrenz.
Wie äußern die sich?
Gunkler:
Das kann man gut am Beispiel unseres Bereiches Traffic & Control
Communication sehen. Wir sind hier beispielsweise hundertprozentiger
Lieferant der neuen Mobilfunk-Terminals für die Deutsche Bahn.
Da ist es wichtig, jahrelanges Anwenderwissen im Bereich Kommunikations-technik
bei Bahnen zu haben. Wir haben hier eine Position aufgebaut, bei der
es einem Konkurrenten, der vielleicht einigermaßen die Technologie
beherrscht, kaum gelingen kann, hier einzudringen. Die Erfahrungen,
über die wir verfügen, lassen sich so schnell nicht aufholen.
Instock:
Zum Börsengang war eines Ihrer Ziele, nicht nur die Deutsche Bahn,
sondern auch die europäischen Bahnen mit entsprechender Technologie
zu beliefern. Konnten Sie diese Pläne schon umsetzen?
Gunkler:
Genau das beginnt jetzt. Die Deutsche Bahn hatte die Vorreiterrolle
bei der Einführung der GSMR-Technologie übernommen. Hier ist
der Auftrag fast beendet. Gerade in diesen Tagen beginnt die Auslieferung
für die französische Bahn. Da haben wir in einem Konsortium
50 Prozent des Auftrages. In zwei Monaten werden wir zu 100 Prozent
die belgische Bahn mit unserer Technologie beliefern. Weitere Ausschreibungen
stehen kurz vor der Entscheidung. Da wir hier klar vor der Konkurrenz
sind, sehen wir auch gute Chancen, Aufträge für weitere europäische
Länder zu erhalten.
Instock:
Das zeigt, daß der Funkwerk-Plan, den Standard im europäischen
Bahnsystem zu setzen, aufgegangen ist.
Gunkler:
Wir haben hier eindeutig mit bisher 10.000 ausgelieferten GSMR-Terminals
eine europaweite Spitzenposition. Die Konkurrenz ist in einem Stadium,
wo sie Musterlieferungen tätigt. Schon die hohe Stückzahl
zeigt, daß wir auf das richtige Pferd gesetzt haben, sprich auf
die richtige Technologie. Wir konnten so einen gewissen Vorsprung gewinnen.
Instock:
Wieviel des europäischen Bahnmarktes stehen noch aus?
Gunkler:
Wir schätzen nur für das Produktsegment Mobilfunk den europäischen
Markt auf 700 Millionen Euro. Da sind noch Aufträge im Volumen
von 600 Millionen Euro zu vergeben.
Instock:
Da haben Sie ja noch einiges vor sich.
Gunkler:
Das reicht für die nächsten Jahre.
Instock:
Bleiben wir noch in diesem. Sie haben für das erste Halbjahr Zahlen
vorgelegt. Danach haben Sie in den ersten sechs Monaten weit mehr als
die Hälfte des geplanten Jahresumsatzes und des EBIT erwirtschaftet.
Warum gibt es keine Anhebung der Prognose?
Gunkler:
Wir sind vorsichtig geblieben und haben gesagt, daß wir mehr als
220 Millionen Euro umsetzen wollen und damit schon die ursprüngliche
Planung übertreffen werden. Beim EBIT werden wir auch mehr als
20 Millionen Euro erreichen. Wir haben zwischenzeitlich in diversen
Gesprächen mit Investoren und Analysten diese Zahlen konkretisiert.
Jetzt bewegen wir uns zwischen 230 und 240 Millionen Euro Umsatz. Wichtig
war uns, daß dies eine sehr realistische Prognose ist. Wir sind
für konservative Planungsverfahren bekannt. Die Gefahr ist immer
groß, daß Analysten sofort noch einmal 20 Millionen Euro
draufschlagen. Das ist bei der genannten Planung allerdings nicht mehr
drin.
Instock:
Haben Sie auch die EBIT-Planung angehoben?
Gunkler:
Ja, wir haben ja immer gesagt, daß wir eine EBIT-Marge von 10
Prozent anstreben. Diese Vorgabe behalten wir auch bei.
Instock:
Wie sieht die mittelfristige Planung aus?
Gunkler:
Grundsätzlich ist unser Planungshorizont etwa zwei Jahre. Gerade
jetzt sind wir in der Planungsphase für das kommende Jahr. In groben
Zahlen gesprochen, rechnen wir für 2005 mit einem Wachstum aus
eigener Kraft von mindestens 20 Prozent. Dieses Tempo wollen wir auch
darüber hinaus in etwa beibehalten.
Instock:
Ihren Halbjahresumsatz haben Sie um 62 Prozent gesteigert. Rechnen Sie
nun mit einem moderateren Wachstum?
Gunkler:
Von 62 Prozent stammen etwa 40 Prozent aus organischen Umsätzen
und der Rest kam durch die Akquisition von Elmeg und der Plettac hinzu.
Wenn man die 40 Prozent organisches Wachstum sieht, dann wird sich das
Tempo verlangsamen, weil wir jetzt – speziell durch den Auftrag
der Deutschen Bahn – diesen Riesen-Anstieg hatten. Das ist der
Hauptgrund, weshalb wir sagen, unser organisches Wachstum wird sich
in der Größenordnung von 20 Prozent jährlich bewegen.
Instock:
Die Funkwerk-Kassen sind gut gefüllt. Sind weitere Akquisitionen
geplant?
Gunkler:
Die sind auf jeden Fall geplant. Wir führen verschiedene Gespräche
mit verschiedenen Firmen. Diese sind in unterschiedlichen Stadien, doch
ich denke, daß wir in näherer Zukunft mit weiteren Akquisitionen
aufwarten werden.
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